Flüeli-Ranft OW, 23.9.16 (kath.ch) Bruder Klaus (1417-1487) zieht ein breites Publikum an. Dies hänge wohl mit den verschiedenen Akzenten seines Lebens zusammen, sagt Franz Enderli im Interview mit kath.ch. «Er war Gottsucher und Mystiker, aber auch Vermittler und Friedensstifter», so der Theologe Enderli, der sich als Obwaldner Landammann und als Präsident des Trägervereins «600 Jahre Niklaus von Flüe» für das Jubiläum des Schweizer Nationalheiligen engagiert.
Sylvia Stam
Sie sind Landammann. Warum engagiert sich ein Politiker für einen Heiligen?
Franz Enderli: Die Obwaldner Regierung hat in ihrer langfristigen Strategie das Jubiläumsjahr als Leitidee festgehalten: Niklaus von Flüe ist als Politiker und Mystiker von grosser Bedeutung, darum will die Obwaldner Regierung die Auseinandersetzung und Begegnung mit ihm fördern.
Was sind zentrale Botschaften von Bruder Klaus für heutige Menschen?
Enderli: Was im Ranft erfahrbar ist, entspricht einer Sehnsucht vieler Menschen: Die Sehnsucht nach mehr Bescheidenheit in unserer Überflussgesellschaft, nach mehr Stille, mehr Reflexion, mehr Konzentriertheit und Tiefe. Das sind Werte, die Niklaus von Flüe exemplarisch und auch herausfordernd gelebt hat. Wir möchten die Menschen einladen, sich damit zu konfrontieren.
Dies geschieht mittels Comic, DVD, Theater- und Filmproduktionen, einem Literaturwettbewerb und vielem mehr. Wo bleiben da Bescheidenheit und Stille?
Franz Enderli: Was Sie aufzählen, sind so genannte Mitmachprojekte. Nebst den Kernprojekten, die der Trägerverein durchführt, haben wir die Kulturschaffende und die Bevölkerung eingeladen, etwas zu Bruder Klaus zu machen. Diese Eigeninitiativen auch fernab von Obwalden sind erfreulich. Ich finde das grossartig, dass der Eremit nach so vielen Jahren noch so viele Leute bewegen kann.
Aber steht das nicht im Widerspruch zu den Werten, die Sie vorher nannten?
Enderli: Das kann man so sehen. Wir vom Trägerverein haben diese Werte auf unsere Fahnen geschrieben, darum müssen unsere Aktivitäten dem Wesen von Niklaus von Flüe entsprechen. Die Mitmachprojekte finden aber überall in der Schweiz statt, sie kumulieren sich nicht hier in Obwalden. Darum freue ich mich darüber.
Bruder Klaus fasziniert Traditionalisten, Charismatiker oder Mystiker. Wie kommt es zu dieser Bandbreite?
Enderli: Bruder Klaus zieht tatsächlich ein breites Publikum an, da gibt es alle Schattierungen von Frömmigkeit. Das hängt wohl mit den verschiedenen Akzenten seines Lebens zusammen: Er war Gottsucher und Mystiker, aber auch Vermittler und Friedensstifter. Wer die Stille und Einsamkeit sucht, fühlt sich ebenso angesprochen wie jemand, den seine Rolle als Friedensstifter fasziniert.
Inwiefern kann Bruder Klaus auch für Kirchenferne interessant sein?
Enderli: Ich habe schon viele Kirchenferne und auch Andersgläubige durch den Ranft geführt. Die Ranftschlucht hat schon als Landschaft eine Wirkung. Wenn ich bewusst hier hinuntersteige, verschwinden konfessionelle Grenzen. Ich werde in meinem Menschsein angesprochen, jenseits von meiner Sozialisierung in Bezug auf Religion oder Kultur. Da findet etwas auf einer andere Ebene statt. Darum kann Bruder Klaus heute noch Menschen ansprechen.
Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?
Enderli: Wenn es uns gelingt, viele Leute anzusprechen mit einer Figur, die karg und streng ist und die eigentlich schräg in unserer Welt steht, dann bin ich glücklich!
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Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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