3/2003 | |
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Berichte |
Die Beschäftigung mit Erscheinungen und Fähigkeiten, die mit dem wissenschaftlichen Denken nicht oder noch nicht erklärt werden können der Okkultismus scheint immer noch zuzunehmen: als eine Gegenbewegung zum rational geprägten Lebens-, Menschen- und Weltverständnis wie als eine Protestbewegung mit auch gefährlichen Ideologien und Praktiken. Die Ökumenische Arbeitsgruppe «Neue Religiöse Bewegungen» führte deshalb zusammen mit dem RomeroHaus eine gut besuchte offene Tagung durch, die sich unter dem Titel «Satanisten Okkultisten» mit okkulten Gegenwelten beschäftigte.
Dem Leitwort des RomeroHauses «Wir verbinden Welten», an
das Othmar Eckert in seiner Begrüssung erinnerte, und der Leitfrage
der Veranstalterin: «Was bewegt Okkultisten?» entsprechend sollte
die Tagung mit einem Gespräch eröffnet werden. Doch Satorius (Markus
Wehrli aus Rothenburg bei Luzern), der Prior des Schwartzen Ordens von Lucifer,
erschien nicht. So begann die Tagung mit einem spannenden Rückblick
des Ethnologen Peter Koenig auf die Geschichte des Ordo Templi Orientis
(O.T.O.) anhand seiner Ahnen. Begonnen hat die Geschichte des O.T.O. um
1900 im Kontext der Freimaurerei, indem Carl Kellner (18501905) das
Hatha-Yoga in den Westen einführte und einen Hatha-Yoga-Kreis gründete.
Nach ihm führte Theodor Reuss (18501923) einen libertinistischen
Manichäismus in die Bewegung ein: in den höheren Graden wurde
Sexualmagie geübt. Für die Schweiz wichtig wurden Felix Lazerus
Pinkus (18811947) und sein Ziehsohn Hermann Joseph Metzger (19191990).
Sie führten die Spermagnosis ein bzw. übten sie. Diese Übung
muss man sich sehr handgreiflich vorstellen, wirkliche Anwendungen von Sperma,
das als Träger der Göttlichkeit angesehen wurde.
Heinrich Arnold Krumm bzw. Arnoldo Krumm-Heller (18791949) machte sich
als Homöopath auf die Suche nach der Universalmedizin und fand sie
im yogisch gnostisch aufgeladenen Sperma. Der englische Okkultist und Magier
Edward Alexander (Aleister) Crowley (18751947) trug mit seinem «Buch
des Gesetzes» (1904) weiter zum Ausbau der O.T.O.-Lehre und -Praxis
bei und gewann vor allem eine Klientel in den USA. Von den verschiedenen
Strömungen der O.T.O.-Bewegung verstand sich schliesslich die amerikanische
als die wahre zu etablieren.
An Stelle des nicht erschienenen Satorius stellte Federico Tolli einen gesellschaftlich
akzeptierten und konformen Okkultismus vor, wie er sich in Deutschland im
Dachverband «Concilium-GENA» zusammengeschlossen hat. Als einst
katholischer Theologe möchte er vom Okkultismus zu den Kirchen eine
Brücke bauen. So erklärt er den Okkultismus als eine Gestalt des
Mystizismus, der in der Mystik eine Entsprechung habe. Den Okkultisten gehe
es um «hermetische» Individuation, die Annahme seiner selbst
(«Erkenne dich selbst!»), um spirituelle Entwicklung und die
persönliche Beziehung zum Göttlichen. Die okkulten Rituale seien
Wege zur Heiligung und Vergöttlichung.
Gegen Aleister Crowley bezeichnete Federico Tolli die Magie als spirituellen
Lebensweg, der nicht das Universum nach seinem Willen formen will, sondern
sein eigenes Universum formen lässt. Diese Magie gründe auf dem
holistischen Weltbild und der «hermetischen» Lehre, namentlich
der Hermes Trismegistos zugeschriebenen «Tabula Smaragdina».
Gegen den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit beruft sich dieser Okkultismus
auf Carl Gustav Jung und seine Archetypenlehre, die sich in verschiedenen
Analogiesystemen des Okkultismus (Tarot, Kabbala, Alchemie usw.) wiederfinde.
Und die Vergöttlichung sei im Sinne von heil werden, ganz werden zu
verstehen und habe eine Entsprechung in der christlichen Lehre von der «theosis».
