10/2003

INHALT

Leitartikel

Und die Produktion von Gruppenmedien?

von Rolf Weibel

 

Die «Reformierten Medien» ­ vormals Evangelischer Mediendienst ­ können sich als «das Kommunikationsunternehmen der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz» vorstellen, während der Katholische Mediendienst die kirchliche Medienarbeit in den Bereichen Film und Audiovision, Radio und Fernsehen, Medien- und Online-Kommunikation der deutschsprachigen Schweiz im Auftrag der Bischofskonferenz wahrnimmt. Als Ökumenische Mediengruppe bieten diese beiden Mediendienste gemeinsame Dienstleistungen an, namentlich über den Medienladen, das auf den 1. Juli 2000 eingerichtete ökumenische Multimediazentrum für Audiovision und Beratung in Zürich.
Seit einem Vierteljahrhundert gibt es auf katholischer Seite zudem ein Netzwerk von an Gruppenmedien für die kirchliche Arbeit Interessierten und Engagierten: 1977 als «Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Kleinmedieninteressierten (AKK)» gegründet und 1983 in den Verein «Arbeitsgemeinschaft Gruppenmedien und Kirche (AGK)» überführt, bezweckt dieses Netzwerk namentlich «die Anregung und Betreuung von Produktionen von Gruppenmedien (Tonbilder, Diareihen) für die kirchliche Bildungsarbeit in der katholischen Kirche der deutschen Schweiz». Folgerichtig hatte die Schweizer Bischofskonferenz dem Katholischen Mediendienst den Auftrag erteilt, «geeignete audiovisuelle Materialien für die Verkündigung und die kulturelle Diakonie für verschiedene Zielgruppen ­ in Absprache mit der Arbeitsgemeinschaft für Gruppenmedien und Kirche (AGK) ­ zu empfehlen bzw. bereitzustellen».
Die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft für Gruppenmedien und Kirche besorgte von Anfang an René Däschler-Rada, der Leiter der Zürcher AV-Medienstelle (AVZ). Im Frühjahr 2000 hat die Zentralkommission der katholischen Körperschaft im Kanton Zürich diese ihre AV-Medienstelle aufgehoben und den Katholischen Mediendienst beauftragt, die katholische Zürcher Stelle im Rahmen des neuen sprachregionalen ökumenischen Multimediazentrums weiterzuführen.<1> In der Folge besorgte René Däschler-Rada die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft vorübergehend zusammen mit seiner Frau zu Hause; Ende 2001 übernahm der Leiter der (katholischen) Lehrmittel- und Medienstelle Basel, Joachim Köhn, der 1997 Othmar Frei als Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft abgelöst hatte, die Geschäftsführung ­ ebenfalls vorübergehend.
In dieser Übergangszeit wurden verschiedene Anstrengungen unternommen, um der Arbeitsgemeinschaft eine Infrastruktur erhalten bzw. sie finanzieren zu können. Das Ergebnis war die erklärte Absicht der Arbeitsgemeinschaft und des Medienladens, ihre Aktivitäten im Bereich der Produktion von AV-Medien zusammenzulegen und die Geschäftsführung der Produktion im Medienladen anzusiedeln. Deshalb reichten sie der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ) auch ein gemeinsames Finanzierungsgesuch ein; diesem Gesuch konnte aus verschiedenen Gründen nicht entsprochen werden, und im November 2002 wurde es denn auch abgelehnt. Die geplante Integration der katholischen Produktion von Gruppenmedien in den Medienladen sei deutlich verworfen worden, und die Kosten für audiovisuelle Medien sollten in Zukunft von den Kunden und Kundinnen in den Pfarreien und Kantonalkirchen getragen werden. Damit war auch die weitere Finanzierung der Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft nicht mehr gewährleistet. In der Folge beantragte ihr Vorstand der Generalversammlung die Auflösung des Vereins. Diesem Antrag stimmte die Vereinsversammlung am 17. Februar 2002 in Luzern zu. An der anschliessenden Abschiedsfeier gewann der Berichterstatter den Eindruck, dass es wohl den Verein nicht mehr gibt, dass das Netzwerk aber weiter bestehen bleiben und Produktionsaufgaben wahrnehmen könnte. Zum einen ergab nämlich eine von der Projektadministration Fastenopfer/RKZ in der Übergangszeit durchgeführte Umfrage, dass auch die kantonalen Katechetischen Arbeits- und Medienstellen eine Fortführung der deutschschweizerischen Medienproduktion für die Schul- und Gemeindekatechese befürworten (und dass die «Kantonalkirchen» zu diesen ihren Arbeitsstellen stehen!). Zum andern werden laufende Produktionsprojekte weiterhin von Produktionsgruppen begleitet. Aber auch in Zukunft sollte das katholische Produktionsanliegen wahrgenommen werden können. Zum einen hat der Medienladen den Produktionsauftrag der Zürcher AV-Stelle übernommen, und zum andern ist die von Bruno Fäh geführte TAU-AV-Produktion in Stans nach wie vor initiativ und innovativ. Ihr ist die Unterstützung durch das Netzwerk der an Gruppenmedien Interessierten und dafür Engagierten, aber auch eine treue Kundschaft zu wünschen, die die erbrachten Leistungen nicht nur nutzt, sondern auch deren Kosten zu übernehmen bereit ist.


Anmerkung

1 Zum Kontext dieses Vorgangs: Rolf Weibel, Medien für die Seelsorge, in: SKZ 167 (1999) Nr. 50, S. 701f.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003