7/2003 | |
INHALT | |
Neue Bücher |
Muhammad Salim Abdullah, Islam. Muslimische Identität und Wege zum Gespräch. Mit einem Vorwort von Karl-Josef Kuschel, Patmos Verlag, Düsseldorf 2002, 238 S.
Aus der Bücherflut über den Islam hebt sich diese neu aufgelegte Einführung dadurch ab, dass hier ein deutscher Muslim bosnischer Herkunft mit Wohnsitz in Soest und Gorazde aus islamischen Quellen heraus das Gespräch mit Christen sucht. Das Buch des langjährigen Leiters des Zentralinstituts Islam-Archiv Deutschland bezeugt denn auch den dialogoffenen Geist eines seit 600 Jahren in Europa beheimateten Islam und veranschaulicht so zugleich die innere Pluralität des zeitgenössischen Islam. Die theologisch-spirituelle Grundlage für den Autor bildet eine im Gespräch der Abrahamsreligionen immer wieder herangezogene Koranstelle (Sure 5,48), in der von der «Legitimität des jüdischen, christlichen und islamischen Heilsweges die Rede ist, dass unsere Vielfalt von Gott gewollt und eine Prüfung ist, in dem die Rede vom Wettstreit der Religionen ist und nicht vom Streit». Die Vielfalt der Religionen ist für Muhammad Salim Abdullah von Gott gewollt, damit die Kinder Abrahams im Guten miteinander wetteifern können! Der Band informiert denn auch nicht nur grundlegend über muslimischen Glauben und islamische Ethik (Eheverständnis, Krieg und Frieden, Auferstehung, Gericht, ewiges Leben, Bestattungsriten). Darüber hinaus stellt er Gemeinsamkeiten und Anknüpfungspunkte für das christlich-muslimische Gespräch heraus. Ein eigenes Kapitel behandelt «Jesus im Koran», der Anhang stellt wichtige, weithin unbekannte Dialogdokumente islamischer Weltorganisationen vor, die nicht zuletzt für die Positionierung des Islam in pluralistischen Gesellschaften höchst aufschlussreich sind. Abdullahs inspirierender Dialogbeitrag ist gerade darin vorbildhaft, dass er das Festhalten an der Identität des eigenen Glaubens mit der Offenheit für die Anliegen und das Selbstverständnis des jeweils anderen Glaubensgeschwisters verbindet. Angesichts der bei Christen wie Muslimen zumal an der jeweiligen Basis vorherrschenden Informationsdefizite, Vorurteile und Klischees wäre in der Tat viel erreicht, wenn Christen sich in dem, was Muslime über sie sagen, und Muslime in dem, was Christen über sie sagen, wiedererkennen.
Gertrud Widmann (Hrsg.), Das Mahl mit den Sündern von Sieger Köder, Schwabenverlag, Ostfildern 2001, 96 Seiten.
Sieger Köder, der bekannte Kunstmalerpfarrer, erfüllt eine
schöne Aufgabe, indem er mit den gestaltenden Mitteln eines Kunstmalers
mit grossem Ansehen das Evangelium verkündet und deutet. Köders
Bilder sprechen an, und seine Kunstkarten sind begehrt.
Eines der bekanntesten Bilder von Sieger Köder ist das Wandbild im
Speisesaal der Villa San Pastore, dem Sommerhaus des Collegium Germanicum
et Hungaricum. Das Thema heisst «Abendmahl mit den Sündern».
Das Buch interpretiert das inzwischen berühmt gewordene Bild. Es ist
schon längst kein Anlass zur Abscheu, sondern begleitende Meditation
geworden. In kurzen, sehr persönlich geschriebenen Beiträgen nähern
sich acht Autorinnen und Autoren dem «Mahl mit den Sündern»
und bringen darin zum Ausdruck, was ihnen an diesem Bild besonders wichtig
erscheint, was sie vor allem anspricht.
Herbert Haag, Auferstehen frei werden. Predigten für die Fasten- und Osterzeit, Paulusverlag, Freiburg Schweiz 2002, 160 Seiten.
Der im August 2001 verstorbene Tübinger Alttestamentler Herbert Haag ist nicht einfach der streitbare und unbequeme Theologe. Er war auch ein feinfühliger Liturge und Homilet, der zum Herzen auch des einfachen Christen sprechen konnte. Leider hat die aktive und passive Polemik diese Verdienste in den Schatten gestellt. Die «Homilien zur Fasten- und Osterzeit bis Pfingsten» möchten ein ehrendes Andenken an Herbert Haag erhalten. Leider erscheint das posthume Bändchen ohne Namen des Herausgebers Zeichen der Zeit!
Ulrich Lüke, Mit anderen Worten... Anstössige Gedanken im Kirchenjahr, Bonifatius Verlag, Paderborn 2002, 163 Seiten.
«Die anstössigen Gedanken» in diesen Predigten machen aus diesem Exempelbuch keine Witzsammlung. Der Autor, Professor für Systematische Theologie in Aachen, arbeitet mit originellen Vergleichen und pikanten Formulierungen, die aufhorchen lassen und besser haften bleiben als blasse Theorie. Ulrich Lüke schöpft aus einem reichen Schatz geschichtlicher und literarischer Anekdoten und weiss sie klug zu verwerten. So kommt er etwa bei den hagiographischen Beiträgen zu bemerkenswerten Entdeckungen, die einen Heiligen in seiner Eigenart besser erfassen als noch so viele erbauliche Legenden. Das Buch muss nicht unbedingt nur als Stofflieferant für Predigten dienen, es ist rein zweckfrei angewandt eine unterhaltende und anregende Lektüre.