1-2/2003

INHALT

Leitartikel

Lichtvoller Weg

 

Liebe Mitbrüder im Diakonenamt oder priesterlichen Dienst
Liebe Seelsorger und Seelsorgerinnen

Auch dieses Jahr bringt Ihnen die erste Nummer der SKZ die herzlichen Segenswünsche der Bischöfe der deutschsprachigen Schweiz. Vielleicht haben Sie Ihre Weihnachtspost noch nicht vollumfänglich beantwortet, nicht alle Jahresberichte von Klöstern, Gemeinschaften und kirchlichen Institutionen gelesen, vielleicht empfinden Sie auch den weihnachtlichen Betrieb als mühevolle Mehrbelastung. Dabei ist uns ein grosses Licht aufgegangen, das uns beim Jahreswechsel helfen kann, den Weg vertrauensvoll weiter zu begehen. Gott selbst ist mit uns auf dem Weg. Gott begleitet in Jesus Christus diese Welt, die selber nicht wissen kann, wohin sie geht. Alle guten Ansätze bei den Einzelnen wie in Wirtschaft, Politik und Kultur entsprechen seinem Vorhaben mit dieser Welt, die er so sehr geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn hingegeben hat.
Gerade im Sinne der Menschwerdung Gottes, im Sinne der Gestaltung aller menschlichen Realitäten im Hinblick auf eine Vollendung, die bei aller Transzendenz in der menschlichen Wirklichkeit verkörpert wird, sind Jahresprogramme sinnvoll. Nicht plakativ, sloganmässig, sondern aus dem Willen heraus, mit Gottes Gnade und für Gott diese Welt zu gestalten.
2003 wird auch bei uns ein Jahr der Bibel sein. Das Thema: «Suchen. Und finden». Auf der gesellschaftlichen Ebene wird es darum gehen, die Bibel in die Öffentlichkeit zu tragen; kirchlich soll in den Gemeinden das Leben mit der Bibel gestärkt werden, während mit Blick auf die Einzelnen das angestrebte Ziel lautet: Menschen für die Bibel begeistern. Nicht alle Projekte und Angebote werden in jeder Gemeinde verwirklicht werden können. Aber eine Voraussetzung dafür, dass einiges in jeder Gemeinde erreicht werden kann, ist die eigene Motivierung auf unserer, der Seite der Seelsorger und Seelsorgerinnen. Dass in der Katechese, in der Predigt, in der Weiterbildung das Wort Gottes voll ausgeschöpft wird, dass es in der Liturgie, im Stundengebet, in der persönlichen Betrachtung gläubig wie fachkundig, spirituell wie auf die kirchliche und gesellschaftliche Verantwortung hin aufgenommen wird, das ist unsere Aufgabe und dazu hilft uns der Geist Gottes. Wir lesen die Bibel nicht fundamentalistisch, wir lesen sie in der Kirche, von der wir sie empfangen. Wenn wir suchen, uns mit der Methode der lectio divina vertraut machen, oder uns von der sonntäglichen Schriftlesung voll imprägnieren lassen, damit uns ein Geist-durchwirktes Predigtwort einigermassen gelingt, werden wir vieles finden, die Perle, den Schatz, für die alles andere zu verkaufen oder liegen zu lassen sich lohnt.
Kein Suchen und Finden im Wort Gottes ohne Bereitschaft, die notwendige Zeit zu investieren und die Voraussetzungen zu schaffen für eine betrachtende Schriftlesung. Das ist der tiefe Sinn der Rosenkranzförderung und -erweiterung, die Papst Johannes Paul II. mit dem Jahr des Rosenkranzes uns ans Herz legt. Zwischen Jesu Kindheit und seinem Leiden liegt das öffentliche Leben und Wirken, das die Evangelien widerspiegeln. Lichtfülle aus dem Geheimnis der Taufe, die auf unsere Neugeburt hinweist. Lichtvolle Verkündigung des Reiches, hoffnungsvoller Weg der inneren Umkehr, die befähigen zum gemeinsamen Zeugnis in der Gemeinde der Jüngerinnen und Jünger. Lichtvoll Jesu Verklärung, die seinen Glanz gerade auf diejenigen ausbreitet, die auch heute in der Finsternis des Todes wandeln. Neue Beleuchtung der kirchlichen Sozialarbeit, das heisst der Caritas, der Begleitung von suchenden, von kranken und sterbenden, von ringenden und verzweifelnden Mitmenschen, auch ein Licht auf uns in dunklen und müden Stunden. Und im fünften Geheimnis glänzt unser Herr und Freund in seinem Opfer und im Opfermahl. Leuchtend kann unser Weg sein, wie wir im Psalm beten: «Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht» (Ps 36,10).
In grosser Dankbarkeit für Ihren vielfältigen, alltäglichen Einsatz wünschen wir Ihnen und allen, für die Sie sorgen und von denen Sie selbst umsorgt sind, ein gutes Jahr.

Für die Bischöfe in der deutschsprachigen Schweiz:
+ Amédée Grab, Bischof von Chur


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003