Holocaust-Vermittlerin: Anita Winter erhält deutschen Verdienstorden

Sie setzt sich seit Jahren für Holocaust-Überlebende ein – und damit gegen das Vergessen der Nazi-Verbrechen an den Juden. Nun hat Anita Winter den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

Regula Pfeifer

Die Auszeichnung rühre sie sehr, sagte Anita Winter gegenüber kath.ch. Besonders bewegt habe sie dies, weil bereits ihr Grossvater 1985 denselben Orden erhalten habe. Anita Winter hat in der Schweiz die Gamaraal Foundation gegründet. Diese unterstützt Überlebende der Shoa und setzt sich für die Bildung zum Holocaust ein.

Feier in der deutschen Botschaft in Bern

Der Orden ist ihr am 17. Februar in der deutschen Botschaft in Bern überreicht worden. Damit werde ihr «unermüdliches, jahrelanges Engagement» für die Holocaust-Überlebenden ausgezeichnet, heisst es in der Mitteilung der deutschen Botschaft.

Sie habe seit 1983 sich ehrenamtlich für Holocaust-Erziehungsarbeit eingesetzt und 2014 die Gamaraal Foundation gegründet, sprach der deutsche Botschafter Michael Flügger laut Redetext.

Erinnerung der Holocaust-Zeitzeugen

Anita Winter ist Präsidentin der Gamaraal Stiftung. Diese «bewahre die Erinnerung der Zeitzeugen des Holocaust in berührenden Werken vor dem Vergessen». Besonders erwähnt werden dabei filmischen Porträts von «The Last Swiss Holocaust Survivors» – die als Ausstellung nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Berlin, New York, Singapur, Mailand, Haifa und Schanghai gezeigt wurde. Heute sind vier solcher Porträts in der Dauerausstellung im Nationalmuseum in Zürich zu sehen.

Auch die aktuelle Corona-Hotline für Holocaust-Überlebende fand in der deutschen Botschaft lobende Erwähnung sowie weitere Engagements in der Holocaust-Vermittlung.

Die Verleihung des Verdienstordens stammt offiziell vom deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Ausgezeichnet würden Personen, «die sich in hervorragender Weise für das Gemeinwesen engagieren», heisst es in der Mitteilung.  

Grossvater erhielt dieselbe Auszeichnung

Anita Winter war mit ihrem Mann, dem langjährigen Präsidenten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, Herbert Winter, und einer Tochter am Anlass präsent. Sie würde den Moment gern mit vielen weiteren Menschen teilen – «vor allem aber mit einer Person, mit Jakob Fern», sagte Anita Winter laut Redetext.

Jakob Fern war Anita Winters Grossvater mütterlicherseits. Er hatte 1985 dieselbe Auszeichnung erhalten wie nun die Enkelin: das Bundesverdienstkreuz am Bande. «Ihm wurde diese Ehre zuteil für seine Verdienste um die Verständigung und Versöhnung zwischen Christen und Juden in Deutschland», so Winter in ihrer Rede.

Jakob Fern war einziger Holocaust-Überlebender einer grossen Familie. Er habe nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Neugründern der Stuttgarter Synagoge gehört und sich «mit aller Kraft für den interreligiösen Dialog» engagiert.

Wohin Hass führen kann…

Auch ihr eigenes Wirken sieht Anita Winter in der Tradition der Versöhnung zwischen Christen und Juden, wie sie gegenüber kath.ch sagte. In der Rede erklärte sie, weshalb sie sich für die Erinnerung an die Shoa einsetzt. «Denn die Erinnerung vermag aufzuzeigen, wohin Hass, Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus letztlich führen können.» Sie lobte Deutschland dafür, dass es sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetze.

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/holocaust-vermittlerin-anita-winter-erhaelt-deutschen-verdienstorden/