12/2003 | |
INHALT | |
Bildung |
Zehn Jahre interreligiöse Begegnung im Lassalle-Haus sollen in diesem
Frühjahr durch ein besonderes Jubiläumsprogramm gefeiert werden.
1993 erhielt das Bildungshaus in Bad Schönbrunn neu den Namen Lassalle-Haus,
nach dem Jesuitenpater Hugo Enomya Lassalle benannt, der sein Leben für
die Verständigung zwischen asiatisch-buddhistischer Kultur und dem
christlichen Abendland eingesetzt hatte. Damit setzte Niklaus Brantschen
SJ als Direktor des Hauses ein Zeichen für die neue Ausrichtung im
Programm: Die Begegnung zwischen christlicher und buddhistischer Spiritualität.
Exerzitien, Kontemplation und Zen bilden seither einen Schwerpunkt im Haus.
Die zehnte buddhistisch-christliche Maitagung soll nun einen Rückblick
und Ausblick auf diesen Dialog ermöglichen. Es steht dabei nichts weniger
auf dem Spiel, als eine spirituelle Erneuerung, die die Religionen von innen
her neu formt und dazu befähigt, Weltverantwortung zu übernehmen.
Dass im Rahmen dieser Tagung die engagierte und kompetente Mitstreiterin
Anna Gamma StKW zur Zen-Meisterin ordiniert werden kann, ist ein besonderer
Höhepunkt.
Dem Spiritualitäts- und Dialogprogramm verpflichtet, ist in den vergangenen
zwei Jahren das Programm des Hauses auf den Dialog mit Juden und Muslimen
ausgeweitet worden. Auch in den Begegnungen mit den abrahmitischen Glaubensreligionen
spielt die spirituelle Erneuerung eine grosse Rolle. Ihre heiligen Schriften
gilt es nicht politisch zu vereinnahmen, sondern weisheitlich und geistlich
neu zu erschliessen. Das Wochenseminar zur Mystik in den Weltreligionen
stellt sich dieser Aufgabe und schlägt zugleich einen Bogen in den
fernen Osten. Es geht um das Kennenlernen von Chassidimus, Sufismus, aber
auch um einen Zugang zu Vipassana und Zen. Dabei werden nicht nur kompetent
Kenntnisse vermittelt, sondern die Kursteilnehmer werden auch in Meditationen
angeleitet. Das Seminar steht in der noch jungen Reihe von Seminaren zur
Spiritualität, die 2002 durch Christian Rutishauser SJ und Franz-Xaver
Jans mit einem Seminar zur jüdischen und christlichen Spiritualitätsgeschichte
eröffnet wurde.
Am letzten Maiwochenende findet schliesslich eine Tagung zu Jerusalem statt,
die angesichts der immer verfahreneren Nahostkrise eine besondere Relevanz
besitzt. Der Jesuitenpater David Neuhaus, der Muslim Ali Qleibo von der
Al Quds Universität und Ron Margolin vom Schalom Hartman Institut sind
die drei Gäste aus Jerusalem. Sie verfügen über eine Erfahrung
mit der Stadt, die ein tiefes Verstehen ihrer Bedeutung ermöglicht.
Sie werden über die Sicht ihrer Religion auf die Heilige Stadt berichten,
worin sich jüdische, christliche und muslimische Weltanschauung kristallisiert
und spiegelt. Die drei Religionen sollen auf ihren Beitrag zum Frieden in
diesem internationalen Konflikt befragt und eine Sensibilität für
die Gefahr der Instrumentalisierung der Religionen soll gestärkt werden.