7/2003

INHALT

Verstorbene

Franz Bissig, Kaplanresignat, Meien

 

Der am 2. November 2002 verstorbene langjährige Meientalerkaplan Franz Bissig wurde am 21. Oktober 1907 auf dem abgelegenen Heimen Furggeln in Isenthal geboren als zweiter Sohn des Josef und der Anna Imholz. Als Dreijähriger verlor Franz seine Mutter bei der Geburt seiner Schwester Maria. Der Schulweg ins Insenthal war weit und streng. Als Franz dreizehn Jahre alt war, erhielt er in Ida Ziegler wiederum eine liebe und fürsorgende Mutter. Acht Geschwister vergrösserten die Familie.
Bis zum 25. Lebensjahr arbeitete Franz zu Hause, wobei er immer mehr den Ruf verspürte, sein Leben in den Dienst Gottes zu stellen. Nachdem er eine Zeitlang den Missionsberuf als seinen Lebensweg sah, beschloss er doch, in der Heimat zu bleiben und begann sein Studium als Spätberufener in Ebikon und machte dann 1940 ­ wie er sagte ­ die Kriegsmatura in Schwyz. Es war für den 30-jährigen Bergbauernsohn sicher nicht leicht, mit den jungen Mitstudenten Schritt zu halten.
Trotz längerem Militärdienst im Weltkrieg begann Franz das Studium der Theologie in Chur und wurde dort am 2. Juli 1944 zum Priester geweiht. Seine Primiz in Isenthal wurde zu einer frohen und seltenen Festfeier. Nach Abschluss des Priesterseminars kam er 1945 im Alter von 38 Jahren als Kaplan ins abgelegene Meiental. Wer hätte damals gedacht, dass er über 50 Jahre als Seelsorger dort wirken sollte?
Über ein halbes Jahrhundert begleitete Franz Bissig als Kaplan das Tal am Sustenpass, das nach seinem Amtsantritt mit einer Strasse erschlossen wurde. Er teilte Freud und Leid mit seiner Bevölkerung, während 52 Jahren unterstützt von seiner treuen und sorgenden Haushälterin Agatha Aschwanden. Als schlichter und einfacher Priester und Mitmensch schlug sein Herz für alle, die ihm anvertraut waren und die er kannte. Er legte auch Hand an, wenn es galt, den Bergbauern beim Heuen zu helfen. Beim Unterhalt und bei Renovationen der Kapellen im Tal griff der Kaplan selber zu Hammer und Meissel, zu Kelle und Schaufel. Die grosse, weite Welt war ihm eher fremd ­ seine Heimat waren das Meiental und sein Geburtsort Isenthal. Nur als Präses des Urner Lourdespilgervereins unternahm er einmal die Wallfahrt an den Gnadenort, sonst war seine Bleibe im Urnerland. Das abgelegene Meiental gab Franz Bissig auch Gelegenheit zum Nachsinnen und Denken. Und so verfasste der Bergkaplan für ernste und heitere Feste und Ereignisse sinnvolle und eindrückliche Gedichte. In manch strubem Lawinenwinter war er ja auch im Meiental abgeschlossen und fand so Zeit und Musse für besinnliche Gedanken.
Geschwächt und vom Alter gezeichnet verbrachte Franz Bissig die letzten vier Jahre im Betagtenheim von Wassen, wozu er sich aber erst in einem zweiten Anlauf überzeugen liess. Seine körperlichen und geistigen Kräfte schwanden allmählich dahin, so dass der Tod am Allerseelentag sein langjähriges Priesterleben vollendete. In einer seinem Wesen angepassten schlichten Feier wurde er in seiner Heimat Isenthal zur ewigen Ruhe bestattet. Ein treuer und seeleneifriger Priester hat uns mit Franz Bissig verlassen, dessen Einsatz für das Reich Gottes noch lange nachwirken möge. Der Herr belohne ihm sein langes Wirken.

Isidor Truttmann


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003