18/2003

INHALT

Leitartikel

"Im Feuer verwurzelt"

von Robert Knüsel-Glanzmann

 

Im Hinblick auf den Weltgebetstag für geistliche Berufe (Guthirtsonntag 11. Mai 2003) hat die Fachstelle Information Kirchliche Berufe IKB<1> ein reich illustriertes Impulsheft mit dem Titel «Im Feuer verwurzelt ­ Kirchliche Berufe» herausgegeben. Ein aussagestarkes farbiges Bild des Zürcher Künstlers Max Rüedi setzt kirchliche Berufe bewusst in Beziehung mit Farbigkeit, Lebendigkeit, Vielfalt und Lebensfreude. Auch wenn der Berufsalltag manchmal grau daherkommt: die Botschaft, in deren Dienst wir stehen, gibt Zeugnis von einer frohen, lebensbejahenden und befreienden Wirklichkeit. Und so stellt sich die Frage, wie wir diese Spannung durchtragen und ob dieser scheinbare Widerspruch als kreative Spannkraft in unserem Leben wirken kann. Das gelingt nur dort, wo wir uns um beides bemühen: Um die je neue Verwurzelung in der Stille, im Gebet, in Gott und um die liebende Zuwendung dem Leben, den Menschen und der ganzen Schöpfung gegenüber.
Das Jahresthema will Mut machen, mitten im Engagement und besonders auch im Alltagsstress zum inneren Feuer Sorge zu tragen. Mir Zeit zur Erholung gönnen. Mir selber Seelsorgerin und Seelsorger sein: Mich meiner Seele zuwenden. Mich von jener Quelle beleben lassen, aus der alles Leben kommt. Und wo wir realisieren, dass wir ausbrennen oder resignieren könnten, sind wir eingeladen, achtsam umzugehen mit uns selber, unseren Möglichkeiten und Grenzen entsprechend. Dazu braucht es vielleicht mal einen Zwischenhalt zur Frage, was jetzt sinnvollerweise zu tun ist, damit wir uns und unserem Engagement für das Reich Gottes treu bleiben können.
Uns erscheint auch wichtig, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie wir in der heutigen Zeit und Welt wirken: als Frauen und Männer mit einem kirchlichen Beruf oder mit einem Lebensengagement in einer Ordensgemeinschaft. Wofür brennt unser Herz? Welche Ausstrahlung haben wir?
Das Bild des im Feuer verwurzelten Baumes steht für eine innere, geistige Wirklichkeit. Es will eine Ahnung vermitteln vom innergöttlichen Leben, aus dem heraus die ganze Schöpfung und im Besonderen der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen worden sind. Der im Feuer des Himmels verwurzelte Baum und das damit verbundene IKB-Jahresthema weisen hin auf den Lebens- und Segensfluss, der die ganze Schöpfung und uns Menschen nähren und heiligen kann. Wir sind eingeladen, die tiefere, spirituelle Wirklichkeit und die göttliche Weisheit zu erkennen, die uns in allem entgegenkommt. Von dieser Wirklichkeit her sollen wir leben und unseren kirchlichen Dienst an den Menschen von dort gestalten. So lädt der im Feuer des Himmels verwurzelte Baum uns ein, in staunendem Beten zu verweilen, zu dem uns das Gebet auf der Rückseite des Buchzeichens einlädt:

O Gott, Feuer, das brennt und doch nicht verbrennt. In dir wurzelt mein Leben. Aus dir schöpfe ich Hoffnung und Kraft für ein farbiges Dasein wie du es erdacht. Strahlend und klar leuchtest du in deinem Abbild, Sonne. Sanft und erhellend wirkst du wie die Mondsichel zur Nacht. Schöpferisch und bergend bist du da in der Urkraft Natur, zart und befreiend durch deinen Hauch, Heilig Geist Kraft.
O Gott, unendliches Feuer, Freude und Friede im Herzen der Menschen, Licht und Gerechtigkeit für die Welt. Komm, wandle, belebe und rufe mich in deine Liebe. Berühre mich neu im Wunder der Schöpfung. Amen.

