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16-17/2003
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In eigener Sache
Zu meiner Rezension des Buches von Peter Trummer «... dass alle
eins sind» (SKZ vom 3. April 2003) stellt Xaver Pfister an mich vier
Rückfragen in der SKZ vom 10. April 2003 und erwartet von mir, dass
ich sie an dieser Stelle beantworte. Da, wie es scheint, im Bistum Basel
allein der Bischof zur Rechenschaft gezogen werden darf und er es auch gehorsam
geschehen lässt, soll es auch diesmal so sein:
Antworten
- Xaver Pfister fragt erstens nach meinem Interesse bei der besagten
Rezension. Ich ging davon aus, am Schluss meines Artikels sehr deutlich
gesagt zu haben, worum es mir geht, ohne freilich konkrete Anlässe
dafür benennen zu wollen. Da dies offensichtlich nicht genügt,
füge ich hinzu, dass mein Interesse bei der Rezension darin bestand,
den Seelsorgenden mitzuteilen, wie ich das Buch Trummers beurteilen muss,
zumal dessen wesentliche Thesen von der Gruppe 7 der Tagsatzung 2001 in
ihrer Broschüre «Mahlfeier in Gruppen» kritiklos abgedruckt
und an alle Pfarrämter verschickt worden sind. Da ich an der Tagsatzung
2001 teilgenommen habe und mit ihr in der Öffentlichkeit in Zusammenhang
gebracht werde, hat dieselbe Öffentlichkeit auch das Recht, von mir
zu erfahren, dass ich mich von diesen Thesen distanzieren muss. Obwohl
die Wortführer dieser Gruppe der «Tagsatzung», die beiden
Kapuziner-Patres Bernardin Heimgartner und Walter Ludin, in einem längeren
Gespräch mit mir eingesehen haben, dass ihr Anliegen und die Thesen
Trummers nicht übereinstimmen, wollten sie sich dennoch nicht öffentlich
davon distanzieren. Als eine Begründung haben sie sogar ins Feld geführt,
dass sich zum Buch Trummers kein Bischof kritisch geäussert habe und
dass sie es deshalb für unproblematisch halten dürfen. Also blieb
es mir vorbehalten, den Sachverhalt richtig zu stellen.
- Xaver Pfister ruft mir die biblische Regel der Konfliktlösung
in Mt 18 in Erinnerung und fragt, ob ich mich daran gehalten habe. Er vergisst
dabei, dass ich mit meiner Besprechung des Buches in keiner Weise irgendwelche
disziplinarischen Massnahmen verbinde oder auch nur androhe (womit freilich
Mt 18 rechnet), sondern schlicht eine Rezension geschrieben habe. Zudem
handelt es sich hier nicht um einen persönlichen Konflikt, den man
zuerst unter vier Augen bereinigen soll, sondern um ein veröffentlichtes
Buch. Wenn Theologen sich auf der dritten Stufe der Öffentlichkeit
äusserrn, können sie nicht erstaunt sein, wenn ihnen auf derselben
Stufe geantwortet wird. Ein Gespräch mit dem Autor des Buches hat
dennoch stattgefunden. Da Prof. Trummer in Graz lehrt, hat aber der Bischof
von Graz das Gespräch mit ihm geführt.
- Natürlich habe ich zunächst für die gesunde Lehre im
Bistum Basel zu sorgen, und da habe ich gewisss nicht wenig zu tun. Ich
suche mir deshalb keineswegs zusätzliche Arbeit. Aus dem unter 1.
aufgeführten Grund habe ich aber die Rezension schreiben müssen,
freilich erst nach Rücksprache und mit ausdrücklichem Einverständnis
des Bischofs von Graz. Ich kenne sehr wohl die Grenzen meiner Kompetenzen,
meine aber, wenn es um den gemeinsamen katholischen Glauben geht, auch
über die Grenzen meines Bistums hinausblicken zu dürfen.
