42/2003 | |
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Berichte |
Ausgehend von der Erkenntnis, dass stärker als alle pastoralen Konzepte,
Papiere und Stellungnahmen vor allem die in der Hochschulpastoral tätigen
Personen das Gesicht der Hochschulseelsorge prägen, thematisierte die
Herbsttagung der «Konferenz für katholische Hochschulpastoral»
(KHP) das spezifische Qualifizierungsprofil für Hochschulseelsorgerinnen
und -seelsorger. Die sehr gut besuchte Tagung fand vom 9.11. September
2003 in Mainz statt und wurde unter anderem vom Ortsbischof Kardinal Karl
Lehmann eröffnet.
Das «Forum Hochschule und Kirche e.V.» (bei dem als Geschäftsführer
der Schweizer Dr. Lukas Rölli fungiert) und unter dessen Dach die «Konferenz
für katholische Hochschulpastoral» gestellt ist, hatte zu dieser
Veranstaltung neben den deutschen Mitgliedern auch die Kolleginnen und Kollegen
aus Österreich und der Schweiz eingeladen und die Vorsitzenden der
deutschsprachigen Länder um einen Situationsbericht zur Thematik gebeten.
In einem intensiven Austausch wurden nach einem einführenden Referat
des Wiener Pastoraltheologen Prof. Paul Michael Zulehner über «Qualität
in der Pastoral» in Arbeitsgruppen die verschiedenen Qualitätskriterien
reflektiert und anschliessend gemeinsam ein vorher erarbeitetes, umfangreiches
Qualifizierungs-Rahmenkonzept redigiert, um verlässliche Perspektiven
im Blick auf Qualität und Standards von Berufseinführung und Fortbildung
zu haben. Dies scheint schon deshalb als dringendes Desiderat, weil die
Hochschulseelsorge einen grossartigen Plural pastoraler Chancen bietet.
Skizzenhaft seien einige Chancen in unvertretbarer Kürze genannt:
a) die Hochschulpastoral ermöglicht den Kontakt zu Menschen mit akademischer
Ausbildung, also zu Menschen in politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen
Führungspositionen, b) Hochschulseelsorge zeigt ein freundliches Antlitz
der katholischen Kirche, welches an Fragen der jungen Erwachsenen interessiert
ist, c) die Seelsorge an den Hochschulen bietet die Möglichkeit eines
Forums zur Reflexion des Lebenssinnes, d) sie bietet als Ort der Orientierung
Begleitung bei lebensgeschichtlichen Prozessen, e) Hochschulseelsorge ist
Ort der Präsenz Gottes, f) sie ist ein Gefäss, das Wissenschaft,
Kultur und Kirche begegnen lässt, g) die Hochschulgemeinden sind Orte
intensiver ökumenischer Begegnungen, in denen wechselseitiges Lernen
erfolgt.
Von den «Kindern der Welt» lässt sich bekanntlich manches
lernen: Allgemein ist im hochschulpolitischen Kontext das Bewusstsein gewachsen,
dass Hochschulbildung eine Aufgabe und Herausforderung mit internationaler,
ja globaler Tragweite ist. Erfreulicherweise zeigt sich analog ein wachsendes
Interesse an Fragen der Hochschulpastoral auf weltkirchlicher Ebene. So
zählte auch Msgr. Lorenzo Leuzzi (Rom) zu den Gästen der Konferenz,
der den intensiven Dialog suchte. Nach dem von ihm mitgestalteten Symposium
«Università e Chiesa in Europa» im Juli 2003 in Rom werden
sich demnächst die nationalen Vorsitzenden der Hochschulseelsorgekonferenzen
auf Einladung von Msgr. Cesare Nosiglia (Weihbischof der Diözese Rom
und Delegierter Bischof des CCEE) im Dezember in Rom zur weiteren Planung
der zukünftigen Hochschulpastoral in Europa versammeln. Da die beschleunigten
gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozesse der letzten Jahre besonders
auch die Hochschulen als geistige Zentren betreffen, ist die Frage nach
der «Präsenz der Kirche an der Universität» eine zunehmend
dringlichere Aufgabe. Mit einem Rückzug in die windgeschützten
Refugien binnenkirchlichen Diskurses wäre eine Chance vergeben, die
Kultur der Hochschulen unter den sich wandelnden Bedingungen mit dem Geist
des Evangeliums in Berührung zu bringen.
Diakon Thomas Reschke, Universitätsseelsorger und Lehrbeauftragter für Katholische Theologie an der Universität St. Gallen, leitet das dortige Akademikerhaus und die «Konferenz der katholischen Hochschulseelsorge der Schweiz».