10/2003

INHALT

Neue Bücher

Athos

 

Helmut Starrach, Der Ruf des Athos. Erfahrungen und Begegnungen auf dem Heiligen Berg, Verlag Herder, Freiburg i.Br. 2002, 140 S.

Der deutsche Arzt Helmut Starrach ist ein passionierter Athos- und Tibetbesucher. Bei den Mönchen der Athosklöster fühlt er sich zuhause. Er gibt dem interessierten Leser mehr mit als Baedecker-Wissen. Er kann etwas weitergeben vom Geheimnis dieser mystischen Welt. Er erzählt von der Geschichte und Gegenwart des Athos, vom Alltag der Mönche und ihren ausgedehnten Liturgien. Er hat auch den Bildteil selbst gestaltet und beweist mit seinen ausdruckstarken Aufnahmen seine Vertrautheit mit den geheimnisvollen Objekten.

Leo Ettlin


Zu den Evangelien

 

Josef Wilk, Herz des Sonntags. Gedanken zu den Evangelien der Lesejahre A, B und C. Mit einem Vorwort von Kardinal Christoph Schönborn, Otto Müller Verlag, Salzburg 2002, 383 Seiten.

Der Pole Josef Wilk studierte katholische Theologie in Krakau und Wien, wo er 1985 die Priesterweihe erhielt und anschliessend zum Doktor der Theologie promovierte (1990). Seither wirkt er als Pfarrer von Guntramsdorf bei Wien.
Seine Betrachtungen zu den Sonn- und Feiertagsevangelien bieten eine praktische Handreichung für alle, die im Dienst der Verkündigung stehen, aber auch für jene, die das Bedürfnis zu einer authentischen Auslegung des Wortes Gottes verspüren. In klarer Sprache versucht der Verfasser, auf die Probleme der Gläubigen einzugehen. In seinen Ausführungen bleibt der Autor in Erdennähe und versteigt sich nicht in mystische Höhen. Immer geht es um das Wesentliche: die Gottes- und Nächstenliebe. Der Autor kennt den Menschen mit seinen Sorgen und Nöten und gibt Hinweise zu konkreten Problemen. Dieses Buch, das vorbehaltloses Gottvertrauen predigt, ermutigt zu einem christlich gelebten Alltag.

Leo Ettlin


Fastenzeit

 

Beate Neuberth, Gespür für das Leben. Ein meditatives Tagebuch durch die Fastenzeit, Don Bosco Verlag, München 2002, 88 Seiten.

Wer wünscht sich nicht gelegentlich Zeit für das «Wesentliche»? Doch wie oft geht dieser Wunsch gerade im Alltag verloren.
Der Beginn der Fastenzeit ist ein idealer Anlass, ein solches Vorhaben in die Realität umzusetzen; aber man kann statt Fastenzeit ebenso gut jede kreative Mussezeit einsetzen. Beate Neuberth, die Provinzialoberin der Maria-Ward-Schwestern in Bamberg, hilft mit ihrem Nachdenk- und Tagebüchlein, dem Willen Gottes im eigenen Leben auf die Spur zu kommen. Darin besteht für sie das «Gespür für das Leben». Ziel der erfahrenen Seelenführerin ist es nicht, wie eine Pflichtübung Texte abzuarbeiten, sondern dafür ein Gespür zu entwickeln, was einen an den Texten anspricht, getreu nach dem hl. Ignatius von Loyola: «Nicht das Vielwissen sättigt und befriedigt die Seele, sondern das Verkosten und Verspüren der Dinge von innen her.»
Das Buch der Beate Neuberth ist eigentlich nicht ein Buch zum Lesen, sondern vor allem ein Nachdenkbuch.

Leo Ettlin


Die Sonntagslesungen aus dem Ersten Testament

 

Thomas Staubli, Erinnerung stiftet Leben. Begleiter zu den Sonntagslesungen aus dem Ersten Testament, Lesejahr B, Edition Exodus, Luzern 2002, 256 Seiten.

Leider erst während des Lesejahres B ist die Buchausgabe der Begleittexte zu seinen ersten Sonntagslesungen erschienen, die Thomas Staubli ursprünglich für die SKZ geschrieben hatte (46/1999 bis 46/2000); alle Texte wurden für die Buchausgabe überarbeitet und mit Anmerkungen versehen sowie um neue Strichzeichnungen erweitert. Die Exkurse mit den Zeichnungen erschliessen textlich und ikonographisch die biblische und altorientalische Welt als Kontext der kommentierten Texte.
In den Kurzkommentaren ist der Kontext die Kirche, weil sie sich am hermeneutischen Dreieck der Bibellektüre in den lateinamerikanischen Basisgruppen orientieren, einer Bibellektüre im Spannungsfeld von Bibel, Kirche und Welt. Mit Bibel ist der Text gemeint, die Umstände seiner Entstehung, seine Bezüge zu seiner Zeit, sein Ort innerhalb der Bibel; der Kontext ist in diesem Dreieck die Kirche, womit die Beziehungen des Lesetextes zu den anderen Lesungen, aber auch seine Wirkungsgeschichte angesprochen sind; mit der Welt als Prätext wird auf die Zeit aufmerksam gemacht.
In den Einleitungen der bisherigen Buchausgaben hat Thomas Staubli die Pole Bibel (Lesejahr A) und Welt (Lesejahr C) erläutert. Im vorliegenden dritten Band macht er sich Gedanken zum Pol Kirche. Mit dem Stichwort «Drittes Testament» setzt er sich ein für eine lebendige Fortschreibung, Fortmalung und Fortvertonung der Bibel, vor allem aber für ein Leben aus der Kraft der Heiligen Schrift. Dazu gehört für ihn, dass es nicht nur eine bibellesende institutionelle Kirche, sondern auch bibellesende unsichtbare Kirchen und dass es zwischen diesen beiden vielfältige Brüche und Überlagerungen gibt; für beide Arten von Kirche ist die Bibel ein konstitutiver Teil. Was Thomas Staubli unter der zweiten Art von Kirche und ihren Methoden im Umgang mit der Bibel versteht, konkretisiert am Beispiel der Frauenkirche und der «Queer-Community». «Die Kirche der Frauen» wird mit zehn biblischen Figuren vorgestellt, die «Queer-Community» mit Michael Cardens Interpretation der Geschichte von Sodom und Gomorra.
Dass Interpretationen dieser Art Widerspruch provozieren, ist unvermeidlich. Zu wünschen bleibt, dass solcher Widerspruch nicht Gesprächsverweigerung bedeutet, sondern zu klärenden Debatten führt.

Rolf Weibel


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003