Kritisch nachgefragt bei Federico Tolli wurde, was Einsteiger und Einsteigerinnen
in den sanften hermetischen Okkultismus mit ihrer Schattenproblematik machen
bzw. wie die Gruppen darauf eingehen. Umgekehrt regte er an, die Kirchen
könnten für die okkulte Szene Seelsorge anbieten.
Der Satanismus von Satorius wird mit dem Rechtsextremismus in Verbindung
gebracht. Nach Einschätzung von Peter Koenig ist die Ideologie von
Satorius Neofaschismus im Gewand des Satanismus.
Zu welch gefährlichen Praktiken der Satanismus selber und schon der
Jugendsatanismus führen können, zeigte Joachim Müller mit
konkreten Beratungsfällen auf. Gemeinsames Merkmal dieser Fälle
waren die Gewalt oder die Gewaltbereitschaft, die sich als Androhung von
Gewalt äussert. Die Tatstrafbestände reichen von Vergewaltigung
bis Mord. Der Satanismus scheint eine Männerszene zu sein; mehrheitlich
Frauen machen dafür den Bereich der schwarzen Magie aus. Weil in der
Satanismusszene Arkandisziplin geübt wird und manche Gruppen zeitlich
begrenzte kleine Zirkel bilden, sind Behörden kriminellen Machenschaften
gegenüber häufig hilflos.
Während in der entsprechenden Erwachsenenszene sexuelle Missbräuche
eine Rolle spielen, hat der Jugendsatanismus mit der jugendlichen Protestkultur
zu tun. Ungefährlich ist das Spiel mit dem Faszinierenden aber nicht.
Doch hat auch der fundamentalistische Kampf gegen den Satan seine Gefahren.
So rät Joachim Müller, die Ängste, auch die Dämonenangst
ernst zu nehmen und die Menschen bei ihrem Umgang mit ihren Ängsten
zu begleiten.
Zwischen Gier und Neugier verortete Martin Scheidegger, Theologe und
Psychologe, den Okkultismus: zwischen Freizeitbeschäftigung («Neu...»)
und Suchtverhalten («...gier»). Als (Sucht-)Gefahren nannte
er für den Einzelnen Angstzustände und psychische Störungen
und für die Gesellschaft eine Gefährdung des demokratischen Verhaltensmusters
im Gefolge der Anerkennung der Willkür einer fremden Macht und Autorität.
Wenn das Okkulte als eine Wirklichkeit jenseits der Sinneserfahrung verstanden
wird, können in diesem Anderen Erfahrungen verobjektiviert werden,
können durch entsprechende Praktiken Angst und Tod gebannt werden.
Symbole eröffnen einen Zugang zu Lebensfragen, wenn man nur Wirklichkeit
und Bedeutung zu unterscheiden weiss. Wenn der Teufel als Symbol für
das Böse als unpersönliche Macht verstanden wird, dann kann man
die Wirklichkeit des Bösen verarbeiten, das Dunkle integrieren und
sich so neue Lebensmöglichkeiten eröffnen und versöhnt werden;
andernfalls muss man den Teufel bekämpfen.
Der Umgang mit dem Okkulten bzw. vor allem mit okkulten Praktiken verlangt
nach einer stabilen Persönlichkeit. Diese Stabilität zeigt sich
für Martin Scheidegger daran, wie der Mensch mit Sinnfragen umgeht:
sucht er als Sinn des Lebens den Sinn seines Lebens, ist er stabil, sucht
er den absoluten Sinn, begibt er sich in Abhängigkeit. Den Sinn seines
Lebens findet der Mensch indes nicht einseitig als Individuum, sondern im
Rahmen einer Gemeinschaft mit ihren Werten und Normen und ihrer Lehre. Eine
stabile Persönlichkeit befindet sich demnach im Gleichgewicht zwischen
Eigenständigkeit und Solidarität.
Gefährlich ist der Umgang mit dem Okkulten vor allem in Lebenskrisen,
in Situationen, in denen eine Neuorientierung nötig ist. Eine solche
Neuorientierung steht aus entwicklungspsychologischer Notwendigkeit vor
allem in der Adoleszenz an, und deshalb ist «der magische Kreis»
für Jugendliche besonders gefährlich.
Betende Menschen Betende Kirche.» Unter diesem Titel fand
vom 30. September bis 2. Oktober 2002 an der Universität Freiburg i.Ü.
ein liturgiewissenschaftliches Kolloquium statt. Den Veranstaltern, Prof.
