10/2002

INHALT

Theologie

Theologie an der Universität

von Edmund Arens

 

Der Lehrstuhlinhaber für Fundamentaltheologie an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern, Prof. Edmund Arens, seit 1. Oktober 2001 Dekan, machte sich anlässlich der Verleihung akademischer Grade und der Übergabe der bischöflichen Abschlussdokumente am 26. Oktober Gedanken zum Verhältnis der Theologie zur Universität. Ausgehend von der Erweiterung der Theologischen Fakultät Luzern zur Universität Luzern überlegt er die Notwendigkeit universitärer Theologie ­ eine Fragestellung, die zu bedenken sich nicht nur zu Beginn eines neuen akademischen Jahres einen empfiehlt.

An der Universität Luzern ist die Hölle los. Was sich hier in der letzten Zeit alles getan hat, das ist geradezu atemberaubend. Unsere altehrwürdige Bildungsinstitution setzt soeben zum Quantensprung an. Sie macht sich auf in eine universitäre Zukunft, über die wir sehr froh und glücklich sind, die uns vieles bietet und zugleich einiges abverlangt.
Sie, die Sie heute Ihren erfolgreichen Studienabschluss feiern, haben die rasanten Veränderungen am eigenen Leibe erlebt. Als Sie hier anfingen, kamen Sie an die beschauliche Hochschule Luzern. Heute erhalten Sie Ihr Abschlusszeugnis von der boomenden Universität Luzern. Als Sie hier anfingen, bestand die ganze Hochschule aus diesem Gebäude hier in der Pfistergasse. Heute hat die Universität Luzern vier Standorte. Und in ein paar Jahren wird sie, so Gott, die Regierung und das Volk von Luzern will, das luzide Stadttor zum Luzern des 21. Jahrhunderts bilden. Als Sie hier anfingen, gab es die alteingesessene Theologische Fakultät und sonst fast nichts. Heute haben wir eine hellwache Geisteswissenschaftliche und eine unglaublich dynamische Juristische Fakultät. Wir bewegen uns im kreativen Umfeld des Campus Luzern mit seinen ganz verschiedenen Hochschulen, die einen befruchten und herausfordern. Hier bietet sich den Studierenden die attraktive Möglichkeit vielfacher Horizonterweiterung und ganz konkret diverser Nebenfachstudien. Der Hochschulplatz Luzern also: alive and kicking.

Und die Theologie?

Theologie gilt ja nicht gerade als hipp. In der heutigen Hochschullandschaft mutet sie bisweilen ein wenig altbacken an. Sie scheint nicht das zu sein, worauf eine Universität stolz sein kann. Sie, liebe Absolventinnen und Absolventen, wissen es besser. Sie konnten in den vergangenen Jahren hautnah erfahren, was Theologie will und was sie kann. Sie haben mitbekommen, wie intellektuell anspruchsvoll, wie breit gefächert und wie aktuell die wissenschaftliche Gottesrede ist. Sie haben sich das theologische Handwerkszeug angeeignet und nun ist es an Ihnen zu zeigen, wozu eine gründliche theologische Bildung und eine ebenso geschichtsbewusste wie gegenwartsbezogene und zukunftsträchtige Ausbildung taugen.
Theologie ist ja entgegen manchen Vorurteilen alles andere als verschnarcht. Gesellschaftliche Relevanz, öffentliche Rechenschaft und kritische Zeitgenossenschaft sind für uns keine Fremdworte. Wo es um grundlegende Fragen des Zusammenlebens geht, etwa um Leben und Tod, um den Lebensbeginn und das Lebensende, um Menschenwürde und Menschenrechte, um Gerechtigkeit und Solidarität, da ist nicht nur der Glaube herausgefordert, sondern auch theologische Kompetenz gefragt.
Im September hat der amerikanische Computerpionier Joseph Weizenbaum in der Zeitschrift CHIP einen Satz formuliert, der auf den Punkt bringt, wie dringlich und brennend Theologie ist. Weizenbaum sagte: «Wo Gott tot ist, ist alles möglich.» Die Gottesfrage ist also eine elementare Lebensfrage. Sie ist für die Zukunft unseres Zusammenlebens, für die Gestaltung unserer Gesellschaft von elementarer Bedeutung. «Wo Gott tot ist, ist alles möglich.» Wo Gott tot ist, das herrscht tatsächlich die Gleichgültigkeit des Anything goes, da bestimmen womöglich die Götzen der allerletzten Technologie, der Virtualität oder schlicht des Mammons, wo's lang geht.
Auch heute braucht es noch Rede von Gott. Heute braucht es Theologie dringender denn je: Damit Menschen über ihr eigenes Leben hinausblicken. Damit sie sich ihrer kulturellen Wurzeln erinnern. Damit sie tragfähige Bindungen eingehen und solidarische Gemeinschaften aufbauen. Damit sie in Krisensituationen Hilfe, Zuwendung und Trost erfahren. Damit sie sich in ethischen Fragen zurecht finden.
Die Gottesfrage ist ja lebenswichtig, überlebenswichtig. Aber universitäre Theologie? Muss das sein? Es muss nicht. Theologie ist jahrhundertelang ohne Universität ausgekommen. Sie ist nicht notwendigerweise auf eine universitäre Organisation angewiesen. Der diesjährige Ehrendoktor unserer Fakultät, Robert Schreiter, den wir am nächsten Dies academicus ehren, hat darauf eindringlich hingewiesen. Rede von Gott ist in vielerlei Gestalten möglich. Sie wurde und wird tatsächlich in ganz verschiedenen Formen betrieben, etwa in weisheitlicher und in wissenschaftlicher Gestalt. In einer Gesellschaft, die bis in die kleinsten Falten des Alltags von der Wissenschaft geprägt und bestimmt ist, ist die wissenschaftliche Theologie eine angemessene Organisations- und Kommunikationsform. In der «Wissenschaftsgesellschaft» (Jürgen Mittelstrass) ist die Universität ein unverzichtbarer Ort für die theologische Reflexion. Und Universität hat nun einmal mit Universalität zu tun. Das bedeutet nicht, wie böse Zungen meinen, dass es inzwischen für alles und jedes ein universitäres Fach gibt, welches sich noch der exotischsten Gegenstände mit Hingabe annimmt. Universalität meint: Einstehen für das Ganze, das bedenken, was alle angeht, alle einbeziehen, weil es alle betrifft.
Genau darum geht es auch in der Rede von Gott. Johann Baptist Metz, den wir im Januar als Referenten der Thomas-Akademie bei uns zu Gast hatten, hat das einmal treffend so ausgedrückt: «Der Theologe, der nicht sich selbst und andere betrügen will, der Theo-logie treibt, und zwar eben nicht als dies oder das, sondern den immer neuen Versuch der Rede von Gott, ist und bleibt auf Universalität verpflichtet. Gott ist entweder ein universales, ein Mensch heitsthema oder überhaupt kein Thema.» Theologie also ist auf Universalität ausgerichtet, ja verpflichtet. Der Universität ergeht es ebenso.

Der Universalität verpflichtet

Die moderne Universität ist entstanden aus dem Bemühen, der Zersplitterung des Wissens, der gesellschaftlichen wie wissenschaftlichen Fragmentierung entgegen zu wirken. Die moderne Universität hat sich vom 19. Jahrhundert an als herausragenden Ort der Reflexion verstanden. Sie wollte über das nachdenken, was für die Bildung des einzelnen Menschen und die Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens elementar, von grundlegender, entscheidender Bedeutung ist. Universität und Universalität gehören zusammen. Und genauso ist der Theologie eine Universalität eigen, weil auch sie das bedenkt, was alle angeht und was uns alle unbedingt angeht. Sie tut dies auf die ihr eigene wissenschaftliche Weise: öffentlich, kirchlich, kritisch und kommunikativ.
Wohin sich die Universität, die einige inzwischen für unrettbar verrottet halten, weiterentwickeln soll, wird zurzeit intensiv diskutiert. Manche sehen in ihr eine eitle Diva, deren Zeit abzulaufen beginnt, der von den jung-dynamischen, kostengünstigen und an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes angepassten Fachhochschulen die Schau gestohlen wird. Die Universität, eine in die Jahre gekommene «Geltungsbedürfnisanstalt» (Gerhard Uhlenbruck)?
Andere fordern, die Universität radikal umzukrempeln, aus den trägen Tankern, die im staatlichen Windschatten allzu gemächlich vor sich hin tuckern, flotte, fitte Firmen zu machen. Die Universität ist indes in ihrem Kern kein Unternehmen. Sie ist kein Dienstleistungsunternehmen, weil Studierende ja keine Kundinnen sind, sondern Beteiligte, Mitglieder. Die Universität ist kein Supermarkt für möglichst kundinnenfreundliche Angebote, die mit dem Ziel der Kundenzufriedenheit und Kundenbindung vermarktet werden. Sie ist vielmehr eine kommunikative Wirklichkeit, eine Ort argumentativer Auseinandersetzung und des wissenschaftlichen Diskurses. Studierende und Dozierende bilden somit eine spezifische Kommunikationsgemeinschaft, nämlich eine Lern-, Lehr- und Forschungsgemeinschaft. Darum lautet das allererste Stichwort im Leitbild der Universität Luzern: «universitas studentium et docentium».
Was ist die Universität dann, wenn sie kein Unternehmen ist, kein Dienstleistungsunternehmen, auch keines zur Produktion und Distribution virtueller Wolkenkuckucksheime? Mit der Universität verhält es sich wie mit einem Biotop. Darin herrscht ­ und so ist es am bestem vor dem Umkippen bewahrt ­ eine akademische Artenvielfalt, eine Vielfalt von Lebewesen, Blumen und Blüten, die es in Ruhe wirken und wachsen zu lassen gilt. Die Universität braucht Ruhe, rief kürzlich der bekannte Soziologe Ralf Dahrendorf aus. Biotope können sich, wo sehr viel Raum und sehr viel Geld vorhanden ist, zu Naturreservaten auswachsen. Wenn ihrem natürlichen Wuchs nicht ab und zu Einhalt geboten wird, kann es zu Auswüchsen kommen. Dann sind Gesellschaft und Politik gefordert, den Wildwuchs zu beschneiden. Akademische Nationalparks dürften in der ebenso kleinräumigen wie cleveren Schweiz wohl kaum entstehen.
Biotope werden gelegentlich von Autobahnen durchquert. Solche bieten die Gelegenheit, schnell rein zu kommen, möglichst rasch durchzurasen und schleunigst wieder daraus zu verschwinden. Aufwändiger, aber auch nachhaltiger ist es da, zur Durchquerung frische Pfade zu benutzen oder noch besser, selber eigene Pfade anzulegen. Erst damit lässt sich vieles erleben, entdecken und erkunden. So etwas braucht Zeit. Dafür werden Musse und Mühe verlangt. Pfadfinderin sein geht bisweilen ganz schön an die Substanz. Aber Leute, die die Anstrengung auf sich genommen haben, versichern hinterher beglückt: Heureka! Ich hab's! Die Mühe hat sich gelohnt.
Ich hoffe und wünsche, dass Sie, liebe Absolventinnen und Absolventen, dieses Gefühl und diese Erfahrung von Ihren eigenen Erkundungen im universitären Biotop mitnehmen können. Ich hoffe, dass Sie von Ihren Entdeckungsreisen in den Lebensraum der universitären Theologie zehren. Die Theologische Fakultät ist daran interessiert, dass Sie auch nach der Berufseinführung mit uns in Verbindung bleiben. Kommen Sie gelegentlich wieder, zum Auftanken, zum Durchschnaufen, um sich den frischen Wind der theologischen Wissenschaft um die Nase wehen zu lassen. Ich kann Ihnen versichern: Sie sind jederzeit willkommen an Ihrer Alma mater, Ihrer akademischen Nährmutter.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf spannende Jahre des Studiums zurückblicken und auf eine ebenso herausfordernde wie erfüllte Zeit voraus. Im Namen der Theologischen Fakultät der Universität Luzern gratuliere ich Ihnen zu Ihrem Studienabschluss. «Wo Gott tot ist, ist alles möglich.» Wo Gott lebt, ist nichts unmöglich. Darum Ihnen herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen.


Erneuerung des Luzerner Lehrkörpers

von Edmund Arens

 

Zwei Jahre ist die Theologische Fakultät nunmehr Teil der aufblühenden Universität Luzern. Mit ihren drei Fakultäten für Theologie, Geisteswissenschaften und Rechtswissenschaft bricht die von Luzerner Stimmvolk im Mai 2000 mit überwältigender Mehrheit lancierte Universität auf in eine zuversichtliche Zukunft. In einigen Jahren soll das derzeit im Planungsstadium befindliche neue Universitätsgebäude das luzide Stadttor zum Luzern des 21. Jahrhunderts bilden.
Der universitäre Aufbruch macht sich auch in der Theologischen Fakultät bemerkbar, an der gleich fünf Professuren wieder besetzt werden konnten. Die neuen Professoren und Professorinnen sollen hier in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt werden. Es sind dies der Liturgiewissenschaftler Patrick Dondelinger, der Philosoph Rafael Ferber, die Religionspädagogin Monika Jakobs, die Judaistin Verena Lenzen sowie der Dogmatiker Wolfgang Müller.

Liturgiewissenschaft

Der jüngste im Bunde, Patrick Dondelinger, wurde im Dezember 1966 in Luxemburg-Stadt geboren. Er studierte Geschichte, Religionsgeschichte und Religionsanthropologie an der Universität Sorbonne in Paris und Theologie am dortigen Institut Catholique. An beiden Institutionen wurde er 1996 mit einer Arbeit «L'exorcisme des possédés selon le Rituel Romain et son interprétation ecclésiale dans l'Occident contemporain» mit Auszeichnung doppelpromoviert. Das Buch erscheint dieses Jahr in der renommierten Reihe «Cogitatio Fidei» bei Cerf in Paris. 1996 wurde Dondelinger Dozent am Institut Supérieur de Liturgie des Institut Catholique in Paris. 1998 übernahm er zudem eine Dozentur an der Universität Metz. Seit 2001 hat er die Professur für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern inne. Zugleich leitet er das an die Fakultät angegliederte Liturgische Institut der deutschsprachigen Schweiz.
Dondelingers Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Gebiet aussergewöhnlicher religiöser Erfahrungen. Er ist ein international gefragter Experte für den liturgisch-rituellen Umgang mit solchen Phänomenen. Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem nach Brasilien, in die USA, nach Senegal sowie nach Syrien. Daneben war und ist er an diversen Forschungsprojekten beteiligt, so als Leiter des Projekts «Wunderheilungen in Lourdes» am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene der Universität Freiburg i.Br. sowie an den Universitäten Metz und Paris. Er hat die Ergebnisse seiner Studien in diversen hochkarätigen frankophonen Fachzeitschriften, Lexika und Kongressakten publiziert. Ein Band unter dem Titel «Lourdes 1858. Die Erscheinungen der Bernadette Soubirous zwischen Heilungsritus und Heilkult» ist in Vorbereitung. Dondelingers religionsanthropologischer Ansatz, der neues Licht auch auf bisherige kirchliche Erfahrungen und liturgische Praktiken wirft, dürfte dazu beitragen, produktive Perspektiven für das Verständnis, die Theorie sowie die Praxis der Liturgie zu eröffnen.

