37/2003 | |
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Kirche in der Schweiz |
Die von der Sozialkommission von migratio erarbeiteten Thesen zur Migrationspolitik
sowie das Katholische Jugendtreffen, das den Besuch von Papst Johannes Paul
II. erwartet, waren die Schwerpunkte der Medienkonferenz, zu der die Schweizer
Bischofskonferenz im Anschluss an ihre Herbstversammlung eingeladen hatte.
Als Präsident der Bischofskonferenz stellte Bischof Amédée
Grab zunächst das im Amtlichen Teil dieser Ausgabe dokumentierte Mediencommuniqué
vor. Mit sichtlicher Freude merkte er an, dass für die Errichtung der
Seelsorgestelle für Fahrende nicht zuletzt die Erfahrungen mit ihrer
Wallfahrt nach Einsiedeln wichtig waren. In der Frage der rechtlichen Anerkennung
homosexueller Partnerschaften sei für die Bischofskonferenz einerseits
grundlegend, dass Ehe und Familie rechtlich nicht abgewertet werden, anderseits
dürften die in anderen Lebensformen lebenden Menschen rechtlich nicht
diskriminiert werden. Wohl habe sich die Bischofskonferenz zum Vorentwurf
des neuen Bundesgesetzes über die registrierte Partnerschaft gleichgeschlechtlicher
Paare bereits geäussert; sie behalte sich aber vor, zur Gesetzesvorlage
selbst noch einmal Stellung zu nehmen.
In die unter dem Titel «Wohin zielt die Migrationspolitik in der
Schweiz» vorgelegten und als Frontbeitrag dieser Ausgabe dokumentierten
Thesen zur Migrationspolitik führte Fulvio Caccia als Präsident
von migratio ein. Ihm ist daran gelegen, die Migrationspolitik in einem
umfassenden Zusammenhang zu betrachten, worin er von Bischof Amédée
Grab als Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen
unterstützt wurde. Im Staat würden die Immigranten als Ausländer
betrachtet, in der Kirche aber als Brüder wenngleich oft als
Stiefbrüder. Wohl müsse der Staat die Migration steuern, und dies
bedeute auch Beschränkung und Einschränkung, doch dürfe er
dabei die Menschenwürde und Menschenrechte nicht verletzen. Den berechtigt
Eingewanderten gegenüber habe der Staat so die Pflicht, ihre Integration
zu fördern. Diese Integrationsförderung sei aber nicht nur ein
Menschenrecht der Eingewanderten, sondern liege auch im Interesse der Gesellschaft.
Eingehend erläutert wurden die von der Sozialkommission von migratio
erarbeiteten und ihrer Delegiertenversammlung diskutierten und genehmigten
Thesen vom Präsidenten dieser Sozialkommission, Denis Torche. Auch
er unterstrich, sich mit Gesetzesvorlagen zu befassen sei eine kurzfristige
Aufgabe, mittel- und langfristig müsse es darum gehen, die Migrationspolitik
in einen grösseren Zusammenhang zu stellen, das heisst in einen internationalen
Rahmen und in den Rahmen aller Bereichspolitiken. Dabei sei Schritt für
Schritt vorzugehen und die vorhandenen guten Ansätze seien weiter zu
entwickeln; so lobte er im Zusammenhang der These zu «Bildung/Ausbildung»
denn auch die Richtung, die die Berufsbildungspolitik bereits eingeschlagen
hat. Das den Thesen gemeinsame Anliegen sei, die menschliche Person zu respektieren
und das Familienleben zu schützen. Dazu gehört auch für Denis
Torche zentral die Integrationsförderung.
Auf Wunsch von vielen Jugendlichen hat die Schweizer Bischofskonferenz
beschlossen, mit Jugendlichen in der Schweiz ein gesamtschweizerisches Treffen
katholischer Jugendlicher durchzuführen und dazu als Gast Papst Johannes
Paul II. einzuladen. Inzwischen ist dieses erste gesamtschweizerische katholische
Jugendtreffen in die Wege geleitet und wird am 5./6. Juni 2004 im Allmendstadion
(ARENA) sowie auf der Allmendwiese in Bern stattfinden, und der Papst hat
die Einladung, am Sonntagmorgen den Jugendlichen zu begegnen und am Nachmittag
mit ihnen sowie weiteren Jugendlichen und Erwachsenen Eucharistie zu feiern,
angenommen.
Unter der Leitung von Weihbischof Denis Theurillat sind verschiedene sprachregionale
und nationale Vorbereitungskomitees eingesetzt worden. An der Medienkonferenz
stellten Weihbischof Denis Theurillat die das Jugendtreffen tragenden Ideen,
Alexander Praz das Plakat und Chantal Brun die grossen Züge des Programms
vor. Katholische Jugendorganisationen aus allen Landesteilen, Verbände
und Bewegungen, aber auch die Jugendseelsorge bereiten das Treffen gemeinsam
vor, was eine breite Vernetzung verschiedenster Strömungen in der katholischen
Jugend garantiert. Dieser Einbezug möglichst vieler Kräfte hat
bislang eine Polarisierung verhindert und lässt die Verantwortlichen
mit einer Teilnahme von 10000 Jugendlichen rechnen. Im Fall einer Eucharistiefeier
mit dem Papst rechnet die Vorbereitungsgruppe mit sicher 50000 Teilnehmenden.
Dabei soll dieses Treffen in einem bescheidenen Rahmen stattfinden und mit
einem Budget unter 1 Million Franken auskommen. Am 7./8. Februar 2004 wird
dafür eine Kollekte aufgenommen.
Angesprochen werden sollen Jugendliche zwischen 16 und 30 Jahren, und die
Teilnehmenden müssen sich anmelden; weil dieses Treffen aber ein «event»
ist, muss wie bei anderen «events» damit gerechnet werden, dass
sich zahlreiche in letzter Minute zur Teilnahme entschliessen und unangemeldet
nach Bern fahren werden was die Organisation nicht eben erleichtern
dürfte.
Ein solches Treffen sei eine grosse Chance, erklärte Weihbischof Denis
Theurillat. «Jenseits aller Verschiedenheit von Kulturen und Sprachen
können junge Menschen einander begegnen, den Glauben feiern, die Erfahrung
von Kirche machen und gemeinsam Fragen ihres Lebens austauschen: ÐWas
habe ich bisher auf meinem Weg erlebt? Wohin soll dieser Weg noch führen?
Woraus schöpfe ich Kraft für die Zukunft? Wo finde ich Sinn und
Hoffnung? Wie kann ich mich glaubhaft für die Gesellschaft engagieren?ð
Aus all diesen Überlegungen ging das Motto aus dem Tagesevangelium
(Lk 7,14) hervor: Steh auf! Lève-toi! Alzati! Sto se!.»
An beiden Tagen dabei sein werden alle Äbte und Bischöfe der Schweizer
Bischofskonferenz. Falls Papst Johannes Paul II. aus gesundheitlichen Gründen
nicht kommen können sollte, wird das Programm des Wochenendes trotzdem
mit den erforderlichen kleinen Änderungen durchgeführt werden.