38/2003 | |
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Verstorbene |
Am 22. April 2003 ist der Priester und Seelsorger Hugo Durrer in Biberist
im Alter von 79 Jahren gestorben. Er wurde am 8. Mai 1924 als zweites Kind
in eine gutbürgerliche Stadt-Luzerner Familie geboren. Als begabter
und eifriger Primarschüler erkannte er bereits in der dritten Klasse
sein Berufsziel, Pfarrer zu werden. So begann er nach Abschluss der Matura
an der Kantonsschule von Luzern und der RS als Flab-Rekrut mit dem Theologiestudium
in Luzern, setzte dieses in Innsbruck fort und schloss es mit der Auszeichnung
«summa cum laude» ab. 1951 wurde er in Solothurn zum Priester
geweiht und hielt in seiner Heimatpfarrei St. Paul in Luzern seine Primiz.
Seine Kinder- und Jugendjahre waren mitgeprägt von seinem grossen Engagement
bei den Pfadfindern von St. Paul in Luzern. Als späterer Feldmeister
leitete er die Abteilung der Luzerner-Leuen. Als junger Priester war er
Mitorganisator von internationalen Lagern für angehende Pfadi-Präsides.
Seine berufliche Laufbahn sollte sich dann allerdings nicht in seiner Luzerner
Heimat, sondern in seiner Wahlheimat Solothurn abspielen. Seine erste Stelle
war 11 Jahre lang die eines Domkaplans in der St. Ursenpfarrei von Solothurn.
Dort wusste man auch von seinen ausserordentlichen liturgischen und gesanglichen
Fähigkeiten und holte ihn im Nebenamt als Cantus-Magister an das damalige
Priesterseminar von Solothurn. Seit 1960 arbeitete Hugo Durrer zusätzlich
als Gefangenenseelsorger im Gefängnis von Schöngrün.
1962 übertrug ihm der Bischof die anspruchsvolle Aufgabe des hauptamtlichen
Spirituals am Priesterseminar Steinbrugg in Solothurn, welche er bis zur
Aufhebung dieses Seminars im Jahre 1969 wahrnahm. Anspruchsvoll war die
Aufgabe auch deshalb, weil in diese Zeit das Zweite Vatikanische Konzil
mit seinen tief greifenden Reformen fiel. Dabei galt es, die kritische und
nach Reformen drängende Generation angehender Priester der sechziger
Jahre zu begleiten.
Nach der Aufhebung des Seminars wechselte Hugo Durrer für vier Jahre
als Kaplan an die Weststadtkirche St. Marien in Solothurn und wurde 1973
Pfarrer der Pfarrei Guthirt in Lohn-Ammannsegg, die er bis zu seiner Pensionierung
im Jahr 1996 leitete. In all diesen Jahren fand er in Martha Barbaglia eine
gute Partnerin und Mitarbeiterin, die seinen Haushalt betreute und ihm für
seine vielfältigen Engagements den Rücken freihielt. Neben seinem
Pfarramt in der weitläufigen Diasporagemeinde versah er das Amt eines
Präses der Pfadi, des Cäcilienverbandes, des Arbeitervereins und
der Abstinentenliga des Kantons Solothurn. Von 1992 bis 1993 leitete er
als Dekan das Dekanat Solothurn, und von 1972 bis 1997 stellte er seine
schriftstellerischen Fähigkeiten als Mitglied der Redaktionskommission
dem Solothurner Kirchenblatt zur Verfügung. Die ersten Jahre seiner
Pensionierung verbrachte Hugo Durrer in Grenchen, wo er in der Eusebius-Pfarrei
und in benachbarten Pfarreien priesterliche Dienste wahrnahm. Im Jahr 2001
drängte sich aus gesundheitlichen Gründen die Übersiedlung
ins Alters- und Pflegeheim Bleichematt in Biberist auf.
Schon früh entdeckte Hugo Durrer seine Begabung als Verfasser von Erzählungen
und Gedichten. In den Jahren 1989 bis 2000 entstanden dann mehrere Bände
mit Aphorismen, Gedichten und Kurzgeschichten, welche in der Reihe der «Innerschweizer
Lyrik- und Prosatexte» veröffentlicht sind. In seinem Buch «Den
Hund besänftigen» beschreibt Hugo Durrer umfassend seine Kindheits-
und Jugenderinnerungen in Luzern. Eine wichtige Quelle seiner Kreativität
war das Erleben der Natur bei ausgiebigen Wanderungen. Ob an einem sprudelnden
Bergbach, einer blühenden Wiese, einem Sonnenuntergang oft sang
er dazu ein passendes Lied. In seinen sportlichen Jahren führten ihn
häufige Bergtouren auf die Schweizer Viertausender. Er konnte Geige
und Klavier spielen. Die Geige, die er in späteren Jahren zu den verschiedensten
Gelegenheiten stets mit sich führte, wurde sein Markenzeichen.
Leider liess eine zunehmende psychische Erkrankung den so vielfältig
Begabten in den letzten Jahren seines Lebens mehr und mehr zum Pflegefall
werden. Verschiedene Klinikaufenthalte brachten jeweils nur für kurze
Zeit eine Erleichterung, aber nicht mehr die erhoffte Heilung. Seinen Depressionen
trotz eigener Anstrengung zusehends ausgeliefert zu sein, wurde für
Hugo Durrer eine immer unerträglicher werdende Belastung. Die Kraft
zum Leben hat ihn verlassen, und so trieb ihn die Krankheit am 22. April
2003, seiner Not durch den Tod ein Ende zu setzen. Die Todesanzeige enthielt
den ersten Vers aus dem bekannten Lied: «Unser Leben gleicht der Reise
eines Wanderers in der Nacht». Auf dem Lebensweg von Hugo Durrer waren
vielleicht Dunkel und Licht oft nahe beieinander. Dies hatte schon der Neunzehnjährige
geahnt, als er in einem Gedicht schrieb: