26/2003 | |
INHALT | |
Bücher |
Eugen Biser, Die Entdeckung des Christentums. Der alte Glaube und das neue Jahrtausend, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2000, 430 S.
Eugen Biser gibt hier mit seiner ihm eigenen Kompetenz eine Analyse der
gegenwärtigen Glaubenssituation. Doch das genügt ihm nicht. Das
eigentliche Anliegen heisst Neuentdeckung des Christentums. Schon die einleitende
gründliche Gegenwartsanalyse wäre direkt ein «muss»,
sie zu lesen; wohl noch besser zu studieren. Mit dem haarscharfen Blick
der Unterscheidung hält er dem Leser und seinen Zeitgenossen den Spiegel
vor. Doch das eigentliche Anliegen heisst «Neuentdeckung des Christentums».
Das Werk soll also ein Brückenschlag aus der Gegenwart in die Zukunft
sein. Und das ist ein mühsamer Aufbruch aus der kaum erklärbaren
Resignation der Nachkonzilszeit und der Umklammerung von restaurativen Tendenzen
und Kräften. Doch die Szene der Jahrtausendwende ist nicht nur vom
lastenden Geist der Schwere der Herzen geprägt. Die Glaubensszene ist
quer durch die Konfessionen hindurch in Bewegung geraten. Die frei werdenden
Energien müssen gerufen und zweckbestimmt eingesetzt werden. Anstelle
des vorkonziliaren Satzglaubens (Martin Buber) im Gehorsam gegenüber
Autoritäten tritt der Erfahrungsglauben (Karl Rahner).
So versteht Eugen Biser sein Buch als Aufruf zur Neuentdeckung des Christentums.
Er zeigt zuerst die Situation des Christen in der Zeitenwende, eine subtile
Erforschung der verschiedenen religiösen Gegenwartsströmungen.
Der einzige Weg in unserer Krisensituation ist die Neuentdeckung Jesu und
seiner Bedeutung für das konkrete tägliche Leben. Dabei gilt es
auch manche pseudodogmatischen und moralischen Verzweckungen Jesu aus dem
Weg zu räumen. Gerade sie versperren den klaren Blick auf den eigentlilchen
Jesus. Erst wenn solche Hindernisse beseitigt sind, ist der Weg zu ihm wieder
frei, der sich selbst als Arzt bezeichnet hat. Unter einem Haufen historischer
Asche liegt noch viel heilende Glut, nicht nur für die krisengeschüttelten
christlichen Kirchen, sondern für alle Menschen, die wieder elementar
glauben, ihren Gott im Alltag lebendig erfahren möchten.
Guy de Bedouelle, Die Geschichte der Kirche, (AMATECA Lehrbücher zur katholischen Theologie, Band XIV), Bonifatius Verlag, Paderborn 2000, 316 Seiten.
Das Rätselwort im Untertitel AMATECA ist eine italienische Abkürzung
und steht für Associazione Manuali di Teologia Cattolica (Gesellschaft
für Herausgabe von Handbüchern der katholischen Theologie). Die
Gründerväter dieses Unternehmens sind zwei ehemalige Professoren
von Freiburg: der bereits verstorbene Eugenio Correco, Bischof von Lugano,
und Christoph Kardinal Schönborn von Wien.
Das ehrgeizige Unternehmen plant eine Lehrbuchreihe von 22 Bänden.
Sie soll als Studiengrundlage das gesamte Gebiet der katholischen Theologie
abdecken. Das Werk soll in zehn verschiedenen Sprachen erscheinen, weitere
sind noch geplant. Auch die Autoren bilden ein internationales Gremium.
Ihre Arbeit orientiert sich an Henri de Lubac und Hans Urs von Balthasar.
Das sind auch die Positionen der Theologischen Fakultät Lugano, die
ihrerseits Comunione e Liberazione nahe steht. Band XIV bietet auf gut 300
Seiten die gesamte Kirchengeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Dass da in der Auswahl und Darstellung des Stoffes Konzessionen unumgänglich
waren, ist allzu verständlich. Doch gerade da zeigt sich die Souveränität
des Autors Guy de Bedouelle OP, Professor für Kirchengeschichte in
Freiburg. Speziell erwähnenswert ist der flüssige Erzählstil.
Als Ergänzung ist Lutz E. von Padberg und Michael von Fürstenberg
(Hrsg.), Bücherverzeichnis zur Kirchengeschichte, hinzuweisen; es ist
eine kommentierte Bibliographie.
Henri Nouwen springen das Wagnis von Nähe. Ein Porträt von Wunibald Müller, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2002, 150 Seiten.
Henri J. M. Nouwen ist nicht einfach ein viel bewunderter Starautor,
der sich zur Überraschung vieler als berühmter Hochschulprofessor
der von Jean Vanier gegründeten Arche-Bewegung angeschlossen hatte
und darauf als geistlicher Leiter in der Gemeinschaft Daybreak in Toronto
(Kanada) lebte.
