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Bücher |
Elisabeth Gössmann, Helga Kuhlmann, Elisabeth Moltmann-Wendel (Hrsg.), Wörterbuch der Feministischen Theologie, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2002, 640 Seiten.
Zwölf Jahre nach der ersten Auflage gibt das Gütersloher Verlagshaus
eine zweite, vollständig überarbeitete Auflage des Wörterbuchs
der Feministischen Theologie heraus. Während die erste Auflage mit
einem Bild von Niki de Saint Phalle auf dem Umschlag fröhlich verspielt
daherkam, wirkt die zweite Auflage schon vom Erscheinungsbild her weniger
frech, dafür sachlicher und umfangreicher als die erste. Von den 140
Artikeln sind über sechzig komplett neu, auch die beibehaltenen wurden
neu verfasst, elf Themen wurden weggelassen.
Die Veränderungen zwischen der ersten und der zweiten Auflage widerspiegeln
die Entwicklung der Feministischen Theologie im letzten Jahrzehnt. Weniger
kämpferisch, aber höchst lebendig, vielfältig und kompetent
tritt sie auf, und sie hat sich in alle wichtigen theologischen Fachbereiche
eingearbeitet. So ist sie etwa im Bereich der Praktischen Theologie sehr
präsent mit neuen Artikeln wie Abendmahl, Frauenarbeit, Frauenseelsorge,
Katechetik, Segen, Gebet.
Die Auseinandersetzung mit gewissen traditionellen kirchlichen Themen und
Strukturen hat dagegen an Bedeutung verloren; demzufolge wurden etwa die
Artikel über Bekenntnisformeln, Jungfrau oder Ministrantin nicht mehr
aufgenommen. Weitere kleine Veränderungen zeigen ähnliche Tendenzen:
Das Thema Ehe wurde weggelassen, dafür kam neu die Beziehung sowie
die Freundschaft dazu; die Liebe bleibt, wird jedoch der Erotik beigesellt.
Und was früher Moral/Ethik hiess, heisst heute Ethik/Moral.
Neu dabei sind auch Stichworte aus zahlreichen theologischen und gesellschaftlichen
Debatten der letzten Jahre wie Bioethik, Schwangerschaftsabbruch, Kommunikation,
Ehrenamt, Geld, Ökonomie. Und schliesslich hat auch die aktuelle feministische
Diskussion um Differenz, Postmoderne und Gender ihre Spuren hinterlassen,
was sich teilweise in eigenen Artikeln, vor allem aber auch in der Überarbeitung
von zahlreichen alten Beiträgen niederschlägt.
Was die Autorinnen betrifft, so fällt auf, dass sie heute aus drei
Theologinnen-Generationen stammen: Die Pionierinnen der heutigen feministisch-theologischen
Bewegung gehören bereits zur Grossmüttergeneration, die Töchter
der ersten Auflage wurden zu Müttern, und eine neue Töchtergeneration
bringt neue Erfahrungen, neue Fragen und neue Antworten ein, wobei erfreulich
ist, wie viele von ihnen an Universitäten vor allem in Europa und den
USA tätig sind.
Hinsichtlich der Konfessionen sind die Autorinnen gut durchmischt, wobei
Reformierte, Lutheranerinnen und Katholikinnen die grosse Mehrheit, Frauen
orthodoxen und jüdischen Glaubens eine kleine Minderheit darstellen.
Der Anspruch, auch Erfahrungen und Erkenntnisse von Theologinnen ausserhalb
unseres Kulturkreises miteinzubeziehen, wurde in der Auswahl solcher Autorinnen
noch wenig, in den Verweisen innerhalb der einzelnen Artikel jedoch schon
recht oft berücksichtigt. Überhaupt sind die meisten Artikel inhaltlich
als «Inter-Diskurs» gestaltet: interdisziplinär, interreligiös,
interkonfessionell, interkulturell, international und interkontinental.
Es muss nicht mehr gezeigt werden, dass wir alle gleich und vereint gegen
das Patriarchat sind, sondern unterschiedliche Positionen und Profilierungen
auch innerhalb der feministischen Theologie werden dargestellt und in ihrer
Gegenüberstellung fruchtbar gemacht.
