18/2003 | |
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Leitartikel |
Im Hinblick auf den Weltgebetstag für geistliche Berufe (Guthirtsonntag
11. Mai 2003) hat die Fachstelle Information Kirchliche Berufe IKB<1> ein reich illustriertes Impulsheft mit dem
Titel «Im Feuer verwurzelt Kirchliche Berufe» herausgegeben.
Ein aussagestarkes farbiges Bild des Zürcher Künstlers Max Rüedi
setzt kirchliche Berufe bewusst in Beziehung mit Farbigkeit, Lebendigkeit,
Vielfalt und Lebensfreude. Auch wenn der Berufsalltag manchmal grau daherkommt:
die Botschaft, in deren Dienst wir stehen, gibt Zeugnis von einer frohen,
lebensbejahenden und befreienden Wirklichkeit. Und so stellt sich die Frage,
wie wir diese Spannung durchtragen und ob dieser scheinbare Widerspruch
als kreative Spannkraft in unserem Leben wirken kann. Das gelingt nur dort,
wo wir uns um beides bemühen: Um die je neue Verwurzelung in der Stille,
im Gebet, in Gott und um die liebende Zuwendung dem Leben, den Menschen
und der ganzen Schöpfung gegenüber.
Das Jahresthema will Mut machen, mitten im Engagement und besonders auch
im Alltagsstress zum inneren Feuer Sorge zu tragen. Mir Zeit zur Erholung
gönnen. Mir selber Seelsorgerin und Seelsorger sein: Mich meiner Seele
zuwenden. Mich von jener Quelle beleben lassen, aus der alles Leben kommt.
Und wo wir realisieren, dass wir ausbrennen oder resignieren könnten,
sind wir eingeladen, achtsam umzugehen mit uns selber, unseren Möglichkeiten
und Grenzen entsprechend. Dazu braucht es vielleicht mal einen Zwischenhalt
zur Frage, was jetzt sinnvollerweise zu tun ist, damit wir uns und unserem
Engagement für das Reich Gottes treu bleiben können.
Uns erscheint auch wichtig, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie
wir in der heutigen Zeit und Welt wirken: als Frauen und Männer mit
einem kirchlichen Beruf oder mit einem Lebensengagement in einer Ordensgemeinschaft.
Wofür brennt unser Herz? Welche Ausstrahlung haben wir?
Das Bild des im Feuer verwurzelten Baumes steht für eine innere, geistige
Wirklichkeit. Es will eine Ahnung vermitteln vom innergöttlichen Leben,
aus dem heraus die ganze Schöpfung und im Besonderen der Mensch als
Ebenbild Gottes geschaffen worden sind. Der im Feuer des Himmels verwurzelte
Baum und das damit verbundene IKB-Jahresthema weisen hin auf den Lebens-
und Segensfluss, der die ganze Schöpfung und uns Menschen nähren
und heiligen kann. Wir sind eingeladen, die tiefere, spirituelle Wirklichkeit
und die göttliche Weisheit zu erkennen, die uns in allem entgegenkommt.
Von dieser Wirklichkeit her sollen wir leben und unseren kirchlichen Dienst
an den Menschen von dort gestalten. So lädt der im Feuer des Himmels
verwurzelte Baum uns ein, in staunendem Beten zu verweilen, zu dem uns das
Gebet auf der Rückseite des Buchzeichens einlädt:
O Gott, Feuer, das brennt und doch nicht verbrennt. In dir wurzelt mein Leben. Aus dir schöpfe ich Hoffnung und Kraft für ein farbiges Dasein wie du es erdacht. Strahlend und klar leuchtest du in deinem Abbild, Sonne. Sanft und erhellend wirkst du wie die Mondsichel zur Nacht. Schöpferisch und bergend bist du da in der Urkraft Natur, zart und befreiend durch deinen Hauch, Heilig Geist Kraft.
O Gott, unendliches Feuer, Freude und Friede im Herzen der Menschen, Licht und Gerechtigkeit für die Welt. Komm, wandle, belebe und rufe mich in deine Liebe. Berühre mich neu im Wunder der Schöpfung. Amen.
