3/2003 | |
INHALT | |
Amtlicher Teil |
Im Sommer 2003 endet die Projektphase der Arbeitsstelle DAMP. Die Arbeitsstelle wurde im Verlauf der bald dreijährigen Projektphase von der DAMP (Deutschschweizerische Arbeitsgruppe für MinistrantInnenpastoral) erfolgreich aufgebaut. Sie dient als Informations- und Fachstelle für die MinistrantInnenpastoral der Deutschschweiz. Für die definitive Weiterführung der Arbeitsstelle sucht die DAMP nun eine neue Stellenleitung. Beachten Sie dazu bitte die Ausschreibung im Inserateteil dieser Ausgabe der Kirchenzeitung.
Die vakante Pfarrstelle Eggenwil-Widen (AG) im Seelsorgeverband Berikon-Rudolfstetten-Eggenwil/Widen-Oberwil/Lieli
wird für einen Gemeindeleiter/eine Gemeindeleiterin (80100 Stellenprozente)
zur Wiederbesetzung ausgeschrieben.
Die auf den 1. Oktober 2003 vakant werdende Pfarrstelle Mümliswil (SO)
wird für einen Pfarrer zur Wiederbesetzung ausgeschrieben.
Interessierte Personen melden sich bitte bis 6. Februar 2003 beim Diözesanen
Personalamt, Baselstrasse 58, 4501 Solothurn, oder E-Mail personalamt@bistum-basel.ch
Es melden sich immer wieder ausländische Priester beim Diözesanen Personalamt mit der Bereitschaft, im Sommer/Herbst 2003 Ferienvertretungen zu übernehmen. Sofern von Seiten der Pfarreien entsprechender Bedarf besteht, können die Pfarreien diesbezüglich mit dem Diözesanen Personalamt bis ca. Ende März 2003 Kontakt aufnehmen.
Am Freitag, 11. April 2003, wird Weihbischof Msgr. Martin Gächter
um 18.00 Uhr in der St.-Johannes-Kapelle des Bischöflichen Ordinariates,
Baselstrasse 58, Solothurn, das Sakrament der hl. Firmung spenden. Interessierte
Personen können sich beim Wohnortspfarramt für die Vorbereitung
melden.
Voraussetzung zum Empfang der hl. Firmung sind: Bestätigung über
die empfangene Taufe (Taufzeugnis); Bestätigung des Pfarramtes über
den absolvierten Firmunterricht.
Die schriftlichen Anmeldungen mit den Unterlagen sind vom Pfarramt an die
Bischöfliche Kanzlei weiterzuleiten.
An der diesjährigen Tagung der Theologiestudierenden für das
Bistum Basel stand am 3./4. Januar das wichtige Thema «Sexualität»
im Zentrum. Dies ermöglichte es den Frauen und Männern, die sich
für einen kirchlichen Dienst vorbereiten, sich intensiv mit dieser
aktuellen Thematik auseinander zu setzen. Denn Anfang Dezember erklärte
die Bischofskonferenz in Bezug auf die Fälle von sexuellem Missbrauch
in der Kirche, die Sexualität vermehrt thematisieren zu wollen, insbesondere
in der Ausbildung künftiger Seelsorgerinnen und Seelsorger.
Zum Einstieg in die Tagung referierte die Theologin und Psychotherapeutin
Rosmarie Wipf in lebendig-literarischer Weise. Sie betonte, dass es sich
bei der Sexualität um ein lebensfrohes, freudiges Thema handle. Sie
sei ein «wichtiger Pfeiler unserer Identität» und «gehört
zu uns wie der Atem, wie die Tränen und wie das Lachen». Mit
spannenden Gedanken, Musik und Gedichten zog sie einen Bogen vom Gestern
ins Heute im Umgang mit der Sexualität, vom Tabu über die sexuelle
Revolution bis hin zur Salonfähigkeit. Doch noch immer werde der Diskurs
trotz der Allgegenwärtigkeit in den Medien distanziert gepflegt.
