51-52/2002

INHALT

Theologie

Ein Schlüssel zum Verständnis von Weihnachten

von Walter Kirchschläger

 

Im Zusammenhang mit der Verkündigung der Geburt Jesu<1> ist uns jene Erzählung geläufig und auch lieb geworden, die Lukas darüber in seinen Vorgeschichten überliefert. Die Verkündigung der katholischen Liturgie in der Heiligen Nacht (Lk 2,1­14) sowie des Gottesdienstes im Morgengrauen des Weihnachtstages (Lk 2,15­20) hat vielen von uns diese Texte auch existentiell nahe gebracht.<2> Gerade die liturgische Verkündigung am Hochfest Weihnachten erinnert zugleich daran, dass die lukanische Deutung des Geschehens nicht die einzige ist. Theologisches Sprechen über die Geburt Jesu ­ oder allgemeiner gesagt ­ über Jesu Anfang in dieser Welt finden wir auch in anderen neutestamentlichen Schriften. So wird denn ja auch im dritten Gottesdienst des Weihnachtstages der Johannesprolog als ein Evangelium verkündigt, welches das Festgeheimnis in spezifischer Weise deutet.
Bevor diese johanneische Interpretation der Menschwerdung Jesu ins Zentrum rückt, soll ein kurzer Überblick aufzeigen, wie die verschiedenen Verfasser des Neuen Testaments über das Werden Jesu sprechen (1.). Vor diesem Hintergrund können wir sodann den Johannesprolog lesen (2.) und uns abschliessend fragen, welche Aussagen wir daraus für ein heutiges Verstehen des Weihnachtsfestes ableiten können (3.).

1. Das Werden Jesu ­ ein Textinventar<3>

1.1 Paulus

Das älteste und zugleich knappeste Zeugnis über die Geburt Jesu hinterlässt uns Paulus in Gal 4:

«4 Als die Fülle der Zeit gekommen war,
sandte Gott seinen Sohn,
geboren aus einer Frau,
gestellt unter das Gesetz,
damit er die unter dem Gesetz Stehenden freikaufe,
damit wir die Kindschaft empfangen» (Gal 4,4­5).

Im Umfeld dieser Textpassage geht es um die Frage nach der Stellung des durch Christus erlösten Menschen und um die Art und Weise, wie er erlöst wurde.<4> Der zitierte Text, geschrieben um 55 n. Chr., spiegelt in knappen Worten die ersten wichtigen Elemente der Weihnachtsbotschaft: Was hier geschehen ist, geschah an einem Markierungspunkt, den Paulus mit den Worten «die Fülle der Zeit» umschreibt. Für das in der jüdisch-biblischen Tradition geschulte Ohr, dem diese gerne gebrauchte Wendung geläufig ist, klingt der Gedanke an, dass dieser Fülle eine Erwartung vorangegangen war. Mit Jesus von Nazaret wird diese Zeit erfüllt, also so zur Fülle gebracht, dass nach dem Warten etwas Neues beginnen kann: «Gott sandte seinen Sohn». Gott wird jetzt initiativ, er handelt erneut.
Dies geschieht zunächst dadurch, dass eine Frau, deren Name nicht genannt wird, einem Kind das Leben schenkt. Dieses ist «unter das Gesetz gestellt», ist also ein jüdischer Mensch. Die äusseren Umstände des Geschehens fallen in keiner Weise besonders auf. All dies geschieht aber mit einem eindeutigen Ziel, das nun nicht bei diesem Knaben liegt, sondern in Beziehung zu uns steht: «...damit wir die Kindschaft empfangen». Im nachfolgenden Vers spricht Paulus davon, dass wir durch Jesus Christus nun tatsächlich den Geist empfangen haben, der uns zu Kindern Gottes macht, so dass wir Gott als Abba/Vater anreden dürfen. Da Paulus diesen Gedanken auch an anderer Stelle formuliert (vgl. Röm 8,15), ist er ihm offensichtlich bedeutsam gewesen.
Aus dem kurzen Text können wir einige bedeutungsvolle Momente festhalten: Gott sendet seinen Sohn in einem bestimmten Augenblick der Geschichte; sein Eintritt in diese Welt ist ein ganz, ja allzu menschlicher Weg: geboren durch eine Frau. Schon dieser Beginn der Sendung des Sohnes geschieht im Blick auf unser Heil.

