12/2003

INHALT

Verstorbene

Herbert Stöckli-Dzierzon, Theologe, Zuchwil

 

Die überaus grosse Trauergemeinde, die Herbert Stöckli die letzte Ehre erwiesen hat, widerspiegelt die grosse Ausstrahlung und Wertschätzung des Verstorbenen. Herbert Stöckli wurde am 8. Oktober 1928 in Engelberg geboren, wo er zusammen mit vier Geschwistern eine nicht unbeschwerte, aber glückliche Kindheit und Jugendzeit erlebte. Die Primarschule und das Kollegium besuchte er in Stans. In seiner Freizeit war ihm die Pfadi sehr wichtig, dabei zeichnete sich sein späteres Wirken bereits ab. Er war ein fröhlicher Mensch und lachte gerne. Sein befreiendes Lachen gab viel von seiner Energie preis. Nach der Matura studierte er Theologie. Im Jahr 1954 empfing er die Priesterweihe. Nach dem Pastoraljahr amtete er als Vikar in der Pfarrei Peter und Paul in Zürich. Im Seelsorgeberuf fand er Erfüllung, und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen machte ihm viel Freude. Gerade dies liess in ihm den Wunsch nach einer eigenen Familie immer stärker werden, was ihn bewog, das Priesteramt niederzulegen. Diese Intentionen veranlassten seine Vorgesetzten, ihn sofort von seinen kirchlichen Aufgaben zu entbinden. Eine Entscheidung, die ihm einschneidende Veränderungen und enorme psychische Substanz abverlangte. Sein Freund konnte ihm eine Anstellung in einem Behindertenheim in Freiburg i.Br. verschaffen. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Monika kennen und lieben. Im Jahr 1963 kehrte er in die Schweiz zurück. Vorerst unterrichtete er als Primarlehrer im appenzellischen Gonten. Pfarrer Von Rohr gab ihm die Chance, wieder in der Kirche mitarbeiten zu dürfen, und er nahm die Tätigkeit als Katechet in Zuchwil auf. In Rom erwirkte er die Laisierung, und am Ostermontag 1966 heiratete er seine Monika. Drei Kinder wurden dem glücklichen Paar geschenkt. Er war ihnen ein verständnisvoller Vater und Freund. Seine Familie war die tragende Kraft. Hier holte er immer wieder neue Impulse für seinen enormen Einsatz. Über drei Jahrzehnte hat Herbert Stöckli den Lebensweg vieler Kinder und Jugendlicher mitgeprägt. Neben dem Religionsunterricht, dem Pfarreisekretariat und vielen anderen Chargen hat er die Jugendgruppe und das legendäre Stöcklilager aufgebaut, die noch heute bestehen. Während 112 Jahren übernahm er nach dem plötzlichen Ausscheiden von Pfarrer J. Peter übergangsweise die Pfarreileitung von Zuchwil. Aus gesundheitlichen Gründen ging er 1991 vorzeitig in Pension. Er wollte sich vermehrt seinen Hobbys wie Lesen, Pilzesammeln, seine Grosskinder geniessen, mit ihnen fröhlich sein, widmen. Doch die Gesundheit liess es nicht zu, seine Pläne realisieren zu können. Gerne hätte er seine Grosskinder beim Heranwachsen begleitet. Verschiedene Krankheiten machten ihm zu schaffen. Seine Fröhlichkeit und Lebensenergie schwanden zusehends. Vor zwei Jahren erkrankte er an einer Lungenentzündung, von der er sich nie mehr ganz erholen konnte. Ein paar Tage vor Weihnachten musste er sich in Spitalpflege begeben. Auf eindrückliche Weise hat er sich von seiner Familie verabschiedet und am Dienstag, 7. Januar 2003, verstarb Herbert Stöckli im Beisein seiner Frau Monika. Seiner Familie und seinen Freunden bleibt die Erinnerung an eine ausserordentliche Persönlichkeit, dessen Leben von beispielhafter Arbeit, Motivation und Fröhlichkeit getragen war.

Jeannette Struss-Heim


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003