43/2003 | |
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Theologie |
Die europäischen Hochschulen sind dabei, ihre Ausbildungsgänge
dem so genannten Bologna-Modell entsprechend in Bachelor- und Master-Studiengänge
zu strukturieren. Die Kriterien in Bezug auf die jeweiligen Voraussetzungen
und Anforderungen inhaltlicher und zeitlicher Art sind allerdings alles
andere als einheitlich. Die unterschiedlichen Hochschultraditionen treten
nun auch im Bereich der Theologie zu Tage. Für die Theologischen Fakultäten
in der Schweiz, wie in anderen Ländern, bedeutet ein Master-Abschluss
den Abschluss eines mehrjährigen Vollzeitstudiums. Die britischen Hochschulkriterien
erlauben dagegen einen Master-Abschluss als Abschluss auch eines Weiterbildungsprogramms.
Ein solches Master-Programm bieten seit diesem Jahr in Zusammenarbeit mit
dem Oxford Centre for Mission Studies und der Universität Wales das
Theologische Seminar Bienenberg und das Theologisch-Diakonische Seminar
Aarau an. Für die Teilnahme vorausgesetzt wird ein dreijähriges
biblisch-theologisches Grundstudium. Für das in der mennonitischen
Tradition stehende Bienenberg-Seminar ist dieses Programm zugleich sein
Aufbaustudium, dem ein dreijähriges Grundstudium vorausgeht, das mit
dem «Bachelor of Theology» abgeschlossen wird. Das Aarauer Seminar
nennt das Master-Programm ebenfalls Aufbaustudium, versteht es aber auf
der Linie seiner Diplom-Ausbildung eher als qualifizierte Weiterbildung
nach einer Zeit theologisch-diakonischer Tätigkeit. Zurzeit wird das
Master-Programm denn auch erst als dreijähriges berufsbegleitendes
Teilzeitstudium angeboten.
Als «Höhere Fachschule für Kirche, Diakonie und Mission»
bildet das Aarauer Seminar Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch für
die evangelisch-reformierten Landeskirchen aus: Gemeindehelfer/Gemeindehelferinnen,
Diakonische Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen, Gemeindeleiter/Gemeindeleiterinnen.
Im Unterschied zu einem Sozialarbeiter/einer Sozialarbeiterin kann dieser
Mitarbeiter/diese Mitarbeiterin auch Aufgaben im Bereich von Katechese und
Gottesdienst übertragen erhalten; so wird ein als Jugendarbeiter eingesetzter
Diakonischer Mitarbeiter auch einmal einen Jugendgottesdienst leiten. Das
neue Master-Programm ermöglicht ihm eine Zusatzqualifizierung ohne
dass er damit Pfarrer wird solange von einem Pfarrer/einer Pfarrerin
ein klassisches Theologiestudium verlangt wird. Der so genannte Volltheologe
ist denn auch «Master of Theology», während das Bienenberg-
und Aarau-Aufbaustudium mit dem «Master of Pastoral Ministries»
abgeschlossen wird.
Anders sind die Berufsperspektiven der Absolventen und Absolventinnen des
Master-Programms in den Freikirchen und im Missionseinsatz, wo es für
Absolventen und Absolventinnen dieses Aufbaustudiums mehr Möglichkeiten
gibt, Leitungs- und Lehraufgaben wahrzunehmen.
Von den ersten zehn Studierenden, die mit dem Blockkurs vom August/September
2003 ihr Aufbaustudium bzw. ihre Weiterbildung begonnen haben, haben nur
drei die Diplom-Ausbildung des Aarauer Seminars absolviert. Der mit dem
Master-Programm in Aarau befasste Paul Kleiner rechnet denn auch für
die Zukunft nicht mit einer grossen Nachfrage von Seiten der Aarauer Absolventen
und Absolventinnen. Denn das Aarauer Seminar ist eine «Höhere
Fachschule» und will dies wohl auch bleiben, das heisst, sich nicht
in Richtung Fachhochschule weiter entwickeln wollen. Die Qualitätssicherung
und -entwicklung sucht es also mit einer angemessenen Professionalisierung
und nicht mit einer Akademisierung zu erreichen. Die Einführung des
Master-Programms widerspricht dem nicht, scheint sie doch eher eine gewisse
Akademisierung für ein interessiertes Segment seiner Absolventinnen
und Absolventen zu sein.