Verschiedene Ateliers ermöglichten den Teilnehmenden eine Vertiefung
der Thematik. Im von Rosmarie Wipf geleiteten Atelier zum Umgang mit dem
Thema Sexualität in Kirche und Medien wurden provokative Thesen diskutiert,
welche die Komplexität sichtbar machten. Im Vordergrund stand der Zölibat,
der in den Medien regelmässig thematisiert wird. Der Austausch erwies
sich als fruchtbar, um Sprache einzuüben und Fronten aufzuweichen
mit dem Ziel, weiterhin am Thema «dran bleiben» zu wollen.
Dolores Waser Balmer, die Leiterin des Kinderschutzzentrums «Schlupfhuus»
in St. Gallen, führte in einem weiteren Atelier durch die Facetten
der Thematik «sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen».
Begonnen bei der Definition des Begriffs über Opferprofile bis hin
zur Prävention, hielten die Spannung und das Erstaunen an. Es wurde
deutlich, dass die kirchlichen Strukturen den Missbrauch von Kindern statistisch
nicht fördern und die sexuelle Ausbeutung vor allem eine Frage der
Macht ist. Als beste Prävention gilt eine gesunde, menschliche Nähe
in der Beziehung.
Auch die biblische Sicht von Sexualität stand in einem Atelier im Zentrum.
Hanspeter Ernst von der Stiftung für Kirche und Judentum zeigte anhand
von verschiedenen Textstellen positive Aspekte der Sexualität aus biblischer
Sicht auf. Im Mittelpunkt standen die Schöpfungsgeschichten, an denen
die Gleichwertigkeit von Mann und Frau verdeutlicht wurde. In diese grundlegende
Beziehung muss auch die Sexualität eingeordnet werden, und eine Liebesgemeinschaft
kann demnach nur auf Gegenseitigkeit beruhen.
Im Atelier «Orgasmus und Ekstase. Sexualität als Sehnsucht nach
Ganzheit» mit Alois Metz vom Ökumenischen Aids-Pfarramt beider
Basel versuchten die Teilnehmenden im Tanz und mit Übungen aus der
Gestalttherapie, ihrer Körperlichkeit Ausdruck zu verleihen und den
ekstatischen Charakter der Sexualität zu erahnen, der zu einer Gotteserfahrung
führen kann. Damit wurde die Frage aufgeworfen, ob Sexualität
nicht auch in neuen liturgischen Formen ihren Platz haben kann.
Neben der Begegnung untereinander stellten die Gespräche mit der
Bistumsleitung einen Schwerpunkt der Tagung dar. Vor der abschliessenden
Podiumsdiskussion zum Thema «Spannung zwischen Realität und kirchlicher
Lehrmeinung» strich Bischof Kurt Koch in seinem Statement hervor,
dass alles Leben in der Spannung zwischen Realität und Idealität
stehe. Der Mensch müsse lernen, mit dieser Spannung umzugehen, denn
sie sei die Voraussetzung, dass sich der Mensch weiterentwickeln kann. Weiter
betonte er, dass nach katholischer Lehre Sexualität und Liebe nicht
getrennt werden können und sie ihren Ort in der ehelichen Gemeinschaft
haben. Diese Aussage formulierte der Gesprächsleiter Jean-Pierre Simmen
als These für die abschliessende Podiumsdiskussion mit Bischof Kurt
Koch, Abt Martin Werlen OSB, Rosmarie Wipf und Dolores Waser Balmer. Im
Austausch wurde die Spannung zwischen Realität und Idealität,
zwischen Praxis und kirchlicher Lehre verdeutlicht. Abt Martin Werlen machte
auf die verlorene Vielfalt in der Sprache der Liebe aufmerksam, die erst
durch langsames Entdecken in einer Beziehung erlernt werden könne.
Während Dolores Waser Balmer die Wichtigkeit von sexuellen Erfahrungen
für weitere Beziehungen hervorhob, forderte Bischof Kurt Koch eine
neue Kultur der Zärtlichkeit und Erotik.
Der in dieser Tagung geführte innerkirchliche Diskurs über das
Thema Sexualität ist ein wichtiger Schritt auf einem Weg, der auch
auf anderen Ebenen innerhalb der Kirche fortgeführt werden muss, wenn
die Kirche nahe beim Menschen bleiben will. Denn um es mit den Worten von
Rosmarie Wipf zu sagen: «Sexualität gehört zu uns Menschen
wie der Atem, wie die Tränen und wie das Lachen.»