Vom Niveau her sind die Artikel sehr unterschiedlich gehalten, von einfach
und übersichtlich bis anspruchsvoll, für Nichttheologinnen werden
einige recht schwer verständlich sein. Auch die Themenauswahl erfolgte
wohl eher aus universitärer Sicht: so fehlen einige Themen des kirchlichen
Alltags wie etwa die Festzeiten des Kirchenjahres.
Mit grosser Sorgfalt wurden die Literaturangaben zusammengestellt, die nach
jedem Artikel einen Überblick über die neuere und neueste feministisch-theologische
Forschung in jenem Themenbereich geben. Auf Vollständigkeit kann man
sich dabei leider nicht ganz verlassen. Warum etwa beim Thema Segen auf
das Buch «Theologie des Segens» von Dr. Magdalene L. Frettlöh
(Gütersloh, 1998) weder im Text noch bei den Literaturangaben verwiesen
wird, ist schwer nachvollziehbar.
Die kleinen Mängel sollen aber nicht vom Wert des Ganzen ablenken.
Alles in allem eignet sich das Buch bestens für die Arbeit im Studium
wie auch für die Predigtvorbereitung und die kirchliche Erwachsenenbildung.
Nicht zuletzt von Vorteil ist dabei das neue Layout, das dank grosser Zeilenabstände
zu Anmerkungen und vor allem auch zu vielen Unterstreichungen geradezu einlädt.
Die Geschichte des Christentums: Religion, Politik, Kultur. Deutsche Ausgabe herausgegeben von Norbert Brox, Odilo Engels, Georg Kretschmar, Kurt Meier, Heribert Smolinski. 13. Band: Krisen und Erneuerung (19592000), Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2002, 736 S.
Was bei der deutschen Ausgabe dieses von französischen Historikern
konzipierten und verfassten Werkes immer wieder lobend hervorgehoben werden
muss, gilt auch für den vorliegenden l3. Band: Die Bände erscheinen
in rascher, seit langem präzis vorhergeplanter Folge. Im Moment stehen
nur noch Band 1: Die Zeit des Anfangs (bis 250) und Band l4 mit dem Gesamtregister
aus. Geht man von der Erfahrung der erschienenen zwölf Bände aus,
kann man diese beiden Bände im Lauf dieses oder der ersten Hälfte
des nächsten Jahres erwarten.
Darin unterscheidet sich das Werk vorteilhaft von der von Giuseppe Alberigo
herausgegebenen Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils, bei der die
deutschsprachige Ausgabe in ärgerlicher Weise hinter den anderen Ausgaben
etwa der italienisch- oder französischsprachigen Ausgabe
nachhinkt. Um die Spannung oder den Ärger zu erhöhen,
wird der Erscheinungstermin erst mehrmals angekündigt und ebenso prompt
auf unbestimmte Zeit verschoben.
Dieses rasche Erscheinen ist, wie Bemerkungen der Verfasser oder Bearbeiter
erahnen lassen, auch auf den «milden» Druck des Verlages zurückzuführen.
Beim vorliegenden Band hat sich dieser Druck freilich auch negativ ausgewirkt.
Die Verfasser der französischen Ur-Ausgabe hatten in erster Linie vor
allem französische Leser vor Augen. Das ist ihr gutes Recht falls
damit nicht die historische Wirklichkeit verfälscht wird. Meiner Meinung
nach haben die Bearbeiter dieser deutschsprachigen Ausgabe zu wenig in den
Text eingegriffen, um die spezifischen deutschsprachigen Belange darzustellen.
So entscheidend zum Beispiel bei der Erarbeitung der Konzilskonstitution
über die Liturgie und bei der nachkonziliaren Entwicklung der Liturgie
die Arbeit der Leute um die Zeitschrift «La Maison Dieu» (etwa
von Aimé-Georges Martimort und P. Pierre-Marie Gy) war, darf dabei
die Arbeit der deutsch- und italienischsprachigen Liturgiker (etwa Josef
Andreas Jungmann, Johannes Wagner, Cipriano Vagaggini) nicht derart rudimentär
dargestellt werden wie es hier geschieht. Entsprechend fällt die Ergänzung
der deutschsprachigen Literatur doch recht «sparsam» aus. Ähnliche
Bemerkungen liessen sich auch bei anderen Abschnitten machen. Retouchen
in dieser Hinsicht wären für das Gesamtbild des Bandes nur förderlich
gewesen. In dieser Hinsicht nehmen zum Beispiel die Verfasser der Konzilsgeschichte
von Giuseppe Alberigo einen bedeutend «katholischeren» Standpunkt
ein.
