25/2003 | |
INHALT | |
Bücher |
Martina Kreidler-Kos, Klara von Assisi. Schattenfrau und Lichtgestalt, (Tübinger Studien zur Theologie und Philosophie, Band 17), Francke Verlag, Tübingen 2000, 350 Seiten.
«Die Ausgangsfrage dieser Untersuchung zum Leben der Klara von
Assisi lautete: Wie würde die Geschichte dieser Heiligen aussehen,
wenn sie selbst und entschieden als deren Subjekt wahrgenommen würde?
Wie würde ihre Biographie lauten, wenn die gegenwärtigen Fragen
und Erfahrungen von Frauen die Suche in der Vergangenheit strukturierten?
Zeigen sich in einem neuen Zugang auch neue Erkenntnisse zu ihrer Persönlichkeit?
Im folgenden soll es in inhaltlicher Weise um diese neue Perspektive zu
einem weiblichen Heiligenleben des 13. Jahrhunderts gehen um später
Klaras Ethos für die Belange von Frauen heute fruchtbar machen zu können»
(133).
Das Ergebnis, das Kreidler-Kos mit dieser Methode einfährt, ist beachtlich:
1. Schon die Übersicht über die Literatur, die in den letzten Jahrzehnten zu Klara von Assisi vorliegt, vor allem die Biographien, ergibt, dass es von Objektivität der Geschichtswissenschaft nur sehr eingeschränkt die Rede sein kann. Je mehr nämlich die Frauenfrage ins Zentrum rückt, um so deutlicher tritt das personale Profil Klaras hervor. Das lässt sich allein an den jahrzehntelangen Forschungsarbeit E. Graus ablesen, dessen Verdienste unbestritten sind. Und nur wenige Bücher sind sich des Problems auch wirklich bewusst. Nach wie vor werde Klara allzu sehr von Franziskus her definiert. Kreidler-Kos nun stellt ausdrücklich die feministische Frage und entdeckt ein faszinierendes Frauenbild.
2. Gegenüber Franziskus zeigt Klara eine Eigenständigkeit, die sehr oft zu Abgrenzung und Konflikt führt. So setzt sie ganz auf das Neue ihrer Gemeinschaft und erkämpft von Papst Innozenz III. das berühmte «Armutsprivileg». Sie widersetzt sich damit der scheinbar realistischeren Einsicht des Franziskus, welche gemäss der Anordnung des Laterankonzils von 1215 ihre Einordnung in die monastische Tradition fordert. So kommt es auch sonst immer wieder zu anderen Entscheidungen Klaras. Die Autorin verweist so die harmonisierende Deutung der geschichtlichen Fakten ins Reich der Phantasie. Wenn diese Ansicht in ihren einzelnen Punkten bloss hypothetischen Charakter hat, so gewinnt doch diese Deutung an Plausibilität, je häufiger die Möglichkeit dafür besteht.
3. Die Eigenständigkeit Klaras gewinnt auch an Konturen, je mehr sie in ihren Beziehungen zu anderen Persönlichkeiten gesehen wird: die Frauen Assisis, die über lange Strecken ihre Begleiterinnen sind, Agnes von Prag und andere. Auch hier können Abgrenzungen und Unterscheidungen wahrgenommen werden (ein Titel lautet: Von der Möglichkeit, wahrgenommen zu werden).
4. Dieses Profil Klaras zeigt sich auch in der strengen Fastenpraxis. Sie darf, meint die Autorin, nicht einfach als unchristlicher Dualismus gedeutet werden (wie zum Beispiel ich das getan habe). Sie sei vielmehr ein Ausdruck der Inkarnationsspiritualität: der Leib sei für sie das Organ des solidarischen Mitleidens. Auch die Nahrungsverweigerung müsse von daher gesehen werden. Da Klara aufgrund ihrer Klausur die Ungesichertheit des Lebens nicht mit den Bettlern teilen könne, wähle sie das Hungern, um die franziskanische Solidarität zu leben.
Diese Hinweise mögen genügen, um die Fruchtbarkeit der feministischen Fragestellung aufzuweisen. Die künftige Klaraforschung muss sich mit diesem Buch auseinander setzen und darauf aufbauen.
Martina Kreidler-Kos, Das Leben der Klara von Assisi, (Reihe frauenSpuren), Don Bosco Verlag, München 2003, 135 Seiten.
Klara ist mehr als «ein hübsches Ornament» in der Biographie des Franz von Assisi. Die Lebensbeschreibung, die anlässlich ihres 750. Todestages erschienen ist, beweist diese These der Autorin. Klara erscheint hier als selbstbewusste Ordensfrau, die mit mehr als einem Papst gerungen hat, um das Ideal einer radikalen Armut leben zu dürfen. Sie war die erste Frau, die eine eigene Ordensregel verfasst und dafür nach langen Kämpfen die höchste kirchliche Anerkennung gefunden hat. In unserem Zeitalter der «Frauen-Power» gewinnt sie eine neue Aktualität, nachdem sie während Jahrhunderten im Schatten des heiligen Franziskus gestanden hat.
