1-2/2002 | |
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Wortmeldung |
Der angesprochene Absatz aus dem Festvortrag von Professor Schneider
in der SKZ 49/2001 ist absolut richtig, und ich freue mich, dass der Festredner
«Klartext» gesprochen hat. Die Erwiderung in der SKZ 5152/2001
löste bei mir Kopfschütteln aus, und die Formulierung von «traditionsdogmatischen
Gewissensbissen» finde ich anmassend.
Ich habe Mühe mit den Argumenten, die der Verfasser in der Erwiderung
zum obigen Artikel anführt. «Ein Gespür für die Sprache
der Symbolik» bedeutet für mich nicht, bereits konsekrierte Hostien
bei der Gabenbereitung wieder auf den Altar zu stellen. Das kann ich nur
als Täuschung bezeichnen. Einem ersten Fehlverhalten wird einfach ein
weiteres angefügt. In der Liturgie herrscht ohnehin genug Wildwuchs.
Dass das ein seit langem bewährter Weg ist, lese ich zum ersten Mal
und kann dem so genannt «Bewährten» absolut nicht zustimmen.
Seit langem befasse ich mich relativ intensiv mit Liturgie (sogar als Frau!)
und halte auch ab und zu in unserer priesterlosen Pfarrei Wortgottesdienste.
Dabei achte ich sehr auf die Wortwahl und die Rituale bzw. Handlungen, um
den Gläubigen nicht etwas vorzumachen.
Bischof Norbert Brunner geht in seinem Interview über die Bischofssynode
in Rom (SKZ 5152/2001) auf die Frage nach Einheit und Vielfalt der
katholischen Kirchenlehre ein. Zu Recht hebt er die Solidarität hervor,
die verlange, «die Anliegen meiner Mitbrüder (Schwestern gibt
es ja leider noch nicht!) in den andern Ländern und Kontinenten ernst
(zu) nehme(n)». Als gleichwichtig bezeichnet er die Subsidiarität,
wonach die meisten Kirchenentscheidungen nicht zentralistisch in Rom entschieden
werden dürften. Dass dies allerdings echtes Vertrauen in die (zumeist
zentralistisch vorgesetzten) Ortsbischöfe voraussetzen würde,
betont der Bischof sehr richtig.
Offenbar werden diese beiden, schon vom Vatikanum II hervorgehobenen christlichen
Grundwerte von Solidarität und Subsidiarität, ja sogar das Vertrauen
in die eigenen Bischöfe ausgerechnet von der obersten Kirchenleitung
nicht wirklich ernst genommen noch kaum in die Tat umgesetzt.
Wie mir scheint, nimmt dann auch Bischof Brunner die Brisanz seiner guten
Theorie für die konkrete Frage der «viri probati» nicht
mehr wahr (von Frauen wird einmal mehr nicht einmal mehr geredet; offenbar
ganz im Sinne der obersten Kirchenleitung).
Wo bleibt jetzt die Solidarität? Nun findet nämlich Bischof Norbert,
«dass man Lösungen nur in der Einheit der Gesamtkirche lösen
kann». Und das heisst doch im Klartext, dass es also gar keine Lösung
geben wird, denn die Gesamtkirche (gemeint ist damit vermutlich die römische
Hierarchie und nicht die weltweite Gemeinschaft der Christen) will ja offensichtlich
weder ihre Machtposition aufgeben noch Solidarität und Subsidiarität
ernst nehmen.
Jedenfalls macht es sich Bischof Brunner zu einfach, wenn er dann das Problem
der «viri probati» kurzerhand abserviert mit der plumpen Bemerkung:
«Dies ist kein weltweites Problem, sondern ist vor allem auf Europa
beschränkt.» Meines Wissens gibt es sowohl europäische Länder,
welche auch ohne «personae probatae» (wie Bischof Otmar Mäder
schon vor Jahren formulierte) genügend Priester haben sollen, als auch
Afrika, Ozeanien und ganz Amerika, die den Zölibat sehr wohl als Problem
wahrnehmen. Also doch ein weltweites Problem!
Doch sowohl europäische wie weltweite Probleme wären zu lösen,
wenn man wollte, oder wenn man Solidarität und Subsidiarität oder
schlicht Vertrauen in einander und in Gott wirklich leben würde. In
der Theorie hat Bischof Norbert wirklich sehr recht.