42/2003 | |
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Verstorbene |
Bis in die letzten Tage seines Lebens, das sich über 83 Jahre hinweg
erstreckt hat, war Johann Baur aktiv geblieben. Während einer Irlandreise
hat ihn am 24. Juli 2003 der Tod ereilt; in Dussnang, wo er in den letzten
vier Jahren als Kurhausseelsorger tätig war, ist er zur letzten Ruhe
bestattet worden.
57 Jahre war Johann Baur unermüdlich Seelsorger. Er stammte aus Wittenbach
bei St. Gallen, wo er am 2. April 1920 geboren wurde. Nach seiner Weihe
im Jahre 1946 stellte er sich dem Bistum Chur zur Verfügung, weil die
Diözese St. Gallen damals mehr als genug Priester hatte. Zehn Jahre
lang arbeitete Johann Baur als Vikar in Näfels. Von dort aus hatte
er Kontakt gesucht zu den Missionsbenediktinern in Uznach, die zusammen
mit Kapuzinern aus der Schweiz und Klosterfrauen von Baldegg als Missionare
im Gebiet der früheren deutschen Kolonie in Ostafrika, jetzt Tansania,
arbeiteten. Ihnen gesellte er sich zu, wenn nicht als erster, so doch als
einer der ersten Fidei-Donum-Priester. Seinem Wunsch entsprechend, so schilderte
der Verstorbene den Beginn seiner Tätigkeit in Afrika, wurde er im
noch jungen Priesterseminar Peramiho in Tansania eingesetzt. Dort unterrichtete
er Liturgie, Bibelwissenschaft und mit grosser Vorliebe Kirchengeschichte.
Auf diese durfte er sich konzentrieren, nachdem im Laufe der Jahre im grösser
gewordenen Seminar mehr Dozenten eingestellt wurden. Zudem redigierte er
während sieben Jahren eine monatlich erscheinende Zeitschrift in Kisuaheli.
Später wechselte Johann Baur ans nationale Priesterseminar in Nairobi
in Kenia; zuletzt wirkte er am Seminar in Kabsabet, ebenfalls in Kenia.
1999 kehrte er in die Schweiz zurück, um hier seine Seelsorgsdienste
anzubieten; das Kurhaus in Dussnang war für ihn der ideale Ort, wo
er weiterhin wissenschaftlich / schriftstellerisch tätig sein konnte.
Vor neun Jahren hat Hans Baur das Buch «Two thousand years of Christianity
in Africa» herausgebracht, das inzwischen bereits die dritte Auflage
erlebt hat. Anschliessend hat es eine spanische Ausgabe und eine über
800 Seiten starke italienische gegeben. Bei einem Heimaturlaub erzählte
Johann Baur dem inzwischen verstorbenen St. Galler Bischof Otmar Mäder
von dieser Afrikanischen Kirchengeschichte. Er animierte Johann Baur, das
Werk auch in deutscher Sprache herauszubringen. An diesem hat er bis zuletzt
in Dussnang gearbeitet. Wie weit er damit gekommen ist, kann im Moment,
da dieser Nachruf verfasst wird, noch nicht beurteilt werden.
Johann Baur war bis zuletzt mit ganzer Kraft an der Arbeit. Mit umheimlicher
Begeisterung konnte er von seinen 40 Afrikajahren berichten; man hätte
ihm stundenlang zuhören können.
Für Johann Baur hat die Kirchengeschichte Afrikas in Ägypten,
«dem ersten christlichen Land», begonnen, dort, wo Jesus selber
Zuflucht gefunden hatte und wo heute über 8 Millionen Christen wohnen.
Allerdings, so betonte Johann Baur, liegt der Schwerpunkt der afrikanischen
Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. In der Zeit vor dem 1. Weltkrieg
seien die grossen christlichen Zentren grundgelegt worden. Priesterseminarien
wurden geschaffen, um einen einheimischen Klerus heranzubilden. Parallel
zur politischen Unabhängigkeit ist die kirchliche Hierarchie entstanden.
Und Hans Baur fügte einmal bei: «Für eine Unabhängigkeitsfeier
brauchte es immer einen schwarzen Erzbischof».
Offenbar hat sich Johann Baur mit seinen 83 Jahren etwas zu viel zugemutet.
Ein Freund von ihm meinte, als er die Nachricht vom Tod erhalten hat, er
hätte nicht mehr nach Irland reisen sollen. Nun, auch ohne fertige
Übersetzung ins Deutsche ist das Lebenswerk von Johann Baur abgeschlossen.
Er selber darf nun im Jenseits die verheissene Vollendung erfahren.