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Bücher |
José M. Sánchez, Pius XII. und der Holocaust. Anatomie einer Debatte, Ferdinand Schöningh, Paderborn 2002, 167 Seiten.
Ein bisher unbekannter Autor, der US-amerikanische Historiker José
M. Sánchez von der Saint Louis University (St. Louis, Missouri),
bemüht sich um einen neuen Zugang zur jetzt vierzigjährigen Streitfrage,
wie Pius XII. in der Holocaustfrage zu beurteilen ist: Er untersucht, wie
Wissenschafter und Populärschriftsteller das Verhalten Pius' XII. begründen,
und bildet sich ein Urteil über ihren Umgang mit den Quellen. Dabei
ist der Autor so ehrlich, zuzugeben, dass er diese Frage nicht einmal in
seinem eigenen Kopf klären konnte, nachdem er alle Autoren und Quellen
gelesen hatte.
Es ist kaum anzunehmen, dass die Ankläger des Papstes aufgrund der
bisher veröffentlichten Quellen geneigt sind, ihre vorgefasste Meinung
zu ändern. Für einen unbefangenen Zuschauer ist es erhellend,
die Teilnehmer am Holocaust-Drama genauer zu untersuchen. Tatsache ist,
dass die Verursacher des Holocaust Deutsche waren. Zuschauer in diesem Drama
waren Alliierte, Neutrale und das Papsttum. Es muss für die Kritiker
Pius' XII. interessant sein, nicht die Nazis, die Urheber des grauenvollen
Völkermordes, zu beschuldigen, sondern die Zuschauer anzuklagen, das
Drama nicht verhindert zu haben. Und da Pius XII. allein in erhabener Stellung
stand, drängte er sich zur Zielscheibe ihrer Kritik förmlich auf.
Das stärkste Argument für das Schweigen des Papstes war, dass
er die Situation mit einem öffentlichen Protest nicht verschlimmern
wollte. Seiner Meinung nach konnten leise Diplomatie und vertrauliches Handeln
mehr Menschenleben retten als ein öffentlicher Protest. Ein scharfer
päpstlicher Protest hätte den nationalsozialistischen Vernichtungsapparat
kaum beeinflusst.
In der jahrzehntelangen Diskussion haben sich die Positionen der beiden
Parteien, der Ankläger wie der Verteidiger Pius' XII. trotz der Publikation
von Tausenden von Dokumenten kaum verändert (vgl. die 12 Bände
der «Actes et Documents du Saint-Siège relatifs à la
Seconde Guerre mondiale», Vatikan 19651981). Fortschritte in
dieser Beziehung sind wahrscheinlich in Zukunft kaum zu erwarten, falls
nicht ganz entscheidend neue Akten in den Archiven gefunden werden. Vor
kurzem gab der Vatikan die Öffnung geheimer Akten über die Beziehungen
mit Deutschland zwischen 1922 und 1939 bekannt.
Albert Gerhards/Benedikt Kranemann (Hrsg.), Christliche Begräbnisliturgie und säkulare Gesellschaft, (Erfurter Theologische Schriften, Band 30), St. Benno Verlag, Leipzig 2002, 345 Seiten.
Gebete und gottesdienstliche Handlung angesichts von Sterben und Tod
gehören zu den sensiblen Bereichen christlicher Liturgie. Das gottesdienstliche
Ritual hat durch Jahrhunderte, im Kern unangetastet, Zeichenhandlungen entwickelt,
die in unterschiedlichen gesellschaftlichen Situationen rezipiert werden
können. Die Begräbnisliturgie soll zur Bewältigung einer
Lebenskrise beitragen, soll Menschen helfen, den Verstorbenen loszulassen,
soll helfen zur Reintegration der Trauernden in das Leben und soll schliesslich
und nicht zuletzt eine Antwort geben auf die Sinnfrage.
