20-21/2002 | |
INHALT | |
Verstorbene |
Pfarrer Alois Hasler erlitt am 30. Dezember einen Schlaganfall. Nach
kurzer schwerer Krankheit verstarb er am 7. Januar 2002 im Kantonsspital
St. Gallen. Unter grosser Anteilnahme fand er am 12. Januar seine letzte
Ruhe im Priestergrab vor der Kirche Dussnang. Im Trauergottesdienst wurde
der vom Verstorbenen selber verfasste Lebenslauf verlesen; nachstehend wird
eine gekürzte Fassung veröffentlicht.
«Geboren am 2. Februar 1919 in Lommis (TG) als Kind des Josef und
der Anna geborene Kaiser und aufgewachsen im Kreise von sechs Brüdern
und einer Schwester, hatte ich schon von klein auf Freude am Priesterberuf.
Dies entdeckte meine Mutter und besprach sich mit dem Pfarrer, der mir Lateinstunden
erteilte, so dass ich aus der siebten Primarklasse in Engelberg gleich in
die zweite Klasse Gymnasium einsteigen konnte. Nach der Matura 1938 trat
ich mit drei Maturakollegen ins Priesterseminar Luzern ein.
Am 29. Juni, dem Fest der Apostel Petrus und Paulus, 1943, wurden wir unser
vierzig Weihekandidaten durch Bischof Franziskus von Streng zu Priestern
geweiht, und am 4. Juli durfte ich in meiner Heimatgemeinde Lommis meine
Primiz feiern. Meinen ersten Seelsorgeposten in der Stellung eines Vikars
erhielt ich in Baar. In Pfarrer Fridolin Roos war mir ein wohlwollender
und verständnisvoller Prinzipal gegeben, der mich väterlich in
die Seelsorge einführte. Nach gut fünf Jahren erreichte mich der
Ruf des Bischofs, die Pfarrei Güttingen am Bodensee zu übernehmen.
Am 6. Februar 1949 wurde ich dorf durch Dekan Johann Amrein installiert.
Daselbst machten mir eine sehr aktive und religiös lebendige Jungmannschaft
und Kongregation viel Freude. Aber schon nach vier Jahren erreichte mich
von neuem der Ruf des Bischofs für die Pfarrei Dussnang, wo ich am
8. Februar 1953 als Pfarrer eingesetzt wurde. Auch hier durfte ich viel
Freudiges erleben. Die schöne, stattliche Kirche; die festlichen Gottesdienste,
die ich hier feiern durfte; die lokalen Feiertage: ÐUnsere Liebe Frau
in Lourdesð, das Fest des hl. Josef und des hl. Martin. An Arbeit fehlte
es nicht. Es war Unterricht zu erteilen an der Primar- und Sekundarschule.
Die Jungmannschaft, Kongregation, Frauen und Müttergemeinschaft und
die KAB waren meiner Obhut anvertraut. Im Verlaufe meiner Seelsorgejahre
wurden die St. Martinskapelle in Oberwangen und die Pfarrkirche restauriert
und ein kleines Pfarreiheim gebaut.
Im Verlaufe der Jahre begann im Gebiete der Pfarrei eine rege Bautätigkeit.
Blöcke und Einfamilienhäuser wurden gebaut. Ganz neue Wohnquartiere
entstanden. So hat auch die Pfarrei ein grösseres Ausmass bekommen.
Aber auch das geistige Antlitz der Pfarrei erhielt durch den Zugang neuer
Familien und Leute verschiedenster Garnitur ein ganz anderes Gepräge
wie früher. Damit wurde auch die Seelsorge schwieriger.
Durch die vielen Jahre meiner Seelsorge durfte ich immer wieder das Wohlwollen
und die Mitarbeit der Kirchenvorsteherschaft und vieler Pfarreiangehöriger
erfahren. Ich durfte Dank und Anerkennung ernten anlässlich meines
25- und 30-jährigen Pfarrjubiläums. Für die Feier meines
70. Geburtstages wurde sogar ein Pfarreifest organisiert. Einen unvergesslich
festlichen Tag durfte ich erleben am 4. Juli 1993, den Tag meines Goldenen
Priesterjubiläums, so schön und noch festlicher als der Primiztag.
Dies alles verpflichtet mich zu einem aufrichtigen und herzlichen Dank.
Mit 75 Jahren sollen auch Pfarrer ihr Amt in die Hände des Bischofs
zurücklegen. Dies habe ich getan auf den 2. Januar 1995.
Weil die Pfarrnachfolge Schwierigkeiten bereitete, habe ich als Pfarradministrator
die Pfarrei Dussnang bis zum 13. April 1997 weiterbetreut. Weil das Pfarrhaus
Dussnang in seinem Inneren gründlich erneuert werden sollte, bin ich
am 10. Juli 1996 mit meiner Schwester ins Städtchen Wil übersiedelt,
von wo ich jeden Tag nach Dussnang fuhr, um dort meine priesterlichen und
seelsorgerischen Dienste zu leisten. Ich habe es gerne getan aus Liebe zur
Pfarrei Dussnang, der ich insgesamt 44 Jahre vorstehen durfte.
Am 25. November 1996 verstarb meine gute Schwester Karoline, die mir 47
Jahre in Liebe und Treue gedient und mir alles zuliebe getan hat. Der liebe
Gott selber möge ihr überreicher Lohn sein!
Seither lebe ich als ÐEinsiedlerð in meiner Wohnung. Liebe und gute
Menschen sorgen für mich. Ich erkenne auch darin die liebende Fürsorge
Gottes für mich. Wann die letzte Stunde kommt, das weiss nur der liebe
Gott. Jesus, der ewige Hohepriester, den ich zum Freund erkoren und den
ich von Herzen geliebt habe, möge mir dannzumal nicht Richter, sondern
Erlöser sein.»