50/2003

INHALT

Kirche in der Schweiz

Katholisches Jugendtreffen

von Rolf Weibel

 

Neben Themen, die an der Wintersitzung der Schweizer Bischofskonferenz behandelt worden waren, kam an ihrer anschliessenden Medienkonferenz vor allem das erste nationale katholische Jugendtreffen zur Sprache. Als Generalsekretär der Bischofskonferenz skizzierte Agnell Rickenmann die neue Arbeitsordnung und Arbeitsverteilung des Gremiums, die zu einer grösseren Effizienz führen sollen.
Neu ist vor allem, dass die einzelnen Arbeitsbereiche («Dikasterien») zu Sachgruppen zusammengefasst wurden und dass die Bischöfe im Rahmen bereits der Sachgruppen abschliessend entscheiden können, wenn keiner eine Überweisung des entsprechenden Geschäftes an die Vollversammlung begehrt. Zu Sachgruppen zusammengefasst wurden Bereiche, bei denen es 1. um die zentralen Inhalte des Glaubens geht (Glaube und Verkündigung), 2. Fragen um Amtsstrukturen und Amtsträger behandelt werden (kirchliche Ämter und Dienste), 3. nach der Praxis des Glaubens, einschliesslich der Planung, gefragt wird (Pastoral) und 4. sich die Kirche gegenüber der Gesellschaft und dem Staat positioniert (Kirche und Welt). Einen eigenen Bereich bilden die präsidialen Aufgaben (Leitung und Administration), wobei auffällt, dass dazu auch die Frauenanliegen gehören, diese mithin zur Chefsache erklärt sind.
Wie üblich wurden bei der Zuteilung der Haupt- und Nebenzuständigkeiten bzw. -verantwortungen einige Umstellungen vorgenommen. Unverändert blieb die Zusammensetzung des Präsidiums; die Vollversammlung hatte offensichtlich keine Veranlassung, hier etwas zu ändern.<1>

«Not des Priestermangels»

Wie üblich stellte Bischof Amédée Grab als Präsident der Bischofskonferenz das ­ im Amtlichen Teil dieser Ausgabe dokumentierte ­ Mediencommuniqué kurz vor, wobei er bei der Erklärung der Synode der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern etwas verweilte und dazu noch Fragen zu beantworten hatte. Zum einen seien die Strukturfragen ernst zu nehmen, aber nicht überzubewerten, denn zum andern und hauptsächlich müsse es um den gelebten Glauben gehen. Der Glaube der Kirche, seine Identität, und die innere Gemeinschaft der Kirche seien massgebend. Bischof Amédée Grab bezeichnete die von der Luzerner Synode beklagte Not und die von ihr angesprochenen Wege aus dieser Not als eine die Bischöfe seit Jahren begleitende Crux. Er stellte aber auch fest, dass zum einen die Position der Luzerner Synode nicht von allen Katholikinnen und Katholiken geteilt werde und dass zum andern die Verständigung zwischen Teilen des Volkes Gottes und den Bischöfen nicht leicht sei; denn es würden beispielsweise Zweifel an der von der Kirche verkündeten Sittenlehre geäussert.
An Glaubwürdigkeit gewinnen könne die Kirche jedoch nur durch eine grössere Treue zum Glauben und eine Kohärenz von Glauben und Leben. Gefragt sei eine Erneuerung der Herzens und des Lebens. Nicht umsonst habe Papst Johannes Paul II. anlässlich seines Pontifikatsjubiläums Mutter Teresa von Kalkutta selig sprechen wollen: ein solches Leben sei Vorbild der Glaubwürdigkeit.

Das Rahmenprogramm des Jugendtreffens «unter Dach»

Mit sichtlicher Erleichterung teilte Chantal Brun als Sekretärin des ersten nationalen katholischen Jugendtreffens mit, dass das Rahmenprogramm des Treffens, das am 5./6. Juni 2004 unter dem Motto «Steh auf!» in Bern stattfinden wird, stehe. Am Samstag werden Tausende von Jugendlichen aus allen Sprachregionen nach Bern reisen und ab Mittag das letzte Wegstück zum Eisstadion dem Motto gemäss zu Fuss zurücklegen. Um 18 Uhr ist die Begegnung mit dem Papst vorgesehen, und am späten Abend findet ein Fest der Jugendlichen statt, das mit einem Fackelzug mit anschliessender Lichtfeier abgeschlossen wird. Für den Sonntagmorgen ist auf der Allmendwiese der Gottesdienst mit dem Papst vorgesehen, zu dem weitere, vor allem auch erwachsene Besucher und Besucherinnen sowie Kinder erwartet werden. Für weitere Treffen, und weil es sich um einen Pastoralbesuch handelt, für nur kurze Treffen beispielsweise mit staatlichen Behörden, werden kleine Zeitfenster eingeplant.
Die Einzelheiten innerhalb dieses Rahmens werden in den Sprachregionen ausgearbeitet; regional wird auch an der Animation gearbeitet, damit kirchennahe wie kirchenferne Jugendliche angesprochen werden können. Mitte Januar wird es einen Versand an alle Pfarreien, Sprachmissionen und Seelsorgestellen geben mit Unterlagen für die Werbung wie für die Kollekte, die auf den 7./8. Februar anberaumt wurde. Diese Kollekte sowie weitere Spenden, Beiträge und Erträge eines professionellen Sponsorings sollten den Betrag von Fr. 1,8 Mio. ergeben, damit das Budget ausgeglichen werden kann. Angesichts der Grösse des Ereignisses ist dieses Budget allerdings bescheiden; bescheiden wie die Teilnahmekosten von Fr. 40.­ pro Person, die den Transport, die Verpflegung und die Teilnahme einschliessen. Die Anmeldefrist für die Teilnahme läuft von Mitte Januar bis zum 18. April 2004.
Das grosse Jugendtreffen braucht aber nicht nur ein ausgeglichenes Budget, sondern auch Hunderte von Freiwilligen, die sich jetzt schon beim Sekretariat des Treffens anmelden könnten.<2>
Die Veranstaltung von Bern ist ein Treffen von jungen Katholikinnen und Katholiken, das sich indes anders Denkenden und anders Glaubenden gegenüber nicht abschliesst, sondern ökumenisch offen ist. Zurzeit klärt eine Arbeitsgruppe ab, was für die anderen möglich ist bzw. was sie wünschen; auf Wunsch der evangelischen Seite wurde der katholische Charakter des Jugendtreffens schon in den Titel aufgenommen. Weil eine Woche später in Basel der (stark freikirchlich ausgerichtete) Christustag stattfindet ­ bei der Terminfestlegung wusste die katholische Seite davon noch nichts, was die Nähe der beiden Termine erklärt ­, wurde ein gegenseitiger Besuch bzw. ein Austausch von Delegationen vorgeschlagen; eine Antwort steht noch aus.


Anmerkungen

1 Eine vollsltändige Auflistung der Arbeitsbereiche wird im Amtlichen Teil der nächsten Ausgabe veröffentlicht werden.

2 Das Sekretariat des Jugendtreffens ist erreichbar über Telefon 0263224729 (Chantal Brun).


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003