1-2/2003 | |
INHALT | |
Theologie |
Vor dreissig Jahren erschien im Benziger Verlag der erste Band der von
der Theologischen Hochschule Chur und der Theologischen Fakultät Luzern
herausgegebenen Reihe «Theologische Berichte», was die Herausgeber
veranlasste, in einer Feier Rückschau zu halten und eine Standortbestimmung
vorzunehmen.
Der erste Churer Herausgeber, Josef Pfammatter, erinnerte als Beteiligter
an die Vorgeschichte der Reihe und an ihre erklärte Absicht. Mit der
römischen Errichtung einer Theologischen Hochschule am Priesterseminar
St. Luzi 1968 wurde gewünscht, auch eine eigene Schriftenreihe zu begründen.
Dabei konnte die Hochschule am wichtigen, von seinen Professoren ein Jahrzehnt
zuvor herausgegebenen Überblicksband «Fragen der Theologie heute»<1> anknüpfen. Um eine Schriftenreihe
breiter abstützen zu können, gewann Chur die Luzerner Fakultät
als Mitherausgeberin. Auch Luzern konnte auf einen Vorgängerband zurückblicken,
den ersten und einzigen Band der «Luzerner Theologischen Studien»<2>. So sollte nun auch die neue Reihe unter
dem Titel «Theologische Berichte» «dem Fachmann einen
guten Überblick und dem theologisch gebildeten und interessierten Leser
zuverlässige Informationen bieten». Dabei sollte eine bestimmte
Art von Theologie zu Worte kommen: Theologie als Gottesrede und nicht als
Kulturwissenschaft.
Für eine Theologie, die nicht auf Religions- und Kulturgeschichte reduziert
wird, für eine Theologie die auf den Wahrheitsanspruch nicht verzichtet
und sich auch deshalb auf die Gesellschaft bezieht, plädierte auch
Edmund Arens, als Dekan der Luzerner Fakultät Gastgeber der Feier.
Programmatisch forderte er eine öffentliche, wissenschaftliche, kritische,
kommunikative und kirchliche Theologie.
Im Gefolge der Churer Wirren werden die «Theologischen Berichte»
bis heute von Luzern allein herausgegeben,<3>
und nach den Umbrüchen im schweizerischen Verlagsbuchhandel erscheint
die Reihe heute im Freiburger Paulusverlag.<4>
Als Verlagsleiter sprach Anton Scherer, der die ersten Bände der Reihe
noch als Lektor im Benziger Verlag betreut hatte, auch die wirtschaftlichen
Gegebenheiten an; theologische Bücher werden heute in so kleiner Auflage
verlegt, dass es ohne Kooperation oder Subvention vielfach nicht mehr geht.<5>
Als heutiger Herausgeber skizzierte der Luzerner Ethiker Hans Jürgen
Münk, wie in den bisherigen Bänden die theologischen Disziplinen
vertreten sind und wie theologische Fragestellungen angegangen wurden.<6> In seinem Ausblick benannte er als heutige
Herausforderungen der Theologie zum einen die gesellschaftliche Entwicklung
und zum andern den Kontext heutiger Wissenschaften. Zum einen weist das
Stichwort Globalisierung auf eine Zunahme der Interdependenzprozesse hin
und die Präsenz der Weltreligionen auf eine intensivierte Dialogsituation.
Zum andern bedarf das Herrschafts- und Verfügungswissen etwa der Neurowissenschaften
eines Orientierungswissens.
1 Hrsg. von Johannes Feiner, Josef Trütsch, Franz Böckle, Einsiedeln 1957.
2 Das Opfer der Kirche. Exegetische, dogmatische und pastoraltheologische Studien zum Verständnis der Messe, Luzern 1954.
3 Als zweiter Mitherausgeber ist Prof. Michael Durst von der Theologischen Hochschule Chur gewählt.
4 Die neue Schriftenreihe der Theologischen Hochschule Chur erscheint im Freiburger Universitätsverlag, weil sie sich eher an ein Fachpublikum richtet; so ist der erste, 2002 erschienene Band der Bistumsgeschichte gewidmet.
5 So werden die Theologischen Berichte von der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften über die Schweizerische Theologische Gesellschaft unterstützt.
6 In dem im Jubiläumsjahr erschienenen 25. Band über «Organtransplantation» ist er auch als Autor beteiligt.