Hinter dem bewunderten Bestsellerautor verbarg sich ein verwundeter Mensch,
den seine Einsamkeit und seine grosse Sehnsucht nach Nähe und Gemeinschaft
in eine tiefe Krise geführt hatten. Über die Hintergründe
dieser Krise gibt Wunibald Müller Auskunft. Er ist Leiter des therapeutisch-spirituellen
Zentrums Recollectio-Haus Münsterschwarzach. Wunibald Müller studierte
einige Jahre in den Vereinigten Staaten und lernte dort Henri Nouwen kennen,
den er bis zu dessen frühen Tod 1956 regelmässig traf und freundschaftlich
mit ihm verbunden blieb. Wunibald Müller, der Seelenkenner, thematisiert
zum ersten Mal öffentlich Henri Nouwens Homosexualität einfühlend
und mit der für das schwierige Thema notwendigen Diskretion.
Carlo Maria Martini, Zeit, die Netze auszuwerfen. Mit einem Vorwort von Kardinal Karl Lehmann, Verlag Neue Stadt, Zürich 2002, 80 Seiten.
Das Bändchen tradiert den Abschiedsbrief von Kardinal Carlo Maria
Martini an seine Diözesanen nach einer Tätigkeit von zwanzig Jahren
im Erzbistum von Mailand. Carlo M. Martini meditiert darin die Perikope
aus dem Lukas-Evangelium: Petrus und der erfolglose Fischfang eine
ganze Nacht lang und dann: der erneute Auftrag und der grosse Erfolg.
Das ist für den scheidenden Erzbischof Bild und Gleichnis für
die Arbeit in der Seelsorge von heute. Das Positive überwiegt noch
immer. Die biblischen Erzählungen werden Anlass zu Meditation und Gebet.
Kardinal Karl Lehmann schreibt in seinem Vorwort: «Nicht nur ein grosses
Dokument, sondern auch ein bleibendes spirituelles Testament».
Henri Boulad, Samuel, Samuel! Alexandrinische Predigten, (Toposplus-Taschenbuch), Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2002, 160 S.
Dieses Topos-Taschenbändchen erschien zuerst bei Otto Müller
in Salzburg (2000). Die Übersetzung stammt von Hidda Westenberger,
einer unermüdlichen Förderin der Verbreitung der Werke des ägyptischen
Jesuiten und Welt-Caritas-Vizepräsidenten.
In diesen alexandrinischen Exerzitienpredigten legt P. Boulad dar, dass
Religion mehr ist als bloss eine Bremsvorrichtung gegen das Böse. Auch
die Kirche ist mehr als bloss ein Moralpolizist, der gute Bürger heranbildet
und bewirkt, dass faule Schüler fleissig werden. Man darf Religion
auch nicht auf die Ebene der Sozialarbeit verlegen. P. Boulad durchstösst
auf der ganzen Linie die Schale des Oberflächlichen und kommt zum Kern
der Botschaft Jesu.
Das Wort Gottes für jeden Tag. Liturgisches Jahr 2002/2003. Herausgegeben von Vincenzo Paglia, Gemeinschaft Sant'Egidio, Echter Verlag, Würzburg 2002, 390 S.
Vincenzo Paglia ist Bischof von Terni/Narni/Amelia. Die Beiträge
dieses Bandes sind für die Gemeinschaft Sant'Egidio verfasst, die von
Vincenzo Paglia spirituell geprägt wurde und der er Anerkennung verschafft
hatte.
Sein Buch versteht sich als Hilfe für all jene, die jeden Tag die Heilige
Schrift näher kennen lernen wollen. Für manche Bücher der
Bibel (Evangelien) findet man eine kontinuierliche Lesung und eine sich
weiterentwickelnde Meditation mit Kommentar. Das Gebet ist nach Paglia eine
Quelle der Kraft. Aus menschlicher Perspektive kann es unnütz oder
schwach erscheinen. Doch das Gebet lässt immer noch Mauern einstürzen
und Abgründe überwinden.
Ein Gebet, das aus dem Glauben kommt, verändert die Welt. Darin liegt
der Erfolg der sympatischen Communitá, zu der heute mehr als 40000
Personen in 60 Ländern gehören.
Georg Schwaiger/Manfred Heim, Orden und Klöster. Das christliche Mönchtum in der Geschichte, (C.H. Beck'sche Reihe «Wissen» 2196), Verlag C.H. Beck, München 2002, 128 Seiten.
Das knappe Bändchen gibt konzentriert und gediegen Auskünfte über das christliche Mönchtum. Die beiden Autoren sind Professoren der Ludwig-Maximilians-Universität in München, der emeritierte Schwaiger allgemein für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit; Heim (noch aktiv) für Bayerische Kirchengeschichte. Fundiertes Wissen und didaktische Erfahrung machen es möglich, knapp und pointiert viel zu sagen. Das christliche Mönchtum wird von den Anfängen bis in die Gegenwart dargestellt zusammen mit den anglikanischen, evangelischen und orthodoxen Gemeinschaften der Neuzeit.