11/2003

INHALT

Amtlicher Teil

 

Alle Bistümer

 

«Das Band des Friedens stärken ­ in der Schweiz und weltweit»

Erklärung und Aufruf in der Interreligiösen Feier am 5. März 2003 im Berner Münster

Wir, der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, die Schweizer Bischofskonferenz, die Christkatholische Kirche der Schweiz, der Schweizerische Israelitische Gemeindebund, die Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, teilen die Sorge vieler Menschen in unserem Land angesichts der krisenhaften Stimmung und des bedrohten Friedens in vielen Teilen der Welt. Diese ernsthafte Sorge um den Frieden führt uns als Kirchen und Religionsgemeinschaften unterschiedlicher Tradition zusammen. Wir bezeugen den gemeinsamen Glauben an den Einen barmherzigen Gott der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens. Dieses Zeugnis von Gott ist unvereinbar mit dem Aufruf zum gegenseitigen Hass und zum Krieg. Die Legitimation eines Krieges mit religiösen Argumenten zeugt von einem falschen Gottesverständnis. Es gibt deshalb auch nicht für einen drohenden Krieg im Irak eine religiöse Rechtfertigung. Krieg sollte nach Gottes Willen nicht sein. Wir bezeugen die Botschaft der Propheten in unseren Heiligen Schriften. Sie ruft uns dazu auf, konkret einen Beitrag zu Liebe, Gerechtigkeit und Frieden zu leisten. Unsere Sorge gilt vorwiegend der leidenden Zivilbevölkerung. Wir erklären, dass unser Gebet und unsere humanitäre Mithilfe allen Menschen in Not und allen Opfern von Gewalt gilt, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Rasse oder ihrer Religion. Wir erklären, dass wir den konfessionellen und religiösen Frieden in der Schweiz erhalten wollen. Wir widersetzen uns dem Versuch, dass auf dem Hintergrund politischer Konflikte zwischen unseren Glaubensgemeinschaften Gräben des Misstrauens und der Feindschaft gezogen werden. Die Spannungen und die drohenden Kriege in der Welt sind uns Anlass, hier in der Schweiz die Achtung voreinander zu bewahren, den Dialog unter uns zu verstärken und das Band des Friedens zu festigen.
Wir laden die christlichen, jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften in den Regionen und Gemeinden dazu ein, sich unserer Erklärung und unserem Gebet für den Frieden anzuschliessen. Wir laden die Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaften ein, im Alltag, in der Schule, am Arbeitsplatz und am Wohnort aufeinander zuzugehen, Möglichkeiten der Begegnung zu schaffen und die gegenseitige Gastfreundschaft zu pflegen. Wir hoffen kraft unseres Glaubens auf eine Lösung der weltweiten Konflikte ohne Gewalt und Krieg. Wir bitten Gott um seinen Beistand und seine Hilfe.

Bern, Freiburg und Zürich, 5. März 2003

Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund
Pfarrer Thomas Wipf, Präsident des Rates

Schweizer Bischofskonferenz
Bischof Amédée Grab, Präsident

Christkatholische Kirche der Schweiz
Bischof Fritz-René Müller

Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund
Prof. Dr. Alfred Donath, Präsident

Koordination Islamischer Organisationen Schweiz
Dr. Farhad Afshar, Co-Präsident


Mediencommuniqué der 259. Ordentlichen Versammlung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) in Luzern (Priesterseminar St. Beat) vom 3. bis 5. März 2003

Vom 3. bis 5. März 2003 hat in Luzern (Priesterseminar St. Beat) die 259. Ordentliche Versammlung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) getagt. Folgende Hauptthemen wurden dabei behandelt:

Nationales Jugendtreffen 2004 ­ Einladung an Papst Johannes Paul II.