Martin Klöckener und Prof. Bruno Bürki vom Institut für Liturgiewissenschaft,
ging es um einen Blick auf die Feier der Tagzeitenliturgie in den Kirchen
der Schweiz im 20. Jahrhundert. Das Kolloquium fand im Rahmen eines Projektes
statt, das die Erforschung des gottesdienstlichen Lebens in der Schweiz
im 20. Jahrhundert zum Ziel hat. Mit über 20 Referaten wurde den etwa
70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Schweiz, aus Frankreich, Österreich,
Deutschland und Griechenland ein weiter Einblick in die bisher für
die Schweiz weitgehend unerforschte Thematik geboten. Das Spektrum der Beiträge
umfasste historische und pastorale Fragen, aber auch eine liturgietheologische
Beschäftigung mit der Tagzeitenliturgie in der kirchlichen Situation
der Schweiz. Ein breiter Raum wurde Erfahrungsberichten eingeräumt.
Die Beiträge wurden in deutscher oder französischer Sprache gehalten.
Nicht nur die verschiedenen anwesenden Nationalitäten und die unterschiedlichen
Betrachtungsweisen, sondern vor allem die ökumenische Dimension trugen
zur hohen Qualität der Tagung bei. So waren kompetente Vertreter der
Reformierten, Katholischen, Christkatholischen und Griechisch-Orthodoxen
Kirche unter den Referentinnen und Referenten.
In seinem Eröffnungsreferat versuchte Bischof Kurt Koch nicht, die
heutige Not des Gebetes zu verschleiern. Die «eilig gewordene Zeit»,
die moderne Funktionalität und die Krise des biblischen Gottesbewusstseins
hätten zu einer Krise des Gebetes geführt. Allerdings sei das
Gebet als Sprache des Glaubens unabdingbar. So zitierte der Bischof im Titel
seines Referates Martin Luther mit der Aussage: «eines Christen Handwerk
ist beten».
Wie näherten sich Schweizer Theologen im 20. Jahrhundert dem täglichen
Gebet der Kirche? Dieser Frage ging der reformierte Liturgiewissenschaftler
Bruno Bürki nach. Er schilderte die Entdeckung des liturgischen Gebetes
im evangelischen Raum, liess Theologen wie Hans Urs von Balthasar, Alfred
de Quervain, Jakob Baumgartner und Vinzenz Stebler zu Wort kommen und würdigte
die Beiträge noch lebender Liturgiewissenschaftler zum Thema Tagzeitenliturgie.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Bürki den Lebenswerken von Mutter
Geneviève Micheli (Kommunität von Grandchamp) und von Prof.
Jean-Jacques von Allmen. In einer Zusammenfassung betonte er die Bedeutung
des Stundengebetes als Teilnahme am österlichen Geheimnis Christi.
Arnaud Join-Lambert, Assistent an der Universität Freiburg, vertiefte
in einem bemerkenswerten Beitrag diese Sicht der Tagzeitenliturgie als Teilnahme
am Paschamysterium und als Feier, die in diesem begründet wird. Dabei
betrachtete er vor allem die Reform des Stundengebetes durch das Zweite
Vatikanische Konzil, durch die zumindest vom Anspruch her aus
dem «Klerikerbrevier» wieder die Tagzeitenliturgie aller Getauften
geworden sei.
P. Angelus Häussling OSB, Benediktiner der Abtei Maria Laach und Spezialist
auf dem Gebiet der Tagzeitenliturgie, bot zunächst einen Blick auf
die Geschichte der Tagzeitenliturgie, allerdings nicht aus rein historischem
Interesse, sondern um Irrwege und schliesslich einen gangbaren Weg in die
Zukunft für diese Form der liturgischen Feier aufzuzeigen. Dabei ermutigte
er, mit Hinweis auf die Allgemeine Einführung in das Stundengebet,
neue Wege und Formen zu finden.
Den Blick auf die Geschichte mit ihrer Bedeutung für die Gegenwart,
nun allerdings für die monastischen Gemeinschaften in der Schweiz,
lenkte auch der emeritierte Abt von Einsiedeln, Georg Holzherr OSB. Er stellte
die oft mühsame, letztendlich aber fruchtbare Erneuerung dieser für
die Klöster so bedeutenden liturgischen Feier heraus. Sie bewege sich
in der Spannung zwischen Erhaltung des überkommenen, auch kulturellen
Erbes und der Ermöglichung einer «actuosa participatio»
des modernen Menschen. Diese Spannung zeigt sich nicht nur in den Klöstern,
sondern in der Liturgie der Kirche insgesamt.
