33-34/2003 | |
INHALT | |
Bücher |
Stephan Kaiser-Creola, Kirchliche Jugendarbeit. Berichte, Reflexionen, Perspektiven, NZN-Buchverlag, Zürich 2003, 172 S.
«Jugendseelsorge bzw. kirchliche Jugendarbeit ist und bleibt eine
ÐBaustelleð. Denkmalpflegerische Aspekte genügen nicht; es
muss immer wieder renoviert, restauriert und ausgebaut werden.» Diese
Sätze aus dem Leitbild der Zürcher Jugendseelsorge skizzieren
die Stossrichtung des Buches, das von Stephan Kaiser-Creola herausgegeben
wurde. Ihm und den anderthalb Dutzend fachlich ausgewiesenen Autoren und
Autorinnen geht es nicht um oberflächliche Rezepte. Sie beleuchten
die theologischen und soziologischen Hintergründe, die für eine
sinnvolle kirchliche Jugendarbeit zu berücksichtigen sind. Selbstverständlich
fehlen Berichte über konkrete Praxisbeispiele nicht (z.B. Jugendgottesdienste,
Meditieren mit Jugendlichen, Firmvorbereitung, Jugendreisen und Jugendtreffen).
Aber Praxis ohne Theorie ist blind und meist ineffizient.
Das Buch wendet sich keineswegs nur an Insider der Jugendarbeit und der
Jugendseelsorge. Wie der Herausgeber einleitend unterstreicht, ist die ganze
Pfarrei dazu berufen, das geeignete Umfeld für die professionelle Jugendarbeit
zu schaffen. Sonst greifen die besten Ansätze nicht. So ist dem Buch
sehr zu wünschen, dass es von möglichst vielen gelesen wird, die
sich um die Weitergabe des Glaubens an die junge Generation Sorgen machen
und es nicht beim Jammern über die böse Jugend bewenden lassen.
Wobei diese bekanntlich weder bös noch areligiös ist...
Heinz Schmidt/Renate Zitt (Hrsg.), Diakonie in der Stadt. Reflexionen Modelle Konkretionen, (Diakoniewissenschaft. Grundlagen und Handlungsperspektiven, Band 8), Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2003, 260 Seiten.
Schwerpunktsetzung auf der Diakonie einer von drei Grundfunktionen
von Kirche wird gegenwärtig als das Erfolgsmodell kirchlichen
Handelns propagiert. Darunter verstanden wird meistens recht Unterschiedliches
wie etwa Seelsorge als Lebenshilfe, organisierte Diakonie der Caritas oder
auch einfach gelebte Nächstenliebe schlechthin; kurz, alles, wo Glauben
ins Leben Einzelner oder der Gesellschaft hineinwirkt, beziehungsweise wo
Kirche sich äussert und wahrnehmbar wird über ihre eigenen Mauern
hinaus. Ein solch weites Verständnis von Diakonie hat seine Berechtigung,
wie auch ein neu erschienenes Grundlagenwerk mit dem Titel «Diakonie
in der Stadt» zeigt. Es bringt einerseits die Vielfältigkeit
diakonischen Handelns, anderseits aber auch die Themen und Methoden der
Wissenschaften zum Ausdruck, die dieses Handeln reflektieren. Das vorliegende
Werk ist ein reformiertes Projekt; das offenbart sich im Titel der Sammelreihe.
Katholische Autoren besprechen die gleichen Inhalte unter Caritaswissenschaften.