Anton Striby, emeritierter Pfarrer, Aesch/Ettingen
Am 16. Dezember 2002 starb in Aesch der emeritierte Pfarrer Anton Striby.
Am 29. Mai 1913 geboren, empfing der Verstorbene am 29. Juni 1944 in Solothurn
die Priesterweihe. Er wirkte als Vikar in der Pfarrei Münchenstein
von 19441948, in der Pfarrei Liestal von 19481949 und in der Pfarrei
Laufen von 19491951. Von 19511987 versah er das Amt des Pfarrers
in der Pfarrei Zwingen. Ab 1987 verbrachte er seinen Lebensabend als emeritierter
Pfarrer in Ettingen. Er wurde am 20. Dezember 2002 in Ettingen beerdigt.
Richard Spiess, emeritierter Professor, Cham
Am 16. Dezember 2002 starb in Cham der emeritierte Professor Richard Spiess.
Am 3. Juni 1915 in Bukarest (heimatberechtigt in Tuggen [SZ]) geboren, empfing
der Verstorbene am 29. Juni 1939 in Bukarest die Priesterweihe. Er wirkte
von 19391948 als Sekretär am Erzbischöflichen Ordinariat
Bukarest, als Seelsorger, Professor und Spiritual in Rumänien. 1948
wurde der in Bukarest inkardinierte Priester aus Rumänien ausgewiesen.
19501987 war er Professor und Präfekt am Kollegium St. Michael
(ZG) und von 19872002 verbrachte er seinen Lebensabend als emeritierter
Professor in Zug. Auf seinen eigenen Wunsch hin wird der Beerdigungsgottesdienst
in Tuggen (SZ) «im engsten Kreis» gefeiert werden.
Kasimir Jäggi, Chorherr, Wangen bei Olten/Luzern
Am 5. Januar 2003 starb in Wangen bei Olten Chorherr Kasimir Jäggi.
Am 12. Dezember 1917 geboren, empfing der Verstorbene am 29. Juni 1943 in
Solothurn die Priesterweihe. Er wirkte als Vikar in der Pfarrei St. Maria
Biel (BE) von 19431956. Danach war er Pfarrer in der Pfarrei Lyss (BE)
von 19561966. Hernach wirkte er als Katechet in Luzern von 19661975
und danach als Pfarr-Rektor im Pfarr-Rektorat Bruder Klaus Matthof in Luzern.
Ab 1985 verbrachte er seinen Lebensabend als Chorherr im Chorherrenstift
St. Leodegar im Hof, Luzern. Er wurde am 10. Januar 2003 in Härkingen
beerdigt.
Herbert Stöckli-Dzierzon, emeritierter Theologe und Katechet,
Zuchwil
Am 7. Januar 2003 starb in Zuchwil der emeritierte Theologe und Katechet
Herbert Stöckli. Am 8. Oktober 1928 geboren, empfing der Verstorbene
1955 die Priesterweihe (Bistum Chur). Er wirkte als Vikar in der Pfarrei
St. Peter und Paul in Zürich. Danach arbeitete er von 19611963
im Pflegebereich eines Kinderheimes für Behinderte in Freiburg im Breisgau,
bevor er von 19631965 als Lehrer in Gonten (AI) wirkte. Von 19651991
stellte er nach der Laisierung seine Kräfte der Pfarrei St. Martin
Zuchwil als Katechet und Theologe zur Verfügung. Dort hat auch seine
Familie ihre Heimat gefunden. Seinen Lebensabend verbrachte er ebenfalls
in Zuchwil. Er wurde am 11. Januar 2003 in Zuchwil beerdigt.
Infolge Demission des bisherigen Stelleninhabers wird die Pfarrei Trun
(GR) zur Wiederbesetzung durch einen Priester ausgeschrieben, mit Stellenantritt
ca. August 2003.
Interessenten mögen sich melden bis zum 7. Februar 2003 beim Sekretariat
des Bischofsrates, Postfach 133, 7002 Chur.
Ebenfalls infolge Demission des bisherigen Stelleninhabers wird die Pfarrei
Hausen a.A. (ZH) zur Wiederbesetzung ausgeschrieben für einen Pfarrer
oder einen Gemeindeleiter/eine Gemeindeleiterin, mit Stellenantritt auf
Sommer 2003.