1.2 Matthäus

Der Verfasser des Matthäusevangeliums leitet sein Evangelium mit Vorgeschichten ein, die uns Aufschluss über Ursprung und Werden Jesu geben sollen. Er tut dies allerdings auf eine ihm eigentümliche Weise ­ mit Ausnahme weniger kleiner Merkmale haben die Erzählungen des Matthäus und des Lukas keine gemeinsamen Berührungspunkte. Offensichtlich legt er diesen zwei ersten Kapiteln Überlieferungen zugrunde, die nur er kannte, und er gestaltet sie im Blick auf die Gesamtkonzeption seines Evangeliums<5>.
In den insgesamt sechs Textabschnitten zeigt der Verfasser, dass sich von allem Anfang an an diesem Kind jene Verheissungen erfüllen, die in einer christlichen Relektüre der jüdischen Bibel auf Jesus Christus bezogen werden können. Darüber hinaus steht das Kind von allem Anbeginn an unter besonderem göttlichen Schutz. Dies wird auch in der Geburtserzählung Mt 1,18­25 deutlich: Was hier geschehen soll und für Josef so unverständlich ist, wird anhand eines Zitats aus dem Propheten Jesaja als Erfüllung der Schrift verstanden<6>. Göttliches Eingreifen durch das Erscheinen des «Engels des Herrn»<7> im Traum gewährleistet überdies, dass Josef seine Frau nicht verstösst, sondern für sie und das Kind sorgen wird (1,20­21). Eher nebenbei wird einleitend (1,18) erwähnt, dass all dies mit der Geburt Jesu zusammenhängt; alle äusseren Begleitumstände aber bleiben unerwähnt. Erst in der Einleitung zur Erzählung über die so genannten «Heiligen Drei Könige» erfahren wir, dass Jesus in Bethlehem geboren wurde ­ und dies wohl auch nur deshalb, weil es für den weiteren Erzählverlauf dort wichtig ist.

1.3 Lukas

Etwa zur gleichen Zeit wie dieser biblische Verfasser entwirft Lukas seinen Geschichtenkranz über das Werden Jesu, der uns von all diesen Traditionen wohl am besten vertraut ist (Lk 1,5­2,40). Er parallelisiert das Werden des Jesusknaben mit der Entstehung Johannes' des Täufers und stellt die Vorgeschichte dieser beiden Kinder in der Abfolge von Geburtsankündigung, Geburt und Vollzugsnotiz dar. Damit signalisiert er, dass der Täufer und Jesus von Beginn an miteinander verbunden sind. Seine Darstellung ist von zwei grundlegenden Gestaltungsprinzipien bestimmt: Dem Evangelisten ist es zunächst wichtig, in der Abfolge von Verkündigung und Geburt den Grundgedanken von Verheissung und Erfüllung als Basismodell göttlichen Handelns zu vermitteln. Überdies betont der Evangelist: Was im Werden dieser Kinder geschieht, ist gross, was sich in der Geburt Jesu vollzieht, übertrifft jedoch alles, was der biblische Mensch bisher von seinem Gott erfahren hat und erwarten konnte. Daher wird die Entwicklung dieser zwei Knaben in überbietendem Parallelismus nebeneinander gestellt, so dass die Einzigartigkeit des Kindes Jesus schon in seinen Ursprüngen erahnbar ist.<8>
Dieser kurze Blick in die neutestamentlichen Texte zeigt, dass sie sich in ganz unterschiedlicher Weise mit der Frage nach dem Anfang Jesu und nach der Bedeutung seines Eintritts in diese Welt auseinander setzen. Ihre Darstellung ist dabei geprägt von ihrer theologischen Grundhaltung, von ihrer Aussageabsicht im Einzelnen und ­ besonders hinsichtlich ihrer Sprache ­ von dem Kreis der Adressatinnen und Adressaten, dem sie ihre Verkündigung in erster Linie zudenken: Gemeinden verschiedenster Zusammensetzung in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts. So ist es zu verstehen, dass sie in unterschiedlichster Weise über dieses eine grundlegende Geschehen erzählen.
Dies gilt natürlich auch für den Verfasser des Johannesevangeliums. Seiner deutenden Annäherung an Ursprung und Anfang Jesu von Nazaret wenden wir uns jetzt zu.

2. Der Prolog zum Johannesevangelium

2.0 Einführende Bemerkungen

Die Gedankenwelt des Prologs ist der jüdischen Tradition zuzuordnen. In den Weisheitsschriften der jüdischen Bibel begegnet mehrmals der Gedanke an die Weisheit als einer selbstständigen Grösse, die von Anfang an, schon vor der Schöpfung, bei Gott war und Gottes Handeln begleitete, ja dieses sogar mit beeinflusst und mit gestaltet hat.
Im Buch Sir heisst es zum Beispiel:

«Vor der Zeit, am Anfang, hat er mich erschaffen,
und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.
Ich tat vor ihm Dienst in seinem heiligen Zelt...»
(Sir 24,9).<9>