Die Schweizer Bischöfe haben beschlossen, im Frühling 2004 ein nationales Jugendtreffen zu organisieren. Alle Jugendlichen der Pfarreien, Bewegungen und anderen Organisationen sind eingeladen, sich zu versammeln, um ihren Glauben zu vertiefen und ihre Lebenserfahrungen als Christen auszutauschen. Die SBK schlägt vor, dass dieses nationale Treffen 2004 die diözesanen Jugendtreffen ersetzt. Ausserdem haben die Schweizer Bischöfe sich entschieden, Papst Johannes Paul II. einzuladen, damit er im Rahmen dieser Zusammenkunft den Jugendlichen unseres Landes begegnen kann.
In ihrer Einladung an Johannes Paul II. erinnern die Bischöfe an die ganz spezielle Beziehung, die den Heiligen Vater mit den Jugendlichen verbindet. So ist er unter anderem Initiator der Weltjugendtage (WJT) ­ jener ganz besonderen Momente, bei denen Jugendliche in der Gemeinschaft der Kirche Christus begegnen können. Hunderte von Schweizern waren in Denver, Paris oder Rom dabei, und mehr als 800 sind nach Toronto geflogen. Aus Anlass eines nationalen Treffens 2004 könnten zahlreiche Jugendliche die einzigartige Möglichkeit haben, Johannes Paul II. persönlich kennen zu lernen und so die Erfahrung der Universalkirche zu machen.
Diese Einladung kommt zustande nach Absprache mit den wichtigsten katholischen Jugendorganisationen in den verschiedensten Sprachregionen.
Konkret heisst das: Wenn der Papst einem solchen Besuch zustimmt, könnte dies in Form einer «Blitzreise» geschehen, und zwar während eines Tages (und allenfalls einer Nacht), da die Schweiz sehr nahe bei Rom liegt. Das nationale Treffen wird sehr wahrscheinlich im Mai oder im Juni 2004 stattfinden; in einer Stadt, die leicht erreichbar und zentral gelegen ist. Zumal die Agenda von Johannes Paul II. sehr gefüllt ist, warten die Bischöfe auf eine Antwort aus Rom, bevor sie Datum und Ort festlegen. Das nationale Treffen wird jedenfalls so oder so stattfinden, ob der Papst nun komme oder nicht.
Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass es sich hierbei lediglich um eine Einladung handelt, von der die Bischöfe hoffen, dass der Papst sie annimmt, zumal noch viele Faktoren berücksichtigt werden müssen. Eine grundsätzliche Antwort aus Rom könnte noch vor dem Sommer eintreffen.