Diese kritischen Hinweise sollen dem Band durchaus nicht viele positive
Seiten absprechen. Ich nenne etwa das «Verlassen eines einseitig europäischen
Horizontes» und die Darstellung «der weltweiten Vielfalt»
des nachkonziliaren Christentums, wie der Klappentext mit Recht sich selber
rühmend hervorhebt. In den Bischofssynoden und den vielen Reisen Johannes
Pauls II. kam diese Ausweitung in den letzten Jahren einzigartig zum Tragen.
Eine bessere Berücksichtigung der Themen und Diskussionen auf den Bischofssynoden
hätten dieser «Vielfalt» mehr Eindrücklichkeit verliehen,
denn alle Teilnehmer an diesen Bischofsversammlungen gestehen, dass sie
hier «Weltkirche» erleben. Dieses Urteil hält auch dann
stand, wenn man sich der Unausgegorenheit der heutigen Struktur der Bischofssynode
bewusst ist. Was die Darstellung der Entwicklung der katholischen Kirche
zu einer «Weltkirche» und die Berücksichtigung der Entwicklung
der anderen christlichen Kirche betrifft, kann man sagen, dass der Band
zum besten gehört, was im Moment auf dem Markt ist. Die Problematik
dieser Sicht besteht wie bei jeder zeitgeschichtlichen Darstellung darin,
dass sie im Moment des Erscheinens durch die Entwicklung schon überholt
sein kann und darum eine Momentaufnahme in einem bestimmten Augenblick bleiben
muss.
Mit einigem Interesse sieht man nun der deutschsprachigen Bearbeitung des
ersten Bandes das heisst der Darstellung des «jungen»
Christentums bis zum Jahr 250 entgegen. Hier haben Exegeten, Dogmengeschichtler
und Kirchenhistoriker in den letzten Jahrzehnten einige Steine so neu geschichtet,
dass ausgetretene Wege nicht mehr begangen werden können.
Herbert Haag, Täter des Glaubens. Predigten über Heilige, Paulusverlag, Freiburg/Schweiz 2003, 152 S.
In der ganzen Zeit seiner akademischen Lehrtätigkeit und im Ruhestand
liess sich der Alttestamentler Herbert Haag (19152001) als Prediger
durch Pfarreien engagieren. Die in diesem Buch aus seinem Nachlass aufgenommenen
und so einer weitern Öffentlichkeit erschlossenen Ansprachen in Eucharistiefeiern
sind im weiten Zeitraum von gut vier Jahrzehnten, nämlich in den Jahren
1956 bis 1999, gehalten worden. Sie legen Zeugnis ab, wie ein wacher Geist
das Wort der Bibel, die Fakten aus dem Leben beispielhafter Menschen und
die Entwicklungen in Kirche und Welt verarbeitete; dabei das lebte, was
er 1986 in einer Predigt zum Fest der Apostel Petrus und Paulus sagte: «In
Petrus und Paulus zusammen findet sich die Kirche wieder. Neben dem Hirtenamt
des Petrus wird es darin immer das paulinische Amt des Theologen geben müssen,
das gegenüber dem Petrusamt eine kritische Funktion ausübt. Weder
ohne das eine noch das andere ist Kirche denkbar. Beide werden allerdings
vom Herrn nach dem gleichen Massstab beurteilt: nach dem Mass der Liebe»
(143).
Herbert Haag hat fast jeden Sonntag einen Gemeindegottesdienst gehalten.
In die jeweilige Zeit hinein hat er in einfacher und anschaulicher Sprache
gesprochen und zwar so, dass man ihm unwillkürlich zuhören
musste. Die hier vorgelegten Manuskripte führen deshalb zu einem wirklichen
Lesevergnügen.
