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Bücher |
Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (19591965). Band III: Das mündige Konzil. Zweite Sitzungsperiode und Intersessio September 1963 bis September 1964. Herausgegeben von Giuseppe Alberigo. Deutsche Ausgabe herausgegeben von Klaus Wittstadt, Matthias-Grünewald-Verlag/Peeters, Mainz/Leuven 2002, 648 Seiten.
Die grosszügig, umfassend angelegte Geschichte des Zweiten Vatikanischen
Konzils hat mit diesem dritten Band die Hälfte der Wegstrecke zurückgelegt.
Die Kirchenversammlung steht jetzt unter Paul VI., der Sohn und Vater des
Konzils zugleich ist.
Die internationale Arbeitsgruppe gab sich in den Vorarbeiten alle Mühe,
den täglichen Ablauf der Konzilsarbeiten genau wiederzugeben. Dabei
wird auch versucht, die Ausweitung der praktischen Erfahrung der Versammlung
aufmerksam zu erfassen. In einer breit angelegten Quellenbeschaffung wurden
auch Notizen und Überlegungen der Mitarbeiter der Konzilsväter
herangezogen. So sollte ein Werk aus mehreren Händen entstehen
ein ehrgeiziger Plan! Das Resultat ist eine zusammenhängende und organische
Rekonstruktion nicht bloss eine Sammlung von Essays.
Die Darstellung geht über eine chronistische Nacherzählung weit
hinaus und bietet einen bislang nicht möglichen pluriformen Einblick
in das Konzilsgeschehen, das heisst einen Einblick, der den vielfältigen
Ebenen des Geschehens selbst Rechnung trägt: den Generalkongregationen,
den Kommissionen, den informellen Gruppen, dem Echo des Konzils in der öffentlichen
Meinung und umgekehrt dem Echo der öffentlichen Meinung beim Konzil.
Eindrücklich wird das Gewicht der Einflüsse gewogen, die durch
die doch lange Unterbrechung von zehn Monaten das Konzil prägten. «Das
unsichtbare Konzil» während dieser Pause wird immer
noch übersehen und ignoriert. Diese fruchtbare und wertvolle Pause,
in der die Beziehungen zueinander reiche Früchte zeitigten, war äusserst
wertvoll, nachdem man sich kennen gelernt hatte.
Die gründliche Forschungsarbeit gibt Einblick in die Dokumente, denen
bisweilen komplizierte strategische Gefechte vorausgegangen waren.
Die Arbeit gibt auch neues Licht auf Papst Paul VI. und Kardinal Julius
Döpfner in Bezug auf die Auseinandersetzung über die bischöfliche
Kollegialität.
Die «Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils» liegt in
italienischer Sprache bereits komplett vor (5 Bände). Verlagsinterne
Schwierigkeiten haben die deutsche Ausgabe verzögert.
Alfons Fürst, Hieronymus. Askese und Wissenschaft in der Spätantike, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2003, 335 Seiten.
Der Autor (1961) ist Professor für Alte Kirchengeschichte, Patrologie
und Christliche Archäologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität
zu Münster.
Es ist bekannt, dass Hieronymus ein sonderbarer Heiliger ist. Trotzdem kommt
man um diesen Exzentriker nicht herum ein Mann der Gegensätze!
Der Choleriker ist ein militanter Propagandist des asketischen Ideals, ein
vielseitiger und produktiver Schriftsteller. Er ist ein Sprachgenie, ein
fleissiger Übersetzer und origineller Wissenschaftler. All diese ehrenvollen
Titel treffen irgendwie auf den Kirchenvater Eusebius Hieronymus zu. Der
«Provinzler» aus Dalmatien machte seine Karriere in der spätantiken
Welt (Rom, Konstantinopel, Antiochia). In der zweiten Lebenshälfte
wirkte er in Bethlehem; für die damalige Welt des Umbruchs war das
wiederum Provinz. Aufgrund seiner einzigartigen hebräischen Sprachkenntnisse,
die er dort vertiefen konnte, war er als einziger Theologe seiner Zeit imstande,
der christlichen Exegese jüdisches Bibelwissen zu erschliessen.
Alfons Fürst beschreibt die theologischen Kontroversen, in die Hieronymus
im Laufe seines spannungsreichen Lebens verwickelt wurde (Arius, Origenes,
Pelagius). Er erörtert den Beitrag des Hieronymus zur Verbreitung der
christlich-asketischen Lebensform, besonders unter den Frauen der römischen
Aristokratie. Besonders betont Fürst die innovativen wissenschaftlichen
Leistungen als Übersetzer und Ausleger der Bibel.
Joseph Kardinal Ratzinger, Glaube, Wahrheit, Toleranz. Das Christentum und die Weltreligionen, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2003, 220 S.
Josef Kardinal Ratzinger, seit 2002 Dekan des Kardinalskollegiums, ist offenbar daran, aufzuräumen, zu sichten und zu ordnen. Der vorliegende Band steht im Zusammenhang mit dieser Ordnertätigkeit. Er enthält eine Reihe von Aufsätzen und Studien von Josef Ratzinger zu den Themen Verträglichkeit unter den Kulturen und Frieden der Religionen. Der Kardinal war über diese thematische Identität seiner Arbeiten selber überrascht. Die Botschaft, die diesen Gelegenheitsarbeiten gemeinsam ist, könnte umschrieben werden: Christliches Selbstverständnis und wertschätzendes Miteinander der Religionen. Glaube und Dialog, Freiheit und Toleranz hängen gleichermassen an der entscheidenden Frage: «Was ist eigentlich wahr?»