15/2003 | |
INHALT | |
Bücher |
Mit dem Erscheinen des II. Teils<1>
(nur ein Jahr nach Teilband I<2>) liegt
die Kommentierung des JohEv im neuen «Theologischen Kommentar zum
Neuen Testament» vor. Diese Reihe will drei Akzente setzen: Es versteht
den biblischen Text im Gespräch mit dem jüdischen Umfeld; es setzt
sich mit feministisch-theologischen Zugängen auseinander, und es berücksichtigt
sozialgeschichtliche Aspekte.
Wengst, ausgewiesener Johannes-Fachmann aus Bochum, konzentriert sich besonders
auf den ersten Punkt. Wie schon im I. Teilband zeigt er Bezüge und
Parallelen zum sonstigen jüdischen Schrifttum auf und verortet das
JohEv im jüdischen Ambiente des ausgehenden 1. Jh. Wengst legt das
der Schrift eigentümliche Kolorit offen, das zu ihrem Verstehen unerlässlich
ist. Zugleich hebt er sich von einer übereifrigen Schichtensuche ab
(vgl. z.B. 12, 8788 und d.ö.) und macht deutlich, worum es in
diesem Evangelium geht: das Zeugnis über den Gott, der von den Toten
auferweckt (vgl. 12). Das mag historische Anhaltspunkte und entsprechende
Spuren in sich tragen; entscheidend ist jedoch die Darstellung des Evangelisten.
In diesem Sinne darf die Schrift gut als «Johannesevangelium»
verstanden und mit dem Zebedäussohn Johannes in ideelle (nicht historische!)
Verbindung gebracht werden (vgl. 332333).
Der Kommentar von Wengst ist bei aller wissenschaftlichen Genauigkeit lebendig
geschrieben. Der Verfasser versucht selbst, was er in der kommentierten
Schrift vorfindet: das Gespräch mit seinen Leserinnen und Lesern aufzunehmen
und zu führen. Das ist ihm sehr gut gelungen. Für die weiteren
Bände der Reihe macht der Kommentar eine hohe Vorgabe: nicht einfach
noch ein Kommentar, sondern eine Bereicherung in der biblischen Bibliothek
von Theologin/Theologe und von biblisch Interessierten.
1 Klaus Wengst, Das Johannesevangelium, 2. Teilband: Kapitel 1121, (Theologischer Kommentar zum Neuen Testament 4,2), Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2001, 350 Seiten.
2 Siehe SKZ 169 (2001) Nr. 3334, S. 462.
Anselm Grün, Wenn du Gott erfahren willst, öffne deine Sinne. Mit meditativen Texten von Maria-Magdalena Robben, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2000, 180 Seiten.
Die Frage «Wie kann ich Gott erfahren?» wird heute öfters
gestellt als die Frage nach den Gottesbegriffen. Viele Menschen geben sich
nicht damit zufrieden, nur an Gott zu glauben; sie wollen ihn spüren
und seine Liebe erleben. Der Benediktiner Anselm Grün wurde in seinen
therapeutisch-spirituellen Rekollektionen in Münsterschwarzach öfters
mit solchen Fragen konfrontiert. Anselm Grün bringt die Frage der Gottsuche
mit der Benediktinerregel in Zusammenhang. Nach Benedikt ist der Mönch
ein Mensch, der wahrhaft Gott sucht der Inbegriff eines Menschen,
der Gott sucht! Kein Mönch wird sagen, er habe Gott gefunden; er sucht
ihn sein Leben lang. Der Autor zeigt einen Erfahrungsweg der Gottsuche über
die Sinne. Geschärfte Sinne sind offen für das, was um uns herum
geschieht: im Umfeld mit den Mitmenschen, in einer offenen Erlebnisbereitschaft
für die Natur und vor allem in den inneren Erfahrungen. «Gott
zeigt sich und spricht zu uns. Er lässt sich betasten, schmecken und
riechen.»
Pater Anselm nähert sich der Gotteserfahrung von vielen Seiten her.
Theorien führen nicht weiter; sie können blockieren. Mein Gottesbild
entwickelt sich in meiner Lebensgeschichte. Die Mitarbeiterin des Autors,
die Sozialpädagogin Maria-Magdalena Robben, hat zu den Ausführungen
des Meisters meditative Texte geschaffen, die zum Verweilen einladen.
Phil Bosmans, Liebe wirkt täglich Wunder. Aus dem Niederländischen übertragen von Ulrich Schütz, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 2002, 90 Seiten.
Phil Bosmans, ein belgischer Ordensmann, ist mit seinen kleinen Bändchen «für eine Kultur des Herzens» so etwas wie ein Geheimtipp. In den Kriegsjahren hatte er den «Bund ohne Namen» gegründet, eine Bewegung für mehr Herz in der Welt und mehr Hilfe für Menschen in Not. Die einprägsamen meditativen Texte werden von gediegenen Farbfotos eingerahmt.