 

Dem Menschen dienen

Der Glaube daran, dass Gott in jeden Menschen einen Funken legt, der zu einem Feuer der Liebe entfacht werden will, kann unseren kirchlichen Dienst am Menschen grundlegend prägen. Wir werden unsere Aufgabe vermehrt darin sehen, der je eigenen Gottesbeziehung der Menschen zu dienen. Und wir werden uns der Frage stellen, wie eine Kultur der Gottesbeziehung in unseren Pfarreien und Klöstern aussehen müsste, dass sie auch denen zugänglich wird, die sich nicht zur Kerngemeinde zählen. ­ Ich sehe in diesen Ansätzen, die in verschiedenen Beiträgen des Impulsheftes 2003 entfaltet und durch Impulse für Seelsorgeteams, Katechese und Gruppenarbeit konkretisiert werden, eine hoffnungsstiftende Perspektive für die Berufungspastoral. Sie entspricht der Haltung jenes Menschen im Evangelium, der aufs Feld geht, um zu säen und dessen Samen auf sehr unterschiedlichen Boden fällt (Mt 13,1­9). Diese Haltung ist zielorientiert, denn sie sät, damit Frucht wächst. Gleichzeitig ist sie in gewisser Weise absichtslos, weil sie weiss, dass das Wachsen und Gedeihen nicht in ihren Händen liegt. Eine solche Haltung in der Seelsorgetätigkeit kann uns davor bewahren, uns und unsere Mitmenschen zu überfordern. Sie erlaubt uns, je persönlich das zu tun, was uns möglich ist und ab und zu in Frieden «nein» zu sagen, weil wir unsere Grenzen anerkennen.
Menschen mit ihrer je eigenen Geschichte prägen das IKB-Impulsheft 2003. Sie geben Einblick in ihr Engagement und erzählen vom Leben im Dienst der Kirche. Mit diesen kurzen Porträts möchten wir Sie alle ermutigen, am Weltgebetstag für kirchliche Berufe oder bei anderer Gelegenheit während des Jahres vom eigenen Beruf in der Nachfolge Jesu zu erzählen. Denn, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: wir alle geben dem kirchlichen Dienst ein Gesicht. Durch uns und unsere Ausstrahlung spüren Jugendliche und Erwachsene, was es bedeutet, in einem kirchlichen Dienst zu stehen. Es wird uns und unseren Mitmenschen gut tun, dazu ins Gespräch zu kommen. Wichtig ist auch, dass wir die Vielfalt der kirchlichen Engagements in unseren Gemeinden wahrnehmen. Setzen wir uns dafür ein, dass dieser Einsatz angemessen gewürdigt wird. Sorgen wir dafür, dass die Menschen mit ehrenamtlichen Engagements nicht überfordert werden durch das Übertragen immer neuer Aufgaben. Achten wir ihren persönlichen Freiraum und unterstützen wir sie bei der Suche nach spiritueller Nahrung.
In dieser Weise, so hoffen und wünschen wir, kann es uns gelingen, in weiteren Kreisen bei Erwachsenen und Jugendlichen aus innerem Feuer heraus Interesse zu wecken für die faszinierenden Möglichkeiten eines kirchlichen Engagements und die herausfordernde Vielfalt kirchlicher und geistlicher Berufe.

 

Robert Knüsel-Glanzmann ist Leiter der Fachstelle Information Kirchliche Berufe (IKB).


Anmerkung

1 Die Information Kirchliche Berufe IKB arbeitet im Auftrag der Bischöfe und der Ordensgemeinschaften in der Deutschschweiz. Informieren, animieren, beraten und vernetzen von Einzelnen und Gruppen sind wichtige Anliegen.
2003 neu erschienene Hilfsmittel: Fundgrube 8 ­ «Lichtspuren auf deinem Weg» ­ Eine Sammlung von Texten, Gebeten und Impulsen, welche Mut macht, die eigene Berufung zu erkennen und in Zeiten persönlichen Stillwerdens, in der Begegnung mit Menschen und im Gottesdienst zu vertiefen. Impulsheft «Im Feuer verwurzelt» mit Plakat und Buchzeichen (und Gebet auf der Rückseite) zum Bild des Künstlers Max Rüedi, Zürich, sowie einer Fülle von Anregungen, wie Pfarreien und Gemeinschaften, Raum schaffen können für die befreiende Erfahrungen von Berufung.
Diese Hilfsmittel und weitere Materialien sind erhältlich bei: IKB, Abendweg 1, Postfach 6178, 6000 Luzern 6, Telefon 0414194839,Telefax 0414194831, E-Mail ikb@kath.ch (www.kath.ch/ikb).


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