46/2003

INHALT

Bücher

Das Zweite Vatikanische Konzil

 

Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1959­1965). Band III: Das mündige Konzil. Zweite Sitzungsperiode und Intersessio September 1963 bis September 1964. Herausgegeben von Giuseppe Alberigo. Deutsche Ausgabe herausgegeben von Klaus Wittstadt, Matthias-Grünewald-Verlag/Peeters, Mainz/Leuven 2002, 648 Seiten.

Die grosszügig, umfassend angelegte Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils hat mit diesem dritten Band die Hälfte der Wegstrecke zurückgelegt. Die Kirchenversammlung steht jetzt unter Paul VI., der Sohn und Vater des Konzils zugleich ist.
Die internationale Arbeitsgruppe gab sich in den Vorarbeiten alle Mühe, den täglichen Ablauf der Konzilsarbeiten genau wiederzugeben. Dabei wird auch versucht, die Ausweitung der praktischen Erfahrung der Versammlung aufmerksam zu erfassen. In einer breit angelegten Quellenbeschaffung wurden auch Notizen und Überlegungen der Mitarbeiter der Konzilsväter herangezogen. So sollte ein Werk aus mehreren Händen entstehen ­ ein ehrgeiziger Plan! Das Resultat ist eine zusammenhängende und organische Rekonstruktion ­ nicht bloss eine Sammlung von Essays.
Die Darstellung geht über eine chronistische Nacherzählung weit hinaus und bietet einen bislang nicht möglichen pluriformen Einblick in das Konzilsgeschehen, das heisst einen Einblick, der den vielfältigen Ebenen des Geschehens selbst Rechnung trägt: den Generalkongregationen, den Kommissionen, den informellen Gruppen, dem Echo des Konzils in der öffentlichen Meinung und umgekehrt dem Echo der öffentlichen Meinung beim Konzil. Eindrücklich wird das Gewicht der Einflüsse gewogen, die durch die doch lange Unterbrechung von zehn Monaten das Konzil prägten. «Das unsichtbare Konzil» ­ während dieser Pause ­ wird immer noch übersehen und ignoriert. Diese fruchtbare und wertvolle Pause, in der die Beziehungen zueinander reiche Früchte zeitigten, war äusserst wertvoll, nachdem man sich kennen gelernt hatte.
Die gründliche Forschungsarbeit gibt Einblick in die Dokumente, denen bisweilen komplizierte strategische Gefechte vorausgegangen waren.
Die Arbeit gibt auch neues Licht auf Papst Paul VI. und Kardinal Julius Döpfner in Bezug auf die Auseinandersetzung über die bischöfliche Kollegialität.
Die «Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils» liegt in italienischer Sprache bereits komplett vor (5 Bände). Verlagsinterne Schwierigkeiten haben die deutsche Ausgabe verzögert.

Leo Ettlin


Hieronymus

 

Alfons Fürst, Hieronymus. Askese und Wissenschaft in der Spätantike, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2003, 335 Seiten.

Der Autor (1961) ist Professor für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Christliche Archäologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster.
Es ist bekannt, dass Hieronymus ein sonderbarer Heiliger ist. Trotzdem kommt man um diesen Exzentriker nicht herum ­ ein Mann der Gegensätze! Der Choleriker ist ein militanter Propagandist des asketischen Ideals, ein vielseitiger und produktiver Schriftsteller. Er ist ein Sprachgenie, ein fleissiger Übersetzer und origineller Wissenschaftler. All diese ehrenvollen Titel treffen irgendwie auf den Kirchenvater Eusebius Hieronymus zu. Der «Provinzler» aus Dalmatien machte seine Karriere in der spätantiken Welt (Rom, Konstantinopel, Antiochia). In der zweiten Lebenshälfte wirkte er in Bethlehem; für die damalige Welt des Umbruchs war das wiederum Provinz. Aufgrund seiner einzigartigen hebräischen Sprachkenntnisse, die er dort vertiefen konnte, war er als einziger Theologe seiner Zeit imstande, der christlichen Exegese jüdisches Bibelwissen zu erschliessen.
Alfons Fürst beschreibt die theologischen Kontroversen, in die Hieronymus im Laufe seines spannungsreichen Lebens verwickelt wurde (Arius, Origenes, Pelagius). Er erörtert den Beitrag des Hieronymus zur Verbreitung der christlich-asketischen Lebensform, besonders unter den Frauen der römischen Aristokratie. Besonders betont Fürst die innovativen wissenschaftlichen Leistungen als Übersetzer und Ausleger der Bibel.

Leo Ettlin


Zwischen Religionen

 

Joseph Kardinal Ratzinger, Glaube, Wahrheit, Toleranz. Das Christentum und die Weltreligionen, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2003, 220 S.

Josef Kardinal Ratzinger, seit 2002 Dekan des Kardinalskollegiums, ist offenbar daran, aufzuräumen, zu sichten und zu ordnen. Der vorliegende Band steht im Zusammenhang mit dieser Ordnertätigkeit. Er enthält eine Reihe von Aufsätzen und Studien von Josef Ratzinger zu den Themen Verträglichkeit unter den Kulturen und Frieden der Religionen. Der Kardinal war über diese thematische Identität seiner Arbeiten selber überrascht. Die Botschaft, die diesen Gelegenheitsarbeiten gemeinsam ist, könnte umschrieben werden: Christliches Selbstverständnis und wertschätzendes Miteinander der Religionen. Glaube und Dialog, Freiheit und Toleranz hängen gleichermassen an der entscheidenden Frage: «Was ist eigentlich wahr?»

Leo Ettlin


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003