Es ist wichtig zu sehen, dass die Idee einer vorzeitlichen Grösse nicht der griechischen Philosophie entlehnt ist ­ wie der griechische Begriff logos ja vielleicht nahe legen könnte, sondern dass wir uns mit diesem Text in der geistigen Welt des Judentums bewegen.<10> Dies ist für die gesamte Diktion des Prologs und für seine Interpretation zu berücksichtigen.
Der Prolog bietet einen guten Einstieg in die besondere Technik der johanneischen Denk- und Schreibweise. Es ist eine Eigenheit des vierten Evangelisten, mit seinem Thema, seiner Hauptaussage, mehrmals anzusetzen, um so schrittweise dem Aussagekern immer näher zu kommen und so das Unaussprechliche möglichst annähernd zu umschreiben. Gleich einer Bewegung in konzentrischen Kreisen nähert sich der Verfasser dem Kern der von ihm beabsichtigten Aussage.
Auch das Bild von den Wellen des Ozeans, die an Land schlagen, kann diesen Vorgang verdeutlichen. Auf die erste Welle folgt unversehens die zweite, die dritte usw., und ähnlich klingen die Wellen wieder ab.
Das gilt auch für den Hymnus, den der Verfasser an den Beginn seines Evangeliums stellt. Zahlreiche Indizien, nicht zuletzt sprachliche und kompositorische, sprechen dafür, diesen Text dem Evangelisten selbst zuzuschreiben, wenngleich er dafür wohl auch Vorlagen benutzt hat. Deswegen ist der Prolog auch als integrierter Teil des Evangeliums zu betrachten, nicht einfach als isoliert vorangestellte abstrakte Reflexion.<11>
In diesem imposanten Auftakt zu seinem Evangelium hat der Verfasser ein Thema vor Augen: Das Kommen Gottes in diese Welt, und zwar im fleischgewordenen logos. Der Evangelist verortet diese Thematik weitreichender als jeder andere Evangelienschreiber, da er ­ siehe 1,1 ­ an den «Anfang» zurückgreift. In mehreren «Wellen» reflektiert er immer wieder und immer neu dieses eine Thema, so dass wir in etwa folgende Gliederung erschliessen können:

Einzelne Teile wurden in dieser Aufstellung übergangen: Zwischen den einzelnen Strophen (oder Annäherungswellen) spricht der Verfasser in zwei Passagen über Johannes den Täufer. Sie muten wie kleinere Begleitbewegungen an, ebenfalls jeweils einander verstärkend (1,6­8; 1,15). Damit spielt der Evangelist nicht nur auf die Begleitrolle des Johannes an. Er bereitet auch damit bereits die nächste Szene in seinem Evangelium vor, die unmittelbar dem Prolog folgt und die er mit dem Satz einleitet: «Das nun ist das Zeugnis des Johannes...» (1,19) ­ ein Beispiel also für die gekonnte Verzahnung zwischen Prolog und weiterem Evangelium.
Dieser Überblick soll helfen, nun schwerpunktmässig auf die genannten «Wellen» einzugehen, in denen uns der Verfasser sein Thema nahe bringen möchte: Gottes Kommen in diese Welt.<12>

«1Im Anfang war der logos.
und der logos war bei Gott,
und Gott [nach der Art Gottes] war der logos.
2Dieser war im Anfang bei Gott.
3Alles ist durch ihn [= durch den logos] geworden,
und ohne ihn ist geworden auch nicht eines, das geworden ist.
4In ihm war Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht scheint in der Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht ergriffen.

6Es war ein Mensch, gesandt von Gott, sein Name: Johannes.
7Dieser kam zum Zeugnis, damit er bezeuge über das Licht,
damit alle glaubten durch ihn.
8Nicht war jener das Licht, sondern damit er bezeuge über das Licht.

9Es war das wahrhaftige Licht, das (er)leuchtet jeden Menschen, gekommen in die Welt.
10Er war in der Welt,
und die Welt ist durch ihn geworden,
und die Welt hat ihn nicht erkannt.
11In das ihm Eigene kam er, und die Eigenen haben ihn nicht aufgenommen.
12Jenen, die ihn (an)genommen haben, hat er Vollmacht gegeben, Kinder Gottes zu werden:
[Jenen,] die an seinen Namen glauben:
13die nicht aus Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott gezeugt sind.

14Und der logos wurde Fleisch,
und er zeltete in uns,
und wir sahen seine Herrlichkeit,
eine Herrlichkeit als des Einziggeborenen vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.

15Johannes bezeugte über ihn,
und er hat geschrien, sagend:
Dieser war (es), von dem ich sagte:
Der nach mir Kommende ­ vor mir gewesen, denn früher als ich war er.

16Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,
und zwar Gnade um Gnade.
17Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,
die Gnade und die Wahrheit wurde durch Jesus Christus.
18Gott hat niemand jemals gesehen.
Der einziggeborene Gott, der ist an der Brust des Vaters,
jener hat [ihn] ausgelegt.»