Der Luzerner Professor für Liturgiewissenschaft, Patrick Dondelinger,
stellte in seinem Beitrag volkstümliche Formen von Tagzeitenliturgie
als Lösungen vor, die die Diskrepanz zwischen «offizieller»
Liturgie und der konkreten Situation des Menschen zu überwinden suchten
und suchen. Nach Dondelinger ist allerdings seit den 70er Jahren des 20.
Jahrhunderts ein massives Verschwinden solcher Formen von Tagzeitenliturgie
zu konstatieren. Das Finden neuer volkstümlicher Formen sei ein heilsnotwendiges
Anliegen.
Neben diesen eher grundsätzlichen Referaten bildeten Erfahrungsberichte
ein weiteres wesentliches Element des Kolloquiums. So sprach Pfarrer Pierre-André
Pouly über Geschichte und Gegenwart des gemeinsamen Gebetes in Crêt-Berard,
einem Zentrum der Reformierten Kirche im Kanton Waadt. Einen weiteren Ansatz
gemeinsamen Betens in der Reformierten Kirche stellte Pfarrerin Francine
Carrillo vor, die mit einer Gruppe interessierter Laien in ihrer Gemeinde
Champel (Genf) seit 1996 einen «Espace de Prière» anbietet.
In Arbeitsgruppen wurden in Kurzreferaten weitere Fallbeispiele aus der
Schweiz beschrieben. Folgende Themen wurden hier behandelt: «Die Hymnen
von Silja Walter im katholischen ÐStundenbuchð» (Dr. Ulrike
Wolitz, Solothurn); «La liturgie dominicaine des Heures» (P.
Dr. Philippe de Roten OP, Freiburg); «Zur Praxis von ökumenisch
gefeierten Tagzeitenliturgien aus evangelisch-reformierter Sicht»
(Pfr. Dr. Alfred Ehrensperger, Niederuzwil); «Die Tagzeitenliturgie
in der Kathedrale von Freiburg/Schweiz im 20. Jahrhundert» (Martin
Conrad, Freiburg); «Zwei Jahre Domvesper mit der Gemeinde. Erfahrungsbericht
aus St. Gallen» (Domkapellmeister Hans Eberhard, St. Gallen; Urs Länzlinger,
Luzern); «Célébrer la Liturgie des Heures avec des moyens
simples: le nouveau manuel ÐChants notés de l'assembléeð
et le ÐBréviaire notéð de Joseph Gelineau» (Dr.
Jean-Claude Crivelli CR, Centre Romand de Pastorale Liturgique, Bex); «Les
vêpres dominicales selon le rite de l'Eglise Orthodoxe. Pratiques
et perspectives pour la vie liturgique des Orthodoxes en Suisse» (Markos
Vidalis, Freiburg); «Tagzeitenliturgie in der Christkatholischen Kirche
der Schweiz» (Prof. Urs von Arx, Bern); «Entwicklung der Andachten
und Gebetsgottesdienste in den Pfarreien Brig, Glis und Naters (Oberwallis)
nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil» (Dr. Josef-Anton Willa, Luzern);
«Das Projekt ÐFreitagsvesperð in der Predigerkirche Zürich
(2002)» (Pfr. Dr. Peter Wittwer, Zürich); «Kirche in der
Kirche. Neue Tendenzen im Kirchbau» (Dr. Johannes Stückelberger,
Therwil).
Das Abschlussreferat von Prof. Klöckener war gleichzeitig eine Bilanz
der Tagung, die die Hauptfrage des Kolloquiums wieder aufnahm. Er stellte
zunächst die theologische Bedeutung der Kirche als betende dar und
skizzierte kurz die Krise des tradierten Gebetes sowohl des Einzelnen als
auch der Gemeinschaft. Schliesslich zeigte er Perspektiven für die
Tagzeitenliturgie auf.
Dabei unterstrich er einerseits die Notwendigkeit einer Kerngemeinde als
Trägerin dieser Gottesdienstform, die andererseits aber durch ihre
Offenheit und Flexibilität besonders geeignet sei für Jugendliche
und Kirchendistanzierte. Tagzeitenliturgie als regelmässige Gottesdienstform
sei gesellschaftskritisches Verhalten und stehe im Dienst der Gewinnung
einer christlich geprägten Lebenshaltung. Klöckener betonte die
Bedeutung der Tagzeitenliturgie als Feier der Kirche und im Raum der Kirche,
also als eine Gebetsform, die an die Glaubens- und Gebetsgemeinschaft der
Kirche gebunden sei. Er stellte die Tagzeitenliturgie als einen Weg dar,
der zu einer spirituell vertieften Gottesdienstkultur führe. In einem
letzten Punkt stellte Klöckener die These auf, dass die Tagzeitenliturgie
eine Hilfe zu einer Spiritualität sei, die auf Gebet und Liturgie aufbaue.