Gegenwärtig bekommt die christliche Tradition Konkurrenz. Neue Rituale
entstehen. Freie «Ritendesigner» entwerfen neue Rituale, die
der Bewältigung von Lebenswenden und Lebenskrisen dienen sollen. Die
Angebote der «freien Ritenanbieter» sind in Kreisen, die sich
ihrer Glaubensgemeinschaft entfernt haben, willkommen. Das geschieht nicht
nur in den Ballungszentren der Grossstädte. Auch ländliche Gegenden
haben diesen unverbindlich bequemen Service bereits entdeckt.
Wie reflektiert die Theologie diese Situation? Welche Kriterien fordert
sie für die Praxis? Die Beiträge von Fachleuten aus Liturgiewissenschaft
und Pastoraltheologie verschiedener Konfessionen suchen Antworten für
die Praxis auch jenseits gewohnter Denkmuster.
Klaus Kühlwein, Schöpfung ohne Sinn. Gott und das Leid, Patmos Verlag, Düsseldorf 2003, 176 S.
Keine Frage treibt den Menschen mehr um als die Frage nach dem Leid.
«Warum so viele Tränen? Warum soviel Leid?».
Klaus Kühlwein vom Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg geht den
brennenden Fragen nach, die den Menschen auch heute noch beschäftigen
und ihnen kaum Ruhe lassen. Es sind Fragen an den «lieben Gott»,
der hier im Gerichtssaal auf der Anklagebank sitzt. Kann Gott das Leid geschehen
lassen, kann er zuschauen, wenn es brenzelig wird? Wie, wenn das Leid Kinder
trifft? Da bleibt die Rede von Gottes guter Vorsehung in der Kehle stecken.
Warum so viel Böses in der Welt? Was hat Gott dabei gedacht? Welcher
Plan steht dahinter?
In diesem Buch geht Klaus Kühlwein mit seinem Leser auf die Suche.
Er selber gesteht: «Der Weg ist beschwerlich, und auf weite Strecken
fällt kein Licht.» Doch für den Aufmerksamen bietet er viele
Überraschungen mit interessanten Details. Begleiter in diesem Buch
des Dozenten am Freiburger Bildungswerk ist Hiob, der wie kein anderer mit
dem Leid konfrontiert. Die Fragen des Hiob sind uralt, doch immer mehr aktuell.
Hadwig Müller (Hrsg.), Freude an Unterschieden Kirche in Bewegung. Den Glauben vorschlagen in der heutigen Gesellschaft Proposer la foi dans la société actuelle, zweisprachig, Deutsch und Französisch, Schwabenverlag, Ostfildern 2002, 229 Seiten.
Nach dem ersten deutsch-französischen Kongress 2000 in Freiburg
i.Br. «Sprechende Hoffnung-Werdende Kirche» fand anderthalb
Jahre später in Magdeburg ein zweiter statt. Das Thema lautete «Getauft
sein und im Gespräch sein». Dieses Thema war auf die ostdeutschen
Christen zugeschnitten, wo evangelische und katholische Christen gegenüber
den Heiden aus kommunistischer Vergangenheit eine Minderheit bilden. Die
Taufe, die Menschen zu Christen macht, bedeutet, dass die Christusgläubigen
sich nicht verschliessen und von den Menschen anderer Herkunft abschotten.
Sie sollen vielmehr mit anderen Menschen im Gespräch sein oder mit
ihnen den Kontakt suchen. Eine solche Herausforderung kann nur in ökumenischer
Weise aufgenommen werden. Beispielhafte Situationen sind Stadtpräsenz,
Hospizarbeit, Kirchenführung, Gemeindearbeit, Jugendaustausch, Beratung,
Schulen, Verbände... Nur in der Solidarität scheint es heute zu
einer christlichen Identität zu kommen.
Bei dem in diesem Band dokumentierten Zusammentreffen von sehr unterschiedlichen
Menschen, von West und Ost, von Frankreich und Deutschland, von evangelischen
und katholischen Christen, wurde die Vielfalt oft zu einem Grund des Staunens.
Nicht ohne Spannungen, aber zuversichtlich erlebten sie sich als «Kirchen
in Bewegung».