Interessenten/Interessentinnen mögen sich melden bis zum 7. Februar
2003 beim Sekretariat des Bischofsrates, Postfach 133, 7002 Chur. Bischöfliche
Kanzlei
Liebe Brüder und Schwestern
Wir nennen uns Christen. Jesus Christus ist Ursprung und Mitte unseres Glaubens.
Aber: Ist er es auch in unserem Leben? Es gibt unter uns Frauen und Männer,
die tief mit Jesus verbunden sind und ihn von Herzen lieben. Andere sind
froh, dass es Jesus gibt, zu dem sie im Notfall beten können. Für
andere scheint Jesus weit weg zu sein, obwohl sie an Gott glauben. Manche
können mit Jesus nichts anfangen, er ist ihnen zu fremd. Viele, vor
allem jüngere Frauen und Männer, wissen kaum noch etwas von ihm.
In diesem Zusammenhang, liebe Brüder und Schwestern, fragen Sie mich
vielleicht: «Bischof Ivo, was bedeutet denn Ihnen Jesus Christus?»
Gerne möchte ich versuchen, Ihnen eine Antwort zu geben, natürlich
nicht in einem einzigen Satz.
In den verschiedenen Phasen meines Lebens habe ich ein unterschiedliches
Verhältnis zu Jesus gehabt. Als Kind habe ich mir Jesus vorgestellt
als das Kind in der Krippe oder etwas später als einen gütigen
Erwachsenen, der mich versteht und dem es gut tut, wenn ich ihm hie und
da etwas zuliebe tue. Ich betete unbefangen zum lieben Heiland. Etwas von
diesem kindlichen Vertrauen ist mir bis heute geblieben.
Später haben Begegnungen mit verschiedenen Menschen mein Bild von Jesus
erweitert und verändert. Als Bub erlebte ich, dass der Glaube eine
wichtige Lebensgrundlage für meine Mutter war. Zeitweise hatte ich
auch das Gefühl, mein Vater sei uns nahe, obwohl er gestorben war als
ich erst viereinhalbjährig war. Ich begegnete sodann gütigen Menschen,
die mich mochten und denen Jesus viel bedeutete. Gelegentlich enttäuschten
mich aber auch Menschen, deren frommes Reden nicht zu ihrem Leben passte.
Im Theologiestudium faszinierte mich das Denken der Theologen und das Zeugnis
der frühen Konzilien unserer Kirche. Und immer wieder bringen mich
Menschen zum Staunen, die eine grosse Nähe zu Jesus erfahren. So weiss
ich mich in meiner Beziehung zu Jesus von der grossen Gemeinschaft der Gläubigen
und der Kirche getragen und gestärkt.
Ein guter Weg, Jesus näher zu kommen, ist für mich, wenn ich zur
Bibel greife. Dazu lädt uns alle das Jahr 2003 als Jahr der Bibel besonders
ein. Wenn wir das Neue Testament aufschlagen, können wir Jesus und
seine Weise zu leben näher kennen lernen.
Gerade in den vier Evangelien begegnen wir Jesus, der die Menschen liebt
und ihre Nöte kennt. Deshalb drängen sich die Menschen um ihn,
fühlen sich von ihm verstanden und lassen ihn nicht los. Er geht auf
die Menschen zu, heilt Kranke, weckt sogar Tote auf und lässt uns ahnen,
dass er unsere tiefsten Erwartungen erfüllen wird. In ihm begegnen
wir dem Propheten schlechthin, der uns tiefe Lebensweisheiten eröffnet,
zum Beispiel: «Selig, die keine Gewalt anwenden; selig die hungern
und dürsten nach der Gerechtigkeit; selig die Barmherzigen; selig die
Friedensstifter» (Mt 5,59). Aber Jesus redet nicht nur. Wir staunen
darüber, wie mutig Jesus zu sich selber, zu seiner Überzeugung
und zu seiner Lebenspraxis gestanden ist, auch wenn ihm diese Haltung den
gewaltsamen Kreuzestod eingebracht hat. Wenn ich in Jesus gleichsam dem
«idealen» Menschen begegne, staune ich und stelle gleichzeitig
fest, wie weit ich von diesem Ideal entfernt bin. Dabei tröstet mich,
dass Jesus bereit ist, mein Ungenügen, mein Versagen und meine Sünde
zu vergeben.
