12/2003 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Herbert Vorgrimler/Ursula Bernauer/Thomas Sternberg, Engel. Erfahrungen göttlicher Nähe, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 2001, 240 Seiten.
Engel erfreuen sich in der Gegenwart eines auffallenden Interesses. Moderne
Engeldarstellungen (Nicki de Saint Phalle in der Bahnhofhalle Zürich
zum Beispiel) lassen zwar Zweifel aufkommen, was man heute überhaupt
unter Engel versteht. Trotzdem, der Engelboom geht weiter; aber es ist sicher
nicht immer ein neu erwachtes religiöses Interesse, das diese Entwicklung
fördert.
Der vorliegende Prachtband befasst sich in Wort und Bild mit dem Phänomen
des Engels. Der Herausgeber, der seinerzeitige Rahner-Mitarbeiter Herbert
Vorgrimler, ist für den Text zuständig, den er, einen kunsthistorischen
Beitrag (Thomas Sternberg) und eine tiefenpsychologische Studie (Ursula
Bernauer) ausgenommen, auch selber bestreitet. Vorgrimlers Beiträge
sind meist historisch im engeren und weiteren Sinn ausgerichtet.
Der Bildteil verdient höchstes Lob. Eine Vielzahl von Farbtafeln macht
dem grossen Spektrum der Texte entsprechend Engel und Engelserfahrungen
durch die Jahrhunderte eindrucksvoll anschaulich. Doch wenn das reiche und
hervorragende Bildgut davon abhalten würde, den Vorgrimler-Text zu
lesen, so wäre das schade. Wort und Bild ergänzen sich, und beide
sind einfach hervorragend.
Daniel Deckers, Der Kardinal. Karl Lehmann. Eine Biographie, Pattloch Verlag, München 2002, 384 Seiten.
Daniel Deckers stammt aus dem theologischen Milieu: Studium der Theologie
in Freiburg i.Br., Bonn und St.Georgen (Frankfurt am Main). Dann gab er
aber seinen journalistischen Neigungen nach und machte seine Karriere bei
der F.A.Z. als Berichterstatter über die katholische Kirche in Deutschland.
In dieser Funktion waren die Kontakte mit dem Vorsitzenden der Deutschen
Bischofskonferenz selbstverständlich und eng. Aus dieser professionellen
und menschlichen Vertrautheit schreibt Dekkers. Er ist ein Insider, dem
kaum etwas vom Werdegang und Wirken des Karl Lehmann entgangen ist.
Der aus Hohenzollern-Sigmaringen stammende Lehmann wurde 1934 geboren als
Sohn eines Volksschullehrers. Nazi- und Kriegszeit erschwerten das Leben
und brachten viele Ortswechsel. Im Philosophieunterricht in Sigmaringen
wird er mit dem Philosophen Martin Heidegger bekannt, der aus dem benachbarten
badischen Messkirch stammte. 1962 wird er an der Gregoriana über die
Jugendwerke Heideggers promovieren. Erzbischof Eugen Seiterich schickte
ihn nach Rom an die Gregoriana, wo er als Germaniker in den Genuss eines
Stipendiums kommt.
In Rom machte Lehmann zwei Doktorate; beim philosophischen über die
Jugendwerke Martin Heideggers war Peter Henrici, heute Weihbischof in Zürich,
Doktorvater. Auch P. Henrici war kein Thomist, aber auch kein «Modernist»
aus der Heidegger-Schule. Henrici war von der französischen «nouvelle
théologie» und der französisch-katholischen Philosophie
geprägt (vor allem Maurice Blondel). Diese Ausrichtung auf die «nouvelle
théologie» verdankt Henrici seinem Onkel Hans Urs von Balthasar,
der denselben Weg gegangen war und damals noch Jesuit war. Man darf Henrici
und Lehmann sicher als kongenial einstufen. Lehmann wird als Bibliothekar
an der Gregoriana die rechte Hand Henricis gemeinsam ordnen sie die
deutschsprachige Nachlassbibliothek Pius' XII.