 

2.1 Erste Annäherung: 1,1­5

Mit den ersten drei Versen führt uns der Evangelist an den frühest denkbaren Anbeginn zurück. «Am Anfang» ­ die bewusste Assoziierung an das erste Buch der Bibel und an den Schöpfungsbericht (vgl. Gen 1,1) ist unübersehbar. Für die biblisch geschulten Ersthörerinnen und Ersthörer war diese Assoziationsbrücke noch evidenter als für uns heute. Der Evangelist setzt also nicht bei Menschengeschichten an ­ sei dies bei Josef und Maria (so Mt 1; Lk 1) oder auch bei Zacharias und Elisabeth (so Lk 1). Er spannt den Bogen zurück an jenen Moment, da die Geschichte Gottes mit dem Menschen und mit der Welt anfing. Dort bereits ortet er die Ursprünge für das, worüber er jetzt reflektieren möchte.
In einer kunstvollen Formulierung umschreibt der Verfasser die Gegenwart des logos im Schöpfungshandeln Gottes (1,1­2). Die Begriffe werden zum untauglichen Hilfsmittel für das letztlich Unaussprechliche. Gott und logos werden engstmöglich zusammengerückt; dem logos wird Göttlichkeit zugesprochen, ohne dass dies näher erklärt wird oder erklärt werden könnte. In besonders ausführlicher, fast umständlich scheinender Formulierung wird das Mitwirken des logos am Schöpfungsgeschehen dargelegt: «Auch nicht eines, das geworden ist», ist ohne ihn geworden (1,3)<13> ­ eine Idee, die eben schon in den Weisheitsschriften Israels im Blick auf die Weisheit begegnet war.
Das Kernproblem aber bleibt das Verstehen von logos. Selbst ein sich im suchenden Faust verbergender Goethe blieb davor ratlos: «Wort», «Sinn», «Kraft», «Tat» ­ welche dieser Übersetzungen ist zutreffend?<14>
Natürlich wissen wir aus dem unmittelbaren Umfeld, dass der Evangelist von dem einen Sohn spricht, der beim Vater ist. Erst später in seinem Prolog wird er ihn benennen: Jesus Christus (1,17). Hier aber gibt er ihm durch diese Bezeichnung ein anderes Profil: Von der Wortbedeutung klingt das Moment des Sprechens, der Kommunikation mit. Das erinnert an den Gottesspruch, von dem die jüdische Bibel mit grossem Respekt spricht, da er voll Wirkvollmacht und Dynamik ist: «Er kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, wozu ich ihn ausgesandt habe» (Jes 55,11). Hier nun, im logos, hat sich diese Dimension verdichtet. Mit dieser Bezeichnung ist die auf die Menschen ausgerichtete kommunikative Dimension Gottes umschrieben, die auf Offenbarung, Selbstkundgabe, Selbstmitteilung Gottes zustrebt.
Die «Welle» wird dichter und kommt näher: Leben und Licht ergänzen einander als markante Wortlinien. Das Licht scheint in der Finsternis: Gott kommt in diese Welt.
Die Beschreibung kippt ins Negative: Dieses Licht tritt in die Finsternis ein. Das Bild verdeutlicht den Kontrast, auch die Wirkung; umso vernichtender trifft der negative Befund: Die Finsternis weiss damit nicht umzugehen. Die fehlende Konkretisierung verbietet es, genauer zu deuten. Hinzugefügt muss allerdings werden, dass diese Wahrnehmung nicht die einzige bleibt.

2.2 Zweite Annäherung: 1,9­13

Ich übergehe die Zwischenstrophe, die Johannes, dem Zeugen gewidmet ist. Dabei nehme ich lediglich auf, dass die Wortlinie «Licht» hier eine bedeutende Rolle spielt. Sie bildet eine Charakterisierung des logos, der zwar nicht damit gleichgesetzt, aber über die Brücke «Leben» ­ «Licht» damit wesentlich assoziiert wird. Das Wortfeld reicht hinein in die zweite Welle und bleibt hier zunächst in der Aussage bestimmend:
«Es war das wahrhaftige Licht, das erleuchtet jeden Menschen, gekommen in die Welt.» Was 1,5 unversöhnlich schroff klang, tönt jetzt offener: Nicht Licht in der Finsternis, sondern Licht in der Welt; im Blick der Mensch, dem es leuchten soll.
Wir spüren deutlich: Die zweite Welle hat bereits den Menschen im Blick. Nicht eine abstrakte Finsternis, nein, der Mensch ist Ziel des Lichts. «Erleuchten» umschreibt den beabsichtigten Heilscharakter für den Menschen, und das wird konstatierend ausgesagt, nicht als Wunsch, als Hoffnung oder als Bitte.
Aber trotzdem: Die Wirklichkeit ist geteilt; daher folgt auch in den nächsten Versen der zwiespältige, aber realistische Befund, der den Verfasser durch sein ganzes Evangelium begleitet: Glaube und Unglaube; Aufnahme und Verweigerung gegenüber dem Licht, das jetzt, in 1,10, aufgrund der [auch im Griechischen eindeutigen] grammatikalischen Form («die Welt hat ihn nicht erkannt») eindeutig als der logos zu identifizieren ist.
Der Verfasser deutet die Spannung an: Obwohl sich die Welt dem logos verdankt, verschliesst sie sich ihm. Vor einer einseitigen Sicht ist aber zu warnen, gerade weil die Welt, der Kosmos, im Handeln des logos ihren Ursprung hat. Nicht an sich kann sie als finster und gottfern verstanden werden, sondern nur weil jene, die ihm eigen sind, ihn nicht aufgenommen haben. Die theologische Qualität der Welt hängt an der Glaubensentscheidung der Menschen.<15>
Diese ist ­ wie gesagt ­ geteilt. Erneut wendet sich der Verfasser dem Positiven zu: Es gibt solche, die ihn angenommen haben. So etwa könnte man «glauben» umschreiben: Ihn, den logos, annehmen, oder (wie es 1,12 heisst) «an seinen Namen glauben». Sie werden in 1,13 als jene charakterisiert, die in der Taufe ein neues Leben empfangen haben, wiedergeboren sind aus Wasser und Geist (vgl. das Nikodemusgespräch: 3,5) und in diesem Sinne also von Gott gezeugt. Es sind Menschen, die ihre Existenz nicht menschlichem Werden verdanken, sondern Gott allein.
Von diesen sagt der Verfasser Faszinierendes: An der Vollmacht Gottes werden sie teilhaben, seine Kinder werden sie sein. Es ist unverkennbar, wie der breite Strom biblisch-christlicher Theologie und Praxis hier bereits durchschlägt und Taufbewusstsein zum Vorschein kommt.
Der Weg des logos in die Welt präsentiert sich also als eine Konfrontation mit Glauben und Unglauben. Die Dramatik der Situation wird positiv aufgelöst. Kindschaft führt zur Teilhabe am Leben, das Gott selbst schenkt.
Zur Genüge hat damit der Evangelist umschrieben, was Gottes Eintritt in diese Welt bedeutet; auch hat er den historischen Befund durch die Jahrhunderte im Für und Wider, in Aufnahme und Ablehnung charakterisiert und bis in seine Kirchengegenwart, zu den getauften Gotteskindern, geführt. Alles scheint gesagt.
Aber nein. Eine entscheidende Deutung muss noch ausgesprochen werden: nämlich jene, welche dieses Handeln Gottes in aller Verdichtung erkennen lässt und unmissverständlich die klaren Konturen für das bisher Dargestellte nachliefert.