Die Beiträge wurden an einem Symposium anlässlich des 140-jährigen
Bestehens der Evangelischen Stadtmission Heidelberg gehalten. Es trug den
Untertitel «Diakonisches Engagement unter den Bedingungen interkultureller
Konkurrenz». Mit letzterem ist eine Herausforderung genannt, unter
der Diakonie heute zu bestehen hat. Die Artikel der Systematiker Ernstpeter
Maurer und Christoph Schwöbel befassen sich explizit damit. Weitere
Buchbeiträge widmen sich anderen Herausforderungen, so zum Beispiel
der Diakonie auf dem Markt (Görg Haverkate, Axel Führ, Erika Tietze)
als auch der Diakonie in der Zivilgesellschaft (Christoph Frey und Gottfried
Adam). Es ist ein interdisziplinäres Buchprojekt, in dem theologische
Beiträge (u.a. auch zwei spannende biblische Artikel von Frank Crüsemann
und Michael Wolter) ergänzt werden durch Beiträge anderer Fakultäten
(zum Beispiel Görg Haverkate über Veränderungen in der europäischen
Sozialverfassung) und Erfahrungsberichte aus der Praxis. «Vielstimmigkeit
und Erfahrungsnähe, Offenheit und Mut zu neuem theologischen und human-
und sozialwissenschaftlichen Denken seien nach den Herausgebern kennzeichnend
für die gegenwärtige diakonisch-soziale Arbeit und für die
darauf bezogenen diakoniewissenschaftlichen Diskurse.»
Dieses Markenzeichen diakonischer Arbeit und Wissenschaft darf die vorliegende
Publikation durchaus für sich beanspruchen. Die Vertreter der unterschiedlichen
Disziplinen nehmen in ihren Beiträgen aufeinander Bezug, widersprechen
sich gar gelegentlich, und fast jeder Beitrag reflektiert gemachte Erfahrungen.
Die Offenheit und der Mut zu neuem Denken äussern sich in einer Geisteshaltung,
wie sie uns aus der Citykirchenpastoral bekannt ist. Sie liegt den pastoraltheologischen
Abschnitten zugrunde. «Diakonie in der Stadt» ist ein beredtes
Zeugnis breiten interdisziplinären Arbeitens, aber auch und das
dünkt mich genau so wichtig eines sorgfältigen Zurückfragens
nach den wesentlichen Grundlagen in der jüdisch-christlichen Tradition
(vgl. dazu die biblischen Beiträge). Ein weiterer unschätzbarer
Wert liegt darin, dass es den verschiedenen Autoren gelingt, die entscheidenden
Fragen zu stellen. Mit dem Charakter des Buches, es ist eine Beitragssammlung
eines Symposions, sind aber auch schon seine Schwächen angedeutet (allerdings
sind sie im Verhältnis zu den Stärken fast vernachlässigbar):
Viele Thesen bleiben nur angedeutet, sind nicht systematisch durchgearbeitet
und vertieft. Die Herausgeber versuchen zwar in einem einleitenden Artikel
die einzelnen Beiträge der Trias Reflexionen, Modelle, Konkretionen
zuzuordnen, aber der Aufbau des Bandes wird von einem anderen, weniger systematischen
Ordnungsprinzip bestimmt, und am Schluss sind fast alle Artikel vor allem
Reflexion, nur ein bisschen konkret und enthalten nur ganz vereinzelt Modellhaftes
(mit Ausnahme von Wolfgang Grünberg: «Gelungene Modelle der Stadtkirchenarbeit»).
Zum eingangs erwähnten breiten Diakoniebegriff passt, dass man sich
während der Lektüre zuweilen irritiert fragt, ob es in der vorliegenden
Arbeit nun um Diakonie im Besonderen oder um kirchliche Arbeit schlechthin
geht. Dahinter könnte auch eine Gretchenfrage verborgen liegen, nämlich
die, ob es bei der Diakonie darum geht, das Christliche in der Postmoderne
wieder salonfähig zu machen oder eben wirklich schlicht und einfach
um einen glaubwürdigen diakonischen Beitrag.
Susanne Brandt / Klaus Nommensen, Kinder erleben Jesus. Biblische Geschichten erzählen, spielen, erfahren ein Werkbuch, Claudius Verlag / Don Bosco Verlag, München 2002, 125 Seiten.
Von Jesus zu erzählen ist gar nicht so einfach. Biblische Texte
erscheinen auf den ersten Blick oft fremd und unverständlich. Mit «Kinder
erleben Jesus» legen Susanne Brandt und Klaus Nommensen ein besonderes
Jesus-Buch vor. Es schlägt die Brücke von den biblischen Erzählungen
zur Lebenswelt der Kinder. Es ist erstaunlich zu entdecken, wie aktuell
die alten Geschichten in unsere Zeit hineinsprechen. Eigentlich geht es
um das, was Kinder und Erwachsene täglich in Kindergarten und Schule
erfahren: Freude und Angst, Zuwendung und Vertrauen, Trost und Hoffnung.
