42/2003

INHALT

Berichte

Qualität in der Hochschulpastoral

von Thomas Reschke

 

Ausgehend von der Erkenntnis, dass stärker als alle pastoralen Konzepte, Papiere und Stellungnahmen vor allem die in der Hochschulpastoral tätigen Personen das Gesicht der Hochschulseelsorge prägen, thematisierte die Herbsttagung der «Konferenz für katholische Hochschulpastoral» (KHP) das spezifische Qualifizierungsprofil für Hochschulseelsorgerinnen und -seelsorger. Die sehr gut besuchte Tagung fand vom 9.­11. September 2003 in Mainz statt und wurde unter anderem vom Ortsbischof Kardinal Karl Lehmann eröffnet.
Das «Forum Hochschule und Kirche e.V.» (bei dem als Geschäftsführer der Schweizer Dr. Lukas Rölli fungiert) und unter dessen Dach die «Konferenz für katholische Hochschulpastoral» gestellt ist, hatte zu dieser Veranstaltung neben den deutschen Mitgliedern auch die Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz eingeladen und die Vorsitzenden der deutschsprachigen Länder um einen Situationsbericht zur Thematik gebeten.
In einem intensiven Austausch wurden nach einem einführenden Referat des Wiener Pastoraltheologen Prof. Paul Michael Zulehner über «Qualität in der Pastoral» in Arbeitsgruppen die verschiedenen Qualitätskriterien reflektiert und anschliessend gemeinsam ein vorher erarbeitetes, umfangreiches Qualifizierungs-Rahmenkonzept redigiert, um verlässliche Perspektiven im Blick auf Qualität und Standards von Berufseinführung und Fortbildung zu haben. Dies scheint schon deshalb als dringendes Desiderat, weil die Hochschulseelsorge einen grossartigen Plural pastoraler Chancen bietet.
Skizzenhaft seien einige Chancen in unvertretbarer Kürze genannt:
a) die Hochschulpastoral ermöglicht den Kontakt zu Menschen mit akademischer Ausbildung, also zu Menschen in politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Führungspositionen, b) Hochschulseelsorge zeigt ein freundliches Antlitz der katholischen Kirche, welches an Fragen der jungen Erwachsenen interessiert ist, c) die Seelsorge an den Hochschulen bietet die Möglichkeit eines Forums zur Reflexion des Lebenssinnes, d) sie bietet als Ort der Orientierung Begleitung bei lebensgeschichtlichen Prozessen, e) Hochschulseelsorge ist Ort der Präsenz Gottes, f) sie ist ein Gefäss, das Wissenschaft, Kultur und Kirche begegnen lässt, g) die Hochschulgemeinden sind Orte intensiver ökumenischer Begegnungen, in denen wechselseitiges Lernen erfolgt.
Von den «Kindern der Welt» lässt sich bekanntlich manches lernen: Allgemein ist im hochschulpolitischen Kontext das Bewusstsein gewachsen, dass Hochschulbildung eine Aufgabe und Herausforderung mit internationaler, ja globaler Tragweite ist. Erfreulicherweise zeigt sich analog ein wachsendes Interesse an Fragen der Hochschulpastoral auf weltkirchlicher Ebene. So zählte auch Msgr. Lorenzo Leuzzi (Rom) zu den Gästen der Konferenz, der den intensiven Dialog suchte. Nach dem von ihm mitgestalteten Symposium «Università e Chiesa in Europa» im Juli 2003 in Rom werden sich demnächst die nationalen Vorsitzenden der Hochschulseelsorgekonferenzen auf Einladung von Msgr. Cesare Nosiglia (Weihbischof der Diözese Rom und Delegierter Bischof des CCEE) im Dezember in Rom zur weiteren Planung der zukünftigen Hochschulpastoral in Europa versammeln. Da die beschleunigten gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozesse der letzten Jahre besonders auch die Hochschulen als geistige Zentren betreffen, ist die Frage nach der «Präsenz der Kirche an der Universität» eine zunehmend dringlichere Aufgabe. Mit einem Rückzug in die windgeschützten Refugien binnenkirchlichen Diskurses wäre eine Chance vergeben, die Kultur der Hochschulen unter den sich wandelnden Bedingungen mit dem Geist des Evangeliums in Berührung zu bringen.

 

Diakon Thomas Reschke, Universitätsseelsorger und Lehrbeauftragter für Katholische Theologie an der Universität St. Gallen, leitet das dortige Akademikerhaus und die «Konferenz der katholischen Hochschulseelsorge der Schweiz».


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003