2.3 Dritte Annäherung: 1,14

Es sind nur zwei knappe Hauptsätze; beide haben ein Handlungssubjekt: den logos. Dieser wählt die dichtest mögliche Mitteilungsform, nämlich jene der menschlichen Person. Die Menschwerdung selbst ist wiederum auf die Dimension von Gemeinschaft angelegt. «Zelten» erinnert an die Anwesenheit Gottes unter dem Gottesvolk (vgl. Sir 24,8; sodann Offb 7,15; 12,12; 13,6; 21,3). Liest man den Evangelisten richtig, wird man fragen müssen: Wenn der logos unter uns zeltet ­ ist dann der logos die Weise der Anwesenheit Gottes unter den Menschen?
Natürlich bloss eine rhetorische Frage. Der Evangelist wirkt engagiert: Erstmals bezieht er sich selbst und die Leserinnen und Leser mit ein. Der Schritt Gottes gilt nicht einfach der Welt, oder den ihm Eigenen; er gilt uns. Darin wird die Gotteskindschaft konkretisiert. Zugleich wird in diesem Geschehen die unüberbrückbare Differenz überbrückt, die zwischen Gott und Mensch besteht.
Das Sehen der Herrlichkeit ist dann nur eine Folge. Auch hier bleibt der Verfasser involviert: «Wir...». Das Sprechen von der Vollmacht zur Gotteskindschaft (1,12) wird verlängert und weitergeführt und zugleich mit einer neuen Wortlinie erweitert: Gnade. Vollmacht ­ Kindschaft ­ Herrlichkeit ­ Gnade ­ so lautet der assoziative Gedanke, in den sich der Evangelist mit seinen Adressatinnen und Adressaten miteinbezogen sieht.
Der Zwischenruf (wörtlich!) des Täufers erinnert nochmals an die Dimensionen, die hier mitspielen. Zeitliche Ordnungen erweisen sich als relativ: nach mir ­ vor mir ­ früher als ich... eben: «Im Anfang.» Der Evangelist ist bemüht, uns die Vorzeitigkeit nicht vergessen zu lassen.

2.4 Erste Redundanz; erste abklingende Erläuterung: 1,16­17

Mit 1,16­17 wissen wir, warum der Evangelist uns alle in das Geschehen mit hineingenommen hat. Als Adressatinnen und Adressaten des Gnadenhandelns Gottes sind wir involviert. In theologischer Sprache wird das Neue dieses Handlungsschrittes Gottes erklärt. Nicht mehr Gesetz, sondern Gnade. Das weitere Evangelium wird zeigen, dass dieser Begriff für den Evangelisten mit «Liebe» austauschbar ist. Diese neue Ordnung ist gekennzeichnet durch das Erleuchtetwerden, die Gotteskindschaft, das Sehen von Herrlichkeit und das Empfangen von Gnade. Dies ist gegründet ­ und erst jetzt nennt ihn der Evangelist erstmals ­ in Jesus Christus. Diese Nennung bildet für ihn den Auftakt, um zur letzten Aussage anzuheben.