- Xaver Pfister wendet schliesslich ein, dass an meiner Stelle der Exeget
Kremer hätte zu Worte kommen sollen. Dem aufmerksamen Leser kann aber
nicht entgangen sein, dass meine Rezension inhaltlich zwei Teile hat, nämlich
erstens zu den exegetischen und zweitens zu den dogmatischen Behauptungen
Trummers. Im ersten Teil habe ich ausdrücklich auf Jacob Kremer verwiesen
und geschrieben, dass Trummers Thesen exegetischer Natur «von der
Fachwissenschaft weiter zu untersuchen sind». Im zweiten Teil hingegen
habe ich mich vor allem auf die dogmatischen und dogmengeschichtlichen
Behauptungen Trummers konzentriert, weil ich mich (sofern man mir dies
noch erlaubt) dafür zuständig halte. Aus einsichtigen Gründen
kann dieser Part nicht, wie Xaver Pfister meint, von einem Exegeten wahrgenommen
werden. Theologen zu bitten, zu umstrittenen Thesen eines anderen Theologen
kritisch Stellung zu nehmen, ist zudem, wie ich aus Erfahrung weiss, ein
mühevolles Unterfangen.
Fragen
Nach Beantwortung dieser mir von Xaver Pfister gestellten Fragen kann
und will ich freilich nicht verhehlen, dass mich seine Wortmeldung sehr
irritiert. Ich erlaube mir deshalb abschliessend einige Rückfragen
an ihn, die ich ebenso gerne beantwortet haben möchte:
- Worin besteht Xaver Pfisters Interesse bei seinen sich so sachlich
gebenden Fragen? Leider geht er mit keinem Wort auf den Inhalt meines Artikels
und auch nicht auf die Thesen Trummers ein, was mir bei einem Co-Dekanatsleiter
und Informationsbeauftragten zumindest seltsam erscheint. Für das
Verständnis seiner Wortmeldung wäre es mir nämlich hilfreich
gewesen, wenn er mich darüber aufgeklärt hätte, wie er selbst
zu den Thesen Trummers steht: Hält auch er sie für problematisch,
möchte es aber nicht sagen? Oder identifiziert er sich mit ihnen und
weicht deshalb in der Auseinandersetzung mit mir auf die Ebene des rein
Formalen aus?
- Wie kommt es, dass ein Theologe, der in der Öffentlichkeit sowohl
den Papst als auch den Bischof problemlos kritisiert und wohl meint, dies
tun zu dürfen und sogar zu müssen, aber bei einer Kritik an einem
Theologen sofort «ein eigenartig schales Gefühl» bekommt?
Sollen wir Bischöfe weiterhin in der Öffentlichkeit grenzenlos
angreifbar, Theologen hingegen absolut unantastbar sein? Ich kann mir kaum
vorstellen, dass dieses völlige Ungleichgewicht (um nicht von Ungerechtigkeit
zu reden) unter der heute viel beschworenen kirchlichen Konfliktkultur
gemeint sein kann.
- Wie ist es zu verstehen, dass im Bistum Basel jeder meint, öffentlich
sagen und schreiben zu dürfen, was er denkt ausgenommen der
Bischof selbst? Soll es ihm wirklich nicht erlaubt sein, in der Form einer
Rezension öffentlich seine Meinung zu sagen? Oder umgekehrt gefragt:
Welcher Sturm der Entrüstung würde wohl durch das Bistum Basel
gehen, wenn ich zu einer kritischen Rezension eines Theologen über
eine neue Enzyklika des Papstes öffentliche Rückfragen an den
Autor nach der Legitimation seines Vorgehens stellen würde?
Am Schluss bleibt mir dennoch eine gute Aussicht: Da die Gemeinderegel
(Mt 18) Xaver Pfister so wichtig ist, darf ich hoffen, dass er sie inskünftig
auch selbst ernst nimmt und sich zunächst bei mir oder meinen Mitarbeitenden
kundig macht, bevor er wie verschiedentlich geschehen meine
Entscheidungen in der Öffentlichkeit kritisiert.
Bischof Kurt Koch
© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003