43/2003 | |
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Bildung |
Immer wieder hört man von Religionslehrkräften, dass sie sich
mit ihren persönlichen und fachlichen Problemen im Religionsunterricht
allein gelassen fühlen. Einige geben aus diesem Grund ihre Arbeit auf.
In der heutigen Zeit reicht es nicht mehr, Religionslehrpersonen auszubilden
und sie dann, mehr oder weniger allein, in die Praxis zu entlassen. Der
Religionsunterricht steht nämlich aufgrund der gesellschaftlichen und
kirchlichen Umbrüche mit den Orientierungsproblemen und dem Wertewandel
unter einem besonderen Druck. Kinder und Jugendliche tragen ihre Probleme
und Belastungen in den Religionsunterricht hinein. Für Lehrpersonen
wird es deshalb immer schwieriger, den erhöhten Anforderungen gerecht
zu werden. Deshalb brauchen diese auch während ihrer beruflichen Tätigkeit
immer wieder Begleitung und Beratung, die ihnen ermöglicht, die persönliche
wie auch die fachliche Ebene zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Die Anforderungen an diese Begleitungs- und Beratungsaufgaben in genanntem
Umfeld verlangen von den dazu Beauftragten eine spezielle Weiterentwicklung
ihrer persönlichen, sozialen und fachlichen Kompetenzen.
Das Institut für kirchliche Weiterbildung an der Theologischen Fakultät
der Universität Luzern (IFOK) bietet dazu eine berufsbegleitende und
praxisbezogene Weiterbildung an, welche auf den Kenntnissen und Erfahrungen
der Teilnehmenden aufbaut. Die eigene Tätigkeit in Begleitung und Beratung
von Religionslehrkräften ist ein wesentlicher Bestandteil der Weiterbildung
und wird laufend reflektiert. So sind die Persönlichkeitsbildung und
die Vermittlung von praxisbezogenem Wissen Grundanliegen dieses Kurses.
Um sich für das Zertifikat des IFOK zu qualifizieren, besuchen die
Teilnehmenden regelmässig den Kurs und reflektieren ihren eigenen Lernprozess
und ihre Beratungstätigkeit in einer schriftlichen Arbeit. Das Qualifikationsgespräch
mit dem Kursleiter bildet den Abschluss der Weiterbildung.
Uns ist es wichtig, den Schülerinnen und Schülern Identifikationsmöglichkeiten
mit den Grundelementen des Glaubens und des Lebens zu eröffnen und
zugänglich zu machen. Diese Art von Religionsunterricht setzt ein klares
Menschenbild voraus. Dieses beinhaltet, dass der Mensch als Subjekt und
als Individuum wahrgenommen wird und sich so als angenommen und wertvoll
erlebt. Sein Leben ist ein ständiger Prozess, welcher durch Kontakte
mit anderen, mit sich selbst und der Welt weitergeführt wird. In ihm
ist alles angelegt, damit er sein Leben gestalten und bewältigen kann.
Auf diesem Hintergrund geht es darum, die Schülerinnen und Schüler
aufmerksam und zugewandt im Unterricht zu begleiten. Denn wo Lernende Subjekt
von Bildung sind und ihre Eigentätigkeit gefordert, gewünscht
und angeregt wird, kann erst nach einer Wahrnehmung von ihnen entschieden
werden, inwieweit ein Inhalt für sie zum Thema werden könnte.
Beraten und Begleiten setzt diesen achtsamen Umgang mit sich selbst und
dem anderen voraus. Dies schafft ein Umfeld, in dem menschliche Wertschätzung
möglich ist. Und dies ist die Voraussetzung, um Gespräche offen
und klar zu führen. So können Ressourcen bewusst gemacht, aktiviert
und umgesetzt werden, und auch schwierige Sachverhalte können in einer
solchen Atmosphäre angesprochen werden.
Beratung und Begleitung scheint uns sehr wichtig, weil sie im fachlichen
Bereich eine Qualitätssicherung ermöglicht und Religionslehrkräfte
in diesem Zusammenhang Impulse für ihre persönliche Entwicklung
erhalten.