Zweimal war Henrici auch Primizprediger, in Sta Saba in Rom und in der Heimatpfarrei
Veringenstadt bei der Nachprimiz. Bei der Nachprimiz gab P. Henrici bekannt,
dass der Erzbischof von Freiburg i.Br., Dr. Hermann Schäufele, Karl
Lehmann als Assistent von Karl Rahner freigestellt habe. Damit beginnt eine
neue intensive Beziehung, ein gemeinsamer Weg und eine gemeinsame Freundschaft.
Die Beziehungen in Lehmanns Leben sind zahlreich und meistens intensiv:
akademische aus der Zeit als Professor in Mainz und Freiburg; kirchliche
im Zusammenhang mit der katholischen Synode in Würzburg besonders
stark mit Kardinal Julius Döpfner. Seit Würzburg hat Karl Lehmann
das kirchliche Leben in Deutschland wesentlich geprägt. Doch darauf
im Detail einzugehen, ist hier nicht der Ort.
Hanna Pabst, Weil Du uns trägst. Fürbitten, Herder Verlag, Freiburg i.Br. 2002, 220 Seiten.
Dieses Fürbittenbuch ist anders angelegt als die herkömmlichen Vorlagen für das Gemeindegebet. Die Fürbitten sind thematisch geordnet. Wenn ich für Kranke beten will, finde ich etwa ein Dutzend «Krankenfürbitten» zur Auswahl. So kann ich verschiedene Gebetsanliegen zusammenstellen und dann die Fürbitten vortragen, die mir entsprechen. Diese schöpferische Anregung macht Freude und hilft, ein Anliegen speziell zu umschreiben. Das Buch ist mit verschiedenen Registern sehr gut erschlossen (Schriftstellen, Themen, Anlässe, Stichwortverzeichnis). Für einzelne Feste (Kirchweihe) und liturgische Zeiten (Advent) hat es auch ausgearbeitete Schemen, die aber aus dem thematischen Teil ergänzt und abgeändert werden können. So werden Fürbitten zu einer Bereicherung der Gottesdienste und sind ein willkommener Anlass, über die Routine hinwegzukommen.
Günter Lange, Bilder zum Glauben. Christliche Kunst sehen und verstehen, Kösel Verlag, München 2002, 350 Seiten.
Bilder und Themen christlicher Kunst zu erschliessen, ist Anliegen dieses
Buches. Zu der kundigen kunstgeschichtlichen Interpretation tritt dabei
immer die Frage, warum ein Bild spirituell berühren, was es zum religiösen
Lernen beitragen kann.
Der Autor ist nicht Kunstwissenschaftler, sondern Theologe (Religionspädagogik
und Katechetik), ein Liebhaber der bildenden Kunst, das was die Italiener,
ohne die Nase zu rümpfen, als «dilettante» bezeichnen.
Den Theologie-Didaktiker bewegt die Frage, ob und wie die Schätze der
christlichen Kunst sachgerecht und zugleich spirituell anregend heutigen
Adressaten vermittelt werden können. Sind die visuellen Glaubenszeugnisse
der Vergangenheit nur noch historisch und ästhetisch relevant, oder
kann auch für heutige Betrachter, trotz der historischen Distanz, bei
einzelnen religiösen Bildern ein Glaubensfunke überspringen?
Die zahlreichen Bildbeispiele dieser «exemplarischen Sehschule»
in 23 informativen wie inspirierenden Lektionen stammen überwiegend
aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Neben Bildern von Gott
sind es vor allem Christusbilder, die Darstellungen von Geburt, Leben, Tod
und Auferstehung Jesu Christi, die eine faszinierende Deutung erfahren.
