38/2003 | |
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Kirche in der Schweiz |
Die diesjährige Frühlingsversammlung der Pastoralplanungskommission
der Schweizer Bischofskonferenz (PPK) fand am 6./7. Mai 2003 im Bildungshaus
Bruchmatt in Luzern statt. Die Tagung stand ganz im Zeichen der Ausarbeitung
von Leistungsvereinbarungen mit den vom Fastenopfer und der Römisch-Katholischen
Zentralkommission (FO/RKZ) mitfinanzierten Stellen im Aus- und Weiterbildungsbereich.
Die Frage nach der Art und Weise einer wirkungsorientierten Pastoral, welche
fruchtbar in unserer Gesellschaft zu wirken vermag, bildete den Anfang des
Gesamtprojekts «Agenda Leistungsvereinbarungen». Wie kann das
Wort Gottes auf eine wirkungsvolle und effiziente Art und Weise durch kirchliche
Institutionen und Arbeitsstellen fruchtbar gemacht werden? Überlegungen
zum konkreten Wirken Gottes sind nicht neu: Schon bei Jesaja 55,1011
ist nachzulesen: «Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt
und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie
zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot
zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: es
kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und
erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.»
Die «Agenda Leistungsvereinbarungen» ist ein Projekt, welches Elemente des New Public Management, verbunden mit der Präzisierung einer wirkungsorientierten Pastoral, für die Mitfinanzierung kirchlicher Institutionen auf nationaler und sprachregionaler Ebene fruchtbar machen will. Angeregt wurde es vom Fastenopfer und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz. Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat dem Projekt durch einen formellen Beschluss im Jahre 2000 ausdrücklich zugestimmt. In der Steuerungsgruppe dieses Projekts ist unter anderen auch die PPK vertreten. Die «Agenda Leistungsvereinbarungen» umfasst unterschiedliche Bereiche. Nach den Leistungsvereinbarungen im Bereich «Jugendpastoral» und im Bereich «Medien» beschäftigt sich die PPK nun mit den Stellen im Bereich «Aus- und Weiterbildung». Der PPK kommt in diesem Prozess eine Vermittlungsfunktion zu: Sie begutachtet die Prioritäten aus einer ekklesiologisch ganzheitlichen Perspektive. Sie bemüht sich um einen Ausgleich zwischen den Eigeninteressen der von FO/RKZ mitfinanzierten Institutionen und den Anliegen von Seiten der Kirchenleitung. Die Leistungsvereinbarungen sollen letztendlich zu einer Stärkung der Kooperation auf schweizerischer und sprachregionaler Ebene führen, indem versucht wird, gemeinsame strategische Prioritäten im Aus- und Weiterbildungsbereich zu formulieren. Diese sollen einen wichtigen Bezugspunkt abgeben für die Zuteilung der finanziellen Mittel, die für diesen Bereich von Seiten FO/RKZ zur Verfügung stehen. Damit die PPK persönlich die Verantwortlichen der von FO/RKZ mitfinanzierten Institutionen kennen lernen konnte, um deren Einrichtungen es bei den Leistungsvereinbarungen im Bereich «Aus- und Weiterbildung» geht, wurden diese für den Nachmittag des ersten Tages eingeladen.
Eduard Kuster vom Bundesamt für Bildung und Technologie erläuterte
die zentralen Aufgaben des schweizerischen Bildungssystems: Erreichen von
optimaler Berufs- und Arbeitsmarktfähigkeit, Gewährleisten von
Berufsangeboten auf verschiedenen Bildungsniveaus, Gewährleisten der
Durchlässigkeit zwischen allen Berufszweigen und Berufsgruppen. Im
Hintergrund schwang dabei immer die Fragen mit: Inwieweit ist das kirchliche
Bildungssystem mit dem allgemeinen Bildungssystem kompatibel? Sind deren
Aufgaben deckungsgleich oder verschieden?
Einen ersten Überblick über die Nachfrage- und Angebotssituation
im kirchlichen Berufsfeld verschafften sich die Anwesenden durch die Darstellung
der Ergebnisse einer exemplarischen Studie, welche anhand der Stelleninserate
der SKZ von 19672003 angefertigt wurde. Beobachtungen des Bischöflichen
Ordinariats St. Gallen betreffend Berufsperspektiven im kirchlichen Dienst
sowie ein kurzer Überblick über das bestehende kirchliche Aus-
und Weiterbildungsangebot rundeten die Situationsanalyse ab. Anschliessend
bot sich den mitfinanzierten Institutionen in der Deutschschweiz und der
Romandie die Gelegenheit, ihre Situationswahrnehmung darzustellen.
