23-24/2003 | |
INHALT | |
Verstorbene |
Paul von Rickenbach ist am 9. April 1923 in Sattel (SZ) geboren; Schwyzer
blieb er im Herzen zeitlebens. Die Priesterweihe empfing er nach dem Theologiestudium
in Chur am 13. Juli 1947. 19481954 war er als Kaplan von Galgenen Arbeiterseelsorger
von Ausserschwyz; mit diesem Amt war auch ein Teilpensum Berufsberatung
verbunden.
1954 wurde er zum ersten hauptamtlichen Zentralpräses für die
religiös-sozialen Standesvereine in St. Gallen berufen, um das christlich-soziale
Erbe von Prälat Johann Baptist Jung, Bischof Alois Scheiwiler und Nationalrat
Joseph Scherrer zu wahren und zu fördern.
Zentralpräses Rickenbach entfaltete eine innovative Tätigkeit.
Um näher am Puls des wirtschaftlichen und sozialen Lebens und
beim Zentrum der Mobilität (HB Zürich) zu sein, zügelte
er 1956 mit den sozialen Sekretariaten nach Zürich an die Ausstellungsstrasse
21, wo sich in der Folge ein Netz von Dienststellen etablierte (KAB, Sozialinstitut,
CAJ, Brücke der Bruderhilfe, Familienhilfe). Durch Umstrukturierung
schuf er die selbständigen Verbände der Männer- und Frauen-KAB
(Katholische Arbeitnehmer-Bewegung), wirkte mit an der Neugestaltung der
CSB (Christliche Sozial-Bewegung) der Schweiz. Er engagierte sich stark
für die CAJ (Jungarbeiterinnen-Bewegung), die in den 50er- und 60er-Jahren
von Belgien her durch den charismatischen Josef Cardjin mächtigen Auftrieb
erfuhr; für eine kurze Zeit gelang es von Rickenbach, auch eine Gruppe
männliche CAJ aufzubauen. Er gründete am Sitz der Verbandszentrale
das «Sozialinstitut der KAB» als Arbeits- und Animationsstelle
für kirchlich-soziale Fragen. Zwischenzeitlich war von Rickenbach auch
als Redaktor des damaligen «Werkvolk» tätig.
Aktiv war er auch für die Familienhilfe engagiert, für welche
der Neubau der Familienhelferinnenschule in Melchtal damals vorbereitet
wurde. Er war auch geistlicher Reiseleiter der damals populären und
von vielen Hunderten von Pilgern und Wallfahrern benützten Reisen nach
Lourdes und Rom. Ebenfalls pflegte er regen Kontakt mit der Internationalen
KAB. Als Feldprediger diente er jahrzehntelang der Heimat.
Der Umbau der Sozialen Standesvereine zur zeitgemässen KAB und die
rastlosen Verpflichtungen kosteten Paul von Rickenbach viel Kraft. 1967
demissionierte er als Zentralpräses. In der Folge übernahm er
das Pfarr-Rektorat Feuerthalen am äussersten Zipfel des Kantons Zürich;
in der dortigen weiträumigen Diaspora war er bis zum Jahr 2000 aktiv
als Gemeindeseelsorger tätig. Die letzte Zeit verbrachte er, gut betreut,
im Pflegezentrum Schaffhausen, wo er am 15. Februar 2003 starb.
Paul von Rickenbach hat durch Ideenreichtum und Engagement die Sozialen
Standesvereine in eine neue Phase geführt und sich grosse Verdienste
für sie erworben. Er prägte und gestaltete sie zu bedeutsamen
und beachteten Organisationen innerhalb des Schweizerischen Verbandskatholizismus.
Deshalb verdient er Dank und Anerkennung nicht nur von Seiten der heutigen
KAB, sondern ebenso von der Schweizer Kirche.