14/2003 | |
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Ökumene |
Seit der Ankündigung des Ökumenischen Kirchentags in Berlin steht die Frage nach der Möglichkeit gemeinsamer Abendmahls- bzw. Eucharistiefeiern im Zentrum des öffentlichen Interesse an diesem Ereignis. Mit besonderer Aufmerksamkeit wird deshalb auch registriert, was die Deutsche Bischofskonferenz dazu sagt. Im Zusammenhang einer grösseren Studie zum Thema «Eucharistie und Kirche» beschäftigt sie sich seit längerem mit der Frage der eucharistischen Gastfreundschaft für evangelische Christen, die in einer bekenntnisverschiedenen Ehe leben, und dazu hat sie einen Text in Arbeit. Nach der Frühjahrsvollversammlung 2002 stellte sie die Veröffentlichung dieses Textes noch vor dem Kirchentag in Aussicht. In ihrem Wort zum Kirchentag «Gemeinsam zum Segen werden» vom Januar 2003 erklärt sie die eucharistische Gastfreundschaft für noch nicht möglich. Nach ihrer Frühjahrsversammlung 2003 erinnert sie daran mit der wiederholten Begründung, dass «die Eucharistie bezeichnet, was uns noch fehlt: die sichtbare und volle Einheit der Kirche Jesu Christi. Zu dieser gehört nach unserer Überzeugung die Einheit im Glauben, in der Feier aller Sakramente und im apostolischen Amt, im Leben und im Dienst.»
Obwohl hier die besondere Situation der Mischehen nicht eigens angesprochen wurde, zeigten sich von diesen Äusserungen in der Folge vor allem Mischehepaare betroffen. «Die sichtbare und volle Einheit der Kirche Jesu Christi» fehlt indes nicht vollständig. Auch in der Sicht der Deutschen Bischofskonferenz stellen bekenntnisverschiedene Ehen eine eigene Lebenssituation von Christen dar, «deren eheliche Gemeinschaft in der Taufe begründet und durch die christliche Eheschliessung sakramental verwurzelt ist». Aber es müsse noch eingehender geprüft werden, wie weit diese besondere ekklesiale Dichte dieser Ehegemeinschaften eine Ausnahme und damit eine Zulassung zur Eucharistie rechtfertigen könnte.
Eine besondere ekklesiale Dichte gibt es aber auch zwischen den Kirchen, nämlich einen Zuwachs der Gemeinschaft zwischen den Kirchen als Ergebnis ihrer ökumenischen Bemühungen. «Dieses Wachsen der Gemeinschaft wird sich auch dort in angemessener Weise widerspiegeln müssen, wo sich par excellence die Einheit der Kirche darstellt, nämlich im Herrenmahl.»<1>
Das ist eine der Eisichten, die einen ökumenischen Gesprächskreis dazu geführt hat, theologisch für eine eucharistische Gastfreundschaft zu plädieren. Ihr Plädoyer begründen die Theologen und Theologinnen mit exegetischen, kirchengeschichtlichen, systematischen und liturgischen Überlegungen, die sie in Form von Aufsätzen veröffentlichten;<2> dabei verzichten sie auf anklagende oder polemische Rede wie auf kirchenpolitischen Druck. Sie bieten nüchterne Theologie in der Absicht, damit zu gastfreundlicher Begegnung in Berlin und anderswo beitragen zu können.
1 Dass die in den theologischen Gesprächen erreichte Dichte in der Praxis der Gemeinden schon erreicht ist, darf füglich bezweifelt werden.
2 Johannes Brosseder/Hans-Georg Link (Hrsg.), Eucharistische Gastfreundschaft. Ein Plädoyer evangelischer und katholischer Theologen, Neukirchener Verlagshaus, Neukirchen-Vluyn 2003, 191 Seiten.