Heiliges Land: Die Christen von Bethlehem brauchen dringend Unterstützung

Nach der nationalen interreligiösen Feier für den Frieden, die am Mittwoch im Berner Münster stattfand, bekräftigen die Schweizer Bischöfe erneut ihren alarmierenden Hilferuf im Hinblick auf die Krise im Heiligen Land. Die ganze Bevölkerung dieser Region lebt in einer dramatischen Situation, welche zudem seit einigen Monaten ganz von der Gefahr eines Irakkrieges überschattet wird. Selbst die Präsenz von christlichen Gemeinschaften in Palästina ist angesichts des Ausmasses des gegenwärtigen Konflikts und der damit verbundenen wirtschaftlichen Verwüstung bedroht. Es muss für eine wirksame und sofortige Unterstützung gesorgt werden. Mgr. Pierre Bürcher, Weihbischof in Lausanne, wurde selber Zeuge dieses Notstandes: Er ist im Januar ins Heilige Land gereist und hatte zahlreiche Kontakte mit der lokalen Bevölkerung, sowohl mit der palästinensischen als auch mit der israelischen.
Zurzeit bauen die israelischen Behörden eine Mauer, welche die palästinensische Bevölkerung von der israelischen trennt. Mit der Errichtung der Mauer in Bethlehem wurde bereits begonnen. Am Stadteingang sind beispielsweise Dutzende von christlichen Familien, die in der Nähe des Grabs von Rachel wohnen, eingeschlossen, isoliert und von jeglichen Infrastrukturen abgeschnitten. Diese Situation, wie auch viele andere entlang dieser Mauer, ist unhaltbar. Die SBK verlangt die Einstellung dieser diskriminierenden Massnahmen gegenüber der lokalen Bevölkerung. Sie bittet inständig darum, dass Bethlehem eine Stadt bleibt, in der jeder sich frei bewegen, beten und in Frieden leben kann. Eine wirkliche Lösung kann nur in einem echten und friedlichen Engagement gefunden werden, und zwar seitens der Palästinenser wie auch seitens der Israelis. Schliesslich unterstützt die SBK alle Projekte für den Frieden, die von verschiedenster Seite möglich werden, und ermutigt das Handeln des Bundesrates zu Gunsten des Friedens und der Gerechtigkeit in dieser Region.
Die Bischöfe ihrerseits empfehlen besonders das Karfreitagsopfer in den katholischen Kirchen unseres Landes, das für die Not leidende Bevölkerung im Heiligen Land bestimmt ist. Ausserdem unterstützten sie nachdrücklich die Organisation von Wallfahrten ins Heilige Land, soweit es die politischen Umstände erlauben, weil dies für die Christen der Region ein Zeichen der Solidarität ist. Sie empfehlen ebenfalls eine Intensivierung des interreligiösen Dialogs unter Christen, Juden und Muslimen. Ein solcher Dialog wird zur Versöhnung und zur gemeinsamen Suche nach Frieden führen.

Dokument der Arbeitsgruppe «Bioethik» der SBK

Die Arbeitsgruppe Bioethik der SBK hat am vergangenen Montag ihre Stellungnahme «Der Status von Embryonen» (Dieses Dokument steht auf Internet (www.kath.ch/sbk) zur Verfügung.) zum Entwurf des Embryonenforschungsgesetzes an die Parlamentarier von National- und Ständerat übergeben. Sie setzt sich darin kritisch mit der Vorlage des Embryonenforschungsgesetzes auseinander und zeigt auch, welche Inkonsistenzen darin nicht zu überzeugen vermögen: Die Arbeitsgruppe Bioethik weist darauf hin, dass rund 16 Stunden nach Beginn der Befruchtung durch die Chromosomenvereinigung die genetische Individualität des neuen Menschen festgelegt ist. Von diesem Zeitpunkt an sind keine Entwicklungssprünge mehr zu sehen. Von daher ist eine Verkürzung der gesetzlichen Frist, innerhalb derer ein Embryo zur Stammzellengewinnung zerstört werden kann, keine Antwort auf diese grundsätzliche Feststellung: Der Embryo entwickelt sich nicht zum Menschen sondern von Anfang an als Mensch. Es kann deswegen keine Rede davon sein, dass die Schutzwürdigkeit schrittweise mit der Entwicklung wachse. Schutzwürdigkeit ist im Gegenteil von allem Anfang an voll gegeben.
Diese biologische Tatsache hat rechtliche Konsequenzen für den Rechtsstatus von Embryonen: Unabhängig davon, ob man ihnen ein Personsein zusprechen will, sind sie künftige Rechtssubjekte und entwickeln sich als solche ohne Bruch dazu.
Fazit: Die christliche Sicht des Menschen als Gottes Ebenbild ist mit den embryologischen Erkenntnissen vereinbar: Beide zeigen, dass dem Embryo bereits im frühesten Stadium die Menschenwürde nicht abgesprochen werden kann und ihm somit ein grundrechtlicher Schutz vor Instrumentalisierung für fremde Zwecke zuerkannt werden muss. Aus Achtung der Menschenwürde des Embryos ist es weniger schwerwiegend, wenn ein Embryo in vitro, der als so genannt «überzählig» nicht mehr implantiert werden kann, «sterben gelassen wird», als wenn er zu Forschungszwecken verbraucht wird. Dieses Dilemma selbst zeigt, dass es keine befriedigende Lösung gibt für ein Problem, in das uns die
In-vitro-Fertilisation geführt hat. Die Instrumentalisierung menschlichen Lebens zu Forschungszwecken ist aber aus einer ethischen Sicht, die sich der Achtung der Menschenwürde verpflichtet weiss, schlechthin inakzeptabel.

