47/2003 | |
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Leitartikel |
Am 1. Adventssonntag wird in allen Schweizer Bistümern das Opfer
für die Universität Freiburg aufgenommen. Diese als Hochschulopfer
bekannte Kollekte wird seit mehr als 50 Jahren durchgeführt. Der bisher
geleistete Beitrag der Schweizer und Liechtensteiner Katholiken verdient
Anerkennung: Dank ihrer Unterstützung konnte die Alma Mater Friburgensis
in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche sozial-ethisch motivierte Projekte
und Einrichtungen verwirklichen.
So beispielsweise das Institut für Ethik und Menschenrechte, das Familieninstitut
oder das Institut für Föderalismus, das Internationale Dokumentations-
und Forschungszentrum für Ethik und Soziallehre, aber auch der Universität
nahe stehende Sozialwerke wie Institutionen der studentischen Wohnungsvermittlung
oder die Kinderkrippe. Forschungsprojekte wurden realisiert und wissenschaftliche
Arbeiten publiziert, die ohne die Unterstützung der katholischen Gemeinschaft
keine Veröffentlichungschance gehabt hätten, aber heute als Grundlagen
für die Forschung und Ausbildung dienen. Nicht zuletzt konnte über
Stipendienbeiträge Studium und Forschungsarbeit zahlreicher Jugendlicher
unterstützt werden.
Die Gründung der Universität Freiburg ist eine Initiative von
Schweizer Katholiken im Rahmen des Kulturkampfes im 19. Jahrhundert. Im
Jahre 1889 wurde die Alma Mater als erste Universität für Schweizer
Katholiken ins Leben gerufen. Alle andern Universitäten waren damals
in reformierten Kantonen beheimatet. Dank dieser Initiative konnten die
katholischen Kantone in den Folgejahrzehnten ihr Bildungsdefizit gegenüber
den reformierten Nachbarn aufholen. In diesem Sinne kann das 60 Jahre nach
der Gründung der Alma Mater eingeführte Hochschulopfer als Solidaritätsbekenntnis
der Schweizer Katholiken gegenüber «ihrer» Universität
verstanden werden.
Das Hochschulopfer geht aus einem im Jahre 1949 abgeschlossenen Abkommen
zwischen der Schweizer Bischofskonferenz und dem Staatsrat des Kantons Freiburg
hervor. Seit 1999 fliessen die unter den Schweizer Katholiken gesammelten
Mittel in die von der Schweizer Bischofskonferenz gegründete Stiftung
«Pro Universitate Friburgensi». Der Fonds wird vom Hochschulrat
der Universität Freiburg verwaltet und bezweckt die Unterstützung
wissenschaftlicher Projekte und sozialer Anliegen, die sich an den christlichen
Werten orientieren und die besondere weltanschauliche und sozial-ethische
Ausrichtung wahren und fördern. Gefördert werden sollen aber ebenso
Projekte zur Erhaltung der kulturellen Eigenschaften, namentlich der Zweisprachigkeit.
Seit der Einführung des Hochschulopfers haben sich die Rahmenbedingungen
sowohl für die Universität wie auch für den Katholizismus
geändert. Beständig war jedoch die Bindung der Alma Mater zu den
Schweizer Katholiken. Der katholische Charakter zeigt sich nicht nur in
der Herkunft und der konfessionellen Zugehörigkeit der Studentenschaft.
Er manifestiert sich auch durch die Theologische Fakultät. Sie reflektiert
den christlichen Glauben in seinen verschiedenen Aspekten: Ursprünge,
Geschichte, Lehre, gesellschaftliche Relevanz, liturgische Praxis. Sie bereitet
die künftigen Seelsorger und Seelsorgerinnen auf ihren Dienst vor.
Das alles geschieht heute im Blick auf die andern christlichen Konfessionen
(Ökumenik) und auf die Religionen der Welt. Diese mit 400 eingeschriebenen
Studierenden nach wie vor grösste Theologische Fakultät der Schweiz
besitzt unter anderem auch aufgrund des Forschungsschwerpunkts «Monumente
und Dokumente der Bibel» internationales Renommee. Die Alma Mater
ist damit keinesfalls eine Lehranstalt für den Katholizismus, was zuweilen
von ihr erwartet wird. Der «katholische Charakter» zeigt sich
vielmehr darin, dass ethisch-soziale Grundsätze in die Institution
eingebunden, diese Prinzipien gelebt und in der Ausbildung und Forschung
mitberücksichtigt werden.
Seit der Bildungsrevolution, die nach 1970 in der Schweiz einsetzte, ist
die Zahl der Studierenden exponentiell gestiegen (Seit 1980 von 4000 auf
10000). Verschiedene Institute mussten von der zentralen Miséricorde
in andere Gebäulichkeiten der Stadt verlegt werden. Seit Ende der 60er-Jahre
subventioniert der Bund die kantonalen Hochschulen. Diese Unterstützung
reicht allerdings infolge der erwähnten Zunahme der Studentenzahl nicht
aus, um längerfristig die Qualität von Lehre und Forschung aufrechtzuerhalten.
Demzufolge ist die Alma Mater heute mehr denn je und auch in Zukunft auf
die Unterstützung der Schweizer Katholiken angewiesen.
Wird aber andererseits die Universität den Erwartungen der Schweizer
Katholiken noch gerecht? In den vergangenen Jahren hat unsere Gesellschaft
gewaltige Umwälzungen erlebt. Die Globalisierung, Technologisierung
und Rationalisierung bereichern zwar in mancherlei Hinsicht das tägliche
Leben, stellen aber in vielen Kreisen sozial-ethische Werte ins Abseits.
Dies macht sich nicht nur bemerkbar im rein rational und materialistisch
orientierten Handeln heute anerkannter Organisationen und Menschen, sondern
ebenfalls in einer verunsicherten Jugend, die heute mehr denn je Halt in
bewährten Werten sucht. Und hier übernimmt eine Universität,
die sich menschlichen und sozialen Grundwerten verpflichtet, eine wichtige
gesellschaftliche Aufgabe indem sie nämlich Studenten in einem
vom «Geist von Freiburg» beseelten Umfeld zu Akademikern ausbildet,
die in Führungsfunktionen oder als Forschende auf der Grundlage des
christlichen Gedankenguts soziale Verantwortung tragen.
Dr. Othmar Baeriswyl ist selbständiger Kommunikationsberater und Dozent für Kommunikation an der Universität Freiburg.
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In zehn Tagen beginnt ein neues Kirchenjahr, das als Lesejahr für
unsere Reihe «Lesejahr» einen Abschluss und einen Neubeginn
mit sich bringt. In den letzten drei Jahren haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
der Bibelpastoralen Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks
für uns Woche für Woche Einführungen in die zweite Lesung
der Sonn- und Festtage geschrieben. Für diese stetige Mitarbeit, in
der sich Sachverstand und Verlässlichkeit verbanden, möchten wir
mit dem besonderen Dank an Dieter Bauer, den heutigen Leiter der Bibelpastoralen
Arbeitsstelle, allen Autorinnen und Autoren, die zum Kreis des Schweizerischen
Katholischen Bibelwerks gehören, aufrichtig danken. Rolf Weibel |