51-52/2002 | |
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Wortmeldungen |
In der Besprechung «Zu Exegese ganzheitlich» (SKZ 48/2002, S. 694) wird lobend hervorgehoben, dass der Kommentator durchaus Stellung nehme, «wo er es als Anwalt des Textes für nötig hält». Als Beispiel dient die Deutung des Brotwortes «Das ist mein Leib» (Mt 26,26), das er «ausführlich analysiert und zum Schluss kommt, dass die katholische Lehre von der ÐTranssubstantiationð und der ÐRealpräsenzð nicht auf der Ebene des Literalsinnes des Textes, sondern auf jener des Weiterdenkens in der kirchlichen Tradition zu sehen ist». Anscheinend teilt der Rezensent dieses Ergebnis. Was das Verständnis als Realsymbol, als Realpräsenz, speziell die Interpretation durch «Transsubstantiation» angeht, gewiss mit Recht. Was hingegen die «Identifikationsaussage» angeht, konkreter die Interpretation des Brotwortes, so vergisst der Kommentator des Wortes mit der Erklärung: dies (griech. Neutrum/toûto) beziehe sich nicht auf «Brot» (griech. maskulines artos), «so kann gar keine wie immer geartete Identität zwischen Brot und Leib gemeint sein» (EKK I/IV, S. 112), die besondere Kongruenzregel der griechischen Syntax. Danach gilt: «Pronominales Subjekt richtet sich in Genus und Numerus nach dem Prädikatsnomen». So lernte man schon in der Schulgrammatik von A. Kaegi (§ 113, 4). So lehren auch die grossen Grammatiken. «Dies» muss sich also nach dem Prädikatsnomen «Leib/griech. Neutrum sôma» richten und kann trotz dem maskulinen artos/Brot, worauf es sich rückbezieht, nur Neutrum toûto lauten. Es ist in keiner Weise die maskuline Form «oûtos/dieser» zu erwarten, damit «dies» sich auf Brot bezieht. Die Grundlage des «katholischen» Verständnisses beruht also keineswegs auf der Nichtbeachtung eines elementaren grammatikalischen Unterschieds. Vielmehr übersieht die Argumentation des Kommentars eine Eigenart der griechischen Sprache. Dasselbe gilt übrigens auch für die lateinische Sprache. Hoc statt hic trotz maskulinem panis entspricht der Regel der Grammatik. Die Grammatik-Lektion schien mir notwendig. Denn dieselbe These wurde im ersten Heft von Bibel und Kirche 2002, S. 4, Spalte 2, dezidiert vertreten. «Brot» ist im Griechischen männlich, nicht sächlich; «dies» könne sich grammatikalisch gar nicht auf das Brot beziehen. Das Neutrum «dies» (toûto) könne nur den ganzen Vorgang des Brotbrechens meinen. «Nur so ist das sächliche Ðdiesð ist mein Leib erklärbar.» Das ist keineswegs der Fall. Das gilt auch für das Wort zum Becher (Mt 26,28; Mk 14,23), dessen Inhalt getrunken werden soll. Es scheint mir notwendig «als Anwalt des Textes» auf das Fehlerhafte der Argumentation hinzuweisen, da sie in vulgarisierenden Schriften propagiert und somit breit gestreut wird (z.B. bei Peter Trummer, «... dass alle eins sind». Neue Zugänge zu Eucharistie und Abendmahl, Patmos Verlag, Düsseldorf 2000, S. 134). Denn sie tangiert die Grundlage eines zentralen «Geheimnisses des Glaubens».