41/2003

INHALT

Wortmeldung

«Gottes Volk ­ zur Liturgie berufen»

 

Sehr geehrter Herr Dr. Willa,

mit grossem Interesse habe ich Ihren Beitrag «Gottes Volk ­ zur Liturgie berufen» in der SKZ Nr. 39/03, S. 678ff. gelesen. Ich kann fast all Ihren Ausführungen und Gedankengängen zustimmen und nur hoffen, dass sie in unseren Gemeinden gelesen, begriffen und diskutiert werden.
Aber hinter einen Satz setze ich ein kräftiges Fragezeichen: «Eine lebensnahe Sprache... berücksichtigen die Lebenssituation der Feiernden...» (S. 678, dritter Satz von oben). Ich kann dies beim besten Willen nicht mehr für die Sprache vieler unserer liturgischen Bücher, vor allem des Messbuches, so stehen lassen. In diesem Jahr bin ich 40 Jahre im priesterlichen Dienst und habe noch drei Jahre die tridentinische Messe gefeiert, deshalb weiss ich, wovon ich spreche. Die allermeisten der Gebetstexte im Messbuch gehen doch einfach über die Köpfe der Mitfeiernden hinweg, weil sie ein antiquiertes Sprachmuster pflegen. Mit dieser Meinung stehe ich keinesfalls allein. Doch stöpsle ich dann nicht wie so manche Mitbrüder, nicht zuletzt in der Schweiz, eigene Gebetstexte zusammen, die theologisch nicht sauber sind, sondern benütze bereits seit drei Jahren das Altkatholische Messbuch, das von der sprachlichen Diktion her einfach heutig ist.
Ich weiss nicht, ob Sie als nichtordinierter Mitchrist, was ja auch Ihr verehrter Lehrer in Fribourg ist, diese pastoralliturgische Not verstehen können. Mir geht es bei der Feier der Liturgie nicht um einen Beliebigkeitspluralismus, aber auch nicht um einen Rubrikenfundamentalismus. Dies habe ich stets meinen zahlreichen Hörer/-innen zu vermitteln versucht.
Dies wollte ich nur als eine kleine Korrektur zu Ihren Ausführungen verstanden wissen.

Mit freundlichen Grüssen
Karl Schlemmer


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003