2.5 Zweite Redundanz; zweite abklingende Erläuterung: 1,18

Die Aussage von 1,18 ist freilich weit mehr als eine abklingende Erläuterung. Der Verfasser beginnt mit einer Feststellung, die alle Menschen der jüdischen Tradition seiner Zeit unterschrieben hätten: «Gott hat niemand jemals gesehen». Dies entspricht der biblischen Überlieferung (vgl. Ex 33,18­23; Ri 6, 22­24 u.ö.).
Dieser Feststellung stellt er eine Aussage gegenüber, die das Wesen Gottes anfanghaft ausdeutet. Der logos, Jesus Christus wird in intensivster Nähe diesem Gott zugeordnet und zugleich als «Gott» bezeichnet ­ eine Formulierung, die dem Evangelisten nur noch einmal, in der Thomaserzählung (20,29), passiert. Er ist in innigster Beziehung zum Vater, und als solcher «legt er Gott aus», exegetisiert er ihn gleichsam (siehe sodann Joh 14,9).
Damit ist das Grundanliegen des Geschehens zusammengefasst. Im logos, in Jesus Christus wird den Menschen Zugang zum unsichtbaren Gott vermittelt mit dem Ziel und der Absicht, die Menschen selbst in diese Gottesnähe hineinzuführen.

3. Menschwerdung Gottes

Die nur punktweise Vertiefung in den Johannesprolog hat verschiedene Perspektiven eröffnet, die uns ein Verständnis des Weihnachtsfestes erschliessen können. Der Eintritt Gottes in diese Welt, im Johannesprolog in mehreren Schritten dargestellt und erläutert, gibt Aufschluss über die Identität Jesu Christi. Er lässt uns ahnen über das Wesen Gottes und unser eigenes Dasein als Mensch begreifen.

3.1 Jesus Christus

Der Evangelist macht deutlich: Der hier Mensch wird, steht in der einzigartigen Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater, ja mehr noch: Er hat an dessen Göttlichkeit Anteil. Sein Leben reicht zurück vor den Anfang. Im Schöpfungsgeschehen schon ist er wirksam involviert. Er tritt in die Geschichte ein als Mensch, um das kommunikative Element Gottes unüberbietbar zu konkretisieren: Denn im menschlichen Kontext ist eine Person die intensivste Form der Mitteilung und der Begegnung. In der Menschwerdung wird der logos zur personifizierten Selbstmitteilung Gottes.
Dieses Geschehen vollzieht sich nicht als Selbstzweck. Logos erweist sich als Chiffre für Kommunikation, Gemeinschaft und Teilhabe. In den weiterführenden Wortlinien «Licht», «Leuchten», «Zelten unter uns» zeigt sich die Ausrichtung des Geschehens auf den Menschen mit der Absicht für unser Heil.
Vor allem aber: Das Eintreten Gottes in diese Welt geschieht nicht in abstrakter Form einer mystischen Offenbarung, sondern im konkreten Profil eines Menschen. Neben aller göttlichen Dimension in Jesus Christus ist dies ganz ernst zu nehmen. Um «unter uns zu zelten», ist er Mensch geworden. Dies ist keine Scheinwirklichkeit, sondern sie bleibt unmittelbar. Sie ist Voraussetzung dafür, dass der unsichtbare Gott in diesem Menschen sich selbst uns mitteilt. «Gott mit uns» im wörtlichsten Sinne des Wortes.

3.2 Gott

Gottes Handeln im Christusgeschehen erlaubt Rückschlüsse auf die Eigenart dieses Gottes. Dieser Gott ist vom Moment der Schöpfung an darauf eingestellt, mit dieser Schöpfung zu kommunizieren, sich in sie hineinzugeben. Selbst Widerstand und Unglaube ändern nichts daran. Sein Ziel ist die Gemeinschaft mit den Menschen, sein Handlungsmotiv ist Liebe.
Dieser Gott ist nicht isoliert in sich selbst, sondern sein Wesen ist communio [Gemeinschaft]. Dies wird in seinem innergöttlichen Leben ebenso deutlich wie gegenüber der Welt. Er gibt frei von sich selbst, lässt seine eigenen Geschöpfe an dem teilhaben, was ihn prägt: Herrlichkeit, Gnade und Wahrheit, und all dies im Übermass. Er ist nicht eifersüchtig auf das Geheimnis seines Wesens, sondern macht sich selbst zugänglich, erfahrbar, erlebbar und so begreifbar. Erniedrigung, Entäusserung Gottes beginnen in seinem Eintritt in die Welt. Ihre Ansätze haben sie bereits in der Schöpfung.
In seiner Liebe setzt sich Gott dem Menschen aus. Als Licht in der Finsternis, als zurückgewiesener logos in seinem Eigentum, als Mensch in einer unglaubenden Welt. Gott macht sich zutiefst verwundbar, aber das ursprüngliche Wesen des logos ist unüberwindbar: «In ihm war Leben», heisst es. Dafür steht Gott gerade, auch als dieses Leben menschlich fragile Züge annimmt.
Wer so handelt, lebt Beziehung, ja er personifiziert sie. «Gott» wird, weil er sich in einem «logos» in diese Welt hinein mitteilt, erahnbar als Beziehungsfülle. Mehr wagt der biblische Verfasser noch nicht zu sagen. Später werden Theologen und Kirchenleute ihn «dreifaltig» nennen. Da er in die Welt eintritt, legt er den Grundstein dafür, «vielfältig» zu sein, offen in seinem Leben für den Miteinbezug aller Menschen (vgl. Joh 17,20­23).