Philosophie

Der Philosoph Rafael Ferber wurde im März 1950 in Singen am Hohentwiel geboren. Seit 1966 ist er Bürger von Grossdietwil im Kanton Luzern. Der Spezialist für antike Philosophie und Mitherausgeber der «International Preplatonic Studies» ist gleichfalls mit Wittgenstein und mit den neuesten Fragestellungen zum Leib-Seele-Problem vertraut. Ferber studierte in Zürich, Freiburg/Schweiz und Bern Philosophie, Gräzistik und Germanistik. 1979 promovierte er an der Universität Bern mit dem ebenso schmalen wie scharfsinnigen Band «Zenons Paradoxien der Bewegung und die Struktur von Raum und Zeit». Das Buch erschien 1981 bei C. H. Beck in München und 1995 in einer Neuausgabe im Steiner Verlag in Stuttgart. Von 1980 bis 1983 war Ferber Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. 1980 hielt er sich als Visiting fellow an der Northwestern University in Evanston auf, 1983 als Visiting scholar an der Harvard University. 1984 habilitierte er sich an der Universität Zürich mit dem Werk «Platos Idee des Guten». Der Band kam 1984 in erster und 1989 in zweiter Auflage im Academia-Verlag St. Augustin heraus. Ein weiteres Werk im ebendort nahm sich 1991 vor, Licht zu bringen in «Die Unwissenheit des Philosophen oder Warum hat Plato die Ðungeschriebene Lehreð nicht geschrieben?»
Lehrstuhlvertretungen führten Ferber an die Hochschule Luzern, die Universität Marburg, die ETH Zürich und an die Universität Freiburg/Schweiz. 1994 veröffentlichte er im Verlag C. H. Beck die unterdessen zu Recht zum Bestseller gewordene und inzwischen in die sechste Auflage gegangene Arbeit «Philosophische Grundbegriffe». 1995 erschien in der Reihe «Philosophie jetzt» sein Buch «Platon. Ausgewählt und vorgestellt von Rafael Ferber». Es liegt inzwischen als DTV-Taschenbuchausgabe in dritter Auflage vor. Nach einem Aufenthalt als Visiting scholar 1998 in Oxford wurde er 1999 Lehrstuhlvertreter an der Universität Köln und erhielt dort eine Professur. Im Jahre 2000 wurde er als Professor an die Universität Luzern berufen. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war er über lange Zeit auch als Gymnasiallehrer tätig. Rafael Ferber ist ein international geschätzter Referent. Er wurde von zahlreichen Institutionen in der Schweiz, Deutschland, Dänemark, Italien, Spanien, Grossbritannien, den USA und Israel zu Vorträgen eingeladen.

Religionspädagogik

Monika Jakobs erblickte im Mai 1959 in Trier das Licht der Welt. Sie studierte an der Universität Saarbrücken Theologie, Germanistik und Sozialkunde für das Lehramt an Gymnasien. Das Studienjahr 1981/82 verbrachte sie als Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes am University College in Cardiff (Wales). 1985 legte sie das erste, 1991 das zweite Staatsexamen ab. Zwischen 1991 und 1993 war sie Religionslehrerin und zugleich stellvertretende Leiterin der Katholischen Akademie Trier, Abteilung Saarbrücken. Von 1991 bis 1995 bekleidete Jakobs das Amt der Sekretärin der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen (ESWTR). Über deren Arbeit veröffentlichte sie 1996 einen lesenswerten Beitrag für die internationale theologische Zeitschrift CONCILIUM: «Feministische Theologie in Europa: Zwischen Bewegung und akademischer Institutionalisierung». 1993 promovierte sie mit einer Dissertation unter dem Titel «Frauen auf der Suche nach dem Göttlichen. Zur Gottesfrage in der feministischen Theologie». Die Arbeit erschien im gleichen Jahr im Münsteraner Frauenverlag Morgana. 1995 publizierte sie zusammen mit Irene Löffler-Mayer ebenfalls bei Morgana das Werk «Vater Gott und Mutter Kirche. Bausteine für den Religionsunterricht». Zwischen 1993 und 1999 war Jakobs am Institut für katholische Theologie der Universität Koblenz-Landau tätig. Zudem nahm sie Lehraufträge an den Universitäten Heidelberg, Freiburg, Würzburg, Münster und Frankfurt wahr. Seit 1999 war sie Lehrstuhlvertreterin, seit 2000 ist sie Professorin für Religionspädagogik/Katechetik an der Universität Luzern. Zugleich leitet sie das Katechetische Institut. Dieses bringt nun keineswegs Katechismusweisheiten unters Volk, wie der vom Bundesamt für Bildung und Wissenschaft verantwortete Band «Higher Education in Switzerland» (Edition 2001) vermuten lässt, der das KIL als «institute for catechism» bezeichnet. Es betreibt vielmehr Katechetik als eine wissenschaftlich ausgewiesene und methodisch reflektierte Disziplin der Praktischen Theologie.
Jakobs ist eine passionierte Pädagogin und Publizistin. Sie steht für einen offensiven, frechen, pfiffigen Feminismus, der sich nicht in Konventikel zurückzieht, sondern ganz im Gegenteil das gleissende Licht der Öffentlichkeit sucht. Ihre Artikel belegen ihre Freude am Streit mit Männern und mit Frauen: So schreibt sie etwa über ein «Comeback für Eva» oder über: «Mit Freuden und mit Schmerzen. Was von feministischer Bibelhermeneutik gelernt werden kann». Sie denkt über «Möglichkeiten und Grenzen religionspädagogischen Handelns» nach «Zwischen Allmachtsphantasien und falscher Bescheidenheit». Sie nimmt genüsslich die «Hungerkünstlerinnen» aufs Korn und untersucht den «Schlankheitswahn als religiöses Phänomen». Oder sie macht die biblischen Heroinen «Jael und Delila» zum Thema «Von Israels Heilsgeschichte und dem Verderben der Männer».

