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INHALT | |
Bücher |
Christoph Schönborn, Gott sandte seinen Sohn. Christologie. Unter Mitarbeit von Michael Konrad und Hubert Philipp Weber, (AMATECA. Lehrbücher zur katholischen Theologie, Band VII), Bonifatius Verlag, Paderborn 2002, 372 Seiten.
Die von Bischof Eugenio Corecco (+1995) angeregte Reihe theologischer
Lehrbücher schreitet unter internationaler Beteiligung voran. Es ist
erfreulich, dass der frühere Freiburger Dogmatiker Christoph Schönborn
trotz seiner Arbeit am Katechismus der Katholischen Kirche (ab 1988) und
dann als Weihbischof (1991) und Kardinal-Erzbischof (1995/98) von Wien die
Kraft und die Zeit gefunden hat, die schon früh gefasste Aufgabe durchzuziehen
und zu Ende zu bringen. Er erwähnt auch dankbar die zwei jungen Theologen,
die in den letzten Jahren mitgeholfen haben, frühere Vorlesungstexte,
weitere Publikationen, viele Materialien zu ordnen, zu ergänzen, teilweise
auch zu redigieren. Doch trägt der Text in Aufbau und Sprache stark
den Stempel von Christoph Schönborn und kann als sein eigenes Werk
gelten.
In einer sympathischen «Hinführung» legt er einen Rechenschaftsbericht
ab, wie es zu diesem Buch kam. In dieser autobiographischen Skizze wird
deutlich, welche Strömungen und Figuren den Autor vornehmlich geprägt
haben: Es sind einmal die Kirchenväter und sodann die französische
Theologie des 20. Jahrhunderts, manchmal zusammengefasst unter dem Stichwort
«Nouvelle Théologie», und darunter vor allem seine Ordensmitbrüder,
die Dominikaner; doch ist ihm die deutschsprachige Theologie durchaus nicht
fremd. Doch verarbeitet er sie alle ganz selbständig, ob nun voll zustimmend
oder nuancierend.
Der Theologe, der zugleich als Bischof verantwortlich ist für seine
Gläubigen, bekennt freimütig, sein Text könnte teilweise
als Apologie aufgefasst werden; wenn schon, dann aber ohne jede hämische
Polemik! Er stellt lieber positiv dar, worauf es ihm ankommt, als dass er
nach links und rechts ausschlägt, und wenn er sich schon mal distanziert,
dann in vornehmer Weise und eher in der Art des Nichterwähnens
als des Kämpfens.
Das Buch ist ein didaktisch vorbildliches «Lehrbuch», gar
nicht trocken, sondern leserfreundlich aufgebaut, mit stetem Vorausweisen
und kurzem Zusammenfassen, in knappen Abschnitten, die gut verdaut werden
können, in klaren, kurzen Sätzen. Vor allem ist dem Buch eine
grosse Zuversicht und Glaubenstreue und -freude eigen. Dazu gehört
der für manche vielleicht seltsame Epilog: nämlich eine kurze
Darstellung der theologischen Bedeutung der Theresia von Lisieux, die 1997
zur Kirchenlehrerin ernannt wurde (die 33. in dieser Reihe illustrer Heiliger).
Aber diese Wahl liegt genau in der Grundhaltung des Autors: Die eigentliche
Theologie wird von den Heiligen «betrieben», nicht von den «Schul»theologen,
bzw. ein Theologe sollte ein Heiliger sein, und ein Heiliger ist auf seine
Weise auch Theologe. Diese Haltung bedeutet keineswegs eine Verachtung der
intellektuell redlich betriebenen Theologie, die überall das Gute und
Wahre sieht, wo immer es an die Oberfläche gehoben wird, es aber auch
zu scheiden weiss.