Liebe Brüder und Schwestern, Jesus ist für mich der weise, gerechte,
selbstlose und liebende Mensch. Aber er ist noch mehr: Die Bücher der
heiligen Schrift lassen uns das Geheimnis Jesu erahnen. Wir feiern heute
das Fest der Taufe Jesu. Das Markusevangelium berichtet: «Eine Stimme
aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen
gefunden». Spätere Generationen haben über diesen Satz nachgedacht
und ihn umgeformt zu einem wichtigen Satz im Glaubensbekenntnis: «Wir
glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus
dem Vater geboren vor aller Zeit». So ahnen wir, was es für uns
Menschen bedeutet, wenn Jesus sagt «Wer mich sieht, sieht den Vater
im Himmel» (Joh 14,9). Es ist so: Wenn wir uns Jesus nähern,
dann kommen wir Gott nahe, lernen wir Gott kennen und lieben.
Jesus ist Gottes Sohn, so bekennt es unser Glaube. Gott ist der Grosse,
der Unendliche, der ganz Andere. Der menschliche Horizont ist begrenzt.
Wenn ich über die Grösse des Weltalls nachdenke, kann ich nicht
gleichzeitig analysieren, was ich nur durch das Mikroskop sehen kann. Gott
dagegen durchschaut die Milliarden Lichtjahre und gleichzeitig weiss er
um das Funktionieren jedes einzelnen Atomkerns. Wir Menschen können
nur eines nach dem andern. Gott sieht und will alles gleichzeitig: den Urknall,
aus dem die Welt geworden ist, und er will jede und jeden der sechs Milliarden
Menschen, welche die Erde bewohnen. Er sieht und will mich. Er sieht und
will die Gegenwart und das Ende der Welt. Ich bin nicht das zufällige
Produkt blinder Mutationen oder das Resultat eines unpersönlichen Urcomputers.
Gott schafft das All und jedes einzelne Geschöpf. Und es ist dieser
Schöpfergott, der sich zu Jesus bekennt: «Du bist mein geliebter
Sohn».
Jesu Leben und seine Worte zeigen mir, dass Gott mich kennt, dass Gott mich
und alle anderen Menschen gern hat. Jesus als der Auferstandene ist mir
nahe. Zugleich ist er es, durch den die ganze Welt geschaffen ist. Wenn
ich das zusammen sehe, fühle ich mich geborgen und glücklich.
Aber ich kann der Frage nicht ausweichen: Wie kann Jesus der Bote der Liebe
Gottes sein, wenn Kinder in Slums verhungern und Menschen in brutalen Todeszellen
festgehalten werden? Wenn mir solche Fragen kommen, dann sage ich Jesus:
«Ich verstehe dich nicht.» Jesus wehrt sich nicht gegen meine
Fragen; er lenkt meinen Blick auf das Kreuz, an dem er als Mann in der Vollkraft
seiner Jahre hingerichtet wurde, und auf das leere Grab, aus dem er auferstanden
ist. Und ich weiss: Auch ich werde sterben und auch ich darf hoffen, dass
Jesus mich auferwecken wird. Erst dann werde ich voll verstehen.
Jetzt verstehe und begreife ich nur zum Teil. Wenn es mir gut geht, kann
ich mich in Jesus hinein verlieren. Dann fühle ich mich Jesus nahe,
dann spüre ich das Licht und die Wärme, die vom Sohn Gottes ausgehen.
Manchmal aber schaue ich weg, und Jesus wird für mich zu einer unwirklichen
Gestalt aus ferner Vergangenheit. Es geht Ihnen vielleicht ähnlich.
Als gläubige Menschen sind wir miteinander unterwegs. Wir hoffen, dass
der Geist Gottes uns immer wieder zum Licht führt. Auch für uns
gilt wie für Jesus, dass der Himmel sich öffnet und der Geist
wie eine Taube sich auf uns herablässt. Gottes Geist wirkt still in
unserem Innern; von innen her erschliesst er uns die Person Jesu und sein
Wirken.
