27-28/2003

INHALT

Kirchengeschichte

Churer Bistumsgeschichte

von Rolf Weibel

 

Die von den Strassburger «Éditions du Signe» herausgegebene und verlegte Reihe der Bistumsgeschichten in reichhaltig illustrierten Heften sieht für das Bistum Chur fünf Hefte vor: im Heft 1 stellt Michael Durst von der Theologischen Hochschule Chur die Anfänge bis zum Vertrag von Verdun (843) vor; im Heft 5, das als zweites erschienen ist, zeichnet Albert Gasser, ebenfalls von der Theologischen Hochschule Chur, die Entwicklung von den Folgen des Reichsdeputations-Hauptschlusses (1803) bis in die Gegenwart nach, während Michael Durst ­ vor allem mit seiner Kamera ­ für das Bildmaterial besorgt war.<1>
Der Titel bringt den Weg, den das Bistum Chur in den letzten 200 Jahren gegangen ist, bestens auf den Begriff: Vom rätischen Fürstbistum zur schweizerischen Diözese. Der Bischof verlor seine fürstliche Stellung im Reichstag des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und die einträglichen österreichischen Territorien; das Bistum Chur wurde ein bündnerisch-liechtensteinischer Sprengel, der allmählich um ehemals konstanzische Territorien erweitert wurde: vorübergehend um sanktgallische Gebiete, später einerseits bleibend um Schwyz und anderseits den übrigen Urkantonen sowie Zürich und Glarus als Administrationsgebiete. Der Bistumskonflikt um Bischof Wolfgang Haas wurde 1998 mit dem Verlust von Liechtenstein bezahlt, womit das Bistum nur mehr schweizerisches Staatsgebiet umschreibt.
Albert Gasser greift aber weit über Institutionengeschichtliches (Umbruch und neue Grenzen, Die Urkantone und die Bistumsfrage, Bischöfliche Profile) hinaus. Mit dem Priesterseminar St. Luzi beginnend behandelt er kirchliche Schul- und Ordengeschichte, innerkirchliche Flügelkämpfe (die Abspaltung der freisinnigen Katholiken nach dem Ersten Vatikanischen Konzil, die Auseinandersetzungen in der Zeit des Modernismus wie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil), Kulturkämpferisches (die Auseinandersetzungen um den «politischen Katholizismus» in Graubünden und in Zürich sowie um die Heiligsprechung von Bruder Klaus), den kirchlichen Aufschwung in Zürich und im Priesterseminar, das Theologischen Hochschule wurde, aber auch den Investiturstreit um Koadjutor und Diözesanbischof Wolfgang Haas (1988­1998), ein Streit, der auch von den Problemen ablenkte, die mit «Abschwung des kirchlichen Lebens» auf den Begriff gebracht werden können. Albert Gasser selber bezeichnet diesen Einbruch als Ende der kirchlichen Hochkonjunktur, das nicht nur das Bistum Chur getroffen hat; im Vergleich zu anderen Bistümern lasse sich nicht einmal sagen, die Erosionen des kirchlichen Lebens seien durch die Churer Krise beschleunigt worden.<2>


Anmerkungen

1 Bezogen werden kann das neue Heft (zum Preis von Fr. 16.­) wie das bereits erschienene über das Sekretariat der Theologischen Hochschule, Alte Schanfiggerstrasse 7/9, 7000 Chur, Telefon 081 252 20 12, Fax 081 252 01 15, E-mail sekretariat@priesterseminar-thc.ch

2 Aber auch in dieser kirchengeschichtlichen Phase erkennt Albert Gasser Hoffnungszeichen ­ nicht zuletzt die gelebte Ökumene, der sich auch die Hochschule verpflichtet weiss.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003