Hier werden Geschichten wie von der Geburt Jesu, der verkrümmten Frau
oder dem Weg nach Emmaus in kindgerechter Sprache neu erzählt und anschliessend
mit allen Sinnen, mit Händen und Füssen neu erfahren.
Erzieherinnen, Lehrkräfte und Mitarbeiter in der Gemeindearbeit erhalten
eine Vielzahl von Anregungen, Hilfen und methodischen Hinweisen zur Umsetzung.
Eine Einführung zu jeder Geschichte erläutert ihre Bedeutung für
das Leben der Kinder. Die Ideen zum Spielen, Singen und Basteln lassen sich
leicht realisieren.
Peter Ochsenbein/Karl Schmucki, Studien zum St. Galler Klosterplan II, (Historischer Verein des Kantons St. Gallen, Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte, Band 52), St. Gallen 2002, 368 S.
Der St. Galler Klosterplan (Codex Sangallensis 1092) gehört zu den
berühmtesten mittelalterlichen Handschriften. Eine Bibliographie der
Sekundärliteratur ist unübersehbar geworden. Im Oktober 1997 fand
in St. Gallen ein mehrtägiges Symposium statt, das sich aus 26 Teilnehmern,
Mediävisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammensetzte.
Schon 1957 hatte in St. Gallen eine ähnliche Tagung stattgefunden.
Dieses erste Klosterplan-Symposium brachte die Erkenntnis, dass dieser Plan
für den St. Galler Abt Gozbert auf der Reichenau entstanden sei. Dazu
wurden noch eine stattliche Anzahl von Hypothesen in den Raum gestellt.
Die Tagung von 1957 hatte das Interesse für die singuläre Handschrift
geweckt und das Studium daran gefördert. In den folgenden Jahren erschienen
immer wieder neue Publikationen. Sie bauten auf der Tagung von 1957 auf,
ergänzten und korrigierten sie zum Teil oder wiesen auf neue bemerkenswerte
Aspekte hin.
Der vorliegende Band enthält die Beiträge der Klosterplan-Tagung
II von 1997, die von der Stiftsbibliothek St. Gallen, der Hüterin des
Klosterplanes, durchgeführt wurde. In einem guten Dutzend Beiträgen
von Autoren des In- und Auslandes werden unter interdisziplinärem Ansatz
forschungsgeschichtliche, archäologische, architektonische, liturgische,
monastische, literarische, pflanzensymbolische und materialbezogene Aspekte
dieses singulären Architekturdokumentes aus der Karolingerzeit behandelt.
Besonders hervorzuheben ist unter den zahlreichen neuen Erkenntnissen die
Enthüllung eines Kryptogramms, das eine Datierung des auf der Reichenau
angefertigten Klosterplans in das Jahr 819 ergibt. Falls diese These zutrifft,
scheidet Walahfired Strabo als möglicher Autor aus, weil er 819 noch
zu jung war.
Eine Zusammenstellung der umfangreichen Forschungsliteratur beschliesst
den mit Plänen und Abbildungen reich illustrierten Band.
Anton Seeberger (Hrsg.), Zählt 50 Tage. Gottesdienste für alle Tage von Ostern bis Pfingsten, Schwabenverlag, Ostfildern 2003, 176 S.
Pfarrer Anton Seeberger hat diese Einführungen für Gottesdienste zwischen Ostern und Pfingsten mit Seelsorgern, erfahrenen und ausgewiesenen Praktikern der Liturgie, gestaltet. Formal sind alle Beiträge zu diesen fünfzig nachösterlichen Tagen gleich strukturiert: Kurzansprache zum Evangelium, Tagesgebet, Fürbitten und Liedvorschläge (Gotteslob!). Der Beuroner P. Benedikt Schwank steuert als Einleitung einen exegetischen Beitrag bei: «Er übergab den Geist» (Joh 19,30).