Als Zeitdokument gelten beiläufig gemacht Äusserungen so
die Bemerkung, dass es 1942, als Herbert Haag seine erste Stelle als Vikar
an der Franziskanerkirche in Luzern antrat, in dieser Stadt nichts gab,
was man Antisemitismus hätte nennen können (83).
András Máté-Tóth, Theologie in Ost(Mittel)Europa. Ansätze und Traditionen, (Reihe «Gott nach dem Kommunismus». Herausgegeben von Paul M. Zulehner, Miklós Tomka und Niko Tos), Schwabenverlag, Ostfildern 2002, 228 Seiten.
Das internationale Forschungsprojekt «Aufbruch» hat nach
der politischen Wende in zehn Reformländern Ost(Mittel)europas die
religiösen und kirchlichen Entwicklungen mit quantitativen und qualitativen
Methoden untersucht. Die Ergebnisse erscheinen seit 1999 in der Reihe «Gott
nach dem Kommunismus».
Dieser Band behandelt die theologischen Traditionen dieser Region und versucht
aufgrund der komplexen sozialwissenschaftlichen Analyse einen Beitrag zu
einer originellen Theologie der «Zweiten Welt» zu leisten. Die
Hauptthemen sind: Theologische Bedeutung des Symbols «Fall der Mauer»;
theologische Traditionen und Arbeitsfelder in der Region; Zweitlese des
Zweiten Vatikanischen Konzils; theologische Hermeneutik der Grunderfahrungen
der Region. Diese Positionen werden an drei Fallbeispielen aufgezeigt: Umgang
mit der Vergangenheit, Rolle und Bedeutung der Laien sowie EU-Erweiterung
und die Rolle der Kirche in Ost(Mittel)europa.
Der Entwurf des Laientheologen Máté-Tóth aus Ungarn
ist die erste systematische Untersuchung der theologischen Charakteristiken
der Region Mitteleuropas und eine Ouvertüre für die internationale
Diskussion in Ost und West. Für uns Katholiken im etablierten Westen
ist diese Lektüre sehr nötig, damit auch in der kirchlichen Optik
der Eiserne Vorhang verschwindet.
Ondrej Liska, Jede Zeit ist Gottes Zeit. Die Untergrundkirche in der Tschechoslowakei 19481989, St. Benno-Verlag, Leipzig 2003, 224 Seiten.
Die Untergrundkirche der ehemaligen Tschechoslowakei hat eine eigentümliche
und sonderbare Geschichte. Aus Sorge um die Weiterexistenz der Kirche wurden
da im Untergrund Bischöfe und Priester geweiht, darunter auch verheiratete
Männer und Frauen. Das führte nach dem Zusammenbrechen des Kommunismus
zu eigenartigen, schwer lösbaren Problemen. Der Erzbischof von Prag,
Kardinal Miloslaw Vlk, hat sich dieser Situation auf pragmatische Art und
Weise angenommen und einigermassen akzeptable Lösungen gefunden.
Der Autor Ondrej Liska ist Doktorand der Masaryk-Universität Brünn.
Er schrieb, angeregt von Kardinal Vlk, ein wissenschaftlich einwandfreies,
hochinteressantes Buch. Seine Studien umfassen historische, religiöse
und soziologische Aspekte. Die Kardinäle Karl Lehmann, Mainz, und Miloslaw
Vlk, Prag, haben dazu je ein informatives Vorwort geschrieben.
Henri Nouwen, Du schenkst mir Flügel. Gedanken der Hoffnung, zusammengestellt und bearbeitet von Timothy Jones, St. Benno-Verlag, Leipzig 2002, 118 Seiten.
In seinem Hoffnungsbuch stellt Henri Nouwen einen Damm auf gegen die Verbitterung; denn durch Verbitterung liegt ein Teil von uns brach und wir geben so Gott keine Chance zu helfen. In den Stand des Heils gelangt man, wenn der Geist uns Flügel verleiht, um auch mitten im Schmerz zu glauben, dass Gott das Leben lenkt und ordnet. Diese Thematik: das Leid und der rechte Umgang mit ihm, ist bei Henri Nouwen grundlegend. Der bekannte geistliche Lehrer hat das selber praktiziert, als er sich der Arche-Gemeinschaft anschloss.