23-24/2003

INHALT

Berichte

Die Salzburger Äbtekonferenz

von Arnold B. Stampfli

 

Von Zeit zu Zeit, etwa jedes vierte oder fünfte Jahr, treffen sich die Mitglieder der Salzburger Äbtekonferenz (SAK) zu ihrer ordentlichen Jahrestagung in der Osterwoche in der Schweiz. Nachdem ein früheres Treffen in Bad Schönbrunn stattgefunden hatte, wurde diesmal das Bildungshaus Neu-Schönstatt in Quarten zum Tagungsort erkoren. Über 50 Äbte aus Deutschland, Österreich, dem Südtirol und aus der Schweiz begegneten sich vom Osterdienstag bis am Freitag bei frühlingshaftem Wetter über dem Walensee.

Drei Aufgabenkreise

Unter dem Tagungsthema Berufungspastoral hörten die Äbte, zu denen eine Delegation der Benediktineräbtissinnen gestossen war, zunächst ein einführendes Referat von P. Bruno Lautenschlager, Jesuit in Zürich, mit «Gedanken zur Nachwuchsförderung im Benediktinerorden aus spirituell-psychologischer Sicht». Damit war eine wichtige Grundlage für eine wertvolle Aussprache geschaffen. Die Thematik ist ohne Zweifel aktuell, weil die meisten Benediktinerklöster in allen drei Ländern nur mehr wenig Nachwuchs haben. Freilich gibt es erfreulicherweise auch Ausnahmen. Abt Benedikt Müntnich von Maria Laach hielt ein Referat zum Thema «Menschen gewinnen, Implikationen einer benediktinischen Berufungspastoral». Nicht äussere Werbemethoden sollten in den Vordergrund gerückt werden, sondern der geistige Gehalt der von Benedikt vor 1500 Jahren initiierten Spiritualität. Wie sehr seine Ordensregel sich über 15 Jahrhunderte hinweg bewährt hat, ging aus einem Referat von S. Michaela Puzicha, Salzburg, hervor, die immer wieder Kurse zur Vertiefung der Ordensregel anbietet. Solche werden übrigens auch von Mitgliedern evangelischer benediktinischer Gemeinschaften, von Zisterzienserinnen und Oblaten (Benediktinische Laiengemeinschaft) besucht.
Im Regularienteil der Konferenz kamen die Salzburger Hochschulwochen, der Ostfonds und das Ordenskalendarium zur Sprache. In der Tat ist es ja nicht ganz einfach, alle Kalendarien unter einen Hut zu bringen, jene der Weltkirche, der einzelnen Länder und der jeweiligen Diözese, des Gesamtordens und der regionalen Heiligen und Seligen. Schon zur Zeit von Papst Pius X. sind diesbezüglich Bemühungen in Gang gebracht worden.
Im geschwisterlichen Erfahrungsaustausch, dem jeweils eine zentrale Bedeutung zukommt, berichtete unter anderem Abt Albert Altenähr von Kornelimünster (Deutschland) über das benediktinische Oblatenwesen, das in der Schweiz leider relativ wenig bekannt ist. Mit einem Car fuhren die Äbte am vorletzten Tag nach Chur, wo sie Einblick in die Restaurierungsarbeiten der dortigen Kathedrale erhielten und von Bischof Amédée Grab, selber Benediktiner (von Einsiedeln), empfangen wurden.
Einen wesentlichen Raum nahmen die gemeinsamen kirchlichen Feiern ein. So hat am ersten Konferenztag Bischof Ivo Fürer, St. Gallen, mit den versammelten Äbten und den Schwestern Gottesdienst gefeiert. Und in der Mitte der Zusammenkunft durften die Äbte Abtprimas Notker Wolf, Sant' Anselmo, Rom, begrüssen. Er ist der ranghöchste Repräsentant der benediktinischen Konförderation. Weltweit gibt es 22 nationale Kongregationen und grössere internationale Föderationen.

Die Wahl eines neuen Vorsitzenden

Alle drei Jahre findet im Anschluss an die Ostertagung eine Generalversammlung der Äbtekonferenz statt. Wichtigstes Traktandum war diesmal die Wahl eines neuen Vorsitzenden, die auf den Abt von Muri-Gries, Benno Malfér, fiel . Der Abt-Präses der Schweizer Benediktinerkongregation ­ ausser den Missionsbenediktinern in St. Otmarsberg/Uznach gehören ihr alle schweizerischen Abteien an ­ wurde am 20. Dezember 1946 in Bozen-Gries geboren und 1991 zum Abt von Muri und zum Prior von Gries gewählt.<1>


Anmerkung

1 Erster Assistent bleibt von Amtes wegen der Erzabt von Salzburg; zweiter Assistent wurde Erzabt Theodor Hogg, Beuron. Sekretär bleibt P. Korbinian Birnbacher, Salzburg. Der bisherige Vorsitzende, der emeritierte Abt Bernhard M. Lambert, Scheyern (Deutschland), hatte dieses Amt während neun Jahren ausgeübt.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003