Ernennungen

In Kürze

Freiburg, 6. März 2003


Bistum Basel

 

Ernennung

Sara Franz als Pastoralassistentin für die Pfarrei Arbon (TG) per 1. März 2003.


Bistum Chur

 

Ernennungen

Diözesanbischof Amédée Grab ernannte die folgenden neu geweihten Ständigen Diakone:

Im Weiteren ernannte er


Missio canonica

Diözesanbischof Amédée Grab erteilte die Missio canonica


Priesterjubilare im Bistum Chur 2003

60 Jahre

50 Jahre

40 Jahre

25 Jahre


Voranzeige Priester-Jubilaren-Treffen 2003

Die Priesterjubilar sind auf Donnerstag, 26. Juni 2003, nach Chur ins Priesterseminar St. Luzi eingeladen. Die Einladungen mit den genaueren Angaben werden den Jubilaren persönlich zugestellt.
Falls jemand aus dem Kreis der einzuladenen Jubilare auf der Liste nicht erwähnt sein sollte, bitten wir höflichst um Mitteilung an die Bischöfliche Kanzlei, z.Hd. von Frau A. Högger, Hof 19, Postfach 133, 7002 Chur oder Telefon 0812586073.

Bischöfliche Kanzlei


Bistum St. Gallen

 

Rücktritt des Personalamtleiters

Mit Erreichung des Pensionsalters will sich Dr. Anton Thaler von seinen vielfältigen und belastenden Aufgaben entlasten. Auf Ende Mai 2003 gibt er daher sein Amt als Leiter des diözesanen Personalamtes ab. Er hat dieses im April 1998, von der Theologischen Fakultät Fulda her kommend, angetreten und führt es seit Juni 2002 zusammen mit Peter Lampart. Im Halbamt bleibt Anton Thaler Generalvikar. Er wird als solcher weiterhin im Ordinariat mitarbeiten, Firmungen spenden, die Pfarreien visitieren und sich seinem Spezialbereich Liturgie widmen. Der Dompfarrer kann ebenfalls weiterhin auf seine Dienste an der Kathedrale zählen, bleibt er doch auch Mitglied des Domkapitels.


Stellenausschreibungen

Bad Ragaz

Während 33 Jahren hat Pfarrer Bruno Kutter die Pfarrei Bad Ragaz geleitet. Mit seinen 70 Jahren will er nun in den Ruhestand treten. Daher ist auf Herbst 2003 die Pfarrstelle (100 Prozent) neu zu besetzen.
Interessenten melden ihre Bewerbung bis zum 31. März 2003 an das Bischöfliche Ordinariat, Personalamt, Peter Lampart, Klosterhof 6b, Postfach 263, 9001 St. Gallen.
Weitere Auskunft erteilt Marlis Küchler, Präsidentin des Kirchenverwaltungsrates Bad Ragaz, Telefon 0813024838.

Ebnat-Kappel und Neu St. Johann

Pfarrer und Kanonikus Guido Scherrer ist zum Regens des Bistums St. Gallen berufen worden. Daher sind im Seelsorgeverband Ebnat-Kappel ­ Neu St. Johann die Pfarrstellen von Ebnat-Kappel und Neu St. Johann zur Wiederbesetzung ausgeschrieben. Die beiden Pfarreien dürfen auf eine langjährige fruchtbare Zusammenarbeit zurückblicken. Der neue Pfarrer wird seine Tätigkeit gemeinsam mit einem Seelsorgeteam aufnehmen können. Der Wohnort wird in Neu St. Johann sein. Der Amtsantritt ist auf 1. September oder nach Vereinbarung vorgesehen.
Interessenten richten ihre Bewerbung bis 24. März 2003 an das Bischöfliche Ordinariat, Personalamt, Dr. Anton Thaler, Klosterhof 6b, Postfach 263, 9001 St. Gallen.
Weitere Auskunft erteilen Markus Maier, Präsident des Kirchenverwaltungsrates Ebnat-Kappel (Telefon 0719933230) und Titus Schmid, Präsident des Kirchenverwaltungsrates Neu St. Johann (Telefon 0719960311).


