51-52/2003

INHALT

Wortmeldung

Antwort an Iso Baumer

 

Die Wortmeldung «Laienpredigt» vom 11. Dezember von Iso Baumer, in Briefform an Bischof Amédée Grab gerichtet, kann nicht unwidersprochen bleiben. Vorweg sei gesagt, dass ich mit dem Grundanliegen von Baumer einverstanden bin und dazu keine unnötigen, weil bestätigenden Worte verliere. Aber dieses Pauschalurteil, dass «vor allem in der Deutschschweiz das sprachliche Vermögen der Prediger im Allgemeinen sehr beschränkt» sei ­ das ist nun doch ein starkes Stück, das einer massiven Verleumdung gleichkommt. Offenbar sind ­ aus dem Kontext zu schliessen ­ nur die deutschschweizerischen Priester, dieses «ausgebrannte» Auslaufmodell, sprachliche Eunuchen, aber nicht die Laien im pastoralen Dienst. Und offfenbar hat Herr Baumer von Freiburg aus mehr oder weniger die gesamte alemannische Schweiz abgeklopft. Man sage jetzt nicht, es stehe «bloss» geschrieben: «im Allgemeinen». Dann wären es ja nur die löblichen Ausnahmen, die im Übrigen die Regel bestätigen.
Zugegeben, ich habe mich auch schon geärgert über unfertige Sätze oder über eine holprige bis unbeholfene Sprache, und ich beobachte kritisch die überschwappende Dialektwelle, die ja, abgesehen von anderen Mängeln, oft keine Mundartkultur bringt, sondern vielfach mehr schlecht als recht übersetzte Schriftsprache ist. Aber diese grobe Generalisierung ist eine Beleidigung für viele, nicht nur «alte und kranke» Priester und, wenn allenfalls auch nicht in der Intention, faktisch eine unverblümte antiklerikale Ohrfeige. Cui bono, kann man da nur schreiben.

Albert Gasser


Priestermangel

 

In der Kipa-Beilage der SKZ vom 4.12.2003 ist eine Kurzfassung eines Artikels zum Thema Priestermangel zu lesen. Verfasser dieser Aussagen ist Agnell Rickenmann, Sekretär der Schweizer Bischofskonferenz. Dass jemand, der eine solche Position in der Kirche Schweiz einnimmt, derartige Aussagen machen kann, ist uns absolut unverständlich. Wir meinten eigentlich, es sei so langsam klar geworden, dass die Frage der Zulassungsbedingungen nicht gestellt wird, um den Priestermangel zu beheben, sondern um endlich die entwürdigende Situation für alle Frauen und für die verheirateten Männer aus der Welt zu schaffen. Es geht uns darum, mit aller Klarheit zu betonen, dass Frauen und verheiratete Männer zum Priesteramt Zugang haben sollen aufgrund ihrer persönlichen Berufung und Fähigkeiten, selbstverständlich auch dann, wenn es zölibatäre Priester im Überfluss gäbe! Dass alle, welche die Berufung zum Priesteramt haben ­ unabhängig von Geschlecht und Zivilstand ­ diese Berufung auch leben können, ist ein Gebot der Achtung und des Respekts vor allen Berufenen und nicht ein Gebot der Notlösung oder der Behebung einer Mangelerscheinung.
Im Namen des Vorstandes der Pastoralkonferenz Baselland:

Bernhard Schibli


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003