3.3 Der Mensch

Der Mensch begegnet uns als das angesprochene Gegenüber für das Handeln des logos. Ihm gilt Leben und Licht, ihm auch die Gotteskindschaft, das Sehen der Herrlichkeit, der Gnade und Wahrheit, ja letztlich der Selbstkundgabe Gottes in seinem Mensch gewordenen Wort.
Darin erfährt sich der Mensch nicht als irgendein Geschöpf, sondern als Ziel göttlicher Zuwendung. Er ist geadelt durch die Erkenntnis, dass sein eigenes Wesen, also das Menschsein, für den logos bestimmend wurde. In der Reflexion dieses Geheimnisses weiss sich der Mensch dann wohl als Gott gehörig, als sein Geschöpf, zugleich als jener, auf den Gott in seiner Grundhaltung von Liebe zustrebt.

3.4 Die Solidarität Gottes

Von dieser Solidarität Gottes können wir für Weihnachten lernen. Er macht sich uns zugänglich, damit die Welt nicht in Finsternis, sondern im Licht lebt, damit wir in seiner Kindschaft zur gegenseitigen Geschwisterlichkeit finden, damit wir als das Du der göttlichen Zuwendung einander zu- und nicht abgewendet sind. Im logos, der Mensch wird, erschliesst sich uns die Chance, diesen Gott in seinem Weg zu uns zu erahnen.
Weihnachten ist unsere Chance der Gottesbegegnung. Dafür müssen wir nicht andere Wesen werden, uns müssen nicht Engelsflügel wachsen. Wir müssen nur Mensch werden, weil Gott Mensch geworden ist.

 

Walter Kirchschläger ist Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern.


Anmerkungen

1 Überarbeitete Fassung einer Vorlesung an der Senioren-Universität Luzern am 14. Dezember 2000.

2 Sinnvollerweise wird man wohl in der Heiligen Nacht den gesamten Abschnitt Lk 2,1­20 in der Liturgie verkündigen ­ nicht nur, weil die frühere Praxis des dreimaligen Gottesdienstbesuches heute nicht mehr üblich ist, sondern vor allem, weil dies der lukanischen Komposition und Absicht entspricht. Vgl. W. Kirchschläger, Die Geburt Jesu von Nazaret (Lk 2,1­20), in: ThpQ 131 (1983) 329­342, bes. 333­336.

3 Vgl. dazu W. Kirchschläger, Geburt (Anm. 2) 329­332; neu dargestellt in: Ders., Über Gottes Menschwerdung sprechen..., in: Wort auf dem Weg 282 (2002) 12­15.

4 Vgl. zum Text F. Mussner, Der Galaterbrief, (HThKNT 9), Freiburg 1974, 268­274; M. de Jonge, Christologie im Kontext, Leiden 1993, 28­29.

5 Dazu vor allem U. Luz, Das Evangelium nach Matthäus, 1, (EKK I/1), Zürich 52002, 140­152.

6 D. Zeller verweist hier (und in Bezug auf Lk 1­2) auf den begründenden und legitimierenden Charakter der Aussagen über die geistgewirkte Empfängnis für den Anspruch «Sohn Gottes», in: Christentum I. Hrsg. v. D. Zeller, Stuttgart 2002, hier 130­133.

7 Siehe dazu H. Röttger, Art. Engel Jahwes, in: Neues Bibel-Lexikon 1, Zürich 1991, 539­541.

8 Vgl. dazu H. Schürmann, Aufbau, Eigenart und Geschichtswert der Vorgeschichte Lk 1­2, in: Ders. Traditionsgeschichtliche Untersuchungen zu den synoptischen Evangelien, Düsseldorf 1968, 198­208; E. Schweizer, Zum Aufbau von Lk 1 und 2, in: Ders., Neues Testament und Christologie im Werden, Göttingen 1982, 11­32; F. Bovon, Das Evangelium nach Lukas 1, (EKK III/1), Zürich 1989, 43­48; W. Kirchschläger, Beobachtungen zur Struktur der lukanischen Vorgeschichten, in: Exegese als Dienst an der Verkündigung. Schülergabe f. J. Kremer. Hrsg. v. W. Kirchschläger/G. Geiger, Klosterneuburg 1984, 244­251.

9 Des Weiteren vgl. Ijob 28,12­38; Spr 3,19; 8,22­26; Weish 7,12.25­30; 8,4; 9,1­2; Sir 1,1­10.15­20; slavHen 33,4; zum ganzen H. Ritt, Art. logos, in: EWNT II, Stuttgart 21996, 880­887, hier 886.