Liebe Brüder und Schwestern, die Beziehung zu Jesus, dem Sohn Gottes,
ändert uns und verwandelt unsere Sicht der Welt. Wir sind nicht allein
gelassen und verloren, wir sind nicht einfach finstern Mächten ausgeliefert,
die uns überwältigen könnten. Gott kennt eine jede und einen
jeden von uns. Er liebt uns und einen jeden unserer Mitmenschen. Und er
drängt uns, dass wir unsere Mitmenschen verstehen, ihnen helfen und
sie lieben. So beginnt durch uns und unser Wirken das Reich Gottes, das
Jesus dieser Welt verheissen hat.
Im gemeinsamen Glauben bekennen wir uns zu Christus, dem Sohn Gottes, und
gemeinsam wollen wir Gott danken, dass er uns den Glauben geschenkt hat.
Aufgrund der verfahrenen Personalsituation in Benken nehmen Pfarrer Fridolin
Weder und Pastoralassistent Otmar Bischof kurzfristig ab sofort eine zweimonatige
Auszeit mit Ortsabwesenheit. Längerfristig ist ein Ortswechsel beider
Seelsorger vorgesehen. Pfarradministrator ad interim ist ab sofort P. Adelrich
Staub von der Abtei St. Otmarsberg in Uznach.
An der von Bischof Ivo Fürer auf 7. Januar nachmittags nach St. Gallen
einberufenen Sitzung mit den Kirchenratspräsidenten Roman Ricklin und
Armin Kälin sowie weitern Mitgliedern der Kirchenverwaltungsräte
von Benken und Kaltbrunn und mit der Leitung des Personalamtes ging es darum,
eine kurzfristige und eine längerfristige Lösung in der verfahrenen
Personalsituation von Benken und Kaltbrunn zu finden. Die Fakten, die zu
Handgreiflichkeiten seitens des Pfarrers und zur bedauerlichen Eskalation
am Sonntag, 5. Januar, geführt hatten, sollten auf den Tisch gelegt
und darüber offen informiert werden so offen, wie dies aus Daten-
und Personenschutzgründen möglich ist. Zum Vorfall vom Sonntag
konnte eines hängigen Verfahrens wegen nicht eingegangen werden.
Die Sitzung war darauf angelegt, dass die betroffenen Seelsorger Pfarrer
Fridolin Weder (Jg. 51) und Pastoralassistent Otmar Bischof (Jg. 56) anwesend
sind. Enttäuscht mussten die Teilnehmenden vor Sitzungsbeginn zur Kenntnis
nehmen, dass sich Otmar Bischof per Mail mit einem ärztlichen Zeugnis
und 14-tägiger Ortsabwesenheit entschuldigen liess.
Fridolin Weder ist seit 1999 Pfarrer der beiden Pfarreien Kaltbrunn und
Benken und wohnt in Kaltbrunn. Otmar Bischof machte ein zusätzliches
Pastoralpraktikum in Benken und wurde auf Empfehlung von Fridolin Weder
anfangs Juli 2001 als Pastoralassistent in den kirchlichen Dienst aufgenommen.
Weil es sich bei der Sitzung beim Bischof nicht um eine Gerichtsverhandlung,
also nicht um Täter und Opfer, Schuld und Unschuld, ging und zudem
einer der Beteiligten fehlte, pochte der Moderator strikte darauf, dass
nur belegbare Fakten auf den Tisch gelegt wurden.
Nachdem sich die von den Kirchenverwaltungräten Benken und Kaltbrunn
vorerst nicht wahrgenommenen Spannungen zwischen den beiden Seelsorgern
verstärkt hatten, begrüssten diese Mitte August 2002 den Wunsch
von Fridolin Weder nach einer Supervision. Der Supervisor führte erste
Einzelgespräche mit den Seelsorgern; die eigentliche Supervision selber
hätte aus terminlichen Gründen erst am 9. November beginnen können.