Schänis und Maseltrangen: Pfarreinsetzung

Am Sonntag, 24. Februar, hat Dekan Reto Oberholzer in der Mehrzweckhalle von Schänis (die Kirche wird zurzeit renoviert) den 59-jährigen Josef Buchmann als neuen Pfarrer von Schänis und Maseltrangen eingesetzt.
Josef Buchmann hat die Nachfolge von Adri van den Beemt angetreten, der seit Dezember 2001 Pfarrer von Goldach und Untereggen ist. Er selber war zuvor während zehn Jahren Pfarrer im Seelsorgeverband Bütschwil-Ganterschwil und nochmals vorher von 1980­1993 Pfarrer in Engelburg. Während seiner Zeit als Kaplan in Wattwil von 1973­1980 war er auch Kantonalpräses von Jungwacht­Blauring.


Impulstag für Seelsorgerinnen und Seelsorger zwischen 60 und 65

Brennt der Dornbusch noch?

Angesprochen vom Thema oder gespannt auf die übrigen Teilnehmenden die einen, skeptisch oder ohne grosse Erwartungen die andern, waren die rund zwanzig Teilnehmenden zum ersten diözesanen Impulstag für Seelsorgerinnen und Seelsorger zwischen 60 und 65 Jahren am 24. Februar ins Seminar St. Georgen-St.Gallen gekommen. Dankbar für das Geschenk dieses Tages mit Impulsen, Selbstreflexionen, Gesprächen und Austausch in Gruppen und in der Gesamtrunde, dankbar für die Gelegenheit zur Standortbestimmung, dankbar auch für die Begegnung mit Kolleginnen und Kollegen in ähnlicher Situation, gingen sie am späten Nachmittag wieder auseinander. «Ich habe mich wohl gefühlt in dieser Runde» und «Für mich war es ein spiritueller Einkehrtag». Was von zwei Teilnehmenden laut ausgesprochen wurde, dürfte, auf die gelöste Atmosphäre zu schliessen, für alle gegolten haben. Es war daher auch nicht verwunderlich, dass für die Altersgruppe zwischen 60 und 65 weitere solcher Impulstage gewünscht werden.
Der Wunsch nach einer Art Vorbereitung auf die Pensionierung bzw. auf das Alter, ähnlich wie es grössere Firmen oder öffentliche Verwaltungen für ihre Mitarbeitenden machen, war schon vor längerer Zeit im Personalamt deponiert worden. Stephan Brunner, der neue Bildungsleiter des Bistums St. Gallen, konnte ihn nun erfüllen. Achtsam und einfühlsam führte der 36-Jährige anhand der biblischen Erzählung von Mose am brennenden Dornbusch durch den Tag. Brennt das Feuer meiner Berufung noch? Wie kann ich es auch in Zukunft am Brennen halten? Mit welchen Perspektiven für mich und meine Arbeit gehe ich in die kommenden Jahre? Der Dornbusch brennt ohne zu verbrennen ­ ist «burn out» für mich ein Thema?
Mit erstaunlicher Offenheit liessen die Teilnehmenden einander an den Antworten teilhaben. Teilhaben auch an ihren Ängsten, Befürchtungen, an ihrer Müdigkeit, aber auch am immer noch brennenden Feuer, an der noch nicht erloschenen Freude an der Berufung, an der Freude auf die Zeit, die Entlastung von der Arbeit bringen soll.
Weil Stephan Brunner nicht die Funktion eines Briefträgers zum Personalamt übernehmen wollte, waren nachmittags die beiden Personalleiter Anton Thaler und Peter Lampart anwesend. Dies wurde denn auch sehr geschätzt. Geklärt werden konnte dabei, dass es angesichts der prekären Personalsituation natürlich vom Personalamt aus wünschenswert ist, wenn der Priester nicht vor 70 voll in Pension geht, sondern über das AHV-Alter hinaus in einem Rahmen, der für ihn, auch von der Gesundheit her, stimmt, noch einsatzbereit ist.


