26/2002

INHALT

Wortmeldung

«... was sicher nicht im Sinne einer gottesdienstlichen Feier ist!»

 

In der SKZ vom 6. Juni 2002 (23/2002) wirbt die Diözesane Liturgiekommission des Bistums Chur (DLK) für eine durch sie verantwortete «Playback-CD Orgelbegleitungen». Die DLK Chur beschreibt, wie die Idee einer Playback-CD aus einer von ihr durchgeführten Umfrage im Jahre 2000 entstanden sei, und dass man mit der jetzigen Realisation einem damals geäusserten Wunsch entsprechen wolle. Die Mitglieder der Kommission waren laut Bericht in der SKZ «einhellig» der Auffassung, dass diesem Wunsch entsprochen werden solle.
Zu kurz gegriffen und vor allem unglaublich: Keine privaten Aktionen, keine werkelnden liturgischen Nonprofis, keine Finanzstrategen haben sich für diese CD engagiert. Nein ­ sage und schreibe, eine diözesane Liturgiekommission bietet dafür Tür und Tor! In einhelliger Meinung setzt sich diese Kommission für die Produktion dieser CD ein, eine Kommission, die den Anspruch pflegt, sich aus liturgisch gebildeten Fachpersonen zusammenzusetzen. Man ist sich offensichtlich einig, dass ein liturgischer Dienst maschinell verrichtet werden kann. Wo sind da wohl all die kirchlichen Aussagen und Dokumente, welche den Sinn der Liturgie aufzeigen und über Funktion und Rollenverständnis sprechen, liegen geblieben?
Es ist unbestritten, dass es kirchenmusikalische (und liturgische) Notlagen gibt. Per Knopfdruck empfiehlt heute die DLK Chur, die Notlage zu beheben. Überlegungen und Initiativen mit dem Ziel, eine Person zu finden, welche (auch in kleineren Gemeinschaften) ein Lied anstimmen, mitsingen oder/und mitspielen könnte, werden damit ausgebremst oder gar fallen gelassen. Eine vertiefte Diskussion und Lösungssuche zwischen Liturgiekommission und den kirchenmusikalischen Organisationen wird nicht geführt. Liturgie will vergegenwärtigen, sie handelt von Präsenz, ihr Anliegen ist Glaubwürdigkeit ­ dies wird auch in Notlagen von ihr erwartet. Die DLK Chur wählt eine schnelle Lösung, die durch ihre Unterstützung nun zur ordentlichen Lösung mit offiziellem Anstrich wird.
Die Publikation dieser CD zum jetzigen Zeitpunkt überrascht ungemein. Die Mitglieder des Vereines Liturgisches Institut wurden im März dieses Jahres aufgrund des Jahresberichts 2001 der DLK Chur mit diesem Vorhaben konfrontiert. Grösste Bedenken wurden laut und der Entscheid gefällt, dass eine zukünftige Versammlung sich grundlegend zu dieser Thematik äussern solle. Selbst der diözesane Kirchenmusikverband des Bistums Chur, welcher doch der kirchenmusikalische Partner der DLK Chur sein sollte, wurde gemäss den mir vorliegenden Informationen in dieser Sache weder kontaktiert noch informiert, geschweige denn um Rat gefragt. Was auf der Gemeindeebene betreffend einer guten Zusammenarbeit von Liturgie und Kirchenmusik erwartet wird, dürfte wohl auch auf der Ebene des Bistums erwartet werden. Einsatz ist also von beiden Seiten gefordert.
Der Zweck und der Einsatz dieser CD ist gegeben: Die Lieder wurden «im Hinblick auf die Messfeier» ausgewählt; sie eignen «sich aber weitgehend auch für Wortgottesfeiern», schreibt die DLK Chur. Weitere Verwendungsmöglichkeiten der Playback-CD werden aufgeführt. Die abschliessende Bemerkung aber, welche allerdings teilweise als Klammeranmerkung erfolgt, vollzieht eine doch sehr überraschende Wendung: Die CD sei ein technisches Hilfsmittel; der Gebrauch der CD solle keinen falschen Eindruck erwecken, da dies «sicher nicht im Sinne einer gottesdienstlichen Feier» sei! Nun ­ der Gebrauch dieser CD lässt sich natürlich nicht kontrollieren, doch geht die Schlussfolgerung und Einsicht der DLK Chur in die richtige Richtung: Das Ganze hätte man also doch besser bleiben lassen! Dies freut mich und macht mir wieder Hoffnung auf die zukünftigen Aktivitäten der DLK Chur. Ich danke sehr herzlich dafür, dass von ihr somit keine weiteren Playback-CDs II, III, ... und auch keine allfälligen Predigt-CD-Reihen zu den drei Lesejahren zu erwarten sind.

Martin Hobi

 

Martin Hobi ist Präsident des Schweizerischen Katholischen Kirchenmusikverbandes (SKMV) und Vorstandsmitglied des Vereins Liturgisches Institut.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002