10 Diese Position auch bei R. Schnackenburg, Die Person Jesu Christi im Spiegel der vier Evangelien, (HThKNT. S IV), Freiburg 1993, 315­326, hier 316 (mit weiterführender Literatur).

11 Vgl. dazu E. Ruckstuhl, Die literarische Einheit des Johannesevangeliums, (NTOA 5), Freiburg 1987 [Neudruck aus 1951]; 63­97; ders./P. Dschulnigg, Stilkritik und Verfasserfrage im Johannesevangelium, (NTOA 17), Freiburg 1991, bes. 218­238.

12 Klassisch dazu: H. Schlier, Im Anfang war das Wort, in: Ders., Die Zeit der Kirche, Freiburg 41966, 274­287; des Weiteren vgl. W. Kirchschläger, Die Evangelienverkündigung dieser Weihnachtszeit. Eine bibeltheologische Hinführung, in: SKZ 158 (1990) 743­745, hier 744.

13 Zur (umstrittenen) Phrasierung von Joh 1,3 siehe K. Aland, Eine Untersuchung von Joh 1,3.4. Über die Bedeutung eines Punktes, in: ZNW 59 (1968) 174­209.
Die oben vorgeschlagene Phrasierung teile ich mit R. Schnackenburg, Das Johannesevangelium 1, (HThKNT 4/1), Freiburg 41978, 215­217, und E. Haenchen, Johannesevangelium. Hrsg. v. U. Busse, Tübingen 1980, 121­122.

14 J. W. Goethe, Faust I, Studierzimmer.

15 Siehe dazu W. Kirchschläger, Welt im Alten und im Neuen Testament, in: Säkulare Welt und Reich Gottes. Hrsg. v. P. Gordan, Graz 1988, 151­177, hier 163­165.


Die Sterndeuter aus dem Osten

 

Die Erzählung vom Kommen und Finden der Sterndeuter aus dem Osten, besser bekannt als die Geschichte der «Weisen aus dem Morgenland» (Matthäus 2,1­12), hat eine ungeheure Wirkung auf Liturgie und Volksfrömmigkeit, Kunst und Literatur ausgeübt. Viele der Bilder und Texte im «Bibel heute»-Heft 4/2002 «Die Sterndeuter aus dem Osten» zeugen davon.
Aber zugleich springt auch die Diskrepanz zwischen Bibeltext und Volksfrömmigkeit ins Auge, die spannungsreiche Kluft zwischen der Botschaft, welche die moderne Bibelauslegung aus dem biblischen Text erhebt, und dem, was Menschen über Jahrhunderte in dieser Erzählung angesprochen hat und auch heute noch anspricht.
So eignet sich die vorliegende Ausgabe von «Bibel heute» nicht nur ausgezeichnet als Anregung für eigenes Nachdenken zum Thema, sondern auch für Bibelkreise, Schule und Erwachsenenbildung.
«Bibel heute» ist für Fr. 9.­ erhältlich bei: Bibelpastorale Arbeitsstelle SKB, Bederstrasse 76, 8002 Zürich, Tel. 01 205 99 60, Fax 01 201 43 07, E-Mail info@bibelwerk.ch


Willkommen, Hans Rapp

 

In der heutigen Ausgabe kommentiert in der Reihe «Lesejahr B» zum ersten Mal Hans Rapp, seit dem 1. Oktober 2002 Bildungsleiter im Bildungshaus Gutenberg in Balzers (FL), eine Sonntags- bzw. Festtagslesung. Der gebürtige Schweizer aus Stein am Rhein (SH) hat in Luzern, Jerusalem und Wien Theologie studiert und sich im Verlauf seiner Studien auf das frühe und klassische Judentum spezialisiert. Nach dem Studium war er Religionslehrer und Erwachsenenbildner in Wien, danach Assistent von Prof. Clemens Thoma in Luzern, wo er 1999 zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Danach folgten Lehraufträge an den Universitäten Salzburg und Graz. Neben dem beruflichen Engagement war dem Vater dreier Söhne immer auch wichtig, in der Familie verantwortlich präsent zu sein.
Schwerpunkt seiner Tätigkeit sind die späteren Teile des Alten Testaments und die Literatur des frühen und des rabbinischen Judentums. Eine besondere Vorliebe hat er für die Schriften aus Qumran und die so genannten Pseudepigraphen des Alten Testaments. Damit sind Schriften gemeint, die sich selbst als heilige Texte verstehen, aber nicht mehr in den heute geltenden jüdischen oder christlichen Kanon aufgenommen wurden. In seiner jetztigen Tätigkeit im Bildungshaus Gutenberg ist er für das Kursprogramm des Hauses verantwortlich. Er wird sich aber in Zusammenarbeit mit der Bibelpastoralen Arbeitsstelle nicht nur im Haus Gutenberg, sondern auch in der Region Ostschweiz für die Anliegen der Bibelarbeit einsetzen.
Hier heissen wir Hans Rapp als Autor willkommen und freuen uns auf seine Impulse.

Rolf Weibel


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002