Im Herrn verschieden

Pfarrer Linus Looser, Oberhelfenschwil
Oberhelfenschwil im Toggenburg und Erzdiözese Popayan in Kolumbien ­ hier wie dort war der am 21. Februar verstorbene Linus Looser daheim. Hier wie dort hat er segensreich gewirkt. In Oberhelfenschwil ist er am 28. Februar 2003 beerdigt worden.
Weil nach der Priesterweihe im Jahre 1943 für Linus Looser keine Stelle im Bistum frei war, zog er nach Lehrtätigkeiten in Freiburg und Zürich 1946 als Missionar nach Kolumbien. Und weil vierzig Jahre später nicht mehr von Priesterüberfluss, sondern von Priestermangel die Rede war, demissionierte er erst Ende 1994 als Pfarrer von Oberhelfenschwil. Mit seiner Schwester Albina, der treuen Begleiterin und Helferin, konnte er im Pfarrhaus bleiben, denn heute ist der Pfarrer von Lichtensteig auch Pfarrer von Oberhelfenschwil.
Linus Looser ist am 4. Oktober 1916 in Alt St. Johann geboren und mit neun Geschwistern aufgewachsen. Zwei seiner Schwestern haben ebenfalls den geistlichen Stand gewählt; Sr. Armina lebt immer noch in Kolumbien. Er besuchte das Gymnasium des Missionshauses Bethlehem und studierte anschliessend Theologie an der Universität Freiburg. Die vierzehnjährige Missionstätigkeit (1946­1960) hat ihn geprägt. Seine in Übersee gemachten reichen Erfahrungen sind nach seiner Rückkehr zuerst der Pfarrei Herisau und ab 1966 der Pfarrei Oberhelfenschwil zugute gekommen. Als weltoffener, toleranter Priester hat er immer über die eigene Pfarrei hinaus gedacht, war ihm die Ökumene ein grosses Anliegen. Dank seines ausgeglichenen Wesens und seiner Herzensgüte hat Linus Looser nicht nur in der Pfarrei, sondern während der zwölfjährigen Amtszeit als Dekan im damaligen Dekanat Obertoggenburg auch unter den Mitbrüdern segensreich gewirkt ­ selbst in Zeiten grosser Spannungen. Die jährlichen Dekanatstreffen auf der Alp Sellamatt waren gern besuchte Anlässe. Dank seiner Sprachkenntnisse hatten die spanischen Gastarbeiter in Herisau und später im Toggenburg in Linus Looser einen verständnisvollen geistlichen Betreuer. Er war auch Mitglied des Katholischen Kollegiums.
Immer wieder ist Linus Looser für einige Wochen nach Kolumbien und vor allem in die Bubenstadt «Ciudad Don Bosco» in Medellin gereist. Die 600 Jugendlichen dort werden von seinem grossen Freundeskreis und der Pfarrei Oberhelfenschwil mitunterstützt, auch nachdem er sich selber nicht mehr aktiv für dieses von Salesianern geleiteten Werk einsetzen konnte. Von einem 1999 erlittenen Schlaganfall hatte er sich nicht mehr erholen können, weshalb im März 2001 der Eintritt in die Pflegestation des Seniorenheimes Dorfplatz in Oberhelfenschwil notwendig geworden war. Dort ist er gestorben, und in Oberhelfenschwil wurde er am 28. Februar beerdigt.

Rosmarie Früh


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2003