Judaistik

Verena Lenzen, seit 2001 Professorin für Judaistik, Theologie und Christlich-Jüdisches Gespräch sowie Leiterin des Instituts für Jüdisch-Christliche Forschung an der Universität Luzern, wurde im April 1957 in Eschweiler bei Aachen geboren. Sie studierte Theologie, Judaistik, Germanistik und Philosophie an den Universitäten Bonn und Köln. Nach dem Staatsexamen folgten 1987 die Promotion und 1995 die Habilitation an der Universität Bonn. Ihre stilistisch wie inhaltlich brillante Habilitationsschrift «Jüdisches Leben und Sterben im Namen Gottes. Studien über die Heiligung des göttlichen Namens (Kiddusch HaSchem)» kam 1995 im Münchener Piper Verlag heraus. Im Frühjahr 2002 erscheint sie in zweiter Auflage bei Pendo in Zürich.
Lenzens besonderes Augenmerk gilt der Berührung von Judaistik und Ethik. Sie führte verschiedene Forschungsprojekte über «Jüdische Ethik und Christliche Ethik» in Israel und den USA durch. Sie erhielt dazu diverse Stipendien, darunter das für die Crème des wissenschaftlichen Nachwuchses vergebene Heisenbergstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sie ist zudem Trägerin ansehnlicher Preise, unter anderem des Ernst-Robert-Curtius-Förderpreises für Essayistik. Dieser wird für besondere wissenschaftlich-literarische Darstellungskunst und engagierte Wissenschaft verliehen. Das Zentrum von Lenzens Interesse bildet der jüdisch-christliche Dialog. Seit Jahren engagiert sie sich etwa im Gesprächskreis «Juden und Christen» beim Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und entfaltet diesbezüglich eine reichhaltige publizistische, Forschungs-, Lehr- und Vortragstätigkeit. Lenzen lehrte an den Universitäten Bonn, Köln und Saarbrücken. Gastvorlesungen führten sie an die Dormition Abbey nach Jerusalem, nach Berlin, Hamburg, New York, Washington, Boston und in andere Orte. Ihre wissenschaftlichen Tätigkeiten werden durch künstlerische kreativ ergänzt. Als Graphikerin hat Lenzen ein Buch über den interreligiösen Dialog für Kinder und Jugendliche illustriert: «Die Reise der Zikaden», Kiel 1997. Zu den zahlreichen Buchveröffentlichungen zählen die 1987 im Düsseldorfer Patmos Verlag publizierte Dissertation «Selbsttötung. Ein philosophisch-theologischer Diskurs mit einer Fallstudie über Cesare Pavese» sowie das 1989 bei Piper in München herausgekommene Buch «Cesare Pavese. Tödlichkeit in Dasein und Dichtung». Gemeinsam mit Schalom Ben-Chorin hat Lenzen zudem mehrere Sammelbände veröffentlicht: «Jüdische Theologie im 20. Jahrhundert» (1988), «Begegnungen» (1991), «Theologia Judaica II» (1992). Derzeit ist sie mit der Herausgabe einer sechsbändigen Ausgabe der «Schalom Ben-Chorin Werke» beschäftigt, deren Bände 2 «Ich lebe in Jerusalem» und 3 «Zwiesprache mit Martin Buber» in diesem Frühjahr im Gütersloher Verlagshaus erscheinen.