Alfred Läpple, Adolf Hitler. Psychogramm einer katholischen Kindheit, Christiana-Verlag, Stein am Rhein 2001, 226 Seiten.
Mit Liebe zum Detail und grosser Genauigkeit schildert Alfred Läpple
(geboren 1915) die ersten 19 Jahre im Leben des Adolf Hitler. Er beschreibt
in präziser Quellenangabe die Orte, wo Alois und Klara Hitler-Pölzl
mit ihren Kindern wohnten (Braunau am Inn, Passau und Linzer Gegend). Am
3. Januar 1903 starb der Vater. Auf seinem Grab in Leonding bei Linz steht:
«k.k. Zollamts-Oberoffizial i.P. und Hausbesitzer». Der Todestag
der Mutter ist der 21. Dezember 1907. Bereits ab Februar 1908 wohnte der
nun 19-jährige Adolf Hitler in Wien. Seine Erwartungen an das Leben
in der Stadt erfüllten sich nicht: Er kam nicht zu der erhofften Ausbildung
und musste sich als Gelegenheitsarbeiter durchbringen. In seinem Werk «Mein
Kampf» notierte er später: «Wien, die Stadt, die so vielen
als Inbegriff harmloser Fröhlichkeit gilt, als festlicher Raum vergnügter
Menschen, ist für mich leider nur die lebendige Erinnerung an die traurigste
Zeit meines Lebens. Auch heute noch kann diese Stadt nur trübe Gedanken
in mir erwecken.»
Stammt Hitlers Antisemitismus aus dem katholischen Milieu seines Elternhauses?
Aus dem Angebot der ansässigen Ärzte wählte der Vater den
Juden Dr. Eduard Bloch aus. Er stand der Familie bei beim tödlichen
Herzinfarkt des Vaters und beim Krebstod der Mutter. «Ist aus dem
tragischen Krebstod seiner Mutter, den der jüdische Arzt Dr. Eduard
Bloch begreiflicherweise nicht verhindern konnte, eine allererste Antipathie
Adolf Hitlers gegen Juden entstanden? Adolf Hitler hat in den folgenden
Jahren von Wien aus mit dem jüdischen Hausarzt Dr. Bloch Kontakt gehalten.
Er hat ihm von Wien aus selbst gezeichnete Karten geschickt, die Dr. Bloch
je 20 Kronen pro Stück genau und gerne verrechnete. (...) Zum Neujahr
1908 übersandte Hitler dem Hausarzt eine aquarellierte Karte mit dem
Bild eines Kapuziners und mit dem handgeschriebenen Text: ÐDie herzlichsten
Neujahrswünsche: Ihr stets dankbarer Adolf Hitlerð» (92f.).
In der Kindheit und in der Jugend Hitlers gab es noch keinen Antisemitismus.
«Die erste erhaltene, schriftliche Äusserung Hitlers über
den Antisemitismus ist in einem Brief enthalten, den Adolf Hitler am 12.
September 1919 an Adolf Gemlich aus Ulm, einem Mitglied des Münchener
Gruppenkommandos, geschrieben hat. ÐDas letzte Ziel des Antisemitismusð,
so schreibt Hitler, Ðmuss unverrückbar die Entfernung der Juden
überhaupt seinð» (214, Anm. 126).
Hat dieses Buch überhaupt einen Sinn? Es sind ja fast 60 Jahre vergangen
seit dem Tod von Hitler. Alfred Läpple erinnert an das Buch von Max
Picard «Hitler in uns selbst» (Erlenbach-Zürich 1946),
das damals eine grosse Beachtung gefunden hat. So kann er schreiben: «Vielleicht
beginnen erst langsam die apokalyptischen Horizonte sichtbar zu werden,
in denen sich der Mann aus Braunau bewegte und ohne die er nicht gesehen,
vor allem in seinen Konsequenzen nicht gedeutet, nicht ernst genommen werden
kann.
Die unantastbare Würde des Menschen ist zur manipulierbaren Realität
verkommen millionenfach!» (200).
«Gehen wir jetzt und in dieser Welt den Weg von der Hybris zur Demut,
von der Arroganz zur Dankbarkeit, von der Zerstörung der Schöpfung
zur Bewahrung der Schöpfung, vom Ego zum Du, zum Wir in Sorge
und Verantwortung!» (201).
Frauengottesdienste. Modelle und Materialien. Heft IX, Thema: Gemeinschaft. Herausgegeben von Anne Liese Knippenkötter und Marie-Luise Langwald, Klens Verlag/Schwabenverlag, Düsseldorf/Ostfildern 2000, 86 Seiten.
Die zweimal pro Jahr erscheinende Zeitschrift FrauenGottesDienst bietet Gottesdienstmodelle, Materialien und Anregungen zu einem und zu unterschiedlichen anderen Anlässen sowie liturgische Grundlagentexte und Literaturhinweise. Die aus der Praxis entstandenen Texte wollen Frauen in der Gottesdienstpraxis unterstützen; sie sind aber auch für Männer anregend, wenn es um Gottesdienste geht, die nicht an den Frauen vorbeigehen sollten.