Der Glaube daran, dass Gott in jeden Menschen einen Funken legt, der
zu einem Feuer der Liebe entfacht werden will, kann unseren kirchlichen
Dienst am Menschen grundlegend prägen. Wir werden unsere Aufgabe vermehrt
darin sehen, der je eigenen Gottesbeziehung der Menschen zu dienen. Und
wir werden uns der Frage stellen, wie eine Kultur der Gottesbeziehung in
unseren Pfarreien und Klöstern aussehen müsste, dass sie auch
denen zugänglich wird, die sich nicht zur Kerngemeinde zählen.
Ich sehe in diesen Ansätzen, die in verschiedenen Beiträgen
des Impulsheftes 2003 entfaltet und durch Impulse für Seelsorgeteams,
Katechese und Gruppenarbeit konkretisiert werden, eine hoffnungsstiftende
Perspektive für die Berufungspastoral. Sie entspricht der Haltung jenes
Menschen im Evangelium, der aufs Feld geht, um zu säen und dessen Samen
auf sehr unterschiedlichen Boden fällt (Mt 13,19). Diese Haltung
ist zielorientiert, denn sie sät, damit Frucht wächst. Gleichzeitig
ist sie in gewisser Weise absichtslos, weil sie weiss, dass das Wachsen
und Gedeihen nicht in ihren Händen liegt. Eine solche Haltung in der
Seelsorgetätigkeit kann uns davor bewahren, uns und unsere Mitmenschen
zu überfordern. Sie erlaubt uns, je persönlich das zu tun, was
uns möglich ist und ab und zu in Frieden «nein» zu sagen,
weil wir unsere Grenzen anerkennen.
Menschen mit ihrer je eigenen Geschichte prägen das IKB-Impulsheft
2003. Sie geben Einblick in ihr Engagement und erzählen vom Leben im
Dienst der Kirche. Mit diesen kurzen Porträts möchten wir Sie
alle ermutigen, am Weltgebetstag für kirchliche Berufe oder bei anderer
Gelegenheit während des Jahres vom eigenen Beruf in der Nachfolge Jesu
zu erzählen. Denn, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: wir alle
geben dem kirchlichen Dienst ein Gesicht. Durch uns und unsere Ausstrahlung
spüren Jugendliche und Erwachsene, was es bedeutet, in einem kirchlichen
Dienst zu stehen. Es wird uns und unseren Mitmenschen gut tun, dazu ins
Gespräch zu kommen. Wichtig ist auch, dass wir die Vielfalt der kirchlichen
Engagements in unseren Gemeinden wahrnehmen. Setzen wir uns dafür ein,
dass dieser Einsatz angemessen gewürdigt wird. Sorgen wir dafür,
dass die Menschen mit ehrenamtlichen Engagements nicht überfordert
werden durch das Übertragen immer neuer Aufgaben. Achten wir ihren
persönlichen Freiraum und unterstützen wir sie bei der Suche nach
spiritueller Nahrung.
In dieser Weise, so hoffen und wünschen wir, kann es uns gelingen,
in weiteren Kreisen bei Erwachsenen und Jugendlichen aus innerem Feuer heraus
Interesse zu wecken für die faszinierenden Möglichkeiten eines
kirchlichen Engagements und die herausfordernde Vielfalt kirchlicher und
geistlicher Berufe.
Robert Knüsel-Glanzmann ist Leiter der Fachstelle Information Kirchliche Berufe (IKB).
1 Die Information Kirchliche Berufe IKB arbeitet im Auftrag der Bischöfe und der Ordensgemeinschaften in der Deutschschweiz. Informieren, animieren, beraten und vernetzen von Einzelnen und Gruppen sind wichtige Anliegen.
2003 neu erschienene Hilfsmittel: Fundgrube 8 «Lichtspuren auf deinem Weg» Eine Sammlung von Texten, Gebeten und Impulsen, welche Mut macht, die eigene Berufung zu erkennen und in Zeiten persönlichen Stillwerdens, in der Begegnung mit Menschen und im Gottesdienst zu vertiefen. Impulsheft «Im Feuer verwurzelt» mit Plakat und Buchzeichen (und Gebet auf der Rückseite) zum Bild des Künstlers Max Rüedi, Zürich, sowie einer Fülle von Anregungen, wie Pfarreien und Gemeinschaften, Raum schaffen können für die befreiende Erfahrungen von Berufung.
Diese Hilfsmittel und weitere Materialien sind erhältlich bei: IKB, Abendweg 1, Postfach 6178, 6000 Luzern 6, Telefon 0414194839,Telefax 0414194831, E-Mail ikb@kath.ch (www.kath.ch/ikb).