Weit umfassend eröffnet Schönborn seine Christologie, die auf
Schrift, Tradition und Erfahrung aufruht keine dieser drei Dimensionen
darf vernachlässigt werden. Drei Krisen der Neuzeit haben die Theologie
und den Glauben ins Wanken gebracht: die naturwissenschaftliche, die historische
und die existentielle Krise. Ihr gegenüber bewahrt die Gestalt Jesu
eine eigentümliche Resistenz, auch in ihrer Dialektik von Vollmacht
und Niedrigkeit, in ihrer lebenswendenden Erscheinung (Paulus vor Damaskus!),
in seiner Absicht, sich erkennen zu lassen.
Der Grundzug, der sich durch das ganze Buch durchhält, ist die Sendung
des Sohnes Gottes. Und hier werden alle «Etappen» dieser Sendung
vorgestellt: die präexistente Fülle der Gottessohnschaft, die
Inkarnation mit ihrer Problematik von (voller) Menschheit und (voller) Gottheit,
der irdische Weg des Gottessohnes (hier werden auch ganz unscheinbare Züge
in ihrer Bedeutung hervorgehoben), das Pascha des Gottessohnes (oder die
Theologie der Drei Tage inkl. Passion vorher, mit besonderem Akzent auf
dem Abstieg zum Reich des Todes), die Verherrlichung des Gottessohnes. In
sehr vornehmer Weise versucht Schönborn, die vielfach geschmähte
Satisfaktionstheorie von Anselm als letzlich von der Freiheit grundgelegte
Theologie zu deuten oder die Theologie Luthers respektvoll als aus seiner
Glaubenserfahrung heraus gewachsene Lehre zu erklären; man wird ihm
aber zustimmen, dass Thomas diesbezüglich wahrhaft eine Synthese gelungen
ist.
Beim Durcharbeiten dieses Buches fällt einem ein dritter Zug der Schönborn'schen
Theologie auf: Das ist die Vertrautheit mit der orthodoxen Theologie. Weit
davon entfernt, sie für entbehrlich zu halten, schöpft er in ihr
manche Ergänzung und Vertiefung der westlichen Theologie; nicht umsonst
hat ihm die orthodoxe theologische Fakultät von Bukarest den Ehrendoktortitel
verliehen (wofür er in der Buchwidmung dankt).
Dem nicht systematisch fachtheologisch gebildeten Leser bleibt ein Wunsch,
der nicht in diesem Buch eingelöst werden konnte: die fundamentalen
Glaubenswahrheiten neu so zu sagen, dass an ihrem Inhalt gar nichts weggedeutet
wird, aber so, dass sie auch einem nicht klassisch gebildeten Leser zugänglich
werden; die Konzilsbeschlüsse des 1. Jahrtausends und die theologischen
Schlussfolgerungen der Fachtheologen sind doch nur noch einem ganz kleinen
Kreis Eingeweihter zugänglich. Bei vielen neueren theologischen Versuchen
kann sich dieser oben erwähnte Leser des Eindrucks nicht erwehren,
dass der legitime Wunsch, die Mysteria fidei zugänglich zu machen,
oft zu einer Verfälschung und Verarmung führt. Die Tradition kann
eben nicht einfach weggewischt werden, wenn sie schwierige Probleme aufwirft.
Ein Trost, dass Therese von Lisieux, von jeder soliden theologischen Bildung
unberührt, intuitiv das Wesentliche herausgespürt hat. Ihre grundgesunde
Haltung wirkt noch heute (heute neu!) erfrischend, seit ihre Schriften im
Urtext und die Fotografien in ihrem Umkreis unretuschiert zugänglich
sind.
Dem Verfasser gebührt Dank für den Mut, dieses im besten Sinn
als Lehrbuch (auch zum Selbstunterricht) zu gebrauchende Werk herausgegeben
zu haben.
Xaver Pfister, Nicht nur sonntags. Worte in den Tag. Mit einer Einführung von Erwin Koller, Paulusverlag, Freiburg 2002, 172 Seiten.