Gesamtschweizerisch ist allgemein eine Heterogenisierung der Studierenden
festzustellen, welche im Wesentlichen eine Folge der allgemeinen gesellschaftlichen
Veränderungen darstellt: Die Zahl der Studierenden in kirchlichen Aus-
und Weiterbildungsinstitutionen ist stark gesunken, während das Durchschnittsalter
der Studierenden gestiegen ist; viele der Studierenden verfügen bereits
über Berufserfahrung, und immer öfter ist ein mangelndes christliches
und kirchenregionales Basiswissen festzustellen. Um diesen gesellschaftlichen
Entwicklungen Rechnung zu tragen, wäre die Entwicklung gemeinsamer
Strukturen, Ausbildungskonzepte und eine allgemeine Kooperationsbereitschaft
hilfreich. Allgemein tendierten die Referate der Institutionsvertreter dahin,
dass nichtakademische Zugänge zu kirchlichen Berufen immer wichtiger
werden.
Monika Jakobs, Leiterin des Katechetischen Instituts Luzern und Sprecherin der von FO/RKZ mitfinanzierten Deutschschweizer Institutionen, situierte die von der Leistungsvereinbarungen betroffenen Ausbildungsinstitutionen in der weiten Landschaft der kirchlichen Aus- und Weiterbildung. Folgende Akzente wären ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren zu setzen: Mehr Studierende sollen für die Ausbildungen gewonnen werden, um der Nachfrage an kirchlichen Mitarbeitern gerecht zu werden; die Durchlässigkeit zwischen den Institutionen soll verbessert werden, so dass es keine Sackgassenberufe mehr gibt und infolge dessen die Attraktivität kirchlicher Berufe erhöht wird, und schliesslich sollen allgemein verbindliche Qualitätsstandards definiert werden, um die kirchlichen Berufe in der Gesellschaft besser zu profilieren.
Die Vertreter der Westschweizer Institutionen Institut romand de formation aux ministères (IFM), Centre catholique romand de formation permanente (CCRFP), Centre interdiocésain de formation théologique (CIFT) und die École de la foi sehen sich annähernd mit derselben Ausgangssituation konfrontiert wie die Deutschschweiz: Bei ihnen kommt zusätzlich ein relativ hoher Ausländeranteil unter den Studierenden hinzu. Dieser Situation haben sie sich dergestalt angepasst, dass regionalkirchliche, christliche, kulturelle Kenntnisse einen wichtigen Bestandteil des Vorbereitungsjahres vor dem Studium ausmachen. Erwähnenswert ist, dass bei allen Westschweizer Institutionen sehr grosser Wert auf die Verbindung von Studium und persönlicher-spiritueller Entwicklung gelegt wird. Die erworbenen theologischen und persönlichkeitsbildenden Kompetenzen werden in einem «Cahier de formation» festgehalten.
Nachdem sich die PPK sehr intensiv mit den verschiedenen Referaten von
Fachpersonen und Vertretern der mitfinanzierten Institutionen auseinander
gesetzt hatte, diskutierte sie angeregt im Plenum Fragen nach den pastoralen
Prioritäten im kirchlichen Aus- und Weiterbildungsbereich sowie die
Frage nach einer sinnvollen Zuordnung der Aus- und Weiterbildungsangebote
zu den verschiedenen Ebenen (sprachregional, diözesan, kantonal). Grosses
Engagement bewirkte die Frage nach der Steigerung der (subjektiven) Attraktivität
kirchlicher Ausbildungen. Die PPK war sich weitgehend einig, dass für
die Attraktivität einer Ausbildung, nebst dem strukturellen Rahmen
wie Studienorganisation und Studienaufbau, die persönlichen Voraussetzungen
der Kandidaten und deren Motivation vermehrt zu berücksichtigen seien.
Im Rahmen einer ganzheitlichen Ausbildung sollen diese «inneren Eigenschaften»
bewusster gefördert und die Theorie vermehrt in den Dienst der Praxis
gestellt werden. Aufgrund dieser Massnahmen erhofft sich die PPK eine Erhöhung
der subjektiven Attraktivität der Ausbildung bei den Studierenden.
Zusätzlich soll Durchlässigkeit der von FO/RKZ mitfinanzierten
Stellen verbessert werden, um Querein- und Umsteigern eine bessere Perspektive
im kirchlichen Berufsfeld zu ermöglichen.
Ausgehend von einer sorgfältigen Situationsanalyse wird die PPK eine
Stellungsnahme verfassen. Um grösstmöglichste Transparenz zu gewährleisten,
wird die Stellungsnahme mit den mitfinanzierten Institutionen abgesprochen.
An der Herbstversammlung 2003 will sich die PPK ein zweites Mal mit den
pastoralen Prioritäten im kirchlichen Aus- und Weiterbildungsbereich
befassen und der Bischofskonferenz eine Empfehlung unterbreiten, welche
ihr als argumentative Entscheidungsgrundlage dient, wie die geringer gewordenen
finanziellen Mittel in der kirchlichen Aus- und Weiterbildung in Zukunft
am wirkungsorientiertesten eingesetzt werden sollen.
Karin Roth ist Assistentin beim Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) St. Gallen, welches das Sekretariat der Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz (PPK) führt.