Dogmatik

Der fünfte in dieser Reihe, P. Wolfgang Müller OP, ist in Luzern kein Unbekannter. Der neue Professor für Dogmatik und Leiter des Ökumenischen Instituts Luzern wurde 1956 in Heidelberg geboren. Er studierte in Freiburg i.Br., Lyon, Montpellier und Paris Theologie und Philosophie. Seit seinem Eintritt in den Dominikanerorden im Jahre 1981 in Freiburg/Schweiz hat er seinen Lebensmittelpunkt in der Schweiz. 1989 promovierte er an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München in Dogmatik. 1992 habilitierte er sich in München für das Fach Dogmatik/Dogmengeschichte.


Theologische Fakultät der Universität Luzern
Prof. Edmund Arens, Dekan (Foto Benno Bühlmann).

Nach Tätigkeiten als Religionslehrer in Estavayer-le-Lac, als Schulseelsorger in Freiburg/Schweiz sowie Lehrstuhlvertretungen in Passau und Augsburg kam Müller 1996 nach Luzern, zunächst als Lehrstuhlvertreter für Dogmatik/Liturgiewissenschaft, dann für Dogmatik. Der 1987 zum Priester geweihte Dominikaner deckt ein breites Spektrum von Themen und Interessen ab und hat beachtliche Beiträge zu diversen Bereichen dogmatischer Theologie beigesteuert. Dazu zählen die Theologische Anthropologie, die Gnadenlehre, die Trinitätslehre sowie die Theologiegeschichte des 19. Jahrhunderts, die Symbol- und Sakramententheologie und ganz besonders der philosophisch-theologische Dialog mit französischen Denkern/Denkerinnen, vor allem mit Paul Ricoeur, Jacques Lacan, Emmanuel Levinas und Simone Weil.
Müllers im theologisch-philosophischen Diskurs angesiedelte Dissertation «Das Symbol in der dogmatischen Theologie. Eine symboltheologische Studie anhand der Theorien von K. Rahner, P. Tillich, P. Ricoeur und J. Lacan» erschien 1990 in Frankfurt im Peter Lang Verlag. Seine vor allem theologiegeschichtlich orientierte Habilitationsschrift kam 1994 unter dem Titel «Die Gnade Christi. Eine geschichtlich-systematische Darstellung der Gnadentheorie M. J. Scheebens und ihrer Wirkungsgeschichte» im EOS Verlag St. Ottilien heraus. Ein weiteres Werk, welches die Philosophie von Levinas trinitätstheologisch fruchtbar macht, behandelt «Die Theologie des Dritten. Entwurf einer sozialen Trinitätslehre». Es ist 1996 ebenfalls im EOS Verlag erschienen. Zusammen mit Imelda Abbt, mit der er in Verbindung mit der Association Simone Weil jährlich stattfindende Simone-Weil-Kolloquien leitet, hat Müller zudem einen wunderschönen Sammelband herausgegeben unter dem Titel «Simone Weil: Ein Leben gibt zu denken», St. Ottilien 1999. Der ebenso engagierten wie enigmatischen französischen Philosophin widmet sich auch Müllers Studie «Simone Weil: Das Wagnis eines Lebens», die 2001 vom Kanisius Verlag (Freiburg/Schweiz) publiziert wurde.
Fünf neue Professoren und Professorinnen an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Geballtes Potenzial für eine viel versprechende Zukunft von Theologie in der Schweiz, eine Theologie, welche ökumenisch, interdisziplinär und international angelegt ist, welche die Kommunikation untereinander und mit der kirchlichen Praxis sucht, eine wissenschaftliche Gottesrede, die das interdisziplinäre und internationale Gespräch fordert und fördert und darin bereits bestens eingebettet ist.


© Schweizerische Kirchenzeitung - 2002