44/2002

INHALT

Wortmeldung

Ordensspiritualität und Unternehmenskultur

 

Die interessante Buchbesprechung von Pius Bischofberger (SKZ 41/2002) kann ergänzt werden durch den Hinweis auf eine ebenfalls lesenswerte Publikation von Anselm Grün: Menschen führen ­ Leben wecken. Anregungen aus der Regel Benedikts von Nursia, (Münsterschwarzach 2001, 142 Seiten). A. Grün, selbst Cellerar (d.h. wirtschaftlicher Verwalter) eines Benediktinerklosters und Autor vieler spiritueller Schriften, legt darin das einschlägige Kapitel der Ordensregel für Manager aus. Daraus ergeben sich wichtige Impulse für den Umgang mit Mitarbeitenden, mit Geld, mit organisatorischen und unternehmerischen Fragen.
Die spirituelle und zugleich sehr erfahrungsnahe Schrift ist nicht nur Führungspersonen in Wirtschaft und Verwaltung zu empfehlen, sondern auch all jenen, die sich innerhalb der Kirche mit Finanzierungs- und Managementfragen befassen (müssen). Allein schon die Tatsache, dass in der Tradition der Orden die Aufgabe der wirtschaftlichen Verwaltung als «geistliches Amt» verstanden wird, ist angesichts der nach wie vor spürbaren Tendenz, «Geld und Geist» gegeneinander auszuspielen, ein wichtiger Hinweis. Kennzeichen einer «starken Spiritualität» sei, dass sie alle Bereiche einbezieht. Sie hat die Kraft, «die Welt zu durchdringen», und achtet daher auch «sorgsam genug auf die wirtschaftlichen Verhältnisse, auf die finanziellen Belange» (31).
Vom Cellerar fordert Benedikt: «Alle Geräte des Klosters und den ganzen Besitz betrachte er wie Altargefässe. Nichts möge er vernachlässigen.» Daraus leitet A. Grün mit Recht einen spirituellen Umgang mit dem Geld ab, der ebenso sehr von Professionalität wie von Phantasie geprägt sein soll. «Anstatt über das mangelnde Geld zu jammern, kann ich nach Wegen suchen, es herbeizuschaffen. Natürlich Ðwachsen die Bäume nicht in den Himmelð. Man braucht dabei einen langen Atem und auch die nötige Bescheidenheit, dass man nicht alles erreichen kann, was man will. Wer aus Angst das Risiko scheut und lieber bei andern um Geld bettelt, der geht für mich nicht spirituell mit dem Geld um, sondern höchst ungeistlich» (84).
Selbstverständlich ist der spirituelle Umgang mit Geld weder für Benedikt noch für A. Grün ein Selbstzweck. Auch der Cellerar hat einen Auftrag zum Dienst. «Für Kranke, Kinder, Gäste und Arme sei er unermüdlich besorgt; er wisse sicher, dass er am Tag des Gerichts für sie alle Rechenschaft ablegen muss», verlangt Benedikt ­ und bindet so gerade jene, die über die wirtschaftlichen Belange entscheiden, in die soziale Verantwortung ein. Auch diese Forderung, im Sinn und Geist Jesu zu handeln, gilt allen Finanzverwaltern ­ ausserhalb wie innerhalb der Kirche.

Daniel Kosch


Management in der Kirche

 

Alle Kirchen stehen heute vor der Frage, wie klassische Bereiche kirchlichen Lebens (Caritas, Diakonie usw.) und Kirchenleitung in einer Zeit geführt werden können, die vom ökonomischen Denken bestimmt wird. Vereinzelt stehen bei sozial-caritativen Werken Fusionen an. Mit diesem Thema hat sich Prof. Alfred Jäger (Kirchliche Hochschule Bethel) sowohl in Theorie als auch Praxis auseinander gesetzt. Neben seinen Publikationen zum Thema war er verschiedentlich als Berater kirchlicher Institute tätig. Im Rahmen des Forums «Ökumene» des Ökumenischen Instituts Luzern hält er eine Gastvorlesung zum Thema «Management im kirchlichen Nonprofit-Bereich: Caritas, Diakonie, Kirchenleitung» am Donnerstag, 28. November 2002, 18.15 bis 20.00 Uhr, an der Universität Luzern, Pfistergasse 20, Hörsaal 3.

Redaktion


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