Inzwischen hatte Fridolin Weder jedoch erfahren, dass Otmar Bischof dem
Generalvikar Anton Thaler geschrieben hatte, er fühle sich vom Pfarrer
sexuell belästigt. Aufgrund dieser aus seiner Sicht haltlosen Vorwürfe
sagte Fridolin Weder die Supervision ab, da sie seiner Ansicht nach die
Probleme nicht mehr lösen konnte. Auf Veranlassung des Generalvikars
Anton Thaler trafen sich dann Delegierte der beiden Kirchenverwaltungsräte
und die beiden Seelsorger am 5. Dezember zu einer Sitzung. Der ebenfalls
anwesende Psychologe bestätigte die Feststellung, dass das Zerwürfnis
zu gross geworden sei, um für beide Seelsorger eine weitere gemeinsame
Zukunft zu sehen. Folglich entschloss sich der Kirchenverwaltungsrat Benken,
Otmar Bischof nahe zu legen, selber zu kündigen. Darauf ist Otmar Bischof
vorerst eingegangen, hatte er sich doch bereits im Herbst um eine andere
Stelle beworben, diese dann allerdings wie sich später herausstellte
nicht antreten können, weil Bischof Ivo für den betreffenden
Ort einen Seelsorger mit grösserer Erfahrung vorsah. Nachdem also Otmar
Bischof nicht selber kündigte, beschloss der Kirchenverwaltungsrat
am 12. Dezember, ihm per 31. Juli 2003 zu kündigen und ihn auf Ende
Dezember freizustellen. Beim Gespräch mit Bischof Ivo vom 13. Dezember
wusste Otmar Bischof von dieser Freistellung. Diese wurde dann auf Druck
der Reaktionen in der Benkner Bevölkerung vom Benkner Kirchenverwaltungsrat
zurückgezogen.
Der Rückzug der Freistellung und die zum Dorfgespräch gewordenen
Gerüchte über sexuelle Übergriffe hatten in Fridolin Weder
Aggressionen aufgebaut, wodurch es zur sonntäglichen Eskalation auf
dem Friedhof kam. Sie wird vom Pfarrer bedauert. Otmar Bischof hat Anzeige
erhoben. Als «schwerwiegendes Faktum» bezeichnet Bischof Ivo
den «Ausbruch». Er bedingt Schritte für kurzfristige, aber
auch für längerfristige Massnahmen.
Damit sich die Gemüter in Benken und Kaltbrunn beruhigen können
und die beiden gesundheitlich angeschlagenen Seelsorger gesunden und ihr
inneres Gleichgewicht wieder finden, wurde beschlossen, dass kurzfristig
beide mit sofortiger Wirkung eine zweimonatige Auszeit mit Ortsabwesenheit
nehmen. Fridolin Weder hatte dies von sich aus beantragt. Bis zum Versand
der Medienmitteilung war es Bischof Ivo nicht möglich, Otmar Bischof
persönlich über diesen Entscheid zu informieren. Aufgrund der
getroffenen Lösung hält der Kirchenverwaltungsrat Benken die Kündigung
von Otmar Bischof aufrecht.
P. Adelrich Staub von der Abtei St. Otmarsberg in Uznach hat sich bereit
erklärt, ab sofort in beiden Pfarreien als Administrator ad interim
zu wirken
Längerfristig wird ein Ortswechsel beider Seelsorger ins Auge gefasst,
auch wenn dies der Kaltbrunner Kirchenverwaltungsrat sehr bedauern würde,
in einem allfälligen Wegzug von Pfarrer Weder allerdings auch eine
vernünftige Lösung sehen könnte.
Zu den von den Kirchenverwaltungsräten an der Sitzung eingebrachten
Pädophilie-Gerüchten in der Bevölkerung sagte Bischof Ivo,
dass diesbezüglich weder dem Bistum noch den beiden Kirchenverwaltungsräten
etwas Konkretes bekannt ist. Otmar Bischof hat erklärt, dass er diese
Gerüchte nicht in Umlauf gesetzt habe.
Zu den mit den Unterschriftenbogen aus Benken eingereichten Forderungen,
Otmar Bischof sei zum Priester zu weihen, meinte Bischof Ivo, dass er sich
einen diesbezüglichen Entscheid nicht aufdrängen lasse. Einer
Priesterweihe gehe immer breite seriöse Abklärungen über
entsprechende Fähigkeiten voraus.
Von Bischof Ivo klar festgehalten wurde auch, dass die Lösung des bestehenden
Problems nicht durch die Bildung einer Seelsorgeeinheit mit einer andern
Pfarrei liegen kann.
Namens der Gasterländer dankte der Benker Kirchenverwaltungsratspräsident
Roman Ricklin Bischof Ivo Fürer, dass er das Gespräch so rasch
ermöglicht hatte. «Wir gehen erleichtert und mit einem besseren
Gefühl nach Hause».