Er schloss gleichzeitig provokant und optimistisch: «Die Zukunft christlicher
Existenz vor dem dreifaltigen Gott und die Zukunft des Gottesvolkes auf
dem Weg zur Vollendung liegt nicht in pastoraler Geschäftigkeit, sondern
in Glaube, Hoffnung und Liebe, Bitte, Dank und Lobpreis. Die Tagzeitenliturgie
kann ein wesentliches Element sein, um die Christen aller Konfessionen auf
diesem Weg Jesus Christus entgegenzuführen.»<1>
Die von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemeinsam gefeierten Morgen-
und Abendgottesdienste bildeten eine wichtige Ergänzung zur theoretischen
Beschäftigung mit der Tagzeitenliturgie. Sie versammelten nicht nur
Gläubige verschiedener Konfessionen zum Gebet, sondern wurden auch
jeweils vorbereitet und geleitet von Verantwortlichen der Reformierten,
Katholischen und Christkatholischen Kirche. Es war erstaunlich, wie sehr
trotz der konfessionellen Unterschiede und neuer Ansätze doch eine
gemeinsame Grundstruktur erkennbar war, die es allen Teilnehmerinnen und
Teilnehmern erlaubte, sich in den jeweiligen Feiern zurechtzufinden und
zu Hause zu fühlen. Die Tagzeitenliturgie wurde so auf beeindruckende
Weise als ökumenische Gottesdienstform par excellence erlebt.
1 Eine Publikation aller Referate ist in Vorbereitung und wird im Jahr 2003 erscheinen.
Innerhalb einer Eucharistiefeier in der Pfarrkirche Quarten hat am 10.
November 2002 Familienbischof Norbert Brunner, Sitten, sieben Ehepaaren
aus dem Wallis und aus der Ostschweiz das Diplom als Familientrainer überreicht
und sie hiermit ausgesandt, in ihrem Einzugsbereich fortan im Dienste der
Kirche tätig zu sein.
Mit dieser Sendungsfeier ist eine fünfjährige Pilotphase zu Ende
gegangen. Die ins Bildungszentrum Neu-Schönstatt in Quarten integrierte
Akademie für Familienpädagogik hat ihren Ursprung in Wien. Dort
war 1989 ein erster Kurs angeboten worden. Inzwischen sind in Österreich
weit über hundert ausgebildete Familientrainer im Einsatz; sie seien
aus der offiziellen kirchlichen Familienpastoral nicht mehr wegzudenken.
Neu gibt es auch Familientrainer in Bayern, Ungarn, Polen und bald in Südamerika.
Die Ausbildung orientiert sich an der Spiritualität von P. Joseph Kentenich.
Die sieben Ehepaare haben sich während fast zwei Jahren an mehreren
je dreitägigen Seminaren auf die neue Aufgabe vorbereitet. Darüber
hinaus sind in Hausgesprächen zu einem ausgewählten Thema Vorträge
gehalten und Diskussionen geleitet worden.
Vor der Diplomfeier präsentierten die einzelnen Ehepaare je eine Arbeit,
mit der sie aufzeigen wollten, wo ihre Schwerpunkte liegen können.
Bischof Norbert Brunner formulierte in einem Vortrag Antworten auf die Fragen
«Was erwartet die Kirche von der Familie?» und «Was erwartet
die Kirche von den Familientrainern?».
Mit der Diplomübergabe verbunden war die Aussendung zu persönlichen
Gesprächen, zu Ehevorbereitungskursen, zur Leitung von Hauskreisen,
Partnerschaftsseminaren und Bildungstagen.
Wie P. René Klaus, St. Gallen, auf Anfrage bestätigte, ist ein
zweiter Kurs für angehende Familientrainer in Vorbereitung. Voraussetzung
ist der vorausgegangene Besuch eines Familienseminars.<1>
1 Auskünfte gibt es bei Schwester Mariza Signer, Neu-Schönstatt, 8883 Quarten, Telefon 0817391818.