Christiane Bundschuh-Schramm (Hrsg.), Du bist gesegnet unter den Frauen. Mariengottesdienste, Schwabenverlag, Ostfildern 2002, 240 Seiten.
Mariengottesdienste sind immer wieder neu gefragt; denn keine Gestalt
des christlichen Glaubens ist so vielseitig wie sie. Maria anders
als wir und doch eine von uns!
Der vorliegende Band widmet ihr 37 Gottesdienste. Sie handeln von den Lebenserfahrungen
Mariens, von den Bildern, in denen sie gesehen wird, und von den geheimnisvollen
Namen, die ihr die christliche Tradition gegeben hat. Die einzelnen Gottesdienste
enthalten einen Schrifttext oder ein Marienbild, auf das sie sich beziehen,
und eine kurze Ansprache, die auch für Wortgottesdienste und andere
Marienandachten geeignet ist. Ferner gehören zu diesen Entwürfen
Fürbitten, Gebete, Wechselgebete und Meditationen. Unterschiedliche
Gottesdienstformen (Andachten, Prozessionen, Wortgottesdienste, Wallfahrten)
liegen in reicher Auswahl vor. 26 Autoren geben in diesem ideenreichen Band
ihre Erfahrung und ihre Spiritualität wieder. Die Herausgeberin ist
Referentin am Institut für Fort- und Weiterbildung der kirchlichen
Dienste in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Mitarbeiterin an verschiedenen
homiletischen und liturgischen Publikationen.
Anselm Grün, Benedikt von Nursia. Meister der Spiritualität, Herder Spektrum 5106, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2002, 160 Seiten.
Der Verwalter der grossen Benediktinerabtei Münsterschwarzach, Anselm Grün, findet sich als Verwalter der Abtei in den materiellen Belangen eines vielseitigen Grossbetriebs zurecht. Er ist aber darüber hinaus noch ein geschätzter geistlicher Mentor und hat durch seine Einkehrtage und Meditationskurse eine bewundernswerte Ausstrahlung. Seine geistlichen Kurse haben eine stupende Belesenheit im Hintergrund. Daraus ergeben sich seine zahlreichen religiösen Publikationen, besonders in der Sammlung Herder Spektrum. Sein neues Buch «Benedikt von Nursia als Meister der Spiritualität» referiert aufgrund einer gründlichen Auseinandersetzung mit der neueren einschlägigen Literatur über Benedikt und seine Regel. Anselm Grün zeigt überzeugend die Aktualität der Regel Benedikts und ihre Kompetenz für eine christliche Lebensgestaltung.
Walter Gross (Hrsg.), Das Judentum eine bleibende Herausforderung christlicher Identität, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2001, 254 Seiten.
Der christlich-jüdische Dialog hat seit dem Zweiten Weltkrieg und
besonders seit dem Zweiten Vaticanum erfreuliche Fortschritte gemacht
heute scheint er wieder in eine kritische Phase zu treten. Die Ereignisse
im Nahen Osten tragen wenig bei zu einer Entspannung. Umso mehr ist Verständnisbereitschaft
und Unterscheidung zwischen dem Staat der Juden und ihrer Religion gefordert.
Man muss sich hüten, in die unseligen Zeiten des Antisemitismus, des
Antijudaismus oder gar des Holocaust zurückzukehren.
Das vorliegende Buch verdankt sein Entstehen einer Vortragsreihe an der
Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen
im Sommer-Semester 2000. Die verschiedenen Vorträge behandeln das Judentum
als Gegenstand christlicher Reflexion in verschiedenen Perspektiven (exegetisch,
systematisch, historisch, literaturwissenschaftlich, praktisch-didaktisch).
Mit einbezogen ist die kritische Betrachtung eines jüdischen Theologen
(Micha Brumlik). Alle, die sich für einen christlich-jüdischen
Dialog interessieren, finden in diesem Buch eine Fülle von Impulsen
und Anstössen, die zum intensiven Nachdenken herausfordern.