51-52/2003 | |
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Bücher |
Walter Ludin, Wenn Mägde prophetisch reden. Gedanken zu Politik, Gesellschaft und Kirche, NZN Buchverlag, Zürich 2003, 110 S.
Zeitereignisse und alltägliche Vorkommnisse, kluge Überlegungen und unbedachte Redensarten regen uns zum Nachdenken und oft auch zu einer persönlichen Bemerkung, zu einem Kommentar an. Einige Zeitgenossen denken einen solchen Kommentar nicht nur für sich oder sprechen ihn nicht nur für ihre unmittelbare Umgebung aus, sondern schreiben ihn auch nieder. Solche Kurzkommentare, solche Gedanken zur Zeit nennen wir Glossen. Ein geübter Verfasser dieser Art Literatur ist der Journalist Walter Ludin. Der Titel seiner neuesten Glossensammlung «Wenn Mägde prophetisch reden» verrät das Interesse des Kapuziners: Auf jene aufmerksam machen, die unten sind; jene vernehmbar machen, die im Sinne von Machtausübung nichts, im Sinne von Lebensweisheit aber viel zu sagen haben. Die Gegenstände seines Kommentierens bezieht Walter Ludin aus der Welt der Politik, der Gesellschaft und der Kirche. Das Kriterium seiner Kommentare ist sein Einstehen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Darum beruhigen seine Gedanken auch nicht. Das will das Bändchen auch gar nicht, ist es doch eine Einladung nicht zum Einschlafen, sondern zum Wachwerden.
Martina Haag, «Dem Herzen Jesu singe...» Politische Instrumentalisierung der Frömmigkeit im 19. und 20. Jahrhundert, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2002, 461 S.
Das Verhältnis von Frömmigkeit und Politik im 19. und 20. Jahrhundert
ist brisant und spannungsreich. Die Theologin Martina Haag behandelt dieses
Thema mit ihren Studien der Entwicklungen des deutschsprachigen Herz-Jesu-Liedes
in dieser Zeit. Die Enzyklika Papst Leos XIII. Annum Sacrum führt diese
Herz-Jesu-Verehrung zu einem Höhepunkt, besonders mit der Weihe der
Menschheit an das heiligste Herz Jesu. Die neu und vehement propagierte
Herz-Jesu-Verehrung fand ihren Niederschlag auch in den religiösen
Liedern dieser Zeit. Diesem Liedgut geht die Untersuchung von Martina Haag
in ihrer Dissertation für die Theologische Fakultät der Universität
Mainz nach. Sie interpretiert darin vier Liedtexte: «O, Jesus, du
mein höchstes Gut», «Mein Herz will ich dir schenken»,
«Herz Jesu, Sitz der Liebe» und «Dem Herzen Jesu singe...».
Dann wird das Liedrepertoire der Diözesanen Gesangbücher und der
Zeitschrift «Sendbote des göttlichen Herzens Jesu» untersucht.
In diesem Zusammenhang fällt auf, wie sich das fromme Heftchen zu einem
Organ mit kriegspolitischer Anteilnahme und Stellungnahme entwickelt. Im
Tirol erzeugte die Propaganda für die Herz-Jesu-Weihe einen eigenen
religiös-populären Patriotismus. Das Herz-Jesu-Fest am Herz-Jesu-Sonntag
enthält auch heute noch Elemente einer 1.-August-Feier: Höhenfeuer,
Marschmusik, Fahnen und Trachten.