46/2003 | |
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Spitalseelsorge |
Diesen Sommer wurde die Seelsorge im Spital und Pflegeheim des Sensebezirks in Tafers neu geregelt. Erstmals wirkt auch die evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Freiburg in der Spitalseelsorge mit.
Das neue Konzept der Spitalseelsorge in Tafers ruht auf zwei Säulen:
einem Leitbild, das die Grundlagen, Ziele und Aufgabenbereiche der seelsorgerlichen
Begleitung im Spital und Pflegeheim des Sensebezirks umschreibt, sowie einer
Vereinbarung zwischen der Leitung dieser Institution und den beiden öffentlich-rechtlich
anerkannten Kirchen im Kanton Freiburg. In Artikel 1 der Vereinbarung ist
festgehalten, dass am Spital und Pflegeheim Tafers eine katholische und
eine reformierte Spitalseelsorge besteht. Der katholischen Kirche sind 80
Stellenprozente zugesprochen, der reformierten 50. Die Seelsorgerinnen und
Seelsorger werden von der Kirche rekrutiert und beauftragt. Die Verantwortung
für ihre Anstellung liegt bei der Leitung des Spitals und Pflegeheims.
Der ökumenischen Zusammenarbeit wird im neuen Konzept grosses Gewicht
beigemessen, ist sie doch in Artikel 2 der Vereinbarung explixit festgehalten:
«Die Spitalseelsorgerinnen und Spitalseelsorger arbeiten in ökumenischem
Geist zusammen. Sie begegnen Menschen anderer Glaubensauffassung mit Sorgfalt
und Respekt.» Begleitet und unterstützt in ihrer anspruchsvollen
Tätigkeit werden die Angestellten der Spitalseelsorge von einer «Begleitkommission
für die Seelsorge».
Von der katholischen Kirche sind zwei Personen für die Spitalseelsorge in Tafers beauftragt: Pfarrer Linus Auderset, der von Plaffeien in die Pfarrei Tafers wechselt, wird je hälftig Spitalseelsorger und Mitarbeiter in der Pfarrei Tafers. Denise Poffet El-Betjali, zu 70 Prozent in der Pfarrei St. Ursen als pfarreibeauftragte Bezugsperson angestellt, übernimmt zusätzlich ein 30 Prozentpensum als Spitalseelsorgerin. In der Übergangsphase und für eine beschränkte Zeit erhalten die beiden neuen Verantwortlichen für die katholische Spitalseelsorge Unterstützung vom katholischen Theologen Matthias Reif aus Freiburg. Die Besetzung der Stelle der evangelisch-reformierten Kirche ist auf Januar 2004 vorgesehen.
In unserer Begeisterung, weil wir, der katholische und der reformierte
Spitalpfarrer, unsere CPT-Ausbildung beim gleichen Professor gemacht hatten,
wagten wir, die katholische und die reformierte Seelsorgearbeit im Spital
von Baden zu vereinfachen. Wir teilten die Seelsorge etagenweise auf; einen
Monat lang besuchte der katholische Pfarrer alle Patientinnen und Patienten
in den ungeraden Stockwerken 7, 9 und 11 und der reformierte Pfarrer in
den geraden Stockwerken 8, 10 und 12 und im nächsten Monat umgekehrt.
Der Versuch dauerte kein Jahr; denn als katholischer Seelsorger wurde ich
doppelt gefordert.
Über das Pflegepersonal verlangten gerade ältere Patientinnen
und Patienten religiöse Heimat, die ihnen von Kind auf vertraut war.
Was sie erwarteten, waren nicht nur die menschliche Anteilnahme, das seelsorgerliche
Gespräch. Sie suchten vor allem die religiösen Zeichen wie Heilige
Kommunion, Krankensalbung mit Handauflegung und Weihwasser. Es war das Gebet
mit den entsprechenden heiligen Zeichen, das sie schätzten. Diese heiligen
Handlungen in der Krankheit oder im Unfall waren ihnen in ihren Unsicherheiten
vertraute Kraftquellen und schenkten ihnen Halt und gaben ihnen Geborgenheit
in Gott. Zudem waren bekannte Gebete für die Kranken leichter im Herzen
aufzunehmen, da sie in ihrem Spitalbesuch oft geschwächt waren und
Neues zu hören im Augenblick viel zu viel Kraft erforderte. Jüngere
Patientinnen und Patienten sind auf alle Fälle genau so offen für
ein Gespräch mit einem Seelsorger/einer Seelsorgerin, auch wenn ihnen
religiöse Zeichen in unserer katholischen Kirche eher fremd vorkommen.
In Notfällen hat die persönliche Konfession niemals die Bedeutung
wie im Alltag. Da wird jede religiöse und menschliche Begleitung geschätzt
und dankbar angenommen. Dennoch versuche ich als katholischer Seelsorger,
dem/der Schwerstkranken und seinen/ihren Angehörigen etwas Heimat in
der betreffenden Religion zu geben. Das fordert von mir auch ein Interesse
für die entsprechenden Rituale oder Gebete. Ein bekanntes Gebet ist
und bleibt neben dem Gebet des Herrn (Unser Vater) der Psalm 23, bei einem
Muslim ein Psalm. Selbstverständlich ist es mir bei jedem Besuch ein
Anliegen, sei die betreffende Person katholisch oder reformiert oder gehöre
sie einer noch anderen Konfession oder einer anderen Religion an, im Gespräch
zu ermitteln, was für sie sinnvoll ist.