26/2003 | |
INHALT | |
Pastoral |
In meinem vierten Jahr als Seelsorger für Marktfahrer, Schausteller
und Artisten hat meine Faszination für diese Lebenswelten kaum nachgelassen.
Im Gegenteil: Jetzt trägt schon meine neue Stola, die ich geschenkt
bekommen habe, Bilder aus der Clown- und Circuswelt!
Mein Arbeitsalltag ist mittlerweile so facettenreich wie meine «fahrende
Gemeinde» selbst. Teilnahme an der Weihnachtsfeier mit Schaustellern
und ihren Kindern, vier Tage am Internationalen Circus-Festival in Monte
Carlo, Broadway-Premiere im ESStheater Kriens so lesen sich einige
Termine in meinem Kalender. Der Internationale Circus- und Schaustellkongress
im Europa-Park Rust sticht hier als Datum besonders heraus. Zusammen mit
Parkdirektor Roland Mack konnte ich den «Silverstar», Europas
grösste Achterbahn, nicht nur einweihen, sondern auch gleich jauchzend
mittesten. Der Kongress gab mir einen aufschlussreichen Einblick in die
Tätigkeit meiner Kollegen aus anderen Nationen. Meine Erfahrungen bestätigen
mir, wie notwendig diese Arbeit in einer Welt ist, die immer multikultureller
und multireligiöser wird. Ob marokkanische Zeltarbeiter oder polnische
Trapezkünstler, viele suchten das Gespräch mit mir, um über
Fragen des Lebens zu reden. Artisten brauchen nicht nur die Balance, sondern
auch den Glauben als Netz für waghalsige Nummern.
Stimmungsvolle Gottesdienste im Circus Lilliput, im Knie-Zelt in St. Gallen
oder im Kinderzirkus Picollo, die ich jeweils mit meiner Band «Heu-obe-n-abe»
und meiner Klarinette «Frieda» musikalisch mitgestalte, zählten
auch in diesem Jahr zu den Perlen in meinem gut gefüllten Terminkalender.
Wenn die Kirche spielt, rast und lacht, kommen die Leute! Ähnlich wie
der LUGA-Gottesdienst ist auch der Circusgottesdienst im Knie-Zelt am Fusse
des Pilatus zu einer fest verankerten Tradition avanciert. Im Gottesdienst,
an dem auch Pater Heinzpeter Schönig teilnahm, konnte ich in diesem
Jahr mit einem besonderen Anlass aufwarten: In einem randvoll gefüllten
Circuszelt durfte ich den kleinen Ivan-Frédéric Knie, den
jüngsten Spross von Circusprinzessin und Mama Géraldine Knie
und Papa Ivan Pellegrini, taufen. Ein bewegender Moment.
Das Wort Circus steht für mich auch für «Gesamtkunstwerk»,
denn hinter dieser Welt steckt mehr als nur Premiere feiern und der süsse
Duft der Zuckerwatte der «rüüdigen Chilbenen». Es
bedeutet Reisen, Auf- und Abbau, Lachen, aber auch Melancholie und Traurigkeit.
Lachen und Weinen liegen in dieser Welt nah beieinander. Das spüre
ich besonders dann, wenn ich die Artisten- und Schausteller-Familien in
ihren Wohnwagen aufsuche und schwelende Familienkonflikte sehe. Ich spüre
das, wenn ich Werkstatt- oder Zeltarbeiter, die bei jeder Witterung arbeiten
müssen, oder einen älteren Artisten besuche, dessen Zeit in der
Manege abgelaufen ist. Auch der immer härter werdende Konkurrenzdruck
und die derzeit schwierige Wirtschaftslage erschweren ihren Alltag. Oftmals
ist auch hier der Humor der Schlüssel zur Seele. Durch die Philipp-Neri-Stiftung
kann ich jenen, die am Rand der Gesellschaft leben, mit Spenden unter die
Arme greifen.
Als ich 1999 meine Arbeit als Circus- und Schaustellerpfarrer aufnahm, war
meine Tätigkeit ein beinahe unbekanntes Arbeitsfeld. Seitdem hat das
Interesse daran merklich zugenommen. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit
und unzählige Antrittsbesuche wissen inzwischen immer mehr Schausteller
und Artisten, dass es einen Seelsorger zum «Anfassen» gibt,
bei dem sie auch anklopfen können. Es freut mich, dass auch die Schweizer
Bischöfe meine Arbeit schätzen und sie ideell unterstützen.
Durch meine 50-Prozent-Stelle als Pfarrer in der Krienser Pfarrei St. Gallus
war es mir jedoch bislang noch nicht möglich, alle wichtigen Markt-
und Circusplätze aufzusuchen. Ich hoffe, dass der Bekanntheitsgrad
der Philipp-Neri-Stiftung weiterhin wächst, damit ich finanziell Notleidenden
verstärkt helfen kann.
Ein grosser Gewinn für meine Arbeit ist der unermüdliche und selbstlose
Einsatz des Komitees von der «Pfarrer Heller's Circus Night».
Ohne ihre grosse Unterstützung könnte ich meiner vielseitigen
und fordernden Arbeit nicht nachgehen. Der aus der Veranstaltung erzielte
Gewinn wird uneingeschränkt für die Circus-Seelsorge eingesetzt.
An dieser Stelle danke ich von ganzem Herzen dem «OK Pfarrer Heller's
Circus Night» und ihrem Präsidenten Peter Fischer. Mit viel persönlichem
Engagement und Umsicht machen sie diesen Anlass erst möglich. Ein besonderer
Dank gilt auch allen Sponsoren und Wohltätern, die dazu beitragen,
dass die «Pfarrer Heller's Circus Night» zu einem finanziellen
Erfolg wird.
Die vielschichtige Frage des Embryonenverbrauchs bei der Stammzellenforschung wurde letzten Herbst an der Universität Freiburg in einen grösseren Zusammenhang gestellt.<1> Mit einer Ausnahme liegen die Referate dieses Symposiums in überarbeiteter Form nun auch in Buchform vor, ergänzt um einen Beitrag von Sibylle Ackermann und Andrea Arz de Falco, der frauenspezifische Aspekte einbezieht, sowie um ein Literaturverzeichnis.<2>
1 SKZ 170 (2002) Nr. 48, S. 692f.
2 Adrian Holderegger/René Pahud de Mortanges (Hrsg.), Embryonenforschung. Embryonenverbrauch und Stammzellenforschung. Ethische und rechtliche Aspekte, Universitätsverlag, Freiburg Schweiz 2003, 132 Seiten.