Xaver Pfister ist mit seinem «Wort zum Sonntag» im Fernsehen
oder mit «Wort zum neuen Tag» im Radio und mit den Beiträgen
im «Tipp» (Telebasel) sehr geschätzt. Von ihm fühlen
sich die Menschen angesprochen. Er vertritt nicht eine weltabgehobene, elitäre
Frömmigkeit und Lebenspraxis. Seine Spiritualität hat Bodenhaltung
und Tiefgang zugleich. Xaver Pfister hat seine Beliebtheit nicht durch Konzessionen
an den gängigen Trend erworben. Er geht auch den brisanten Fragen des
Alltags mit ihren heissen Eisen nicht aus dem Weg. Aber auch in solchen
Situationen spürt der Hörer Verständnis und Kompetenz.
Erwin Koller, damals der Leiter Kultur bei Fernsehen DRS hat ein ehrendes
Vorwort geschrieben. Es zeugt von der Hochschätzung für Xaver
Pfister in den Chefetagen von Radio und Fernsehen.
Johannes Paul II., Leben aus der Kraft der Hoffnung. Jahreslesebuch 2003, mit einem Vorwort von Joseph Kardinal Ratzinger. Herausgegeben von Franz Johna, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2003, 400 S. Der vorliegende Band ist eine aktualisierte Neuauflage des Papstbuches «Aus der Kraft der Hoffnung leben» (1995).
Bei einem Papstbesuch in Lima (Peru) hatten die Eingeborenen folgenden
Spruch auf ein Transparent geschrieben: «Hambre de pan no; Hambre
de Dios si. Hunger nach Brot nein; Hunger nach Gott ja.»
Kardinal Joseph Ratzinger macht diesen Plakattext zum Motto des vorliegenden
päpstlichen Jahreslesebuches. Man könnte auch ein Wort aus den
Papstansprachen auf die Intention Johannes Pauls II. anwenden: «Habt
keine Angst, habt Mut!»
Für jeden Tag des Jahres sind da ermutigende Sätze Johannes Pauls
II. herangeholt. Sie geben Ansporn für jeden Tag. Die Füllle dieser
Kerntexte gibt Vertrautheit mit dem theologischen Denken des Papstes.
Horst Goldstein, «Geniess das Leben alle Tage». Eine befreiende Theologie des Wohlstandes, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2002, 273 Seiten.
Wie kann jemand, der als engagierter Sympathisant der Befreiungstheologie
die «Option für die Armen» zu leben versucht, ohne Gewissensbisse
einen, wenn auch bescheidenen Wohlstand in einem reichen Land geniessen?
So lautet die Frage, der sich Horst Goldstein stellt. Oder im Originalton
des Verfassers: «Allesamt stehen wir vor der Frage, ob und gegebenenfalls
wie unsere im Sinne der Nachfolge Jesu begriffene Parteinahme für die
Kleinen und Entrechteten mit unserem vergleichsweise sorgenfreien und angenehmen
Wohlleben in Übereinstimmung zu bringen sei.»
Der Autor übersetzte die wichtigsten befreiungstheologischen Werke
ins Deutsche. Als Referent und Publizist vermittelte er die Anliegen der
lateinamerikanischen Theologie einem breiteren deutschsprachigen Publikum.
Er gibt seine Antworten auf die gestellte Frage in einer speziellen Mischung
von persönlichem Zeugnis (das Buch trägt «Züge der
narrativen Theologie») und hochstehender philosophisch-theologischer
Reflexion. An manchen Stellen stützt er sich auf den Schweizer Theologen
Urs Eigenmann mit seinem Buch «Das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit
auf Erden».
Der Rezensent, welcher den Autor persönlich gekannt hat und um sein
persönliches Schicksal weiss, las mit besonderer Beklemmung die folgenden
Sätze, mit denen Goldmann seine Lage schilderte: «Ein wahrlich
unprätentiöses Auto, das mehr im Hof steht, als dass es mir die
relative Bequemlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel verleiden könnte,
bedarf kaum der Erwähnung. Ein paar Rücklagen sollten mir etwas
materielle Sicherheit im langsam sich anbahnenden Alter bieten oder vielleicht
auch ein Mittel der Grosszügigkeit an die Hand geben» (S. 19).
Kurz nach Erscheinen des Buches verunfallte Horst Goldmann tödlich
während einer seiner seltenen Autofahrten.