Rom, 24.10.18 (kath.ch) In der letzten Woche der Jugendsynode wird bereits am Schlussdokument gearbeitet. Der Schweizer Delegierte Alain de Raemy blickt zurück auf vielfältige Begegnungen mit jungen Leuten und verweist im Gespräch mit kath.ch auf die grosse Bedeutung der Vorsynode.
Martin Spilker
In Ihrem Votum an der Synode haben Sie mit Blick auf die Liebe von Menschen zu Jesus Prozentzahlen genannt. Wie ist das angekommen?
Alain de Raemy: Es konnte nur gut ankommen, weil ich dabei ja den Papst zitiert habe! (lacht) Es ist nun einmal so, dass man den Glauben nur bezeugen kann, wenn man eine «Personal Story» mit Jesus hat. Man kann dagegen nicht erwarten, dass alle jungen Menschen von Anfang an eine volle Beziehung zu Jesus haben.
Aber, wie es der Papst in seiner Predigt gesagt hat, es sollte bei erwachsenen Christen allgemein, also bei Jugendseelsorgern und Verantwortlichen von Jugendverbänden, doch mehr vorhanden sein als nur theoretisches Wissen über den Glauben.
Es geht ja nicht um eine blosse Vermittlung von Werten. Es geht um Jesus und daher um Christ-Sein. Mit der höchsten Motivation verbunden, dass alle, wie auch immer, zu einer lebendigen Jesus-Beziehung kommen können.
Es geht bereits in Richtung Schlussdokument. In der Politik heisst es, die wichtigen Inhalte entstehen in den Korridoren. Ist dies an der Synode auch so?
De Raemy: Teilweise schon. Denn vor allem in den Korridoren konnte man spontan reagieren und damit die fixen Abläufe in der Aula aufbrechen. Diese Gespräche in den Pausen scheinen mir fast so wichtig, wie die Vorträge in der Aula.
Welche neuen Erfahrungen konnten Sie bei den informellen Gesprächen machen?
De Raemy: Ich konnte in diesem Rahmen sehr viele Jugendliche kennenlernen: Junge Leute aus Argentinien, Chile, eine junge Frau aus Afrika, mit der ich in einem französischsprachigen katholischen Fernsehsender auftreten konnte, einen Kanadier. Dieser Austausch hat gezeigt, wie wichtig es ist, nicht immer alles nach unseren Kriterien zu messen.
Wie ist Ihr Eindruck: Wurden die Themen aus der Vorsynode in der Debatte gut aufgenommen?
De Raemy: Ja, sehr gut. Es ist für die Bischöfe eine Erleichterung, dass nicht nur ihre eigene Erfahrung mit Jugendlichen zur Sprache kommen. Mit den Ergebnissen der Vorsynode wurden auch die Erfahrungen aus den Gesprächen zwischen den Jugendlichen eingebracht. Das war eine Bereicherung.
Haben Sie umgekehrt auch Erwartungen an die Jugend?
De Raemy: Jein. Die Jugend ist ja eine Zeit der Reifung, in der noch nicht alles gefestigt sein muss. Andererseits ist es auch wichtig, dass eine gewisse Geduld entwickelt werden muss. Es gilt auszuhalten, dass man nicht alles sofort haben kann, wie man es will. – Doch wenn ein Jugendlicher nicht mehr träumen kann, dann ist er zu schnell alt geworden.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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